Eventbericht – 6. Silvrettarun 3000 30km Laufstrecke, 1.500 Höhenmeter und drei 3.000er oben drauf


 
20.08.17
 

Vom 14. bis zum 15. Juli 2017 waren auch wir zu Gast beim 6. Silvrettarun 3000, bei dem wir gemeinsam mit rund 600 anderen Teilnehmern aus 22 Nationen eine der insgesamt drei Trailrunning-Strecken absolvierten. Zwar buhlten wir dabei nicht um die ausgelobten Preisgelder im Gesamtwert von 12.000 Euro, aber zumindest durften wir etwas für den guten Zweck tun. Denn von jedem Startgeld gingen 5 Euro an die Wohltätigkeitorganisation „Wings for Life“, wodurch allein 2.410 Euro an Spendengeldern quasi zusammengerannt werden konnten. Damit sollen wiederrum weltweit erfolgsversprechende Forschungsprojekte und klinische Studien zur Heilung von Patienten mit verletztem Rückenmark oder Querschnittslähmungen unterstützt werden.

Trotz wechselhaftem Wetter war es ein durchaus gelungener Trail-Event, den wir zum einen als optimale Vorbereitung für den Großglockner GUT 50 nutzen wollten und zum anderen, um uns konstant an längere Distanzen heranzutasten. Dass es in der beeindruckenden Bergwelt rund um die beiden Austragungsorte Ischgl und Galtür am Ende dennoch zäher als gedacht werden sollte und wir am eigentlichen Ruhetag gleich drei 3.000er Gipfel noch oben drauf gepackt haben, erfahrt ihr in unserem Eventbericht.

Drei Strecken für jedes Alter und jeden Anspruch

Beim Silvretta Run 3000 existieren – anders als bei den meisten Trailevents häufig üblich –  zwei unterschiedliche Start- und Zielorte. Vermutlich schlichtweg aus dem Grund, dass das schmal eingeschnittene Paznauner Tal nur bedingt eine Streckenführung als Rundtour zulässt und am Ende auch bestimmte Distanzen in Summe zusammenkommen müssen. So starteten die Teilnehmer auf den Strecken Hard (42,195 Kilometer / 1.814 Höhenmeter), Medium (29,9 Kilometer / 1.482 Höhenmeter) und Small (11,2 Kilometer / 306 Höhenmeter) jeweils im sonst eher für mondäne Aprés Ski Partys bekannten Ischgl, um sich von dort aus in das etwas höhere gelegene Galtür „hinaufzuarbeiten“.

Doch bevor es dazu überhaupt erst einmal kam, waren bereits am Freitagnachmittag die Nachwuchsläufer an der Reihe, die im Alter von vier bis 15 Jahren beim 3. Silvretta Kids Run presented by Volksbank Tirol an den Start gingen. Mit ansteckendem Eifer absolvierten die rund 80 Mädels und Buben die drei unterschiedlich langen Strecken (Mini 450 Meter, Midi 1.000 Meter und Maxi 2.000 Meter). Übertroffen wurde diese Begeisterung nur noch durch die stolzen Eltern, die ihre Kleinen bei der anschließenden Siegerehrung in Richtung Podest begleiteten. Grund genug, die dabei vorherrschende gute Laune als Ansporn für den eigenen Lauf am Samstag mitzunehmen.

Zäher Zustieg, wechselhaftes Wetter und eine Belohnung im Ziel

Bereits um 8Uhr morgens wurde in Ischgl der Startschuss zu den beiden längsten Distanzen abgegeben, der für unsere Begriffe durchaus auch etwas später hätte fallen dürfen. Etwas unausgeschlafen stolperten wir denn auch durch die sonstige Skihochburg, um uns anschließend gemeinsam mit den Läufern der Marathondistanz auf einem breiten Ziehweg in Richtung Silvrettabahn Mittelstation nach oben zu arbeiten. Zugegeben, die ersten 15 Kilometer bis zur Heidelberger Hütte sind schon recht zach und nicht gerade ein Schmankerl für Trailliebhaber. Für Einsteiger durchaus geeignet, sind die eher als Wirtschaftswege zu bezeichnenden und teils sogar geteerten Forststraßen nicht gerade das bevorzugte Terrain von „Trailhasen“ wie uns. Eine Meinung, die viele andere Teilnehmer mit uns teilten. Immerhin änderte sich die Streckenführung ab der ersten großen Verpflegungsstation, wo sich auch die Wege der beiden Distanzen teilten. Während die Marathonläufer hinauf zum frisch verschneiten Kronenjoch abbogen, drehten wir nach rechts in Richtung Ritzenjoch ab, das es auf rund 2.700 Höhenmetern zu überwinden galt. Hier bließ zwar ein eiskalter Wind gepaart mit fiesem Nieselregen, aber genau solche Bedingungen lieben wir. Und endlich Trails ganz nach unserem Geschmack: Etwas verblockt, aber dennoch flowig genug, um die Beine etwas fliegen zu lassen.

