News – Österreichischer Alpenverein (OeAV) Gut gerüstet in die Wandersaison – 10 Tipps für mehr Sicherheit am Berg


 
30.07.14
 

Jetzt wo in den Bergen der letzte Schnee geschmolzen ist, zieht es die Menschen wieder raus in die Berge. Die Wandersaison ist längst eröffnet und auch die Alpenvereinshütten sind für den Ansturm der Frischluftfans bestens gewappnet. Doch nicht selten starten die Bergsportler unvorbereitet in eine Tour und sehen sich dadurch häufig Herausforderungen oder sogar Notfallsituationen ausgesetzt, denen sie  durch eine adäquate Vorbereitung vielleicht hätten entgehen können. Um den Ausflug ins Gebirge so erlebnisreich und sicher wie möglich zu gestalten, gibt der Oesterreichische Alpenverein (OeAV) wertvolle Tipps.

10 Grundregeln für sicheres Wandern

Das Bergwandern bietet eine der größten Chancen, die eigene Gesundheit und das gemeinschaftliche Erlebnis in der Natur zu fördern. Die folgenden Empfehlungen des OeAV dienen dazu, eine Tour durchs Gebirge möglichst sicher und genussvoll zu gestalten. Diese sind ab sofort auch in Form eines praktischen Cardfolders erhältlich und können zum Preis von nur 90 Cent im Alpenvereinsshop auf: www.OeAVshop.at bestellt werden. Die Alpenvereinshütten und deren Öffnungszeiten sind unter: www.alpenvereinshuetten.at zu finden.

1) Gesund in die Berge

Bergwandern ist ein Ausdauersport. Die positiven Belastungsreize für Herz und Kreislauf setzen daher Gesundheit und eine realistische Selbsteinschätzung voraus. Dementsprehend ist Zeitdruck zu vermeiden und das Tempo so zu wählen, dass niemand in der Gruppe außer Atem kommt. Michael Larcher, Leiter der Bergsportabteilung im OeAV, gibt folgenden Rat: „Gerade zu Saisonbeginn überschätzt man sich gern. Man sollte also der Versuchung widerstehen, sich zu ehrgeizige Ziele zu setzen. Der Körper sollte sich langsam an die Belastung gewöhnen können.“ Ein wichtiger Fakt, der gerade im Hinblick auf den plötzlichen Herztod („Herzinfarkt“) im wahrsten Sinne des Wortes von jedem Bergsportler beherzigt werden sollte. Denn er ist die zweithäufigste Todesursache beim Bergwandern. Gut zu wissen: Das Risiko steigt mit zunehmendem Alter stark an, wobei Männer deutlich stärker gefährdet sind als Frauen. Risikofaktoren sind zudem Bluthochdruck, überhöhte Blutzucker- und Blutfettwerte, Übergewicht, Rauchen und vorangegangene Herzinfarkte.

So lässt sich das Risiko senken:

– Durch regelmäßige sportliche Aktivität fit halten.
– Ungewohnte und lange Belastungen vermeiden – insbesondere am ersten Tag.
– Langsam losgehen und starke Anstrengung zu Beginn der Wanderung vermeiden.
– Bei heißem, schwülem Sommerwetter ein schattiges, kühles Tourenziel wählen.
– Durch regelmäßige Nahrungsaufnahme Wassermangel und Unterzucker vermeiden.
– Bei grippalem Infekt oder Verkühlung zu Hause bleiben und auskurieren.
– Warnsignale wie Atemnot, Herzrasen oder Übelkeit ernst nehmen: Wanderung und Training rechtzeitig abbrechen bzw. Notruf absetzen.
– Bei Herzkreislauf-, Atemwegs- und/oder Stoffwechselerkrankungen einen Sportarzt konsultieren.

2) Sorgfältige Planung

Wanderkarten, Führerliteratur, Internet und Experten informieren über Länge, Höhendifferenz, Schwierigkeit und die aktuellen Verhältnisse helfen bei der Planung einer Bergtour. Dabei ist zu beachten, dass sie auf die individuellen Fähigkeiten und die Kondition eines jeden Einzelnen in der Gruppe abgestimmt wird. Bei der Planung ist auch das neue Portal der Alpenvereine behilflich: Auf www.alpenvereinaktiv.com finden sich u.a. Tourentipps und Kartenmaterial sowie Angaben zu Höhenmetern, Distanz und Schwierigkeiten. Achtung: Besonders wichtig ist der aktuelle Wetterbericht, denn Regen, Wind und Kälte können das Unfallrisiko schlagartig erhöhen.

