News – DAV Bergunfallstatistik 2015 Zahl der Bergnotfälle nimmt zu – falsche Planung & fehlende Erfahrung als Ursache


 
27.09.16
 

Die wichtigste Nachricht vorweg: Das Risiko, beim Bergsport tödlich zu verunglücken, sinkt laut Aussage der Sicherheitsexperten des Deutschen Alpenvereins e.V. (DAV) seit mehr als 60 Jahren und befindet sich demnach auf einem historischen Tiefstand. Gleich dahinter kommt aber die zweite, dann doch etwas ernüchternde Nachricht: Seit den 90er Jahren nehmen alpine Notfälle insgesamt leicht zu, weil immer mehr Menschen die Berge für sich entdecken und im Notfall eine Alarmierung der Rettungskräfte per Handy nahezu reibungslos funktioniert. Als Hauptursache für einen Großteil der Rettzungseinsätze gibt der DAV in erster Linie die Übermotivation an, mit der viele Frischluftfreunde an den „Haus- und Prestigebergen“ wie der Zugspitze oder dem Watzmann unterwegs sind. Als eine neue Ursache wird aber auch der Klimawandel genannt. Übergreifend kann festgestellt werden, dass es vor allem unerfahrene und nicht optimal vorbereitete Bergsportler erwischt. Demgegenüber ist das Unfallrisiko beim Indoorklettern als „ausgesprochen gering“ zu bewerten. Eine komplette Präsentation der Unfallstatistik zum Download gibt’s hier.

Kurze Zusammenfassung der wichtigsten Fakten

News - DAV Bergunfallstatistik 2015: Die meisten Unfallopfer sind unerfahren und überschätzen sich selbst (© DAV / Hans Herbig)

News – DAV Bergunfallstatistik 2015: Die meisten Unfallopfer sind unerfahren und überschätzen sich selbst (© DAV / Hans Herbig)

Seit 1952 gibt es die DAV-Bergunfallstatistik. Seitdem ist die Zahl der Mitglieder im Alpenverein um das 11-fache gewachsen und werden mittlerweile rund 80 Prozent aller Notrufe per Handy abgesetzt. Im selben Zeitraum ist die Zahl der tödlich verunfallten Mitglieder nahezu gleich geblieben. Insofern ist das Risiko eines tödlichen Bergunfalls auf ein Elftel gesunken. Insgesamt betrachtet ist seit den 90er Jahren allerdings ein leichter Anstieg zu verzeichnen. Verantwortlich dafür sind insbesondere sogenannte Blockierungen, die in den meisten Fällen glimpflich ausgehen. Neben den tödlichen Unfällen und den Blockierungen sind die Unfälle mit Verletzungsfolgen die dritthäufigste Art der Bergnotfälle. Auch der Klimawandel zeigt seine erste Wirkung, indem während der besonders trockenen und heißen Sommertage vor allem Dehydrierung und Erschöpfung dreimal so häufig vorkommen wie in der restlichen Jahreszeit. Besonders stark im Trend liegen Blockierungen, Unfälle und Notfälle beim Klettersteiggehen. Besonders auffallend ist dabei die Zahl der Rettungen Unverletzter und Betroffener, die zumeist unerfahren und völlig überfordert sind.

Einbindefehler als einzige Todesursache beim Hallenklettern

Im Jahr 2015 sind laut DAV insgesamt 203 Unfälle in 61 Kletteranlagen gemeldet worden. Im Vergleich mit den hunderttausenden Besuchern fällt diese Zahl sehr niedrig aus. Statistisch gesehen müsste also jeder durchschnittliche Klettersportler, der einmal in der Woche für drei Stunden in die Halle zum Klettern geht, über 300 Jahre aktiv sein, bis es zu einem Unfall kommt. Ein deutlich größeres Verletzungsrisiko besteht beim Bouldern, wobei hier eher Unfälle mit leichteren Verletzungen an den Extremitäten auftreten. Demgegenüber haben sich seit dem Jahr 2000 in Deutschland acht tödliche Unfälle in beim Sportklettern in der Halle ereignet, bei denen jeweils ein Einbindefehler vorlag.

Datengrundlage für die Erhebung der DAV-Bergunfallstatistik

News - DAV Bergunfallstatistik 2015: Zumeist gehen Bergunfälle eher glimpflich aus (© DAV / Bergwacht Bad Reichenhall)

Zumeist gehen Bergunfälle eher glimpflich aus (© DAV / Bergwacht Bad Reichenhall)

In der DAV-Bergunfallstatistik werden ausschließlich Unfälle von DAV-Mitgliedern erfasst – unabhängig davon, wo diese Unfälle passiert sind. Eingang in die Statistik finden Unfälle, welche die Mitglieder an die Versicherung des DAV (Alpiner Sicherheits Service – ASS) melden, um beispielsweise Bergungskosten erstattet zu bekommen. Eine Ausnahme ist die neue Statistik zu den Unfällen beim Indoor-Klettern. Weil dort in aller Regel keine Bergekosten anfallen, liegen auch kaum Versicherungsmeldungen vor. Deshalb baut der DAV derzeit gemeinsam mit dem Kletterhallenverband KLEVER ein Netzwerk zur Meldung von Unfällen auf. Die tatsächlichen Unfallzahlen in den Bergen liegen somit noch deutlich höher, weshalb die Unfallstatistik des DAV „nur“ einen kleinen Teil der tatsächlich aktiven Bergsportler erfasst.

Quelle: Deutscher Alpenverein e.V.

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