Erfahrungsbericht – Guidefinder-App Per digitalem Outdoor-Service in die knallharte Realität der Single-Trails


 
02.09.15
 

Wie kann man am besten einen neuen Online-Service wie Guidefinder testen, mithilfe dessen man in wenigen Klicks geführte Bergtouren mitsamt ausgebildetem Guide oder staatlich geprüften Berg- und Skiführer suchen, daran teilnehmen oder eigene Vorhaben einstellen kann? Klar, man probiert es einfach selbst aus. Dafür muss lediglich die neue Guidefinder-App heruntergeladen und auf dem Smartphone installiert werden. Kein Hexenwerk und binnen weniger Sekunden erledigt. Was es dann noch braucht, sind die üblichen Schritte, um ein eigenes Profil zu erstellen. Fehlen noch ein kurzer Infotext zur Person, die obligatorischen Kontaktdaten und ein paar Angaben zum eigenen Skill-Level in den bevorzugten Outdoor-Aktivitäten – fertig. Mehr braucht es nicht, um als aktives Mitglied bei Guidefinder neue Touren einzustellen oder sich für die angebotenen Abenteuer anderer „bewerben“ zu können – sei es nun zum Mountainbiken, Skitourengehen, Klettern oder was sonst noch das Herz eines jeden Outdoorsportlers höher schlagen lässt.

2-tägiger Härtetest – per Mountainbike quer durchs Karwendel

Zu einer meiner großen Leidenschaften im Outdoorbereich zählt das Mountainbiken. Allerdings war ich bisher überwiegend aufstiegsorientiert unterwegs und tat mich recht schwer, den Weg zurück ins Tal über verblockte Trails auf mich zu nehmen. Zeit wurde es also, mich endlich der Herausforderung zu stellen und in eher ungewohntes Terrain einzusteigen. Deshalb jedoch gleich einen Guide zum eigenen Vergnügen zu buchen, erschien mir bisher als ein viel zu teurer Spaß. Die Lösung: Man nimmt an einem der von der Guidefinder-Crew angebotenen „Premium-Events“ teil, bei denen neben dem Outdoorspaß an sich auch das Ausprobieren verschiedener Outdoormarken aus dem jeweiligen Segment im Vordergrund steht. So auch bei der durch den staatlich geprüften Berg- und Skiführer Michael Stricker organisierten 2-tägigen Mountainbike-Trailtour quer durchs Karwendel. Mit nur einem Klick hatte ich mein Interesse bekundet und musste dann nur noch auf eine Reaktion seitens der Organisatoren warten. Die kam denn auch prompt und schon war ich mit am Start.

Gemeinsam mit den anderen Teilnehmern ging es in aller Hergottsfrühe von München aus im „Sammeltaxi“ nach Sistrans in Tirol, ein oberhalb von Innsbruck gelegenes Dörfchen, wo unser Guide gemeinsam mit seiner Frau und drei Kindern sein persönliches Basecamp aufgeschlagen hat. Gutgelaunt begrüßte uns der gebürtige Zillertaler mit festem Händedruck und lud uns kurzerhand zum Frühstück mit Blick auf die Innsbrucker Nordkette ein. Einen besseren und vor allem persönlicheren Einstand zum Kennenlernen des Guides kann man eigentlich gar nicht erwarten. Anschließend wurde das von jedem Einzelnen mitgebrachte Equipment noch einmal überprüft und durch die bereits erwähnten Testprodukte der verschiedenen Outdoormarken wie EVOC, ION bike, Jetboil, Lupine und MOUNTAIN EQUIPMENT ergänzt. Schließlich sollte jeder für die knackigen Aufstiege, anspruchsvollen Trails und eine Nacht unter freiem Himmel bestens gerüstet sein.

Total verblockt – wer sein Rad liebt, der schiebt.

Ein Großteil der Ausrüstung verblieb jedoch im VW Bus, damit wir die zum Teil recht anspruchsvollen Trails (S2-S3) unbelastet genießen konnten. Denn ohnehin hatten wir genug zu tragen, als wir nach der Bergfahrt mit der Gondel in einigen Passagen unser Mountainbike schultern mussten, um zum eigentlichen Start des Single-Trails zu gelangen – unter den entgeisterten Blicken der Wanderer und Gondeltouristen: „Ich hab ja schon so meine Probleme ohne Mountainbike hier sicher unterwegs zu sein und jetzt kommt ihr hier mit dem Radl daher gelaufen“ meinte ein älterer Herr, der uns bereitwillig den Weg für den „Zustieg“ frei machte. Unterwegs trafen wir dann noch eine rüstige Bergsportlerin, die „ja schon viel in ihrer Bergsteigerlaufbahn erleben durfte, aber Mountainbiker im hochalpinen Bereich noch nicht.“ Und auch ein Arzt der Notfallambulanz im Innsbrucker Krankenhaus ließ es sich nicht nehmen, uns darauf hinzuweisen, dass er erst am Nachmittag wieder im Dienst sei. Mediziner haben ja bekanntlich ihren eigenen Humor.

