News – ABS Avalanche Airbag Alpinunfälle bleiben Männerdomäne – riskieren Frauen seltener Kopf und Kragen?


 
14.12.14
 

Freeride- oder Skitouren im freien Gelände sind längst keine reine Männerdomäne mehr. Immer häufiger entdecken auch weibliche Athleten die Reize des Backcountry für sich und sind mehr Freeriderinnen und Skitourengeherinnen in den Bergen unterwegs als jemals zuvor. Doch das liegt nicht unbedingt an einer zunehmenden Risikobereitschaft der Damen, sondern vielmehr an zahlreichen neuen frauenspezifischen Produkten, die gezielt auf die weibliche Anatomie hin entwickelt werden. Doch erstaunlicherweise schlägt sich die Zunahme an Wintersportlerinnen nicht in den Unfallstatistiken nieder. So bestätigt eine geschlechterspezifische Analyse zu den Lawinenunfällen im freien Skiraum über einen Zeitraum der letzten fünf Jahre, dass der Wintersport unverändert durch das vermeintlich starke Geschlecht dominiert wird: Demzufolge sind immerhin 85% der in einen Lawinenabgang involvierten Personen männlich und nur 12% der dabei tödlich verunglückten Personen entfallen auf die weibliche Fraktion. Im Hinblick auf diese Zahlen, wirft sich sofort eine Frage auf: Sind Frauen generell risikobewusster als Männer?

Carven statt Kurven – Freeriderinnen erobern die Männerdomäne.

Gerade in den letzten Jahren hat sich der Freeride-Sport enorm weiterentwickelt und immer mehr Frauen jagen mit Snowboard oder Ski durch tief verschneite Steilhänge. Ein Trend, den auch die beiden und über die Grenzen Euroas hinaus bekannten Profi-Freeriderinnen Sandra Lahnsteiner und Eva Walkner bestätigen können: „Wir Frauen sind definitiv sichtbarer geworden in der Szene“, so Lahnsteiner, die mittlerweile sogar die Kinoleinwände mit ihrem Skifilm “Shades of Winter” erobert hat, in denen ausschließlich weibliche Protagonisten zu sehen sind. „Das liegt zum einen am stetig steigenden Niveau der Mädels bei publikumswirksamen Events wie bspw. der Freeride World Tour. Und zum anderen auch an der wachsenden Sichtbarkeit und Performance unserereins in Freeski-Filmproduktionen sowie dem Support seitens Sponsoren und den Medien.“

Eva Walkner geht noch ein Stück weiter und sieht eine ebenso rasante Entwicklung im Hobby-Bereich: „Das Level bei den Frauen wird Jahr für Jahr kontinuierlich nach oben gepusht. Galt es vor fünf Jahren noch als etwas ganz besonderes, wenn einer Athletin ein Backflip gelang, können das heutzutage sogar schon versierte Freizeitsportlerinnen. Freeriden ist mittlerweile ein Lifestyle-Sport, der nicht nur cool ist, sondern durch den man sich selbst ausdrücken und Spaß mit Freunden haben kann. Der Weg geht eindeutig immer mehr weg von der gesicherten Skipiste ins freie Gelände – auch bei uns Frauen.“

Männer dominieren bei alpinen Unfällen im Wintersport

Allgemein schlägt sich die starke Zunahme an aktiv ausübenden Sportlern sowohl beim Variantenfahren/Freeriden als auch bei Skitouren in der Unfallstatistik nieder, wenn auch bei Weitem nicht so stark wie es zu erwarten wäre, so Andreas Würtele vom Österreichischen Kuratorium für Alpine Sicherheit: „Aus Sicht der Forschung bleibt der alpine Unfall nach wie vor eine Männerdomäne. So gehen fast 75% der Freeride-Unfälle auf das Konto von Männern, bei denjenigen mit tödlichem Ausgang fällt die Zahl mit über 90% sogar noch höher aus. Beim Skitourengehen ist der Frauenanteil zwar etwas höher, aber auch hier sind zwei Drittel der Verunfallten immer noch Männer. Die Todesrate liegt hier ebenfalls bei einem Wert von 9 zu 1. Erstaunlich an der jüngsten Entwicklung ist allerdings, dass rein statistisch keine signifikante Zunahme der Unfallzahlen von Frauen beobachtet werden kann, obwohl die Zahl an Freeriderinnen und Skitourengeherinnen in den letzten 5 Jahren stetig zugenommen hat.“

Das klassische Lawinenopfer ist männlich und 30-50 Jahre alt.