Doch bereits ab der Zollhütte ging die Streckenführung nach fulminantem Sturzflug bereits wieder in langsam auslaufende Fahrwege über und der Trailspaß verkehrte sich wieder in reine Laufarbeit. Nun wurde uns auch langsam klar, wieso Stöcke bei diesem Laufevent generell nicht gestattet sind, schließlich gibt es nicht so viel, wobei diese hätten zum Einsatz kommen können. Und ja, vielleicht hätten wir die Streckenbeschreibung vorab doch besser durchlesen sollen: Trail 21,70 % | Forststraße 58,80 % | Asphalt 19,50 %. Da hatten es die Langdistanzler deutlich besser bzw. anspruchsvoller, wie uns zumindest Johanna vom Laufen.de berichtete und auch das Profil verspicht: Trail: 40,80 % | Forststraße: 40,30 % | Asphalt: 18,9 %. Zwar wurden den Marathonläufern aufgrund des Neuschnees doch so einiges abverlangt, aber dafür war deren Streckenverlauf gerade im oberen Teil einfach ein wahres Schmankerl.

Dementsprechend zach gestaltete sich denn auch die Wegstrecke ein Tal weiter, wo wir uns eher etwas missmutig in Richtung Galtür zurückfallen ließen. Da sorgte der finale Anstieg auf asphaltiertem Untergrund kurz vor dem Zieleinlauf nicht gerade für ein Zucken in den Mundwinkeln. Aber vielleicht war es einfach nicht unser Tag, auch wenn am Ende eine gar nicht so schlechte Zeit für jenen Einzelnen von uns auf dem Zettel stand. Immerhin begeisterten uns die zahlreichen Helfer und das gesamte Orgateam – sowohl im Ziel als auch unterwegs auf der Strecke mit bester Laune und viel Humor – den wir im übrigen auch nie verloren. Und das in der Mehrzweckhalle von Galtür reichhaltig gefüllte Buffet für die abgekämpften Laufsportler sorgte schnell wieder für aufgehellte Gesichter.

Drei Dreitausender auf einen Streich – man gönnt sich ja sonst nichts

Was nicht ist, kann ja bekanntlich noch werden. Deshalb ließen wir es uns nicht nehmen, uns unmittelbar nach dem Zieleinlauf in die Sauna unserer Unterkunft „Hotel Post“ zurückzuziehen und um unsere dann doch recht müden Füße zu regenerieren. Schließlich wollten wir den Sonntag dazu nutzen, gleich drei 3.000er Gipfel in der Gegend zu besteigen. Die viel begangene Route im Silvretta Gebirge ist nicht nur eine beliebte Etappe der Tour Tirol unter bergaffinen Touristen, sondern ist ein Stück weit auch Teil der Laufstrecke der „Hard Distanz“. So wandelt man quasi in umgekehrter Richtung vom Jamtal kommend hinauf zum Kronenjoch, um von dort aus nacheinander die drei Gipfel der Breiten Krone, der Bischofsspitze und des Grenzeckkopfs in direkter Nachbarschaft zur Schweiz zu überschreiten.

Eine wirklich lohnenswerte Tour, die man aber am besten mit dem Hüttentaxi in Angriff nimmt, da die Hatscherei durchs Jamtal dann doch recht zeitraubend wäre. Dafür bleiben umso mehr schöne Momente für die Gipfelrast, ein wahnsinniges Panorama in die umliegende Bergwelt oder eine zünftige Jause auf der Jamtalhütte, nur den Kaiserschmarrn sollte man besser weglassen. Der fällt nämlich nicht nur klein aus, sondern schmeckt auch eher dürftig.

So bleibt am Ende eines ereignisreichen Wochenendes wieder einmal die Erkenntnis – es ist immer so schön, wie man es sich selbst gestaltet. Ergo: Der Silvretta Run 3000 ist ein idealer Laufevent für Einsteiger und fortgeschrittene Trailrunner, die in längere Distanzen hineinschnuppern wollen. Für Fan flowiger Trails ist er alledings eher nicht zu empfehlen. Falls wir also doch noch einmal in Ischgl / Galtür an den Start gehen sollten, dann definitiv nur noch auf der Marathondistanz.

Silvretta Run 3000 – die Ergebnisse:

In der Königsdisziplin über das knapp 3.000 Meter hohe Kronenjoch sicherte sich Johannes Hinterseer aus Deutschland mit einer Zeit von 3:34.35,5 den Sieg bei den Herren. Unter den Marathon-Damen stand auf der Hard-Strecke Claire Rogers aus Großbritannien mit einer Zeit von 4:55.50,6 ganz oben auf dem Siegerpodest. Die Medium-Distanz durch das beeindruckende Fimbatal über das Ritzenjoch entschieden Andreas Schindler aus Deutschland mit einer Zeit von 2:35.00,2 und Katharina Zipser aus Österreich mit einer Zeit von 2:51.30,3 für sich. Gold auf der Small-Strecke über Mathon und Tschaffein holten sich Christian Pflügl aus Österreich mit einer Zeit von 44.28,6 und Hanna Jantunen aus Finnland mit 45.13,0.

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