News – Deutscher Alpenverein e.V. DAV Bergunfallstatistik 2012/13 – viele Unfälle und Notfälle sind vermeidbar


 
09.08.14
 

Wie jedes Jahr präsentiert der Deutsche Alpenverein e.V. auch heuer wieder seine Bergunfallstatistik – diesmal für die Jahre 2012 und 2013. Die Zahlen sind laut DAV demnach ermunternd und besorgniserregend zugleich. Denn einerseits gab es noch nie so wenig tödliche Unfälle, andererseits ist die Gesamtzahl der Unfälle und Notfälle deutlich gestiegen. Vor allem beim Klettersteiggehen ist dieser Trend zu beobachten. Quer durch alle Bergsportdisziplinen und mit Blick auf die Zahlen ist eine Entwicklung jedoch ganz besonders besorgniserregend: Unabhängig von der Schwere der Unfälle gehen viele (vermeidbare) Notfälle auf das Konto von überforderten Bergsportlern, die sich schlichtweg selbst überschätzt haben oder nicht adäquat vorbereiet bzw. ausgerüstet waren. Die Zusammenfassung der Bergunfallstatistik des DAV kann hier heruntergeladen werden.

Drittniedrigster Wert in der DAV-Unfallstatistik

In den Jahren 2012 und 2013 sind insgesamt 28 bzw. 36 Tote zu beklagen – der niedrigste bzw. der drittniedrigste Wert in der 61-jährigen Geschichte der DAV-Unfallstatistik. Das Risiko eines tödlichen Unfalls ist in dieser Zeitspanne auf 10% des Ausgangswertes gesunken. Für das Jahr 2013 liegt das Risiko damit bei 1 zu 28.000. Nicht ganz so positiv entwickelten sich allerdings die Unfall- und Notfallzahlen insgesamt. So waren im Jahr 2013 ganze 1.126 und damit so viele Personen wie noch nie in Unfälle oder Nofälle verwickelt. Diese recht hohe Zahl kann zum einen auf die gestiegene Mitgliederzahl im DAV oder auf die stark zugenommene Zahl an Notfällen mit unverletzt geborgenen Bergsportlern zurückgeführt werden. Demnach ist dieser Anteil in den letzten 10 Jahren um 55% gewachsen.

Wandern – die sicherste Bergsportdisziplin

25% aller Bergunfälle und Notfälle geschehen beim Wandern – mehr als in allen anderen Bergsportdisziplinen. Trotzdem gilt das Wandern als sehr sicher und wird von 90% der DAV-Mitglieder aktiv betrieben. Knapp die Hälfte aller Wanderunfälle (49%) sind die Folge von Stolpern, Umknicken oder Stürzen. Wobei drei Viertel dieser sturzbedingten Unfälle im Abstieg geschehen. 18% aller Unfälle und 37% aller tödlichen Unfälle beim Wandern resultieren aus körperlichen Problemen wie etwa Krankheit, Überlastung und Kreislaufproblemen. Besonders betroffen sind dabei ältere Bergsportler. Bei beiden genannten Ursachen gelten angemessene Vorbereitung, entsprechendes Training, die richtige Selbsteinschätzung und die richtige Tourenauswahl als wirksamste Maßnahmen zur Vermeidung von Unfällen.

Klettersteiggehen – Blockierungen verzehnfacht

Klettersteiggehen liegt stark im Trend, weshalb in diesem Bereich immer häufiger Unfälle und Notfälle zu verzeichnen sind – allerdings überproportional: Denn seit dem Jahr 2000 haben sich die Meldungen im Verhältnis zur DAV-Mitgliederzahl verdreifacht. Besonders stark gestiegen, ist die Zahl der unverletzt geretteten Personen mit „Blockierungen“ (46%), die sich verzehnfacht hat. Diese Entwicklung offenbart auch beim Klettersteiggehen ein bekanntes Muster, das bereits in den anderen Bergsportdisziplinen beobachtet werden kann: Unfälle und Notfälle sind in vielen Fällen vermeidbar. Gerade beim Klettersteiggehen scheint die Anzahl derer stark gewachsen zu sein, die den Gesamtanforderungen der Tour nicht ausreichend oder gar nicht gewachsen sind und sich selbst überschätzen.

Klettersport – Sicherungsfehler als Unfallursache Nr. 1

In den 31 Kletteranlagen des DAV sind in den Jahren 2012 und 2013 insgesamt 161 Unfälle gemeldet worden – eine verschwindend niedrige Zahl im Vergleich zu den tausenden von Besuchern. Statistisch gesehen müsste ein durchschnittlicher Kletterer weit über 100 Jahre aktiv sein bis ein Unfall passiert und rund zweimal in der Woche für zwei Stunden in der Halle klettern gehen. Dabei liegt beim Bouldern das Verletzungsrisiko deutlich höher, wobei die Unfälle zumeist eher glimpflich ausfallen. Anders beim Klettern mit Seil, bei dem sich 78% der Unfälle im Vorstieg und 12% beim Abseilen ereignen. Zumeist handelt es sich dabei um Sicherungsfehler und Unachtsamkeit – Faktoren, die wieder einmal zeigen, dass sich viele Unfälle durch entsprechendes Training und adäquate Vorbereitung vermeiden lassen.

Weitere Infos zur Unfallstatistik des DAV gibt’s unter: www.alpenverein.de

Quelle: Deutscher Alpenverein e.V.

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