Erfahrungsbericht – Jack Wolfskin #GoBackpack Camp Ferien auf Saltkrokan…äh…Bergholmarna


 
04.08.19
 

Eine einsame Insel inmitten der schwedischen Schärenlandschaft, zahlreiche Outdoorsportarten zum Ausprobieren, informative Workshops, bekannte Musik-Acts und 30 Gleichgesinnte – das sind die Grundzutaten für das erste „Insel Outdoor Camp“ von Jack Wolfskin. Im Frühjahr 2017 stellte die deutsche Outdoormarke ihre neue Digital-Kampagne unter dem Motto #GoBackpack vor. Eine charmante „Social-Media-Geldzurück-Aktion”, mit der die Idsteiner junge Backpacker und Weltenbummler bei ihren abenteuerlichen Reisen unterstützen möchte. Anschließend folgte das nächste Level, bei dem sich Abenteurer aus aller Welt für ein exklusives Outdoor-Event bewerben konnten.Vom 20. bis 28. Juli hatten 90 Teilnehmer aufgeteilt in drei Gruppen die Chance, einen jeweils dreitägigen Aufenthalt auf der Privatinsel Bergholmarna zu gewinnen. Der Andrang auf die Plätze war riesig und über 20.000 Bewerbungen gingen bei Jack Wolfskin ein. Doch bevor die offiziellen Teilnehmer des #GoBackpack-Camps ihre Zelte beziehen konnten, durfte sich eine kleine Gruppe ausgewählter Journalisten einen ersten Eindruck verschaffen und drei einmalige Tage auf der kleinen Insel erleben. Wir waren bei dem etwas anderen Outdoor-Event rund 40 km entfernt von Stockholm mit dabei und geben euch einen Einblick in das erste #GoBackpack-Camp von Jack Wolfskin.

 Auf in den Norden – die Inselauszeit ruft!

Es nieselt, der Himmel ist wolkenverhangen und grau, dazu gibt’s kühle 15 Grad. Es ist Sommer in Schweden. Die Ankunft in Stockholm ist nicht gerade vielversprechend. Die Aussicht auf drei Tage Campen im Regen lässt mich nicht unbedingt vor Freude in die Luft springen, auch wenn mein Herz beim Gedanken an das Land von Astrid Lindgren und ABBA normalerweise sofort schneller schlägt: Während meiner Studienzeit habe ich viel Zeit in Skandinavien verbracht. Mit dem Interrail-Ticket sind meine beste Freundin und ich damals quer durch Schweden gereist. Mit unserem alten VW-Bus Björn, benannt nach dem Sänger der schwedischen Indie-Pop-Band Mando Diao, sind wir sogar bis zum Nordkap getuckert. Später folgten dann zahlreichen Kurztrips in die „Metropolen“ des Nordens, gekrönt von einem Skitourentrip im Frühjahr dieses Jahres auf die malerischen Lofoten.

Skandinavien und ich – wir können eigentlich sehr gut miteinander. Ich mag das Klima, die Leute, die Natur sowieso und wie könnte man als Kaffee-Junkie ein Land nicht lieben, das der Tradition des Kaffeekränzchens ein eigenes Verb gewidmet hat?! „Fikar“ – Kaffee und Zimtschnecke, ein kleiner Ratsch mit Freunden und schon ist die Welt in Ordnung. Aber irgendwie will meine Stimmung diesmal nicht so recht mitmachen. Vielleicht liegt es am frühen Aufstehen um 4.30 Uhr oder dem Arbeitsstress der letzten Wochen. Jedenfalls stehe ich jetzt hier am Flughafen Arlanda und frage mich, warum ich mich für drei Tage Zeltlager im Regen angemeldet habe, anstatt daheim meine To Do-Liste abzuarbeiten!?

