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7. Bergfilm Festival Tegernsee – Die Preisträger 2009


 
28.10.09
 

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Ausverkaufte Säle, ein Publikum, das viele Fragen stellte, Filmemacher, die gute Antworten hatten, und hervorragende Produktionen voller Spannung, Emotionen und Überraschungen: Das Tegernseer Bergfilm-Festival begeisterte die Besucher und hat mit dem rumänischen Dokumentarfilm ‚Obcina‚ einen außergewöhnlichen Siegerfilm, der tiefe Eindrücke hinterlässt.
Es war ein langer, zum Teil auch recht anstrengender Zustieg, bis wir endlich hier am Einstieg angekommen sind„, sagte der künstlerische Leiter des Bergfilm-Festivals, Michael Pause vom Bayerischen Rundfunk, am Mittwoch bei der Eröffnung. Inzwischen ist der Gipfel erreicht, tausende Besucher haben sich in den vergangenen Tagen in den fünf meist ausverkauften Kinosälen der „Seilschaft Bergfilm-Festival“ angeschlossen, um sich in aller Ruhe voll auf die Herausforderung Bergfilm einzulassen. Ebenso wie die Juroren Lisa Eder (Deutschland), Marion Poitevin (Frankreich), Augusto Golin (Italien), Maciej Wojak (Polen) und Philipp Clarin (Deutschland), die bei den 86 zum Wettbewerb zugelassenen Filmen „sehr genau hingeschaut und sich nicht von berühmten Namen beeindrucken ließen„, freute sich Michael Pause nach einem Blick auf die Siegerliste. „Es sind außergewöhnliche Filme, die sich nicht in das derzeit moderne Fernsehklischee einordnen lassen„, betonte auch Sigi Menzel vom Bayerischen Rundfunk. Berühmte Namen sucht man so unter den Siegern ebenso vergeblich wie jene Gipfel und Aktionen, die oft herhalten müssen, wenn Bergsteiger auf Titelseiten klettern wollen.


