Eventbericht – OMM Alps 2017 Original Mountain Marathon feiert Premiere in Steinberg am Rofan (Achensee)


 
17.11.17
 

Seit 50 Jahren gehen Trailrunner jeden Alters nun schon beim legendären Original Mountain Marathon – kurz OMM – an den Start. Das zweitägige Bergrennen mit Übernachtung im Zelt und unter freiem Sternenhimmel genießt in seiner Heimat Großbritannien längst Kultstatus. Inzwischen hat der Laufevent den Weg auch über den Ärmelkanal gefunden und wurde im September dieses Jahres erstmals auch im deutschsprachigen Raum ausgetragen. Zahlreiche Teilnehmer begaben sich in Steinberg am Rofan entweder auf die Mitteldistanz (38 km und 2.400 Höhenmeter) oder die Langdistanz (ca. 55 km und 4.300 Höhenmeter), um an zwei Tagen die Brandenberger Alpen rund um den Achensee zu entdecken und dabei unter anderen den bereits winterlich anmutenden Gipfel des Guffert (2.194m) zu erobern. Da wir selbst nicht dabei sein konnten, lassen wir den altehrwürdigen Trailevent stellvertretend durch Ralf Noest, der als gelernter Lauftrainer für INTERSPORT Knudsen regelmäßig Schulungen und Events organisiert, den OMM Alps 2017 persönlich noch einmal Revue passieren.

So oder so sollten sich alle Trailfans und Bergfreunde für 2018 unbedingt die zweite Ausgabe des OMM Alps vormerken, denn auch im kommenden Jahr kommt der Kultevent wieder in die Alpen – diesmal am 21. und 22. Juli nach Garmisch-Partenkirchen. Alle Updates und Infos zum Rennen sowie rund um die Marke OMM gibt’s unter: www.theomm.com

OMM – 50 Jahre Original Mountain Marathon

Die Geschichte des Original Mountain Marathon beginnt vor 50 Jahren in England und Schottland, wo sich seit 1968 alles nur noch um Eines dreht – die ungebrochene Leidenschaft für die Berge. Auch wenn das erste Rennen vielmehr nur ein freundschaftlicher Wettstreit zwischen passionierten Bergsteigern und Laufsportlern war, legte es dennoch den Grundstein für einen der beliebtesten Berglauf-Events in Großbritannien. Eine Herausforderung, bei der Teamwork, Ausdauer und Belastbarkeit gleichermaßen im Mittelpunkt stehen. Über die Jahre hinweg etablierte sich die in den ersten Jahren als „The Karrimor“ oder KIMM (Karrimor International Mountain Marathon) bekannt gewordene Veranstaltung rund um den Globus und steht heutzutage synonym für eines der legendärsten Trail-Wettbewerbe weltweit.

Als im Jahr 1974 ein Teilnehmer den Wunsch nach einer besseren und leichteren Ausrüstung äußerte, wurde damit auch die Outdoormarke OMM ins Leben gerufen, die seitdem Produkte entwickelt, die optimal an die Bedürfnisse von Orientierungsläufern, Trailrunnern, Adventure Racern und Bergläufern angepasst werden. Das Ziel: bestmögliche Performance bei geringstmöglichem Gewicht. Ein Motto, dass im September beim OMM Alps im Mittelpunkt stand. Der erstmals im deutschsprachigen Raum ausgetragene Laufevent war quasi der Auftakt zum großen Jubiläumsrennen, das Ende Oktober im Lake District in England stattfand.

Premiere in Steinberg am Achensee – ein ganz persönliches Berg-Abenteuer

Wer bei der Abkürzung OMM Alps an eine relaxte Wellness-Auszeit in den Bergen denkt, der wird mit der Teilnahme am legendären Original Mountain Marathon definitiv eines besseren belehrt. Denn dabei handelt es sich nicht um ein entspanntes Yoga-Retreat mit Ausblick aufs Gebirge, sondern um ein zweitägiges Berg-Abenteuer mit Übernachtung im Zelt unter freiem Sternenhimmel. Zahlreiche Trailrunner und Bergläufer waren dem Ruf ins Rofan-Gebirge gefolgt und haben sich in 2er-Teams durch die Brandenberger Alpen gekämpft. Für manche Läufer war es eine harte Herausforderung, bei der Matsch und Schnee genauso gemeistert werden mussten wie eine anspruchsvolle Trail-Challenge über unzählige Höhenmeter hinweg. Für andere wie zum Beispiel den gelernten Lauftrainer Ralf Noest war es hingegen ein bewusstes Berg-Erlebnis, um die malerische Region rund um den Achensee mit allen Sinnen zu genießen. Mit seinem Laufpartner hat er sich zwei Tage lang querfeldein durch die Natur geschlagen, viele individuelle Entscheidungen gemeinsam mit ihm getroffen und sich am Ende erfolgreich bis ins Ziel navigiert.