Doch wie so oft im Leben sollte man alles erst einmal auf sich zukommen lassen, bevor man ein vorschnelles Urteil fällt. Denn kaum haben wir Stockholm hinter uns gelassen, lässt der Regen nach und der Himmel klart auf. Als wir nach einer rund 1,5-stündigen Autofahrt am Hafen ankommen und zur Überfahrt nach Bergholmarna aufbrechen, ist das Wetter sogar richtig schön. Typisch schwedisch mit leichtem Wind, Sonnenschein und kleinen Wölkchen am Himmel. Der Wettergott meint es scheinbar doch gut mit uns. Und so wird es auch die nächsten Tage sein. Wir werden vom Jack Wolfskin Team freundlich in Empfang genommen und dann geht es auch schon los. Gute 20 Minuten dauert die Überfahrt, bis wir zum ersten Mal unser idyllisches Zuhause für die nächsten drei Tage erblicken: Bergholmarna, eine kleine, hübsche Privatinsel inmitten der malerischen Schärenlandschaft, für deren Umrundung man keine 5 Minuten braucht. Neben ein paar alten Bäumen, zwei Anlegestegen, einem kleinen Haupthaus und einem Bootsschuppen sowie einem (aktuell überfüllten) Plumpsklo gibt es hier nichts bzw. gab es hier gar nichts. Bis Jack Wolfskin kam…

Bergholmarna – der wahrgewordene Inseltraum für jeden Outdoorliebhaber

In den letzten Monaten haben das Team um Bergführer und Multitalent Hannes Geier auf Bergholmarna ein kleines Paradies geschaffen. Insgesamt 27 Tonnen Material haben der Jack Wolfskin Botschafter und seine Mannschaft mit einem LKW aus der Steiermark bis hierher gekarrt und verschifft. Jetzt besitzt die Insel eine gemütliche Holzveranda mit Tarp und zahlreichen Sitzmöglichkeiten, ein Kochzelt, bei dem über dem offenen Feuer die Verpflegung für alle Teilnehmer zubereitet wird und jedes der insgesamt 25 Zelte steht auf einem kleinen Holzpodest. Da es auf der Insel kein fließendes Wasser und keinen Strom gibt, mussten auch Solarzellen und eine moderne Trinkwasseraufbereitungsanlage installiert werden, um Energie zu erzeugen und das umliegende Salzwasser zu filtern. Duschen im klassischen Sinne gibt es nicht. Vielmehr erhält jeder Teilnehmer eine Camping-Solardusche. Sprich: Einen Beutel mit Schlauch, den man zum Erwärmen einfach in die Sonne legt.

Natürlich hat das JW-Team auch an die Hygiene gedacht. Vom österreichischen Startup Öklo kommen die mobilen Komposttoiletten, die mit Sägespänen statt Chemie funktionieren und dennoch – oder vielleicht gerade deswegen – extrem nasenfreundlich sind. Außerdem natürlich jede Menge Outdoorequipment – von Kajaks und SUPs bis hin zu Kletterschuhen und Yogamatten. Ein riesiger Aufwand für gerade einmal zwei Wochen, in denen die Gewinner des #GoBackpack-Camps und die Journalisten hier leben werden. Vor allem wenn man bedenkt, dass alles nach dem Ende des Camps wieder komplett abgebaut werden muss. Nicht einmal die wunderschöne Veranda wird wohl bleiben. So zumindest ist der heutige Stand der Dinge. Vielleicht überlegt es sich der Besitzer der Insel – der Schlagzeuger der schwedischen Popband Johnossi (auf deren Konzerten ich lustigerweise vor über 10 Jahren auch schon war) –  ja doch noch anders. Dem nächsten Album würde eine kleine Jam-Session auf der Veranda sicherlich gut tun…

Zeltromantik mit viel Liebe zum Detail

 Wie viel Herzblut das Team in den Aufbau und die komplette Organisation des Camps gesteckt hat, spürt man auf der Insel auf Schritt und Tritt. Die Stimmung ist ausgelassen und heiter. Man merkt, dass alle Verantwortlichen sehr stolz auf das sind, was sie hier geschaffen haben und mit wie viel Spaß und Leidenschaft bei der Sache sind. Die Zelte sind nicht einfach nur nummeriert, sondern nach schwedischen Städten und bekannten Spielorten der Astrid Lindgren Bücher benannt. In der prall gefüllen Goodie Bag findet sich allerlei Nützliches, um auf Bergholmarna so umweltverträglich wie möglich unterwegs zu sein – angefangen bei der Bambus-Zahnbürste und dem biologisch abbaubaren Shampoo bis hin zum wiederverwendbaren Bienenwachspapier zum Einpacken der Brotzeit.

