Interview – Nico Zacek / Suzuki Nine Knights 2016 Toys for Boys – wenn junge Hüpfer im Schnee spielen


 
16.04.16
 

Beim jährlich stattfindenden Freestyle-Contest „Suzuki Nine Knights“ zeigen Snowboarder und Skifahrer unterschiedlichster Disziplinen an einer gigantischen „Hüpfburg“ aus Schnee ihre Tricks. Bei der Veranstaltung locken weder Medaillen noch ein Preisgeld. Trotzdem pilgern die eingeladenen Olympiasieger, X-Games Gewinner, Weltmeister und Weltcupsieger nach Südtirol, um dort Anfang April eine Woche lang ihren Sport zu zelebrieren.

Im Interview – Freeski-Profi Nico Zacek über die Nine Knights:

Ins Leben gerufen wurde der Event im Jahr 2008 vom ehemaligen Freeski-Profi Nico Zacek (35) aus München. Unsere Gastautorin Johanna Stöckl hat mit dem umtriebigen Veranstalter über seine ungebrochene Leidenschaft für den Skisport gesprochen und ihm ein paar Fragen rund um den angesagten Wintersportevent gestellt.

Interview mit Nico Zazek, dem Gründer von Suzuki Nine Knights. (© Nine Knights / Klaus Polzer)

Wagt sich der ehemalige Freeski-Profi Nico Zacek selbst auch noch über die Megaschanze?

Bisher bin ich alle Jahre selbst auch gesprungen. Dieses Jahr leider noch nicht. Ich muss mir sportlich zwar nichts mehr beweisen, aber meiner Seele tut es gut zu springen. Es juckt noch gewaltig. Daher: Ja ich muss auch abheben.

Ist das ohne entsprechendes Training nicht gefährlich?

Einem normalen Skifahrer ist jedenfalls strengstens davon abzuraten. Wenn man den enormen Kräften beim Take Off nicht gezielt entgegenwirkt, wird man regelrecht durch die Luft geschleudert und verliert die Kontrolle. Nachdem ich aber über viele Jahre selbst Freeski-Profi war, hab’ ich solche Sprünge schon noch drauf. Allerdings auf einem deutlich niedrigeren Niveau als die Besten hier.

Mit welcher Geschwindigkeit rasen die Athleten durchschnittlich auf diese Hip zu?

Die Jungs ballern bereits bei ihren ersten Versuchen mit mindestens 90 km/h rein. Nach mehreren Versuchen erreichen die Besten hier 100 km/h im Anlauf.

Bei den diesjährigen Nine Knights habt ihr mit „the perfect hip“ eine Art Höhenweltrekord proklamiert.

Die Idee ist, den höchsten Sprung, den es je an einer Hip gab, zu realisieren. Aber es dreht sich hier nicht alles ausschließlich um den Weltrekord. Jahr für Jahr versammeln wir bei unserem Event die besten Athleten der Welt am besten Spielplatz der Welt mit dem Ziel den Freestyle-Sport weiterzuentwickeln. An der Schneeburg wird auch schwer getrickst. Christof Schenk sicherte sich den Trick-Award. Er zeigte überirdischen Style in der Luft. Darunter ein Double Cork 1080 und ein Cork Misty 1080 sowie ein massiver Triple Backflip. Die Nine Knights 2016 sind also eine Kombination aus Tricks und Höhe.

Du hast die Nine Knights 2008 ins Leben gerufen. 2010 folgte das Pendant Nine Queens für die Freestyle Damen. Wie kommt der Event bei den Frauen an?

Wir ernten eine unglaublich große Dankbarkeit innerhalb der Szene. Die Mädels sind froh, auf einer außergewöhnlichen Veranstaltung ihr Bestes zeigen zu können. Im Gegensatz zu allen anderen Events, bei denen sich Frauen und Männer über die gleichen Kicker stürzen, bauen wir bei Nine Queens eine ganze Burg mit unterschiedlichen Take Offs nur für die Freestyle Damen. Das macht uns einzigartig.

Definiert ihr euch als „Entwicklungshelfer“ im Freestyle Sport?