Wie groß sich die Herausforderung dabei am Ende tatsächlich gestaltete, konnten die Teilnehmer vor dem Start des Rennens selbst bestimmen – aber nicht nur durch die Wahl zwischen der Mittel- (38 km und 2.400 Höhenmeter) oder Langdistanz (ca. 55 km und 4.300 Höhenmeter). Ebenso konnten die Läufer auch zwischen der Punktewertung, bei der es eine taktisch kluge und auf die persönlichen Eigenschaften zugeschnittene Route auszusuchen galt, und der Zeitwertung wählen, bei der es kaum noch Entscheidungsmöglichkeiten gab und nur der schnellste Weg zählte. Wie lange die Gesamtstrecke letztendlich war und wie viele Höhenmeter sie schlussendlich umfasste,  hatten also alle 2er-Teams selbst in der Hand. Vorgegeben wurden lediglich die maximalen Laufzeiten (7 & 6 Stunden in der Langdistanz bzw. 5,5 & 4,5 Stunden in der Mitteldistanz).

Unter den Sternen gemeinsam mit anderen Trail-Fans aus aller Welt

Durch die vielfältigen Wahloptionen gestaltete sich auch das Starterfeld entsprechend bunt durchmischt: So gingen nicht nur Jung und Alt, erfahrene Trailrunner oder Renn-Neulinge am Achensee an den Start, auch Freunde, Geschwister oder erst durch das Event gefundene Laufpartner traten gemeinsam an die Startlinie. Viele waren sogar von weit her angereist, sodass sich die Teilnehmer nicht nur wie erwartet größtenteils auf Österreich und Deutschland verteilten, sondern auch aus Großbritannien, Belgien, Dänemark, Polen oder Estland stammten. Sogar ein eigens für das Rennen aus Japan angereistes Team war mit dabei.

Unabhängig von der gewählten Strecke bzw. Wertung und dem Alter der Läufer war das eigentliche Ziel des ersten Renntags für alle Teams dasselbe: ein Overnight Camp direkt an einem Bach in der Waldlandschaft nahe der Schmalzklausenalm. Die Ausrüstung für die Übernachtung im Camp musste jeder Teilnehmer dabei selbst am Mann oder der Frau tragen – wodurch sich allein das Packen des Rucksackes für den einen oder anderen bereits als erste Herausforderung entpuppt haben dürfte. Am zweiten Tag ging es dann über flowige Trails und an idyllisch gelegenen Almen vorbei wieder zurück nach Steinberg, wo schließlich die Sieger der Einzelwertungen aufs Podest steigen durften.

Mein persönliches OMM Adventure – 6 Fragen an Ralf Noest:

Ralf Noest mit seinem Laufpartner Ben Kabuth. (© Ralf Noest)

Wieso hast du an so einem Rennen teilgenommen? Der OMM stand als DER Lauf-Event schlechthin schon lange auf meiner Agenda – allein schon wegen des Kultfaktors und der Historie. Als Trailrunner und Outdoor-begeisterter Mensch verfolge ich die Veranstaltung bereits seit einigen Jahren mit großem Interesse. Und in dem Moment, als es hieß, dass genau dieser Event dieses Jahr in den Alpen und in der Region rund um den Achensee stattfindet, war für mich klar, da muss ich hin. Schließlich ist das ein MUSS für jeden Laufsportler. Vor allem deshalb, weil es diese Mischung aus Trailrunning, Teamwork und Teamgeist in Kombination mit Navigation und Selbstversorgung so bei keinem anderen vergleichbaren Event gibt. Aber dafür extra irgendwohin zu fliegen und ein Rennen zu machen, dafür fehlt mir einfach die Zeit.