Die bunten #GoBackpack Fahnen schmücken das gesamte Gelände und natürlich dürfen auch gemütliche Feuerstellen und kuschelige Decken und Kissen im Loungebereich nicht fehlen. Aus alten Holzpaletten wurden überall auf der Insel kleine Sitzmöbel gebaut, um sich auch für einen Moment zurückziehen zu können. All zu viel Zeit für private Inselromantik bleibt allerdings ohnehin nicht. Denn dafür gibt es beim #GoBackpack-Camp einfach viel zu viel zu erleben –  und genau deswegen sind die Teilnehmer schließlich in erster Linie hier.

 Kajakfahren, Klettern, Kochen – langweilig wird es hier nie

 Welche Vielfalt sich hinter dem Begriff Outdoor verbirgt, dürfen die Teilnehmer des #GoBackpack-Camps von morgens bis abends bei den verschiedensten Aktivitäten erfahren. Auch für uns Journalisten hat sich das Jack Wolfskin Team jede Menge einfallen lassen. Wir lernen, welche heimischen Pflanzen sich hervorragend für die Herstellung von Kräuter- und Blütensalz eignet und dürfen direkt selbst Hand anlegen. Beim Nachhaltigkeitsworkshop mit Melanie erfahren wir mehr über ökologische und ethische Standards in der Produktion von Jack Wolfskin. Der nächste Tag wird mit einer Runde Yoga auf dem Bootssteg begrüßt. Während des obligatorischen Sonnengrußes mit Lehrerin Lina aus Stockholm rollen kleine gleichmäßige Wellen an den Strand und die ersten Sonnenstrahlen kitzeln uns an der Nasenspitze. Besser kann man eigentlich kaum in den Tag starten, wie auch die Yoga-Neulinge zugeben müssen.

Aber auch die anderen Outdoor-Disziplinen kommen beim Camp nicht zu kurz. So können bspw. SUPs und Kajaks ausgeliehen werden, um die umliegenden Inseln zu erkunden. Das ruhige Wasser der Schärenlandschaft bietet dabei auch für Wassersporteinsteiger perfektes Terrain. Im Camp selbst kann man sich beim Monkey Climbing und Dry Tooling an den zahlreichen Bäumen versuchen. Wer mag, darf sich mit Bergführer Hannes auf Erkundungstour begeben und querfeldein über die „Blaubeer-Insel“ wandern. Wer nach mehr Action sucht, für den geht es zum Klettern an die Granitfelsen einer nahelegenden Insel. Hier hat das Team um den ehemaligen Kletterprofi Robert einige Routen eingerichtet. Stilecht kann der Weg dorthin natürlich auch mit dem Kajak zurückgelegt werden.

Beim Klettern selbst braucht es für den ein oder anderen etwas Überwindung. Bevor es für die Teilnehmer teilweise zum ersten Mal überhaupt in die Vertikale geht, müssen sie erst einmal nach unten. Über einen kleinen Vorsprung werden wir uns vom Felsen abseilen bevor wir dann direkt vom Wasser aus wieder hochklettern. Zur Abkühlung winkt als krönender Abschluss ein Klippensprung ins kühle Nass. Dann geht es zur Produktschulung und zur Outdoor Cooking Session zurück nach Bergholmarna. Dort erwartet uns wieder Special-Guest Hermann, der hauseigene Camp-Hund von Koch Michi, der immer für eine Kuscheleinheit bereit steht – also der Hund, nicht der Koch. Ein tierisch schönes „Extra“, das sich eine Event-Agentur nicht besser hätte ausdenken können.

