Eventbericht – Rise&Fall Mayrhofen 2014 Von natürlichen Hindernissen und persönlichen Grenzen beim Skibergsteigen


 
29.01.15
 

Vor gut zwei Monaten trudelte bei uns eine E-Mail ein, ob jemand von airFreshing.com vielleicht Lust dazu hätte, an einem „lustigen Staffelrennen“ zum Auftakt der Saison im Skigebiet Mayrhofen teilzunehmen? Denn neben zahlreichen anderen Athleten sollte auch ein Team aus Medienleuten an den Start gehen, um den Geist und den Fun-Faktor des Events „Rise&Fall“ hautnah erleben zu können. Für die Teilnahme standen die Disziplinen Skibergsteigen, Gleitschirmfliegen, Mountainbiken und Downhill-Ski zur Auswahl, wobei wir uns der Aufgabe des Aufstiegssprints widmen sollten. „Klar, warum nicht!?“ war die naive und ahnungslose Antwort von Sebastian Stiphout, unserem Fotografen im Team. Doch was ihn dann erwarten sollte, hatte sich der passionierte Hobby-Sportler selbst in seinen kühnsten Träumen nicht ausgemalt. Hier berichtet er von seinen persönlichen Eindrücken, körperlichen Grenzen und ganz natürlichen Hindernissen.

Fitnesslevel akzeptabel, Schnee mangelhaft

Staffelrennen in Mayrhofen? Klar bin ich dabei und gehe für das Team als Skibergsteiger an den Start. Hauptsächlich, weil ich mir letztes Jahr eine Tourenausrüstung zugelegt habe, aber auch, weil ich prinzipiell immer offen für neue Herausforderungen bin und der für zwei Monate später angekündigte Wettbewerb ein guter Ansporn für mich sein würde, um wieder einmal so richtig zu trainieren. Soweit so gut. Ich fing also damit an, mich entsprechend darauf vorzubereiten. Machte (für meine Verhältnisse) gute Fortschritte und fühlte mich fit genug und vernünftig vorbereitet, obwohl es wegen mangelnder Zeit und viel zu wenig Schnee kaum Gelegenheit dafür gab, mit den Latten unter den Füßen zu üben. Letztendlich sah die Realität am Tag des Rennens sowieso etwas anders aus.

Wetterkapriolen und andere Übergegner

Die viel zu warmen Temperaturen im Dezember 2014 machten es den Veranstaltern schier unmöglich, die Piste für den Aufstieg ausreichend zu beschneien bzw. zu präparieren, weshalb gut 48 Std. vor dem Rennen der „Plan B“ aktiviert werden musste: Aus dem Skibergsteigen wurde infolgedessen vielmehr ein Berglauf und auch die Downhill-Skifahrer wurden letztendich zu Trailrunnern umklassifiziert. Dem nicht genug macht die starke Föhnwetterlage am Renntag auch noch den Gleitschirmfliegern einen Strich durch die Rechnung. Zu turbulent gestaltete sich der Luftraum, um die Piloten sicher starten lassen zu können. Und so mussten denn auch die Weitflieger kurzerhand ihre sonst so luftige Sprintstrecke am Boden zu Fuß zurücklegen. Sehr schade eigentlich, denn jeder Teilnehmer der Staffel hatte sich auf die jeweilige Disziplin sehr gefreut – sei es aktiv oder mitfiebernd.

Nicht, dass das Rennen auf Skiern für mich wesentlich einfacher gewesen wäre, aber darauf war ich zumindest mental eingestellt und hätte mich dabei wohl gefühlt. Aber jetzt sah die Sache komplett anders aus. Eine Nummer größer vielleicht, oder doch eher eine Nummer zu groß für mich? Auch im Hinblick auf die Teilnehmer der letzten Jahre war mir wenig geholfen. Von wegen „Spaßrennen“, von wegen Hobby-Sportler! Sogar ein Olympiasieger war dabei. Ganz zu schweigen von dem x-fache Gewinner des legendären Dolomiti Man, einem Mountainbike-Weltcupsieger und allerlei anderen Profis oder semi-professionellen Athleten. Verdammt, und mittendrin stand nun ich und wusste nicht so recht, ob ich nun heulen oder lachen sollte. Konfrontiert mit all diesen Tatsachen war mein einziges Ziel nur noch: Komm bloß NICHT als Letzter an, lass deine Teamkollegen nicht im Stich und blamier dich nicht bis auf die Unterhosen.