Mit wem warst du unterwegs und welche Strecke bzw. Wertung habt ihr als Team gewählt? Mit einem Arbeitskollegen von mir, der ein sehr guter Läufer ist und sowohl „fachlich“ als auch menschlich zu mir passt. Jemand zugelost zu bekommen, würde meiner Meinung nach auch gar keinen Sinn machen. Man braucht einfach jemanden an der Seite, mit dem man sich blind versteht und auf den man sich zu 100% verlassen können muss. Dabei muss derjenige genauso gut mit Karte und Kompass umgehen können, wie mit dem Equipment. Und sollte vor allem leistungs- und leidensfähig sein. Sonst macht das alles nur halb so viel Spaß, weil man natürlich nicht bei jeder Weggabelung rumdiskutieren kann.

War die Strecke vorgegeben oder musstet ihr euch komplett selbst navigieren? Wir haben uns für die Langdistanz mit den weit auseinander liegenden Wegpunkten entschieden, die in einer vorgegebenen Zeit erreicht werden mussten. Dabei galt es, nur mithilfe einer Karte und Kompass und ohne GPS-Gerät die Wegpunkte abzulaufen. So kam es vor, dass wir unter anderem auch einen Gebirgsfluss durchqueren mussten. Auch das Wetter und die zum Teil anspruchsvolle Strecke spielten uns nicht gerade in die Karten. Dann kamen noch Schwierigkeiten bei der Markierung eines Checkpoints und hinsichtlich der Distanzen sowie der Cutoff-Zeiten zwischen den einzelnen Punkten hinzu und schon konnten wir die Zeitvorgaben kaum mehr einhalten. Deshalb haben wir am ersten Tag bei rund zwei Drittel der Strecke die Info bekommen, dass wir für das Erreichen des Nachtlagers eigentlich zu spät dran sind. Dennoch sind wir einfach durchgelaufen. Am zweiten Tag sind wir dann in Absprache mit der Rennleitung  zum Punktesystem gewechselt, bei dem man selbst die abzulaufenden Checkpoints definiert. Meiner Meinung nach das optimale System für solch eine anspruchsvolle Strecke.

Was hattest du alles in deinem Rucksack mit dabei? Neben Kompass und Karte hatten wir natürlich auch die nötige Verpflegung für zwei Tage (Riegel, Gels und Fertignahrung) dabei, Wechselklamotten sowie das Equipment für die Übernachtung im Lager – also Zelt, Isomatte und Schlafsack. Da gibt der Veranstalter ja bereits einige Punkte als Pflichtausrüstung vor. Sinnvoll ist auf jeden Fall ein 25 bis 30 Liter großer Rucksack, mit dem man auch ein kurzes Stück schnell laufen bzw. bergab rennen kann. Auch Trekking-Stöcke sind absolut sinnvoll, vor allem in dem doch recht anspruchsvollen Gelände.

Was sollte man bei einer OMM-Teilnahme auf gar keinen Fall vergessen? Absolutes Muss ist in meinen Augen ein Zelt mit Boden sowie lange warme Unterwäsche, um nachts nicht auszukühlen. Aus Gewichtsgründen nur das Gestänge und das Außenzelt bzw. ein Tarp einzupacken, rächt sich spätestens bei kalten Temperaturen oder windigen Bedingungen. Und natürlich dürfen eine Stirnlampe sowie das Handy für den Notfall auf keinen Fall fehlen. In jeder Hinsicht muss man sich einfach bewusst machen, dass man zwei Tage lang draußen in der Natur unterwegs ist – mehr oder weniger autark und vollkommen auf sich allein gestellt. Wer sich also für die lange und hoch gelegene Strecke entscheidet, sollte definitiv über die nötige Erfahrung verfügen und mit durchwachsenen Wetterbedingungen umgehen können.

Was war dein bewegendster Moment?Auch wenn es kein Traillauf im unmittelbaren Sinne ist, wird der komplette „Eil-Marsch“ durch das Setting und die ausgezeichnete Arbeit des gesamten Orga-Teams rund um Jürgen Jacob von xpert marketing zu einem gelungenen Moment. Diesen ganz besonderen Spirit findest du in dieser Form einfach bei keinem anderen Event. Dementsprechend bleiben viele Momente in Erinnerung: Wilde und ursprüngliche Passagen, zum Teil extrem schwieriges Gelände und aufgrund von Neuschnee kaum auffindbare Wege hinterlassen selbst bei einem „erfahrenen Hasen“ wie mir einen bleibenden Eindruck.

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