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Die Alpen von ihrer schwierigen Seite Solo per vecchi guerrieri


 
06.07.10
 

© Damiano Levati

Das erste Ziel dieses Sommers ist erreicht. Die Bewältigung des ‚Solo per vecchi guerrieri‘ (‚Nur für alte Kämpfer‚), eines 8c-Aufstiegs mit 150 Höhenmetern. Die Wand trägt die deutliche Handschrift von Manolo Zanolla: eine vertikale Steinwand, gute Felsqualität und sehr, sehr schwierig – europaweit einer der schwierigsten Steilwandaufstiege seiner Art.

Sieht man den Anstieg von unten, so kann man seinen Beginn mit den langen Ausläufern der Schwierigkeitsstufen 7c, 7b+/7c, 8b und 8c nur bewundern. Doch all das überrascht wenig, wenn man bedenkt, dass der visionäre italienische Bergsteiger, der für seine schwierigen Aufstiege und freien Solos bekannt ist, mit dem ‚Il mattino die maghi‘ den ersten 8a-Aufstieg in ganz Europa gemeistert hat.

© Damiano Levati

Die erste Seillänge unseres Aufstiegs – insgesamt waren es vier – war 30 Meter lang und es gab nur einen einzigen Bohrhaken in der Mitte. Für uns bedeutete das vier Tage harte Arbeit bei typischem Dolomiten-Wetter, das innerhalb weniger Minuten umschlagen kann. Am ersten Tag brachen wir im Dorf Aune auf, um die Wand zu suchen, die wir drei Stunden später auch fanden. Es blieb nur noch genug Zeit für Ikers Versuch an der ersten Seillänge, bevor uns der Regen zwang aufzuhören. Am zweiten Tag konnten wir die ersten drei Seillängen bewältigen und wurden dann wieder vom Regen unterbrochen. Am dritten Tag schafften wir endlich die gesamte Route, doch es regnete schon wieder, und ein drittes Mal mussten wir aufgeben. Es goss so sehr, dass wir völlig durchnässt waren und vor Kälte blau anliefen, während wir drei Stunden lang in der Sicherung darauf warteten, dass die Bergwand trocknete. Der vierte Anlauf war schließlich der erfolgreiche, und auch das Wetter spielte mit, auch wenn es nach Gewitter aussah. Dieser vierte Tag war der einzige, an dem wir ohne Probleme klettern konnten.

Im Rückblick war der faszinierendste Augenblick – neben der Bewältigung des Aufstiegs selbst – unsere Begegnung mit Manolo. Drei Stunden lang plauderten wir mit dieser lebenden Bergsteigerlegende, dem Mann, der 1981 die erste europäische 8a geschafft hat und vor nur zwei Jahren – zur Feier seines 50. Geburtstags – mit dem Eternit seine jüngste 9a geklettert ist. Ich glaube, die Namen seiner letzten beiden Anstiege – Solo per vecchi guerrieri und Eternit – spiegeln sehr gut sein heutiges Verhältnis zum Klettern wider. Es war auch eine tolle Erfahrung, unsere Ansichten über die vertikale Welt mit ihm zu teilen, die seinen in den meisten Punkten sehr ähneln. Wir alle sind überzeugt, dass es eine Art moralische Verpflichtung gibt, bei Anstiegen wie dem Solo per vecchi guerrieri unten anzufangen, weil das der Art und Weise entspricht, wie sie eröffnet wurden. Aus Respekt vor der Philosophie derjenigen, die diese Routen eröffnet haben – was in diesem Fall sehr viel Mut erfordert haben muss – wiederholen wir ‚ihren‚ Weg, weil wir wissen, dass die Vision und das Glück, der Erste zu sein, mit nichts zu vergleichen sind. Damit zeigen wir auch unsere Dankbarkeit gegenüber all den Freunden der Dolomiten, die uns geholfen haben und unsere Vorgänger waren. Wir gratulieren Euch zu Eurer außerordentlich großartigen Arbeit, denn diese Route ist fantastisch!

Eneko & Iker Pou

Quelle: Krauts

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