Erfahrungsbericht – Hanwag Alpine Experience 2016 A schware Partie für mi – im Wintereinbruch auf den Zugspitz-Gipfel


 
30.09.16
 

Nach einem erfolgreichen Auftakt im Jahr 2014 fand die Hanwag Alpine Experience bereits zum dritten Mal in Folge am Eibsee bei Grainau statt. Ziel des mehrtägige Events war wie immer Deutschlands höchster Gipfel, der auf vier verschiedenen Routen (Reintal, Höllental, Stoppselzieher und Jubiläumsgrat) bestiegen werden sollte. Jede davon ist auf ihre Art besonders und bietet Bergsteigern mit unterschiedlichem Können ein wahres alpines Erlebnis – eine echte Alpine Experience eben. Dieses Jahr folgten insgesamt 60 Teilnehmer bestehend aus Kunden, Medienvertreten und Gewinnspiel-Siegern der Einladung der bayerischen Traditionsschusters Hanwag um unter tatkräftiger Unterstützung der Bergführer von Mountain Elements ihren ganz persönlichen Gipfel-Erfolg auf der Zugspitze feiern zu können.

Begrüßung auf boarisch. (©airFresching.com)

Auch für Mitch aus dem aF-Team sollte es nach über sechs Jahren an Klettereien jeglicher Art, alpinen Bergtouren und vielen Gipfelsiegen endlich einmal mit einer Besteigung der Zugspitze klappen. Warum? Das mag an seiner persönlichen Einstellung liegen, die von den Massen beliebten Ziele eher zu meiden. Aber das soll hier nicht das Thema sein. Dementsprechend weniger schwer fiel ihm auch die Wahl der gewünschten Aufstiegsroute: Der Jubiläumsgrat sollte es sein – eine Route, die bergsteigerisches Können in höherem Maße voraussetzt und sehr reizvoll für all jene ist, die es gerne etwas luftiger mögen. Genau die richtige Herausforderung für einen bergsportbegeisterten Frischluftfreund und für eine Erstbesteigung von Deutschlands höchstem Gipfel. Dementsprechend groß war denn auch die Vorfreude auf die Hanwag Alpine Experience 2016. Doch beim Bergsteigen es immer anders kommen und manchmal eben anders als man denkt – ein persönlicher Erfahrungsbericht.

Ankunft Hanwag Alpine Experience 2016 – Meet & Greet auf boarisch am Eibsee (Greinau):

Im Gegensatz zu vielen anderen Event-Teilnehmern aus 10 verschiedenen Nationen: Holland, Belgien, Dänemark, Norwegen, USA, Finnland, England Schweden, Österreich und anderen Teilen Deutschlands war für mich die Anreise aus München an den Eibsee (Grainau, bei Gramisch-Partenkirchen) ein wahrer Katzensprung. Nach dem obligatorischen Check-in fand am frühen Abend dann die Begrüßung sowie das Briefing seitens des Hanwag Event-Teams und den Bergführern von Mountain Elements statt. Nach einer kurzen Vorstellung des bayrischen Bergschusters durch Alex Koska (Geschäftsführer Hanwag) übernahmen die Experten von Mountain Elements das Wort, um uns über die geplanten Aufstiegsrouten für die nächsten beiden Tage zu informieren.

Der Briefing-Raum im Eibsee-Hotel. (©airFreshing.com)

Doch die vorgetragenen Neuigkeiten fielen für jeden Einzelnen im Raum mehr als nur ernüchternd aus, da es wetterbedingt nicht vertretbar wäre, über den Jubiläumsgrat, den Stopselzieher oder das Höllental zum Gipfelk der Zugspitze aufzusteigen. Schuld daran waren die in diesen Tagen anhaltenden Regenfälle und der erste Schnee des Jahres, welcher sich in den höheren Lagen bereits festgesetzt hatte. Denn gerade nasser Fels, Neuschnee und Eis sind ein absolutes „No Go“ für die besagten Aufstiegsrouten. Zumal bei einem offiziellen Event wie der Hanwag Alpine Experience in der Regel auch weniger bergerfahrene Teilnehmer dabei sind. Dementsprechend fiel die Wahl letztendlich und gezwungenermaßen auf die einzig mögliche, ungefährliche und verhältnismäßig einfache Route durchs Reintal.

