Edelrid – Klettersteigsets Edelrid überarbeitet Klettersteigsets gemäß neuem DAV-Prüfverfahren


 
03.10.12
 

Früher galt das Ziel, einen Berggipfel zu erklimmen. Heute sind Klettersteige adrenalinauslösender Zeitvertreib. Doch was, wenn die Sicherheitsausrüstung plötzlich nicht mehr das erfüllt, was sie eigentlich soll – das Leben des Bergsportlers im Notfall retten. Ausgerechnet mitten in der Hochsaison des Sommers 2012 kam es daher zum Rückruf zahlreicher Klettersteigsets durch verschiedenste Hersteller. Ein besorgtes Raunen ging durch die Reihen der Outdoor-Branche. Denn schließlich wurde das Vertrauen der Klettersteig-Fans in ihr Equipment enorm belastet.

Die Ausgangslage:

Ausschlaggebend war ein tragischer Klettersteigunfall in Tirol, bei dem ein junger Mann aufgrund eines gerissenen Leih-Klettersteigsets in die Tiefe stürzte und sich dabei tödlich verletzte. Eine weitere Ursache liegt wohl auch in der stetig steigenden Beliebtheit der sogenannten „via ferratas“ (ital.: Eisenwege), die immer öfter auch mit Klettersteigsets aus Verleihbetrieben begangen werden. Da diese Sets weit häufiger im Einsatz sind, als im persönlichen Besitz eines Einzelnen, erhöht sich konsequenterweise auch das Risiko für Schäden und Abnutzungserscheinungen am Material.

Um diesem Wandel in der Anwendung zu begegnen, hatte die Sicherheitsforschung des DAV mit der TÜV Süd GmbH im August 2012 ein Prüfverfahren für Langzeitbelastung von elastischen Klettersteigsets entwickelt und dabei einen möglichen Sicherheitsmangel bei diversen Klettersteigsets entdeckt, die über entsprechende elastische Y-Äste verfügen. Auch Edelrid war mit zahlreichen Materialtests beteiligt und  entwickelte für die zurückgerufenen Sets eine eigene Lösung, die beim Austausch der elastischen Arme direkt angewandt wurde.

Langzeitbelastung und Test:

Der Verleihbetrieb ist eine relativ junge Entwicklung und stellt die Klettersteigset-Entwickler vor neue Rahmenbedingungen. Denn der gültige Industriestandard für Klettersteigsets scheint überholt zu sein. Aus diesem Grund werden in dem neuen Prüfverfahren für Langzeitbelastung die elastischen Arme mindestens 50.000x ge- und wieder entspannt. Die Norm bestanden hat ein Klettersteigset allerdings erst, wenn es sowohl die 50.000 Zyklen als auch die dynamische Prüfung in der Zugprüfmaschine bestehen konnte.

Um den Sinn des Test verständlich zu machen, hier ein Beispiel aus der Praxis: Ein Klettersteig ist im Durchschnitt ca. 400 m lang. Beim Besteigen wird das Set ca. 300x gespannt und wieder entspannt. Es erfährt also rund 300 Belastungszyklen pro Nutzung. Das heißt: Im Durchschnitt geht ein Hobby-Klettersteig-Geher pro Jahr gut 5 Klettersteige und belastet das Set mit etwa 1.500 Zyklen. Ein ambitionierter Klettersteig-Geher absolviert rund 15 Klettersteige pro Jahr und „belastet“ das Set mit rund 4.500 Zyklen. Währenddessen ist ein Verleihset innerhalb eines Jahres gut 75x im Einsatz, wodurch es im Verlauf einer Saison etwa 22.500 Belastungszyklen standhalten muss.

Ein solches Set sollte in diesem Falle spätestens nach 2 Jahren (entspricht 150 Klettersteigen und 45.000 Zyklen) ausgetauscht werden. Denn bei optimaler Wartung und Lagerung kann von einer Lebensdauer von max. 50.000 Zyklen ausgegangen werden. Diese kann sich bei unsachgemäßer Nutzung und Lagerung jedoch deutlich verringern. Da aber der Verleihbetrieb nicht reglementiert ist, gibt es kein Hoheitsrecht für Bergschulen oder Bergführer. Somit gehören auch Restaurants, Bergbahnen und Modegeschäfte zu den Verleihern von Klettersteigsets. Da die Sets zur Kategorie der „Persönlichen Schutzausrüstung“ (PSA) zählen, sollte der fachgerechte Umgang und die regelmäßige Kontrolle der Funktion gewährleistet werden können, d.h. tägliche Kontrolle und Dokumentation durch entsprechend geschultes Personal.

Überarbeitung der zurückgesendeten Klettersteigsets bei EDELRID:

Auch EDELRID testete auf Basis des DAV-Prüfverfahrens verschiedene Materialien, die für die elastischen Karabineräste eingesetzt werden können. Und fand schließlich eine Lösung zur Erfüllung der neuen Anforderungen, indem die Materialisierung gewechselt und die elastischen Bänder mit einer neuen Ausrüstung versehen wurden. So weist das neue Band auch nach intensivem Gebrauch einen hohe Sicherheitsreserve auf, die weit über den Anforderungen des neuen Testverfahrens liegt.

Seit dem 03. September 2012 werden nun die vom Rückruf betroffenen 7 Modelle überarbeitet und fachmännisch mit dem neuen Band versehen. Die ausgetauschten Karabineräste sind leicht an der neuen Farbgebung zu erkennen: so verfügt einer der beiden Äste über einen grünen Streifen und der andere über einen blauen Streifen in der Mitte des Bandes.

Das Fazit:

Auch wir haben unser Cable Light 2.0 Klettersteig-Set eingeschickt und waren beeindruckt von der raschen Bearbeitung und die fortlaufende Benachrichtigung über den aktuellen Bearbeitungsstatus. Ausgetauscht wurden sowohl die Y-Äste und scheinbar auch der Bandfalldämpfer. Lediglich die Karabiner sowie die Einbindeschlaufe sind vom ursprünglichen Set übriggeblieben. Als kleines Trostpflaster für den Aufwand bzw. die Unannehmlichkeiten wurde jedem Set ein HMS-Karabiner von EDELRID beigelegt. Ein kleiner Wehrmutstropfen bleibt dennoch, denn schließlich ist die aktuelle Saison nun vorbei. Aber unter Berücksichtigung der Sachlage in punkto Sicherheit ist der Rückruf mehr als vertretbar. Also „Safety First“ und der nächste Sommer kommt bestimmt.

Weitere Infos zu den betroffenen Klettersteigsets sowie Kontaktdaten von Edelrid bzgl. Fragen im Falle eines Umtauschs gibt’s hier: http://www.edelrid.de/recall/

Quelle: EDELRID GmbH & Co. KG
Redakteur: Veit Schumacher

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