Wer aufgibt, verliert – dann lieber doch aufgeben?

An der Startlinie ging es mir nicht wirklich gut. Viel zu nervös war ich und kam mir mit meiner Körpergröße von 1,90m und meinem „Kampfgewicht“ von 83kg völlig deplatziert vor unter all den spindeldürren kleinen Läuferjungs. Und auch die im Rahmen des Ski-Openings mit einer Gruppe Journalisten auf der Piste verbrachten 3 Stunden saßen mir noch in den Knochen. Exakt 13:55 Uhr, fünf Minuten vor dem Startschuss, verfluchte ich meine Dummheit und hoffte nur noch auf ein baldiges Ende. Des Rennens, natürlich, denn mitgehangen ist sozusagen mitgelaufen. Doch mein Wunsch sollte unerhört bleiben: Der Startschuss knallte ohrenbetäubend laut und insgesamt 50 Läufer stürzten los.

Vor mir und den anderen Teilnehmern lagen 430 Höhenmeter, die von einem kurzen, relativ flachem Stück eingeleitet, aber danach erbarmungslos von einem senkrechten Frontalangriff über eine matschige schwarze Skipiste abgelöst wurden. Am Anfang konnte ich mich gerade noch unter den letzten zehn Läufern halten, verlor am Beginn der Steilpiste jedoch einmal kurz den Halt und rutschte aus. Bis ich wieder auf die Beine gekommen war,  musste ich auch schon das Schlusslicht übernehmen. Leider scheiterte auch jeder weitere Versuch meiner Beine, etwas an diesem Zustand zu ändern. Gebrochen und sprichwörtlich vernichtet klatschte ich oben designiert ab und übergab das Schicksal unseres Teams an unseren Paragleiter.

Ein Wettbewerb auf Umwegen

Da die Flugdisziplin wegen der gefährlichen Windböen ebenfalls abgesagt wurde, musste auch der Pilot einen Sprint vom Übergabebereich zum Startplatz der Paraglider hinlegen – allerdings in voller Montur und steil bergauf. Von dort aus wäre der Pilot normalerweise hinunter ins Tal geflogen, um den Staffelstab an den Mountainbiker weiterzureichen. Der wäre wiederum den Berg hinaufgefahren, um oben angekommen an den Skifahrer abzugeben, der dann wiederrum die Abfahrt ins Ziel absolviert hätte. Hätte … aufgrund der hohen Temperaturen und der mangelhaften Schneedecke sollte der Gleitschirmpilot nach seiner Ankunft am Startplatz per Funk dem unten wartenden Skifahrer ein Zeichen geben. Dieser musste dann ebenfalls einen fiesen und steilen Bergaufsprint hinlegen und schickte als letzten Athleten ins Rennen. Der Biker wiederum strampelte den Berg wieder hinauf, wobei er zusätzlich noch über eine steile und sehr heikle alte Rodelbahn abfahren musste, um ins Ziel zu gelangen. Glücklicherweise wurde ein kleines Stück meiner ohnehin schon zerstörten Würde durch unseren ambitionierten Fahrer gerettet, indem dieser im Aufstieg noch vier andere Fahrer überholen konnte – trotz anfänglichem Rückstand. Schlussendlich schaffte es unser Team dann doch noch auf den 46. von 50 Plätzen. Naja was soll’s, schließlich zählte der Spaß bei der Sache und überhaupt dabei gewesen zu sein.

Unser Gesamtfazit: Trotz aller Hürden ein super Event

Alles in allem war es trotz all der wetterbedingten Kapriolen und Hürden ein absolut gelungenes Event. Die Veranstalter konnten das Maximum herausholen und die gesamte Veranstaltung gut organisieren – mit unterhaltsamem Rahmenprogramm sowohl für die Zuschauer als auch die Teilnehmer. Das Frau Holle ihren Beitrag in diesem Jahr nicht leisten wollte, tat der guten Stimmung jedoch keinen Abriss. Ich würde sogar nächstes Jahr wieder am Rennen teilnehmen. Allerdings körperlich wie auch mental besser vorbereitet, denn dann weiß ich wenigstens schon, was mich wieder erwartet. Denn wie heißt es doch so schön: Rise&Fall – wenn du fällst, steh wieder auf.

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