Eventbericht – Arc’teryx Alpine Academy 2017 Wer einmal in Chamonix zur Berguni geht, hängt gerne noch ein Semester dran!


 
22.08.17
 

Auch in diesem Jahr trafen sich wieder rund 400 Outdoorsportler aus 25 Ländern, Bergführer und Profiathleten im französischen Bergsteiger-Städtchen Chamonix, um sich am Fuße des Mont Blanc untereinander auszutauschen, voneinander zu lernen und gemeinsam mit Gleichgesinnten das ein oder andere Abenteuer zu erleben. Sowohl Einsteiger als auch Fortgeschrittene kamen nun schon zum sechsten Mal bei der Arc´teryx Alpine Academy zusammen, die mit ihren hochklassigen Workshops, Praxisseminaren und Multivision-Vorträgen zum Ausbau der eigenen alpinen Fähigkeiten und Skills beitragen soll. Auch wir durften uns dieses Jahr einen der wirklich heiß begehrten Teilnehmerplätze sichern und haben Veit vom aF-Team nach Frankreich geschickt. Warum er dort angekommen erst einmal die Westalpen putzen musste, meistens nur zur Happy Hour ein Bier getrunken hat und am Ende gar nicht mehr abreisen wollte, erfahrt ihr in seinem Eventbericht.

Über die Arc’teryx Alpine Academy:

Die Arc’teryx Alpine Academy ist weltweit das einzige Outdoor-Event in dieser Größenordnung, bei dem alpines Wissen im direkten Kontakt mit Bergführern, Weltklasse-Athleten und Alpin-Profis vermittelt wird. Die einmal jährlich ausgetragene Veranstaltung genießt nicht nur aufgrunddessen ein ganz besonders hohes Ansehen in der Bergsteigerszene und ist seit dessen Premiere jedes Mal binnen kürzester Zeit ausgebucht. Vier Tage lang wird im Rahmen von rund 24 Praxisseminaren (sogenannten Clinics), Multivision-Vorträgen, Filmvorführungen und diversen anderen Aktivitäten wertvolles Wissen vermittelt. Zentrum des Geschehens ist dabei stets das ‘Alpine Village’, das in diesem Jahr erstmals auf dem Place Balmat mitten im Zentrum von Chamonix errichtet wurde.

Neben einer Kletter- und Boulderwand für Jedermann finden sich hier auch zahlreiche Infostände diverser Outdoormarken und Sponsoren der Adcademy wie MSR, Petzl und Suunto. Ebenso können die Teilnehmer hier zerschlissene Bekleidung im GORE-TEX® Reparatur-Center professionell flicken lassen. Im Anschluss an die Clinics werden zudem sogenannte Master Classes angeboten, in denen angesehene Athleten wie bspw. Ken Wylie, Tamara Lunger, Ines Papert oder Sean Villanueva O’Driscoll über ihre Expeditionen und Erfahrungen am Berg berichten. Dem nicht genug bietet das Alpine Village eine perfekte Atmosphäre, bei der sich die Teilnehmer untereinander austauschen, einen persönlichen Kontakt zu den Pro-Athleten aufbauen oder die Erlebnisse der tagsüber absolvierten Clinics noch einmal Revue passieren lassen können.

Mer du Müll – trauriges Versteckspiel in den Bergen

Wie jedes Jahr startet die viertägige Alpine Academy auch diesmal mit dem sogenannten “Mountain Clean-Up Day” am Donnerstag. Was erst einmal klingt wie ein schlechter Witz, ist von den Veranstaltern aber durchaus ernst gemeint. Gemeinsam mit hunderten von Teilnehmern wollen zahlreiche Arc’teryx Pro-Athleten die Berge rund um Chamonix von den zurückgelassenen Spuren der Touristen befreien. Denn getreu dem Motto „Die Geister, die ich rief“ wandern neben den Naturliebhabern auch Unmengen an Müll in die schöne Landschaft der idylischen Westalpen. So steigen wir denn auch in die erste Bergbahn in Richtung der Gletscherzunge des „Mer du Glace“, von wo aus es dann aufgeteilt in kleinere Grüppchen über verzweigte Pfade in die Berge gehen soll. Doch bevor wir starten gibt es erst einmal einen kräftigen Kaffee, der – verstehe wer will – in Plastikbechern ausgeschenkt wird. Anschließend werden große Mülltüten und Einweghandschuhe verteilt und schon kann die Operation „Saubere Berge“ beginnen.

