Eventbericht – Banff Mountain Film Festival World Tour 2015 Film-Gala ganz casual – zu Gast beim renommiertesten Bergfilmfestival der Welt


 
08.02.15
 

Es ist das älteste, größte und sicherlich renommierteste Bergfilmfestival weltweit: Das BANFF Mountain Film and Book Festival. Unsere Gastautorin Johanna Stöckl war vom 1. bis 9. November 2014 vor Ort und ist noch immer ganz ba(n)ff.

BANFF Mountain Film Festival 2015 – von Kanada in die Welt

Seit 1976 feiert man in Banff das einwöchige Filmfestival, das jährlich rund 18.000 Besucher vor Ort anzieht. Von insgesamt 1.400 Filmeinreichungen aus der ganzen Welt wurden beim diesjährigen Festival 85 in öffentlichen Screenings präsentiert. Aufregung liegt in der Luft je näher es auf das Finale zugeht. Die meisten Filmemacher bzw. Protagonisten sind persönlich anwesend und hoffen natürlich auf einen Preis. Wobei: Alleine in Banff nominiert zu sein ist der Reputation wegen schon sehr viel wert. Eine internationale Jury prämiert schließlich am Finaltag mit großer Party die Gewinner in 13 unterschiedlichen Kategorien. Seit 1986 gehen die prämierten Filme unmittelbar nach Ende des Festivals im Rahmen der BANFF Mountain Film Festival World Tour auf große Welttournee und erreichen dabei in 35 Ländern auf allen 7 Kontinenten mehr als 300.000 Zuschauer. Ab 20. Februar 2015 kommt die BANFF World Tour auch nach Deutschland, Österreich und in die Schweiz.

Bevor es soweit ist, dreht sich ab Anfang November auf dem Festivalgelände in Banff alles rund um die Themen Berge, Natur und Abenteuer. Neben öffentlichen Screenings, täglich ab 9 Uhr, erwarten den Besucher auch Vorträge mit unterschiedlichsten Inhalten. Bei den Abendvorführungen liegt Partystimmung in der Luft. Das Publikum ist jung, begeistert, enthusiastisch und sehr sportlich. Kaum läuft der offizielle Eröffnungstrailer an, sind die 1.000 Zuschauer, die im größten Theater Platz finden, völlig aus dem Häuschen. Ganz Banff ist stolz auf „sein“ Festival. Ebenso auf die folgende World Tour, die unmittelbar nach Bekanntgabe der Gewinner startet und den Banff-Spirit rund um den Globus schickt.

Gala-Dresscode: Jeans und T-Shirt

Die Stimmung in Banff ist inspirierend, enthusiastisch und sehr intim. Egal ob ein „Outdoor-Hero“, preisgekrönter Filmemacher, Bestsellerautor oder international anerkannter Journalist vor einem steht, man kann mit jedem plaudern. Banff ist casual. Sogar zur Galaveranstaltung mit exquisitem Buffet erscheint man leger in Jeans und T-Shirt.

Kletterstar David Lama aus Innsbruck eröffnete dieses Jahr das Filmfestival und präsentierte gemeinsam mit Regisseur Philipp Manderla am ersten Abend den Film Cerro Torre. Nicht den Hauch einer Chance, wofür er Standing Ovations im ausverkauften Saal erntete. In der anschließenden Fragerunde bewies Lama seine Professionalität: In perfektem Englisch stellte er sich wohlüberlegt auch kritischen Fragen und signierte im Anschluss hunderte von Posters für das begeisterte Publikum. Später beim lockeren Get Together an der Bar zeigte sich David Lama begeistert: „Die Atmosphäre in Banff ist großartig. Voller Tradition und Emotion. Das Publikum ist enthusiastisch, aber auch kritisch. Es ist mir eine große Ehre hier sein zu dürfen.“ Tags zuvor erfüllte sich David, der in seiner Freizeit gerne zum Angeln geht, einen Wunsch: Gemeinsam mit „Big Jim“, Jim Dykstra ging’s zum Fliegenfischen im Bow River. „Wenn man schon einmal in Kanada ist, muss man einfach zum Fischen gehen! Von einem Profi ins Fliegenfischen eingewiesen zu werden, war ein richtig tolles Erlebnis.“ Als am Finalabend die Sieger gekürt wurden und Lamas Film in der Kategorie „Klettern“ den ersten Preis abräumte, war David leider nicht mehr vor Ort. Er war inzwischen zum nächsten Kletterabenteuer nach Brasilien weitergezogen.