Statt dessen begegnet man auf der „Tour“ durch die Siegerliste dem 16-jährigen Ioan Doyle, der berührend und voller Leidenschaft erzählt, warum er unbedingt bereits in seinem ersten Klettersommer die schwierigsten Routen zu Hause in Wales klettern will. Und er dabei auch noch – schweren Herzens, aber voller Überzeugung – von seiner Mutter unterstützt wird. Ein sehr persönliches Porträt, das die Jury vor allem durch die Nähe zu allen Protagonisten überzeugte und mit dem Preis des Deutschen Alpenvereins für den besten Alpinfilm ausgezeichnet wurde.
Großer Preis für einen leisen Film
Relativ schnell konnte sich die Jury einigen, welche Produktion in diesem Jahr ganz oben stehen soll: Die Reise führt in die Karpaten zu Stefan Cut, der mit seiner Familie Winter für Winter oben am Berg ausharrt, auch wenn das Leben unten viel einfacher wäre. Man spürt, wie viel Zeit sich Regisseur Björn Reinhardt gelassen hat, die Menschen in Obcina erst kennen und verstehen zu lernen, sich in ihre Situation hineinzufühlen, um dann die richtigen Bilder zu finden, die den Zuschauer ebenfalls verstehen lassen. Und ihn zwischendurch zum Schmunzeln bringen – ohne die Protagonisten dadurch der Lächerlichkeit preiszugeben. „Entschleunigung wird in diesem eindrucksvollen Film in allen Belangen ausgedrückt, sei es durch die Bildsprache, die Vertonung oder die gesamte Umsetzung„, freut sich Michael Pause über die Entscheidung der Jury, „Obcina“ den „Großen Preis der Stadt Tegernsee“ zu verleihen.
Nicht weniger überzeugend ist die Begegnung mit Olga und ihre Art, mit Zeit umzugehen. „Auch ‚Olga e il tempo‚ ist ein Film, in dem Entschleunigung die entscheidende Rolle spielt. Der aber auch vom Publikum fordert, sich voll darauf einzulassen und sich Zeit zu nehmen„, so Pause zu dem Film von Manuele Cecconello, der gleich zwei Preise (Beste Kamera und der „besondere Film“) mit nach Hause nehmen darf.
Mehr als nur zuschauen
Ob man mit diesem „langsamen Tempo“ dem Tegernseer Publikum in einer Zeit, in der Geschwindigkeit alles bedeutet, nicht zuviel zugemutet hat? „Nein„, ist Michael Pause überzeugt. „Vielleicht ist der große Zuspruch, den diese leisen Filme auch von jungen Zuschauern erfahren, der Reflex auf Modetrends wie Speedbegehungen. Außerdem gab es ja auch genügend begeisternde ‚klassische‘ Berg-Action-Filme im Programm.
Egal ob atemberaubende Kletterszenen oder stille Bilder einer Landschaft, das Publikum will nicht nur zuschauen: „Uns Moderatoren begeistert immer wieder aufs Neue, wie intensiv sich die Zuschauer auf das Thema Bergfilm mit all seinen Facetten einlassen, wie sehr sie den Austausch mit den Filmemachern suchen und die Chance nutzen, bei den Vorstellungen Fragen zu den Hintergründen zu stellen“, ist Sigi Menzel aufgefallen. Zu schätzen wissen diesen Austausch auch die Filmemacher: „Sie ahnen ja gar nicht, wie schön es ist, einmal nicht auf Quoten angewiesen zu sein, sondern hautnah mitzuerleben, wie ein Film bei den Zuschauern wirkt„, so Filmemacher Reinhold Rühl.
Filmer auf dem Gipfel
Schön, dass man sich hier immer über den Weg läuft„, freute sich einer der Produzenten. „Man“ traf sich bei den Filmvorführungen, im Festival-Forum, auf der Straße und im Cafe – und beim „Gipfeltreffen“ der Filmszene auf dem Wallberg am Samstag, hoch über dem Tegernsee, wo Filmemacher, Protagonisten und Prominenz in entspannter Atmosphäre Ideen und Eindrücke austauschten, Kontakte pflegten und die herrlichen Perspektiven genossen.
Hier oben auf dem Wallberg ist der einzigartige Charme dieses Bergfilm-Festivals besonders augenfällig: Die Einbindung dieses inzwischen international bedeutenden Bergfilm-Festivals in diese reizende Landschaft rund um den Tegernsee„, freute sich der Bürgermeister der Stadt Tegernsee, Peter Janssen. Nicht zuletzt dieser Harmonie sei es zu verdanken, dass das Bergfilm-Festival Tegernsee inzwischen nicht nur fester Bestandteil des Stadtlebens und des bayerischen Kulturkalenders, sondern auch ein fester Termin in den Kalendern der internationalen Bergfilmszene sei.
„Was für eine Werbung für Tegernsee“
Mehr Zuschauer, mehr Filmemacher und mehr Filme bedeuten natürlich auch mehr Arbeit für das Organisationsteam rund um Bürgermeister Peter Janssen und die über 100 freiwilligen Helfer, die unter anderem als Moderatoren, Filmvorführer oder Kassenpersonal tätig sind. Für sie hat das Festival eher den Charakter einer „Speedbegehung„, Zeit für Entschleunigung bleibt ihnen keine. „Es ist ungeheuer viel Arbeit, aber alle sind mit voller Freude und Begeisterung dabei. Dies ist sicher auch ein Punkt, warum die Atmosphäre so entspannt und angenehm ist„, freut sich Janssen über die große Einsatzbereitschaft.
Natalie Petrova, die Direktorin des Internationalen Bergfilm-Festivals von Bansko in Bulgarien, die zum ersten Mal in Tegernsee zu Gast war, kann dies nur bestätigen: „Man spürt, dass der gesamte Ort hinter diesem Festival steht, dass alles zusammenpasst, und das ist fantastisch.“ Es fasziniere sie immer aufs Neue, dass jedes Bergfilm-Festival seinen ganz eigenen Charakter habe, obwohl immer die ähnlichen Filme laufen. „Jedes Festival ist geprägt von den Menschen, der Kultur, speziell der Bergkultur der jeweiligen Region. Das ist hier sehr intensiv spürbar. Was für eine Werbung für Tegernsee!“ Sie genieße es besonders, zwischen den Filmterminen ganz in Ruhe durch den Ort zu schlendern, Ausblicke zu genießen, sie wirken zu lassen – und einmal einfach Zeit zu haben.
Alle Preisträger des Bergfilm Festivals Tegernsee 2009
Großer Preis der Stadt Tegernsee (€ 3.000,-)
»Obcina« von Björn Reinhardt, Rumänien
Preis des Deutschen Alpenvereins für den besten Alpinfilm der Kategorie »Erlebnisraum Berg« (€ 1.000,-)
»Dringo I’r Eitha‘ (Climbing to the Limits« von Alun Hughes, Wales/UK
Preis in der Sonderkategorie »Berg-Tier-Film « (€ 1.000,-)
»Yak!« von Jan Kerckhoff, Deutschland/Nepal
Preis in der Kategorie »Naturraum Berg« (€ 1.000,-)
»Leise rieselt der Schnee« von Klaus Steindl, Österreich
Preis in der Kategorie »Lebensraum Berg« (€ 1.000,-)
»Churubamba – Frauen am Ball« von Carmen Butta, Deutschland/Frankreich
Nachwuchspreis
»El ultimo Hielero del Chimborazo« von Anne Farrer, Frankreich
Preis für die beste Kameraleistung (undotiert)
»Olga e il tempo« von Manuele Cecconello, Italien
Preis für die überzeugendste Landschaftsdarstellung (undotiert)
»Baffin: L’île aux enfants« von Sam Beaugey, Frankreich
Preis für den besonderen Film (undotiert)
»Olga e il tempo« von Manuele Cecconello, Italien
Publikumspreis
„Sherpas – Die wahren Helden am Everest“ von Frank Senn/Otto C. Honnegger/Hari Thapa, Frankreich/Schweiz

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