News – Mammut Project Reclimbing the Classics Episode 1 – Hyaena 8b+, Finale Ligure (IT)


 
06.05.14
 

Der Schweizer Bergsporthersteller Mammut präsentiert sechs Rock Classics – Meilensteine in der Geschichte des Sportkletterns. Dazu die Erstbegeher, die zusammen mit Spitzenkletterern aus dem Mammut Pro Team nochmals ihre eigenen Routen besuchen. Jung trifft Alt – obwohl zwei unterschiedliche Generationen, so sprechen doch beide die gleiche Sprache, denn die Leidenschaft fürs Klettern verbindet sie. Denn Klettern ist nicht nur Leistungssport, sondern auch ein Lebensgefühl! Auf geht’s zu einer Reise in die Vergangenheit des Kletterns – in die 1980er-Jahre, als der X. Schwierigkeitsgrad geboren wurde. Zum Projekt geht’s hier entlang.

Episode 1 – Hyaena 8b+, Finale Ligure (IT)

Sonne, Süden, Meer und warmer Fels – das sind die Zutaten, aus denen ein Felsmenü zubereitet wird. Das italienische Klettergebiet Finale Ligure in der Nähe von Genua hat all dies – und noch viel mehr! Seit über 30 Jahren wird hier italienische Klettergeschichte geschrieben. Der Klassiker von Andrea Gallo „Hyaena“ wurde im letzten Dezember von Jakob Schubert wiederholt.

Als Anfang der 1980er-Jahre die Kunde von mediterranen Klettergebieten über die Alpen in den Norden kam, war es für die meisten Kletterer in Deutschland, Österreich und der Schweiz vorbei mit Weihnachten in der warmen Stube, mit Bouldersessions unter eisiger Wintersonne. Ein Winterurlaub im Süden wurde zur Pflicht – bevorzugter Spielplatz war Finale Ligure, gerade einmal sieben Autostunden von München oder Zürich entfernt. Hier konnte man bei warmen Temperaturen der Leidenschaft Klettern frönen, ohne zu frieren. Übernachtet wurde im Zelt, am Strand oder im klapprigen VW-Bus, gekocht wurde selbst – meist Spaghetti mit Sauce –, und das einzige Thema, das in dieser Zeit wichtig war, hieß Klettern.

Einer der „Hausmeister“ der Felsen von Finale war Andrea Gallo. Im Jahr 1986 war er gerade 22 Jahre alt – „a young hot shot“ im besten Sinn des Wortes! Aus Turin stammend, hatte ihn die Kletterleidenschaft nach Finale Ligure verschlagen, wo er schnell zum anerkannt besten Kletterer der Gegend wurde. Kein Wunder, denn er kletterte jeden Tag und erschloss unermüdlich eine Route nach der anderen. Als er im Januar am Massiv „Alveare“ die Linie über den grauen, unmöglich erscheinenden Felspfeiler entdeckte, war ihm klar: Diese Linie will ich klettern! Obwohl er am Anfang viele Einzelzüge nicht klettern konnte, verbiss er sich während des gesamten Frühjahrs in sein Problem, und während der Ostertage schaffte er es bis zur letzten Schlüsselstelle. Aber die Temperaturen waren bereits zu hoch – er konnte die Griffe nicht halten! Erst im Spätherbst, am 2. Dezember, schaffte er schließlich den Durchstieg – Finale hatte ein neues „test piece“ und für einige Jahre die schwierigste Route.

27 Jahre, mehr als eine Generation später, steht Andrea Gallo wieder am Einstieg von „Hyaena“ – diesmal als Mentor und Sicherungspartner von Jakob Schubert vom Mammut Pro Team. Im Rahmen des Projekts „Reclimbing the Classics“ treffen zwei Klettergenerationen aufeinander, um zusammen einen Meilenstein zu erleben – den Mega-Klassiker in Finale: „Hyaena“! Schwer ist leicht mal etwas – aber leicht ist schwer etwas in Finale Ligure …

Interview mit Jakob Schubert

Wie würdest Du „Hyaena“ charakterisieren? Vor allem im Vergleich zu den derzeit „aktuellen“ schweren Routen?
Jakob Schubert: „Hyaena“ ist nicht ganz so steil, wie man es von den schweren Routen beispielsweise in Spanien kennt. Dafür ist die Route technisch sehr anspruchsvoll, und man muss viel Fingerkraft mitbringen, um die kleinen Leisten in den Schlüsselstellen halten zu können.

Was sagst Du zur Bewertung? Wie würde die Route heute bewertet werden?
Jakob Schubert: Ich denke, Andrea lag mit seiner ursprünglichen Bewertung mit 8b+ genau richtig. Weil später einige die Route abgewertet haben, steht sie heute mit 8b im Führer; dafür ist sie aber sehr hart. Es ist jedoch immer schwierig, technisch anspruchsvolle Routen zu bewerten. Anders als ein reiner Ausdauerknaller in Spanien, muss man die komplexen Züge der Route zuerst ausbouldern, um sie dann klettern zu können; ein „on sight“ ist sehr, sehr schwierig.

Der Kletterstil, der in „Hyaena“ gefragt ist, ist vor allem sehr technisch; wie empfindet das ein „junger“ Kletterer?
Jakob Schubert: Mir persönlich gefällt das sehr gut; solche Routen sind auch ein super Training, denn technisch lernt man nie aus. Wichtig ist, dass man an solche Routen entspannt und ohne viel Erwartung herangeht, denn sie beanspruchen meist mehr Zeit und Versuche als reine Ausdauer- oder Maximalkraftrouten.

Wie war die Zeit mit Andrea?
Jakob Schubert: Es war eine tolle Zeit und ich bin froh, dass ich die Chance hatte, Andrea kennenzulernen. Vom ersten Moment an fühlte es sich so an, als wären wir schon immer beste Freunde gewesen. Seine Leidenschaft und Begeisterung für das Klettern hat mich sehr beeindruckt, und auch viele seiner Geschichten vom Klettern früher waren inspirierend.

Wie hat Dir das Klettern in Finale gefallen?
Jakob Schubert: Finale ist ein wundersschöner Ort; von unserem Appartement aus konnte man sowohl die Stadt als auch das Meer sehen, und ich war sehr beeindruckt. Definitiv der perfekte Urlaubsort für Kletterer, denn an Felsen mangelt es dort nicht. Ich bin mir sicher, dass ich bald dorthin zurückkehren werde.
Quelle: Mammut

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Bilder

Videos