Spannende Side-Events und Lesungen mit Weinausschank

Von den insgesamt 85 präsentierten Filmen einmal ganz abgesehen, gibt es zahlreiche spannende, intime und interessante Side-Events. Morgens um 8 Uhr etwa, kann man mit einer ersten Tasse Kaffee in der Hand eine „Storytelling Session“ besuchen, bei der alte Cracks und junge Locals aus der Region überaus humorvoll spannende Geschichten aus den Bergen erzählen. Auch die Veranstaltung „Wine & Words“, bei der unterschiedlichste Autoren aus ihren Werken (natürlich zum Thema Outdoor und Abenteuer) lesen und man dazu Wein serviert bekommt, ist überaus unterhaltsam. Kostenlose Workshops, die vom Hauptsponsor des Festivals (National Geographic) veranstaltet werden, sind außerordentlich interessant und für jedermann frei zugänglich. Darüber hinaus kann man als Besucher zahlreiche Fotoausstellungen preisgekrönter Outdoor-Fotografen bestaunen.

Das Festival selbst findet auf dem Gelände des so genannten Banff Centre, einem 1933 gegründeten Kunst- und Kulturzentrum statt. Es wimmelt hier neben Outdoor-begeisterten Festivalbesuchern von Studenten und Künstlern aus aller Herren Länder, die über Stipendien nach Banff gekommen sind, um sich fortzubilden. Auf dem Areal des Banff Centre gibt es zudem mehrere Theater- und Konzertsäle, Tonstudios, Werkstätten, Töpfereien, Konzertsäle, Galerien, Ateliers und seit ein paar Monaten ein eigenes Studio, in der eine tägliche Radioshow direkt vom Campus aus produziert wird. Das BANFF Mountain Film Festival passt also wunderbar in diese inspirierende und künstlerisch-kreative Atmosphäre.

Immer noch ganz ba(n)ff ob der Vielfältigkeit

Das charmante Örtchen Banff selbst liegt auf 1.399 Metern Höhe im östlichen Teil der Rocky Mountains. Mit seinen 7.500 Einwohnern ist Banff der größte Ort im gleichnamigen und zugleich ältesten Nationalparks Kanadas. 1884 wurde mit dem Bau der Canadian Pacific Railway, einer Bahnstrecke, die Vancouver im Westen und Montreal im Osten Kanadas verbindet, der Grundstein für den heute florierenden Tourismus gelegt. Zeitgleich wurden in Banff schwefelhaltige, heiße Quellen entdeckt. Erste Hotels entstanden. Mittlerweile hat sich Banff nicht nur im Sommer als Urlaubsdestination für Bergsteiger und Trekkingfans etabliert. Auch im Winter ist Banff eine Reise wert. Skifahren kann man am Mount Norquay, im Sunshine Village oder in der nahen Lake Louise Ski Area. Um den Ort möglichst ursprünglich zu erhalten, hat die Bundesregierung einschränkende Maßnahmen ergriffen. Wer in Banff leben will, muss dort auch arbeiten. Zweitwohnsitze sind nicht erlaubt.

Weitere Infos & Details:

Alle Infos, Termine und Filme zur Worldtour in Deutschland, Österreich, Schweiz gibt’s unter: www.banffmountainfilm.de oder auf der offiziellen Website des BANFF Mountain Film and Book Festival: www.banffcentre.ca/mountainfestival

Text: Johanna Stöckl
Fotos: Stöckl, Jon Popowich, Banff Centre

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