Gerade bei den Mädels kann ich das unterschreiben. Obwohl ich ein glühender X-Games Fan bin, möchte ich anmerken, dass bei den Nine Queens das Niveau deutlich höher ist. Die Teilnehmerinnen trainieren in entspannter Atmosphäre eine Woche lang an der perfekten Schneeburg. Sie entwickeln, üben und perfektionieren neue Tricks, die man später bei den X-Games, Olympischen Spielen oder anderen großen Wettbewerben sieht. Insofern fördern wir Weiterentwicklung des Freestyle-Sports.

Ist es Teil des Erfolgskonzepts, die Veranstaltungen Nine Queens und Nine Knights jeweils Ende der Saison auszurichten?

Wir wollen den Fortschritt im Freestyle Sport fördern, unterstützen indem wir für ein perfektes Set Up sorgen, in dem der Sportler an sein Limit gehen kann. Im Frühjahr sind die Bedingungen im etwas weicherem Schnee für die Landung optimal. Da kann man richtig Gas geben. Die großen Events, wie Olympische Spiele, X-Games sind Ende März, Anfang April längst vorüber. Die Sorge, sich vor einem Megaevent zu verletzten, besteht also nicht. Die Wahl des Zeitpunktes ist wohl durchdacht.

Wie ist die Idee zu den Nine Knights entstanden?

Während meiner aktiven Zeit habe ich weltweit an so ziemlich allen Freeski-Events und Contests teilgenommen. Die Idee war, all die positiven Erfahrungen, die ich sammeln konnte, auszubauen und die negativen bei einem eigenen Event auszumerzen.

Was waren negative Erfahrungen und wie sieht deine Lösung aus?

Wir sind oft unter Zeitdruck bei schlechten Wetterbedingungen gefahren, weil beispielsweise eine TV-Live-Übertragung anstand. Bei den Nine Knights/Queens gibt es keinen strengen Zeitplan. Die Athleten sind eine Woche vor Ort. Nur bei optimalen Bedingungen gehen sie aufs Ganze. Oft sind bei Contests auch der Kurs oder die Pipe in einem fragwürdigen Zustand. Wir bauen die besten Hips der Welt. Alles Geld, das zur Verfügung steht, investieren wir in ein perfektes Set Up. Preisgeld gibt daher keines. Trotzdem folgen die besten Fahrer und Fahrerinnen der Welt unserer Einladung. Alleine hier in Watles stehen Olympasieger, X-Games Gewinner, Weltmeister und Weltcupsieger am Start. David Wise und Iouri Podladtchikov sind hier. Das sind die großen Stars der Freestyle Szene.

Die Weltspitze kommt zu den Nine Knights, weil es Spaß macht?

Alle, die hier sind, lieben den Freestyle Sport. Die Fahrer übernehmen die Reisekosten selbst. Sie kommen, weil sie ihren Sport unter optimalen Bedingungen auf höchstem Niveau und in entspannter Atmosphäre trainieren und zelebrieren können. Außerdem geht jeder Teilnehmer mit spektakulären Bildern und Videos im Gepäck nach Hause. Das wiederum honorieren die Sponsoren der einzelnen Athleten.

Euer Geheimnis ist also die Mischung aus Trainingssession bei besten Bedingungen, Contest und Medienevent?

Wir sorgen für den besten Playground vor außergewöhnlicher Kulisse. Die Fahrer können sich sportlich-kreativ austoben, sich aber auch inszenieren. Einige reisen mit einem eigenen Kamerateam an.

Ohne Sieger gibt es keinen Verlierer. Nimmt das störenden Druck von den Teilnehmern?

Der Performance kommt das jedenfalls zugute.

Das Castle der Nine Knights in Zahlen:

Länge: 60 Meter
Breite: 40 Meter
Höchster Kicker (Mitte): 9 Meter
Suzuki Schwert: 10 Meter
Länge der Hip: 25 Meter vom Take Off bis zur Landung

Interview - Nico Zazek / Suzuki Nine Knights 2016: Seppe Smits begutachtet die Schneeburg von oben. (© Nine Knights / David Malacrida)

Wie lange dauert der Bau einer Schneeburg dieser Art?

Sechs Wochen vor dem Event werden Unmengen von Schnee mit Pistenraupen auf einen großen Haufen zusammengeschoben. In Watles konnten wir den bereits vorhandenen Schnee von einem Skicross-Event recyclen und wieder verwenden. Danach muss sich der Schnee ein paar Tage setzen bzw. verdichten, bevor die Carver Hand anlegen. Am Ende arbeiten etwa 10 Burschen 14 Tage lang mit der Unterstützung von Baggern, Pistengeräten, Kettensägen und Schneefräsen an der Burg. Sie hängen an den Türmen, sind über Klettergurte gesichert, tragen Steigeisen an den Füßen, arbeiten sich von oben nach unten und shapen, formen die einzelnen Hips.

