Eventbericht – King of Kanzi 2017 Felsenfest und tight – in Leggings zum lässigsten 80’er-Jahre-Kletterfestival ever


 
09.06.17
 

Mit etwas mehr als 60.000 Einwohnern ist Villach nicht nur die siebtgrößte Stadt Österreichs, sondern zugleich auch eines der wichtigsten Drehkreuze im Dreiländereck. So haben Besucher die Qual der Wahl zwischen echter Gelato in Italien, wunderbaren Bergtouren in Slowenien und Badespaß pur direkt vor der Haustüre. Denn während sich nur wenige Kilometer entfernt die Julischen Alpen sowie die Friulanischen Dolomiten erheben, breitet sich nach Osten hin das Klagenfurter Becken mit seinen unzähligen Seen aus. Einer davon ist der Faaker See, an dessen Ufern sich das kleine Örtchen Finkenstein schmiegt. Hoch über ihm thront die Burgruine Altfinkenstein sowie der Kanzianiberg als nördlicher Ausleger der Karawanken. Während sich im Mittelalter hier vor allem die Rittersleut die Schwerter um die Ohren hauten, ziehen heutzutage die Klettersportler mit Expressen, Karabinern und Seilen zu Felde. So kamen auch in diesem Jahr wieder zahlreiche Männer und Frauen in Strumpfhosen in einem der größten, schönsten und ältesten Klettergebiete Österreichs zusammen, um beim „King of Kanzi“ die Stärksten unter sich auszumachen. Auch wir sind beim 80’er Jahre Klettermarathon angetreten und haben uns im engen Leggings-Outfit in die markanten Felswände des „Kanzi“ gewagt.

King of Kanzi – wer nicht gut klettert, wirft sich einfach in Schale.

Das Kletterfestival am Faaker See ist laut der Veranstalter „eine Hommage an den Freigeist der 80er Jahre, an die Sportkletterpioniere und die Erschließer des größten Klettergebiets in Kärnten“. So sind bzw. waren viele der damaligen „Erstbegeher“ Teil der IG-Sportklettern Kärnten, die dieses Jahr bereits ihr 25 jähriges Jubiläum feiert und es im Rahmen der offiziellen After-Show-Party ordentlich krachen ließ. Doch auch wenn von einem Klettermarathon als zentraler Mittelpunkt die Rede ist, so recht ernst nimmt sich keiner der Teilnehmer, die sich in gewagtem wie auch farbenfrohen 80’er Jahre Outfits in die Seile hauen. Natürlich bringt jeder den nötigen Ehrgeiz mit, um die 6 bis 70 Meter hohen Felswände der über 500 Sportkletterrouten in den unterschiedlichsten Schwierigkeitsgraden onsight und in Rotpunkt-Manier zu meistern. Neben den so erkletterten Punkten zählt aber auch das Outfit bei der Vergabe der heiß begehrten Preise. So gibt es unabhängig von der eigentlichen Auszeichnung für das erfolgreichste Kletterteam auch die „goldene Lycra-Nadel“ für das „skurrilste Kostüm“ im Starterfeld. Berücksichtigt wird dabei auch mitgebrachtes Equipment aus den damaligen Zeiten von Nena, Madonna und Depeche Mode.

Und genau das ist es auch, was das Kletterfestival so einzigartig macht. Kletter-Profis wie auch blutige Anfänger aus den unterschiedlichsten Ländern hängen hier direkt nebeneinander in der Wand und geben sich im Rahmen von Workshops und Einsteigerkursen wichtige Tipps zur Überwindung schwieriger Schlüsselstellen. Und selbst wenn die sprachlichen Barrieren manchmal unüberwindbar scheinen, wird einfach vorgeklettert oder im wahrsten Sinne des Wortes mit Händen und Füßen argumentiert. Was sowohl bei den Kursen als auch beim Klettermarathon zählt, sind nicht die Punkte oder erfolgreich gemeisterte Routen, sondern vor allem der Spaß am Klettern in spektakulärer Naturkulisse. Garniert wird das alles noch mit einem bunt gemixten Rahmenprogramm aus Yoga-Einheiten, Klettersteig-Schnupperkursen, luftigen Showeinlagen auf der Highline sowie Multivision-Vorträgen bekannter Stars aus der Kletter- und Alpinszene. Natürlich darf die Sundowner-Party am Abend dabei genauso wenig fehlen, wie die zahlreichen Teststationen der Sponsoren wie bspw. die Bergsport- und Outdoorausrüster Grivel oder Patagonia, bei denen sich die Teilnehmer vom Kletterschuh bis zum Helm noch benötigtes Equipment ausleihen können.