Well prepared, die Ausrüstung für die Teilnehmer der Hanwag Alpine Experience 2016. (©airFreshing.com)

Nach Einteilung der Gruppen und Ausgabe der Hanwag Bergschuhe an alle Teilnehmer ging es zum gemeinsamen Abendessen ins Eibsee-Hotel. Und wie es sich für zünftige Bergsteiger gehört, war von schlechter Stimmung natürlich überhaupt keine Spur. Warum auch, schließlich kann man nun mal gegen schlechte Wetterbedingungen nichts ausrichten. Ganz im Gegenteil, jeder war gespannt darauf, was wohl die nächsten Tage zu erwarten sein würde. Denn die Wettervorhersage stellte keinerlei Aussicht auf Besserung in Aussicht.

1. Tag – Mit Schirm, Hardshell und dem Hanwag Ferrata Combi GTX® durchs Reintal:

Am nächsten Morgen starteten wir dann in insgesamt drei Gruppen und mit je einer Stunde Vorsprung auf die geplante Route: Partnachklamm – Bockhütte (1.052 m) – Reintalangerhütte (1.366 m) – Knorrhütte (2.052 m) – Zugspitzplatt (2.656 m) – Gipfel Zugspitze (2.962 m).

Klein aber fein, die Partnachklamm bei Partenkirchen. (©airFreshing.com)

Gut gelaunt aufgrund des doch sichtlich guten Wetters (es regnete nicht) ging es durch die Partnachklamm zur Bockhütte. Allerdings begann es bereits nach ca. 1,5 Std. zu regnen, als wir von der Bockhütte in Richtung Reintalangerhütte aufbrachen. Um nicht total durchnässt zu werden, suchten einige der Teilnehmer trotz Regenjacke den Schutz unter einem Regenschirm. Schließlich galt es, so trocken wie möglich auf der Reintalangerhütte anzukommen. Denn es war nicht zu erwarten, dass völlig durchweichte Klamotten in einer voll besetzten Hütte (ca. 90 Personen, ohne Hüttenpersonal) bis zum nächsten Tag trocknen würden. Trotz Schirms weichte die ein oder andere Hardshell dann doch zügigf durch. Doch eines hatten alle Teilnehmer gemeinsam: trockene Füße dank der wasserdichten Gore-Tex Bergschuhe von Hanwag.

Bestens gerüstet, ging es aber der Bockhütte mit dem Regenschirmen weiter. (©airFreshing.com)

Der eine mehr und der andere weniger feucht erreichten alle Teilnehmer der Hanwag Alpine Experience ohne größere Probleme die Reintalangerhütte. Schon am frühen Abend stand fest, dass es wohl in dieser Nacht nichts mit der Hüttenruhe wird. Unterstüzt durch Gitarren- und Gesangs-Einlagen des Hüttenpersonals, der Bergführer und so manchem Event-Teilnehmer war es ein ziemlich griabiger und typisch boarischer Hüttenabend in trauter Vielsamkeit, der uns noch lange in Erinnerung bleiben wird.

2. Tag – im ersten Wintereinbruch des Jahres auf dem Weg zum Zugspitz-Gipfel:

Im Regen marschierten wir dann am darauffolgenden Tag die ersten Höhenmeter durch das Brunntal bis hinauf zur Knorrhütte (2.052 m). Von dort an wurden die Wetterbedingungen zunehmend extremer, der Regen verwandelte sich in Schneeregen und der Wind frischte ordentlich auf.

Mystische Stimmung auf den ersten Höhenmetern zur Knorrhütte. (©Hanwag)

Auch die Sicht reduzierte sich auf wenige Meter und so stapften wir förmlich „benebelt“ durch den ersten Schnee des Jahres in Richtung Zugspitzplatt. Durch den bereits über Nacht gefallenen Neuschnee und den darunterliegenden nassen Felsuntergrund galt es, jeder Schritt wohl überlegt zu setzen. Dadurch reduzierte sich unser Aufstiegstempo ganz von selbst. Zwar hatte jeder Teilnehmer für die herrschenden Bedingungen das perfekte Schuhwerk von Hanwag an den Füßen, dennoch hieß es in den steilen Passagen: „Two steps forward, one step backward“.