Wer übernimmt die Entwürfe und Berechnungen vorab?

Wir von Nine Knights arbeiten seit Beginn mit der Allgäuer Firma Schneestern die sich auf den Bau von Schanzen, Hips, Pipes und Parks spezialisiert hat und zu den Marktführern gehört. Es gibt ohnehin nur ca. fünf Firmen weltweit, die solche Anlagen aus Schnee überhaupt bauen können. Die Firma Schneestern berechnet vorab natürlich alle Winkel, Neigungen, die entsprechenden Flugkurven und fertigt einen CAD Plan an, nachdem später die Location ähnlich wie bei einem Hausbau erstmal abgesteckt und ausgestochen wird. Im Fall von Watles unterstützte uns außerdem die Firma F-Tech aus Bozen, die ebenfalls auf den Bau von Snowparks spezialisiert sind.

Wie viel Burgen hat Nico Zacek bisher gebaut?

Insgesamt 14 Schneeburgen.

Wie finanziert sich so ein Event?

Als Veranstalter generieren wir über Eventsponsoren natürlich ein Budget. Es gibt Kosten, die das Ressort übernimmt. Die Übernachtungen, Verpflegung, die Skipässe werden von der Region gestellt. In Watles hatten wir, wie bereits erwähnt, den großen Vorteil, dass schon reichlich Schnee für unsere Burg da war, was die Kosten enorm reduzierte.

Was kostet denn Schnee?

Zwei bis drei Euro pro Kubikmeter. Für den Bau der Burg brauchen wir zwischen 40.000 bis 50.000 Kubikmeter. Da kommen schnell 100.000 Euro zusammen.

Macht ihr mit den Nine Knights Gewinn?

(Lacht) Egal, wie viel Budget wir zur Verfügung haben, wir geben immer alles aus. Am Ende bleibt nichts übrig. Wir investieren immer alles in unser Baby.

Hier treffen Freeskier auf Snowboarder, Big Air Fahrer auf Halfpipe Spezialisten, Teilnehmer der Freeride World Tour auf Parkspezialisten. Die Mischung ist ungewöhnlich.

Dieser Mix ist uns ein Anliegen. Ein David Wise oder Iouri Podladtchikov etwa sind als Olympiasieger längst auf die Halfpipe spezialisiert, beide sind aber auch gute Slopestyler bzw. beherrschen alle Spielarten im Schnee. Wir zeigen hier den Freestyle Sport in seiner Vielfalt. Eine Hip wie in diesem Jahr gab es noch nie. Vorab wussten wir nicht, ob an ihr die Slopestyler, Big Air Jungs oder die aus der Halfpipe brillieren.

Wer liegt vorne?

Die Halfpipe-Männer überzeugen durch ihre Präzisionstechnik. Was die Höhe betrifft, sind der französische Pipefahrer Joffrey Pollet-Villard und David Wise grandios. David ist hier schließlich auch Höhenweltrekord gesprungen. Sagenhafte 14,20 Meter hoch. Auch der Italiener Christof Schenk, er kommt aus dem Slopestyle, war immer ganz vorne mit dabei.

Die Nine Knights fanden dreimal in Oberstdorf, später vier Jahre lang in Livigno statt. Warum jetzt in Watles?

Watles ist der perfekte Spot für eine Veranstaltung dieser Art. Der Hang ist ideal. Er liegt unmittelbar neben dem Lift, ist stark geneigt, wird von einem kurzen Flachstück unterbrochen und geht erneut in einen Steilhang über. Im Hintergrund die imposante Ortlergruppe als Kulisse. In Watles haben wir eine natürliche Arena vorgefunden. Keine Liftstützen oder Bäume sind im Weg. Es gibt viel Platz für Zuschauer. Außerdem trafen wir in Südtirol auf sehr viel Herzblut und Engagement. Wir wurden mit offenen Armen empfangen und von unkomplizierten, freundlichen Menschen tatkräftig unterstützt. Vom exzellenten Essen ganz zu schweigen.

Autorin: Johanna Stöckl

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