Kolumne – Das ist ja der Gipfel #4 Da wird ja das Huhn im Naturschutzgebiet verrückt – eine Provinzposse


 
31.01.17
 

Erst jüngst berichteten wir über ein seitens der Initiative Dein Winter. Dein Sport. ins Leben gerufenes und bisher einmaliges Angebot: Jeden Donnerstag können Skitourengeher für 15,- Euro mit dem Autobus Oberbayern von München aus an den Tegernsee fahren, um dort über die Skipiste auf den Hirschberg zu steigen. Eine Nachtskitour zum Afterwork. Umweltfreundlich, gesellig und irgendwie passend zum Trend der Zeit. Doch nach nur drei Terminen müssen die Veranstalter nun bereits die Segel streichen und den Event aufgrund massiver Beschwerden seitens von Tierschützern in das Skigebiet Sudelfeld verlagern. Grund dafür seien die unverantwortlichen Folgen durch die vermeintliche Ruhestörung des gefährdeten Birkhuhns, das am Hirschberg beheimatet ist. Eine absolute Provinzposse, wie Veit vom aF-Team findet.

Umweltschutz zum Schutz absolut falscher Argumente?

Dass es eine Afterwork-Skitour mal in die Süddeutsche schafft, hätten sich die Veranstalter und Initiatoren von Dein Winter. Dein Sport. sicherlich auch nicht erträumt, als sie das bisher einzigartige Angebot aus der Taufe hoben, um outdoorbegeisterte Nachtschwärmer mit dem Bus von München an den Tegernsee zu karren. Doch dank einzelner Tierschützer muss die Eventreihe nun verlegt werden, weil die Ruhe des gefährdeten Birkhuhns am Hirschberg beeinträchtig sei, wie die Tegernseer Stimme jüngst berichtete. Demnach hätten die rund 30 Teilnehmer jeden Donnerstagabend dafür gesorgt, dass sie auf ihrem Weg über die Skipiste mit ihren Stirnlampen und mittels lautstarker Gespräche die Stille der Nacht und die bedrohte Tierart massivst stören.

Das Interessante dabei ist nur, dass die eigentliche Schutzzone erst oberhalb der Rauheckalmen beginnt. Noch interessanter wird die Haltlosigkeit des Vorwurfs im Hinblick auf die Tatsache, dass die Skitourengeher jedes Mal auf dem Sattel weit unterhalb der Almen kehrt machten und über die zum Teil bis zu 35° steile, gewalzte Skipiste abfuhren. Zum einen weil die Schneebedingungen ein Weitergehen eher unmöglich machten und zum anderen, weil die Zeit auch gar nicht gereicht hätte, um in die Ruheschutzzone „einzumarschieren“. Daher stellt sich mir die Frage, ob hier nicht mit zweierlei Maß – oder nein, eher absolut falsch – gemessen wird?! Ist es nun doch umweltverträglicher, wenn unzählige Wintersportler nach der Arbeit einzeln in ihre „Rußpartikel-Schleudern“ steigen, um damit die bekannten Afterwork-Skitouren wie bspw. hinauf zum Kolbensattel oder im Sudelfeld anzusteuern? Und seit wann tummeln sich irgendwelche Hühner auf einer den ganzen Tag viel befahrenen Skipiste herum, nur weil es abends dort etwas ruhiger zugeht? Aber wie sagt doch der Volksmund so schön: „Da wird ja das Huhn in der Pfanne verrückt“.

Wenn Hühner im Nachthemd um Ruhe gackern.

Naturschutz in allen Ehren, aber ein Angebot mehr oder weniger abzusägen, dass sich gerade hinsichtlich einer umweltverträglicheren Mobilität verdient macht, sollte man eher fördern statt massivst zu behindern. Mit Blick auf die Fakten und Argumente, die seitens der Tierschützer auf den Tisch gebracht wurden, kommt es eher einer Provinzposse gleich. Nicht die Hühner sind offensichtlich das Problem, sondern die übersensiblen und selbsternannten Anwälte von Mutter Natur. Denn ginge es nach deren Interessen müsste der komplette Skibetrieb mit sofortiger Wirkung eingestellt werden. Aber auch das ist keine Lösung. Oder zumindest dürften dann die Liftbetreiber und Ortsansässigen direkt auf den Plan gerufen werden, wenn diese sich in ihrer Existenz bedroht sehen.

Nun heißt es für den Nachtschwämer-Bus also anstatt rund 60 Kilometer jeden Mittwoch 20 Kilometer mehr an Wegstrecke zurückzulegen, um das Sudelfelder Skigebiet bei Bayerischzell zu erreichen. Ob das im Sinne der Natur ist? Ich möchte es bezweifeln. Mal abgesehen davon, dass sich so mancher Teilnehmer nun die Frage stellen dürfte, ob er noch einmal einsteigt, da die Nachtskitour laut Aussage der Veranstalter nun durch recht anspruchsvolles Gelände führt und für Skitouren-Anfänger und Ungeübte nicht geeignet ist. Schade, denn das Feedback seitens der Teilnehmer, als ich mir selbst ein Bild vor Ort gemacht hatte, fiel durchweg positiv aus. Bleibt also nur zu hoffen, dass in Bayrischzell nicht auch wieder irgendein Huhn auf die Idee kommt, im Nachthemd auf der Skipiste zu erscheinen und lauthals um Ruhe zu gackern.

Nachtskitour ab Bayrischzell aufs Sudelfeld – die Details:

Termin: Mittwoch, 01.02. und 08.02.2017
Busfahrt: ca. 1,15 Std. einfach
Abfahrt: 17:30 Uhr München ZOB
Ankunft: ca. 18:45 Uhr am Parkplatz Schwebelift Bayrischzell (Talstation)
Rückfahrt: 22:15 Uhr ab Parkplatz Schwebelift Bayrischzell (Talstation)
Skitour: Gehzeit ca. 1-1,5 Std., Höhenunterschied ca. 600 m, Länge ca. 4 km
Einkehrmöglichkeiten: Walleralm, Speck-Alm, Sonnenalm (alle geöffnet bis 21:30 Uhr), Andreas Stüberl direkt am Ausgangspunkt der Tour (bis 22 Uhr)

2 Kommentare zu
Kolumne – Das ist ja der Gipfel #4: Da wird ja das Huhn im Naturschutzgebiet verrückt – eine Provinzposse

  1. Martin kommentierte:

    Bei uns im östlichen Berner Oberland ist es leider auch so. Immer mehr Skitouren Routen werden von verschiedenen Umweltverbänden in Frage gestellt. Dies hatte bei uns zur Folge, dass drei sehr beliebte Routen ab diesem Winter gesperrt wurden. Während den letzten 10 Jahre störte sich niemand daran und nun ist es plötzlich ein Problem für die Wildtiere.

  2. veischu kommentierte:

    In gewisser Weise muss man das an sich ja auch respektieren. Und aufgrund der zunehmenden Beliebtheit des Skitourensports ist es auch notwendig, den IST-Zustand immer wieder aufs Neue zu hinterfragen. Aber im Fall der Nachtskitouren denke ich immer nur an den Spruch: „Die Geister, die ich rief….“. 😉

    Veit vom aF-Team

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