Nach einer kleinen Stärkung auf der Hütte ging es anschließend mit viel Tatendrang und noch mehr Anekdoten über Stock und Stein zurück ins Tal. Wer allerdings wie ich noch nie verblockte Trails gefahren ist, der tut sich anfangs recht schwer im Tanz um Steine und Wurzelwerk. Immerhin hatte ich viel zu lachen über mein eigenes Unvermögen. Irgendwann hatte ich den Dreh endlich raus und musste feststellen, dass Klickies im Downhill-Bereich dann doch eine gewisse Erfahrung voraussetzen und Spitzkehren zu fiesen Fallen werden können – inklusive Vollkörperkontakt mit dem Untergrund. Wieder etwas gelernt und mal ehrlich, Blessuren gehören einfach zur Lernkurve dazu. Demgegenüber jagte unser Guide förmlich spielerisch die Serpentinen hinunter. Aber auch ein Vollblut-Biker wie Michael Stricker kennt seine Grenzen und erst recht die seiner Schützlinge. So wartete er geduldig an den besonders heiklen Stellen, achtete stets auf die Sicherheit seiner Begleiter und erkundigte sich lieber einmal mehr als zu wenig nach dem Befinden jedes einzelnen. Ansonsten vertrieb sich unser Guide die Zeit mit dem Fotografieren unserer ambitionierten aber teils wohl recht amüsant anmutenden Fahrversuche. So hatten wir am Ende wenigstens ein paar Bilder von der Tour, denn selbst verliert man im Trail kaum einen Gedanken daran, die Kamera auszupacken. Meine Zeit sollte allerdings noch kommen, als es nach dem Einkauf der nötigen Verpflegung für die Biwak-Nacht schließlich mit Sack und Pack rund 1.000 Höhenmeter nach oben zu strampeln galt. Plötzlich war ich ganz vorn mit dabei. Während wir heftig schnauften und in die Pedale traten, plauderte unser Guide über Gott und die Welt und stellte munter Frage um Frage, vermutlich in Erwartung einer Antwort.

Positive Grenzerfahrung – wenn aus Frust die Lust am Trail wird.

Völlig ausgepowert erreichten wir schließlich unser Ziel – einen rund 2.200 m hohen Gipfel oberhalb von Innsbruck, wo eine Feuerstelle zum Verweilen einlud und wir unsere Biwaksäcke ausbreiteten. Zwar war Regen angekündigt, aber wir sind ja schließlich nicht aus Zucker. Am prasselnden Lagerfeuer sitzend, genossen wir bis tief in die Nacht bei Wein und Schnaps aus Plastikbechern eine gediegene Brotzeit. Schöner kann man einen erlebnisreichen Tag kaum ausklingen lassen. Oder doch? Mitten in der Nacht kam dann doch der versprochene Wolkenbruch und hinterließ ein klammes Gefühl, der Natur schutzlos ausgeliefert zu sein. An Schlaf war da kaum zu denken. Etwas durchnässt und steif in den Gliedern ging es am nächsten Morgen auf rutschigen Pfaden nach unten. Was sich am Tag zuvor schon schwierig gestaltete, entpuppte sich nun als echte Herausforderung. Man gönnt sich ja sonst nichts. Also Augen zu und Bremsen auf. Und damit es gar nicht erst langweilig wird, fuhren wir auf der anderen Seite direkt mit der Gondel wieder hinauf auf Innsbrucks Hausberg, um von dort aus unseren letzten Trail hinter uns zu bringen. Schade eigentlich, hatte es doch gerade erst angefangen, so richtig Spaß zu machen, und war der anfängliche Frust über das eigene Unvermögen einer regelrechten Lust am Biken gewichen.

Was für ein Erlebnis, dachte ich mir nur, als wir am Ende unsere Bikes verluden und ich mir mit etwas Stolz die geschundenen Stellen am Körper rieb. Single-Trails werden wohl nie meine große Leidenschaft werden, dafür bin ich aber wieder um ein paar Erfahrungen reicher: Mountainbiken mit Guide und Gleichgesinnten weitab künstlich angelegter Bikeparks und überlaufener Wanderrouten macht einfach mehr Spaß als sich allein in flowige Trails zu begeben. Vor allem im Hinblick darauf, dass der Guide sich um die komplette Organisation kümmert und für die nötige Orientierung sorgt, damit man sich selbst voll und ganz auf das Erlebnis an sich konzentrieren kann. Bleibt noch die positive Erkenntnis, dass ein digitaler Service durchaus dafür gut sein kann, die reale Welt und die eigenen Grenzen völlig neu zu entdecken.

Weitere Infos zu Guidefinder gibt’s unter: www.guidefinder-app.com

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Bilder