Der Regen ging in Schneefall über, noch ist die Sicht gut.  (©Hanwag)

Nach einer kurzen Lagebesprechung an der Liftstation Sonnalpin (2.576 m) entschieden sich die Berführer dafür, die Gruppe zu teilen und nur mit ca. der Hälfte der Teilnehmer über die bereits komplett eingeschneite, steile, teils versicherte Flanke zum Zugspitzgipfel in Angriff zu nehmen. Die reduzierte Größe der Gipfelgruppe war aufgrund der bis zu ca. 30 cm hohen Neuschneeschicht, der überaus schlechten Sicht und des anhaltenden Schneefalls mehr unausweichlich. Nur so konnte für jeden Teilnehmer ein sicherer Aufstieg über den drahtseilversichterten Steig gewährleistet werden.

Schlechte Sicht und eine hohe Schneeauflage erschweren den Aufstieg zum Zugspitz-Gipfel. (©Hanwag)

Dank der ausgezeichneten Vorarbeit der Bergschule Mountain Elements erreichten bereits zwei Stunden später alle Teilnehmer der Hanwag Alpine Experience 2016 sicher den Gipfel – der eine Teil zu Fuß, der andere Teil mit der Bahn.

Jubel und strahlende Gesichter, trotz schlechter Sicht. Die Gipfelgruppe der Hanwag Alpine Experience 2016. (©Hanwag)

Nach einer Stärkung im Müncher Haus ging es für alle Teilnehmer im Anschluss mit der Eibsee-Bahn zurück ins Tal. Am Abend gab es dann für alle ein wohlverdientes BBQ im typisch bayrischen Stil auf der Eibsee-Alm und angeregte Gespräche über das Erlebte.

O´zapft is. Auftakt zum wohlverdienten BBQ. (©airFreshing.com)

Zu Hause bei Hanwag – Firmenbesichtigung in Viehkirchen:

Zum Abschluss ging es am nächsten Tag für alle Teilnehmer noch zu einer exklusiven Firmenbesichtigung nach Viehkirchen, dem Hauptquartier von Hanwag. Hier am Standort in der Nähe von München hat die Entwicklungsabteilung des bayrischen Bergschusters hier ihren Sitz, mit direktem Anschluß in die Produktion.

Der bayrische Bergschuster Hanwag steht zu seinen Wurzeln. (©airFreshing.com)

Neugierig und aufmerksam wandelten wir durch die einzelnen Produktionshallen und konnten jeden einzelnen Schritt der Entstehung eines Bergschuhs genauestens begutachten. Die Mitarbeiter von Hanwag standen dabei Rede und Antwort und informierten bereitwillig über Techniken, Materialien und Nachhaltigkeit hinsichtlich der Herstellung.

Blick in die Produktionshalle im Hanwag Hauptquartier in Viehkirchen. (©airFreshing.com)

Hanwag Alpine Experience 2016 – airFreshing.com sagt DANKE:

Auch wenn das Wetter nicht wirklich mitspielen wollte, letztlich haben alle Teilnehmer  ihr Bestes gegeben, um trotz recht anspruchsvoller Bedingungen den Gipfel der Zugspitze zu erreichen. Natürlich war es sowohl für die Organisatoren, Bergführer und die Teilnehmer sehr schade, dass die drei geplanten Routen aufgrund des massiven Regens und des ersten Wintereinbruch in diesem Jahr nicht begangen werden konnten. Doch das Tat der guten Stimmung keinen Abriss und das gesamte Event war einfach grandios. Auch Mitch vom aF-Team hat sich sehr gefreut, die zahlreichen leidenschaftlichen Bergsportler und Bergsteiger aus den verschiedensten Ecken der Welt kennengelernt zu haben. Letztendlich zählt ja bekanntlich der Weg und nicht immer nur das Ziel, das ja am Ende trotzdem erreicht werden konnte. Dementsprechend geht ein ganz großes DANKE an die Guides von Mountain Elements und an das gesamte Hanwag Event-Team. Es war ein unvergessliches Event und wer weiß, vielleicht klappt es ja beim nächsten Mal dann auch mit dem „Gipfelsturm“ über den Jubigrat!

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