Michael Larcher vom Österreichischen Alpenverein (OeAV) ist selbst Bergführer und Sachverständiger für Alpinunfälle und kann bestätigen, dass “in Österreich pro Jahr durchschnittlich 26 Lawinentote zu beklagen sind. Doch entgegen der öffentlichen Wahrnehmung handelt es sich dabei statistisch gesehen nicht etwa um leichtsinnige Freerider im jugendlichen Alter, die in einer Lawine sterben. Vielmehr ist es der klassische Tourengeher, der betroffen ist. So ist das typische Lawinenopfer männlich, zwischen 30 und 60 Jahre alt, gut ausgerüstet und häufig sogar ortskundig.“ Sind Männer also generell risikobereiter als Frauen oder woran könnte es liegen, dass vor allem männliche Wintersportler verstärkt in den Unfallstatistiken auftauchen?

„Mit Sicherheit sind Frauen generell eher vorsichtiger als Männer unterwegs. Das liegt einfach in unserer Natur,“ zeigt sich Eva Walkner überzeugt. Ob sich Frauen in Gefahrensituationen allerdings anders verhalten als Männer, könne sie nicht beurteilen. Damit teilt sie auch die Einschätzung der US-amerikanischen Profi-Freeskierin Elyse Saugstad, die noch ergänzt: „Ich denke nicht, dass ein unterschiedliches Verhalten im Backcountry vorliegt, was auf geschlechterspezifische Faktoren zurückzuführen wäre. Wie die Leute in Gefahrensituationen letztendlich reagieren, ist eher davon abhängig, ob die jeweilige Person auf derartige Situationen vorbereitet und entsprechend trainiert ist. Andererseits lässt sich auch aus den US-amerikanischen Statistiken ablesen, dass ein Großteil der durch eine Lawine getöteten Wintersportler männlich ist. Daraus schließe ich, dass viele junge Männer eine deutlich höhere Risikotoleranz haben als Frauen. Und ganz klar, Unerfahrenheit, Draufgängertum und Naivität sind nach wie vor typische Charaktereigenschaften, die im Backcountry zu einem lebensbedrohlichen Problem werden können.“

Ausrüster setzen auf frauenspezifische Produkte.

Geschlechterübergreifend gilt auf alle Fälle, dass jeder sich stets gut vorbereitet und sich niemals alleine ins freie Gelände wagt, so Walkner: „Keinesfalls verzichten darf man bei Touren im Backcountry auf die Standardausrüstung für den Notfall, zu der neben dem LVS-Gerät auch eine Lawinenschaufel und eine Sonde gehören. Ein weiteres Plus an Sicherheit bietet zudem ein ABS-Rucksack.“ Dennoch setzen die Hersteller mehr denn je darauf, die eigenen Produkte nicht nur farblich, sondern insbesondere auch technisch und von der Passform her an die spezifischen Anforderungen weiblicher Wintersportler anzupassen, so Andreas Würtele. Auch der Lawinenairbag-Spezialist ABS aus Gräfelfing bei München präsentierte auf der ISPO 2014 seine überarbeitete „Powder-linefür die Wintersaison 2014/15.

Die für kürzere Rückenlängen entworfene Base-Unit bietet dank neu geformter Rückenplatte, ergonomisch auf die weibliche Physiognomie angepassten Schulterträgern und dem eng anliegenden Neopren-Hüftgurt eine Passform, die speziell für Frauen optimiert wurde. Und auch bei den kompatiblen Packsäcken tut sich einiges: Im Vergleich zu den Vorjahren (nur 5L und 15L) werden die bisherigen Modelle der Powder-line durch einen größeren Zip-on mit 26L komplettiert. Dieser eignet sich hervorragend zum Tourengehen und verfügt über vielfältig nutzbare neue Fächer. Eine Entwicklung, die auch Sandra Lahnsteiner erfreut: „Wir Frauen haben einfach einen anderen Körperbau und eine andere Athletik als Männer, deshalb macht es durchaus Sinn bspw. einen kürzeren Rucksack oder einen kleiner dimensionierten Protektor tragen zu können, die optimal passen.“ Eva Walkner ergänzt, dass gerade die Herrenmodelle meistens zu groß geschnitten sind und man sich als Trägerin nicht wirklich wohlfühlt. Ein Fakt, der vor allem in punkto Sicherheit eine große Rolle spielt, denn gerade beim Lawinenairbag kann eine perfekte Passform mitunter überlebenswichtig sein.

Quelle: ABS Avalanche Airbag

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