Interessante Einblicke in die Jack Wolfskin Produktentwicklung

Natürlich darf beim Presse Camp auch die obligatorische Produktschulung nicht fehlen. Denn selbst wenn sich hier vieles nach Urlaub anfühlt, so sind wir natürlich in erster Linie zum „Arbeiten“ hier. Das „notwendige Übel“ von Pressereisen gestaltet das Team aber mit wirklich spannenden Insights. So berichtet Produktmanager Daniele, dass Jack Wolfskin für seinen neuen komplett recycelten 3-lagen Stoff Texapore Ecopshere bereits 12,5 Millionen PET-Flaschen recycelt hat und dabei auch die erste Outdoormarke überhaupt war, bei der auch die Membrane selbst und nicht nur der Außenstoff und das Futter recycelt werden. Auch mit dem Vorurteil, Softshelljacken würden bei Regen kaum Schutz bieten, räumt Daniele auf. Denn dank der neuen PFC-freien „Super DWR“ Imprägnierung kann auch Softshell Wind und Wetter erfolgreich trotzen. Gut einen Liter Wasser schüttet der Textilexperte auf seine Testjacke ohne dass auch nur ein Tropfen durch den Stoff dringt. Super DWR eben.

Auch bei der Produktschulung fällt wie so oft an diesen drei Tagen mehrfach das Schlagwort „Nachhaltigkeit“, das als Leitlinie für das gesamte Camp gelten soll. Zweifellos hat Jack Wolfskin hier bereits einiges geschafft bzw. viele Standards bei seiner Produktion etabliert, die den meisten Outdoorsportlern vielleicht noch gar nicht bewusst sind. Beim Camp wird natürlich auf Mülltrennung geachtet und es wird versucht, den ökologischen Fußabdruck auf der Insel so klein wie nur möglich zu halten. Aber eine Frage drängt sich mir dennoch auf: Kann ein Event wirklich nachhaltig sein, bei dem man die komplette Infrastruktur erst schaffen muss, um sie danach wieder abzubauen? Schließlich spielt beim Thema Nachhaltigkeit immer auch die Langlebigkeit eine Rolle. Auch wenn viel Second Hand gekauft wurde und alles Material im Anschluss weiter verarbeitet wird, so bleiben dennoch 27 Tonnen Material, die man einmal von A nach B fährt und wieder zurück. Und natürlich ist da noch der Punkt mit der Anreise bzw. der Entfernung.

Buzzword „Nachhaltigkeit“ – Zeltlager am Chiemsee statt Schweden?

Positiv hervorzuheben ist, dass viele Teilnehmer den Aufenthalt im #GoBackpack-Camp mit einem längeren Urlaub kombinieren, Fahrgemeinschaften bilden oder mit der Bahn anreisen. Die Journalisten werden hingegen alle eingeflogen. Angesichts der Tatsache, dass fliegen einer der größten Negativfaktoren der persönlichen Ökobilanz ist, schlägt dieser Punkt natürlich negativ zu Buche. Auf unsere Nachfrage hin hat Jack Wolfskin aber zugesichert, sich um Kompensation zu bemühen. Meiner Ansicht nach darf man bei einem Camp, das nachhaltig sein möchte, dennoch die berechtigte Frage stellen, ob es denn wirklich der schwedische Outdoor-Traum auf einer unbewohnten Insel sein muss? Könnte man nicht einfach ein Zeltlager am Chiemsee errichten, bei dem die grundlegende Infrastruktur bereits vorhanden ist? Aber würden sich dann auch 20.000 Backpacking-Fans dafür bewerben? Wohl kaum!

Während ich weiterhin über diese Widersprüchlichkeit unsere Branche grüble, bleibt mir für das #GoBackpack-Camp noch ein letztes Fazit: Auch wenn das Ambiente wirklich einmalig war, so lebt eine solche Veranstaltung am Ende doch vor allem von den großartigen Leuten, mit denen man die Zeit Draußen verbringen darf. Da ist es doch eigentlich fast egal, ob man nun auf einer einsamen schwedischen Insel sitz oder auf der Insel Wörth des Staffelsees in Oberbayern. Ich würde jedenfalls auch dorthin jederzeit mitkommen. Denn auch wenn das Camp nicht lange Bestand hat, die Erinnerung an diese großartigen drei Tage werden mir lange im Gedächtnis bleiben werden. Ein herzliches Dankeschön an Jack Wolfskin für die wirklich tolle Zeit – oder um es mit den Wort von Singer & Songwriter Thomas David zu sagen, der am zweiten Abend für die stimmungsvolle musikalische Untermalung sorgte: „Es war mir ein inneres Fichtenschaumbad hier dabei zu sein.“

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