Auf den ersten Höhenmetern diskutieren wir noch über den Sinn und Zweck der Aktion, denn um uns herum ist kaum bis gar nichts zu finden. Warum auch, denken wir, schließlich sind Bergsteiger an für sich doch ein recht anständiges Völkchen. Denkste, wird mit in dem Moment klar als der Slowenische Alpinist Luka Lindič plötzlich mit einem bereits halb gefüllten Müllsack neben mir auftaucht. „Du musst abseits der Pfade suchen, da wo du es am wenigsten erwartest“. Und tatsächlich, kaum macht man einen Schritt weg vom Wanderweg und wirft einen Blick zwischen die größeren Felsbrocken entdeckt man dort die Hinterlassenschaften der vermaledeiten Naturliebhaber. Von Sekt-, Wein- und Plastikflaschen über Bierdosen bis hin zu Glasscherben, Stofftieren und sogar ganzen Rohren verbergen sich so manche „Schätze“ in den Spalten des felsigen Geländes.

Zum Teil akurat in Plastikbeutel verpackt und fein säuberlich in die hinterste Ecke gestopft. Am Ende kommt binnen von gerade einmal zwei Stunden ein nahezu gigantischer Haufen Müll zusammen, den wir stolz und zugleich tieftraurig vor der Endstation der Bergbahn platzieren. Sowas macht nicht nur betroffen, sondern rüttelt in erster Linie wach und sollte eigentlich von jedem Neuankömmling in Chamonix mindestens einmal abverlangt werden. Gar nicht auszudenken, was sich sonst noch so alles in den so geliebten Bergen verbirgt.

24 Clinics – Praxisseminare als Abenteuerspielplatz

Nach dem anfänglichen Schock über unschöne Müllberge erwarteten die Teilnehmer an den restlichen Tagen erfreulichere Eindrücke in Form von anspruchsvollen Clinics – oder um es einfacher zu formulieren – Praxisseminaren mit Abenteuer-Charakter. Denn je nach Können und Erfahrungslevel stehen den Bergsportlern bei der Alpine Academy gleich 24 Kurse zur Auswahl, die vorab über die offizielle Website reserviert werden müssen und von professionellen Ski- und Bergführern bzw. Pro-Athleten geleitet werden. Das Angebot reicht dabei von der einfachen Wanderung zur Einführung in die Akklimatisierungs- oder Navigationspraxis über alpine Hoch- oder Skitouren bis hin zu Trailrunning-Sessions, Eiskletter- oder Mehrseillängen-Kursen und speziellen Angeboten nur für weibliche Bergsportler. Ein umfangreiches Angebot also, in dem garantiert jeder Bergliebhaber fündig werden sollte und bei dem es mitunter richtig zur Sache gehen kann. So werden die Teilnehmer bei einem Großteil der Clinics mit der Seilbahn innerhalb weniger Minuten förmlich zur Aiguille du Midi (3.842m) hinaufgeschossen, von wo aus es dann durchs ewige Eis und im Schatten des Mont Blanc auf Tour geht.

Was aber macht dieses Angebot eigentlich so attraktiv, dass die Kurse jedes Jahr binnen weniger Minuten restlos ausgebucht sind? Zum einen sind es die versierten Guides und Pro-Athleten, die ihr Wissen in entspannter Runde weitergeben. Zum anderen ist es aber auch der wirklich unschlagbare Preis. So kostet ein Großteil der Praxisseminare maximal 99 Euro (zzgl. Ticket für die Bergbahn), was für einen Kurs unter professioneller Anleitung eines Bergführers oder Arc’Teryx Athleten ein wahres Schnäppchen darstellt. Last but not least trifft man als Teilnehmer auf gleichgesinnte Outdoor-Fans, lernt die unterschiedlichsten Menschen aus aller Herren Länder kennen und kann – je nach Kurs – sogar unmittelbar mit den eigenen Idolen in Kontakt kommen. So verwundert es nicht, dass man fast ausschließlich in glückliche Gesichter blickt, wenn die einzelnen Gruppen nach einem anstrengenden Bergtag ins Alpine Village zurückkehren. Auf die Frage hin, was den einzelnen Teilnehmern dabei ganz besonders gefallen hat, kommt fast immer die Antwort: „Weil ich im Rahmen hochprofessioneller Clinics viele verschiedene Menschen auf einem ähnlichen Leistungsniveau treffe, mich dadurch nicht unter Druck gesetzt fühle und am Ende wirklich viel gelernt habe“.