Have fun, work hard, get smart – eine der wohl ergreifendsten Lehren des Lebens!

Eröffnet wurde der dritte „King of Kanzi“ in diesem Jahr vom Extrembergsteigerpärchen Nives Meroi und ihrem Mann Romano Benet, die jüngst ihren vierzehnten 8.000er bestiegen haben – allesamt ohne Zuhilfenahme von künstlichem Sauerstoff. Ebenfalls mit dabei waren auch Jacopo Larcher, Steve House, Mich Kemeter, Lisi Steurer, Markus Pucher sowie die lokalen Alpinschulen Highlife und Vierjahreszeiten, die im Rahmen von kurzweiligen Workshops und einer Podiumsdiskussion ihr fachkundiges Wissen zum Besten gaben. Das eigentliche Highlight für uns und der wohl bewegendste Moment des gesamten Kletterfestivals war aber die Präsentation des Dokumentarfilms “Jeff Lowe’s Metanoia”. Darin wird das ereignisreiche Leben des in den 80’er Jahren durch seine fulminanten Erstbegehungen, seinen eigenen Kletterstil und diverse Eskapaden bekannt gewordene Alpinist Jeff Lowe portraitiert. Teil dessen ist auch der durch seine Solo-Durchsteigung der Eiger Nordwand hervorgerufene „Sinneswandel“, der durchaus als Grande Finale eines von Höhen und Tiefen geprägten Charakters bewertet werden kann.

Der unheilbar an ALS erkrankte US-Amerikaner schreibt aktuell an seiner Biografie und will mithilfe seines ganz persönlichen Filmbeitrags darauf aufmerksam machen, wie wichtig es doch ist, das Leben jeden Tag in vollen Zügen zu genießen. Wie schnell sich die Dinge doch wandeln können, zeigt das eigene Schicksal von Jeff Lowe, der mittlerweile an den Rollstuhl gefesselt auf fremde Hilfe angewiesen ist. Umso überraschender war es, als er und seine Frau Connie Self im Anschluss an die Präsentation des Films per Skype-Konferenz live zugeschaltet wurden, um die Fragen der zahlreichen Zuschauer zu beantworten. Ein trauriger und ergreifender, aber zugleich unglaublich Mut machender Moment, denn der Lebenswille dieses einzigartigen Charaktermenschen ist trotz des Verlusts des Sprachvermögens weiterhin ungebrochen.

Kletterhelden in Strumpfhosen im Angesicht der Rotpunktbegehung

Ungebrochen war auch unser Wille, am eigentlichen Tag des Klettermarathons als Team „The hot virgin boys“ für Furore zu sorgen. Allerdings hatten wir nicht mit so vielen Teilnehmern gerechnet. Insgesamt 30 Teams aus den verschiedensten Altersklassen traten in diesem Jahr an und waren in ihren neonfarbenen Outfits schon weithin sichtbar. Noch mehr dürften es in den kommenden Jahren nicht werden, denn sonst könnte es schnell eng werden. Zwar bietet der Kanziberg ausreichend Routen, aber selbst diejenigen im unteren Schwierigkeitsgrad haben es durchaus in sich.

Blutjunge Rookies dürften hier schnell an ihre Grenzen stoßen. Aber wie bereits erwähnt, geht es am Ende ja nur um den Spaß und ums Dabeisein. Gewonnen haben wir am Ende nur an Eindrücken und wunderbaren Erlebnissen – natürlich war auch die ein oder andere Rotpunktbegehung dabei. Die geschundenen Knochen ließen wir am Ende des Tages in unserem urigen Apartment im Naturel Hotels & Resorts Dorf SCHÖNLEITN **** nieder. Übrigens, der perfekte Ort, um sich gemeinsam mit anderen Freunden selbst zu versorgen und nur einen Steinwurf vom Kletterfestival verhältnismäßig günstig unterzukommen. Was bleibt ist ein durchweg positives Fazit zum „King of Kanzi“, bei dem wir uns zumindest in sportlicher Hinsicht ritterlich geschlagen haben. Aber wir werden wiederkommen, spätestens am 1. bis 4. Juni 2018, wenn es wieder heißt: “Seil frei”.

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