Überzeugende Argumente, die ich in dieser Form absolut unterschreiben kann und auch selbst erleben durfte. So stieg ich beim „GORE-TEX® mountaineering education level 2“ nicht nur in Gletscherspalten, sondern erhielt beim „Norvan Vertical Trail Running Level 2“ von den Arc’teryx-Athleten Florian Reichert und Adam Campbell auch wertvolle Tipps zur richtigen Lauftechnik und schulte beim „Petzl® Multi Pitch Rock Climbing“ mein Wissen über Standbau sowie Abseiltechniken. Dabei fühlte ich mich immer ernst genommen, nie unter- oder überfordet und kann am Ende mit Zufriedenheit feststellen, dass sich jeder einzelne Kurs gelohnt hat. Natürlich können die Meinungen hier immer etwas auseinander gehen, weshalb sich nicht jeder Teilnehmer immer auch zu 100% zufrieden mit den gebotenen Inhalten zeigte. Zur Verteidigung muss allerdings auch gesagt sein, dass es sich teilweise recht schwierig gestaltet, eine mitunter sehr heterogene Gruppe so zu bedienen, dass sich am Ende jeder Einzelne gefordert und gefördert fühlt. Positiv ist mir dabei aufgefallen, dass die Guides das tatsächliche Können der Teilnehmer kritisch hinterfragten und auf den Prüfstand stellten bevor eine Tour überhaupt gestartet wurde. Auf diese Weise soll verhindert werden, dass sich eine falsche Selbsteinschätzung zum Nachteil der ganzen Gruppe entwickelt. Und wie wir ja alle wissen, ist das Ego so mancher Bergsportler immer größer als deren tatsächliches Leistungslevel.

Chamonix ist und bleibt ein recht teures Pflaster

Warum Arc’teryx die eigene „Berguni“ ausgerechnet in den französischen Alpen platzieren musste, lässt sich allerdings nur bedingt verstehen. Auch wenn sich die Wiege des Alpinismus in Chamonix befindet, so gibt es in meinen Augen durchaus preiswertere Regionen, um einen solchen genialen Outdoor-Event zu veranstalten. Denn gerade junge Frischluftfans verfügen nicht immer über das nötige Kleingeld, um sich in einem der mitunter recht teuren Chalets einzumieten oder die – je nach Wohnort – doch recht umständliche und somit nicht ganz billige Anreise auf sich zu nehmen. Nur mit etwas Glück lässt sich demnach ein Apartment ergattern, das halbwegs günstig ist, wie mir zwei Slowaken berichteten. Da Beide allerdings in der Schweiz leben und arbeiten, waren die allgemeinen Preise für Sie fast schon wieder erträglich.

So kann die Urlaubskasse je nach Lokalität und Unterkunft mitunter recht heftig klingeln, findet man nicht ein paar günstigere Alternativen oder übernachtet etwas außerhalb von Chamonix. Mit ein Grund, wieso die Veranstalter entsprechende „Happy Hour – Angebote“ mit einzelnen Bars und Restaurants vereinbart haben. Denn während sich ein Bier zum Spezialpreis mit durchschnittlich 6 Euro noch als Urlaubsbonus abnicken lässt, sind die sonst üblichen Preise mitunter wirklich happig. Ein Hoch also auf die Veranstalter, die dank eigener Pasta-Party und “Happyhour-Bier” zumindest zeitweise für beste Stimmung sorgten.

Was am Ende bleibt, ist nicht das Loch im Geldbeutel, sondern vor allem eine ganze Ladung wunderbarer Eindrücke und das Gefühl, wirklich etwas gelernt zu haben. Dementsprechend positiv fällt auch das Feedback der meisten Teilnehmer wie auch von mir selbst aus. Ein Großteil dürfte also auch im nächsten Jahr wieder an die „Berguni“ zurückkehren, sofern sie einen der heiß begehrten Kurse ergattern können. So existieren überaus viele Wiederholungstäter, die sich jedes Jahr allein aus Überzeugung den Termin für die Arc’teryx Alpine Academy dick in den eigenen Outdoor-Kalender eintragen. Kein Wunder, denn wer einmal am Fuße des Mont Blanc und in der genialen Kulisse der französischen Alpen das eigene Know How ausgebaut und einen Kurzurlaub verbracht hat, kommt mit Sicherheit immer wieder zurück.

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