3) Vollständige Ausrüstung

Bei der Zusammenstellung der Ausrüstung sollte man auf die geplante Unternehmung achten: Ein zu viel oder zu wenig kann unter Umständen fatale Folgen haben. Generell gilt, ein angemessenes Rucksackgewicht verhindert frühzeitige Ermüdungserscheinungen. Immer in den Rucksack gehören Regen-, Kälte- und Sonnenschutz, ebenso wie Erste-Hilfe-Paket und ein Mobil­tele­fon, damit im Fall der Fälle die Bergrettung (Euro-Notruf 112) gerufen werden kann. Kartenmaterial ist obligatorisch, während ein GPS-Gerät die Orientierung in unmarkiertem Gelände zusätzlich unterstützen kann.

4) Passendes Schuhwerk

Gute Wanderschuhe schützen und entlasten den Fuß und verbessern die Trittsicherheit am Berg. Vor allem bei Geröll kann eine gute Vibram-Sohle wahre Wunder wirken. Turnschuhe oder anderweitige Freizeittreter haben nichts in der Höhe verloren. Je nach Tour ist daher auf die perfekte Passform, rutschfeste Profilsohle, Wasserdichtigkeit und geringes Gewicht zu achten. Ein steifer und steigeisenfester Bergstiefel ist bei einer mittelschweren Tour dabei genauso fehl am Platz wie ein leichter Zustiegsschuh mit flexibler Sohle in alpinem Gelände. Abgerundet wird das Ganze noch durch entsprechende Wandersocken, die möglichst aus natürlicher Wolle gefertigt sein und optimal passen sollten, um feuchten Füßen und somit Blasenbildung vorzubeugen.

5) Trittsicherheit ist der Schlüssel

Stürze, als Folge von Ausrutschen oder Stolpern, sind die häufigste Unfallursache bei Bergwanderungen, bei denen rund die Hälfte tödlich enden. Dabei ist die Generation 50plus deutlich häufiger betroffen. Faktum ist, dass ca. 75 Prozent der „Stolperer“ auf Wegen oder Steigen passieren – und nicht im weglosen Terrain. So oder so sollte man also immer hochkonzentriert und nicht mit zu hohem Tempo unterwegs sein. Auch Müdigkeit kann die Trittsicherheit und die nötige Aufmerksamkeit stark beeinträchtigen. Generell ist zu berücksichtigen, dass der Abstieg die eigentliche Herausforderung bei einer Bergtour darstellt und der Gipfel zumeist nur die halbe Miete darstellt. Achtung: Durch achtsames Gehen kann das versehentliche Wegtreten von losen Steinen vermieden werden, die beim Herabstürzen nachkommende Wanderer schwer verletzen können.

6) Auf markierten Wegen bleiben

Im weglosen Gelände steigt das Risiko für Orientierungsverlust, Absturz und Steinschlag exorbitant an. Abkürzungen sollten daher stets vermieden werden – allein aus Gründen des Naturschutzes. Wer sich doch einmal verlaufen hat oder unbeabsichtigt vom Weg abgekommen ist, sollte zum letzten bekannten Punkt zurückkehren, sofern noch möglich. Häufig unterschätzt und sehr gefährlich: Steile Altschneefelder, die unvermittelt abbrechen und den Wanderer auf einem Schneebrett ins Tal reißen können.

7) Regelmäßige Pausen

Auch wenn junge Hüpfer einmal vom Gipfelfieber gepackt, kaum noch zu halten sind, eine rechtzeitige Rast dient der Erholung, dem Genuss der Landschaft und der Geselligkeit. Wer keine Pausen einlegt, riskiert auf Dauer einen Leistungseinbruch und gefährdet dadurch nicht nur sich, sondern auch alle anderen in der Wandergruppe. Denn das regelmäßige Essen und Trinken helfen dabei, die Leistungsfähigkeit und Konzentration zu erhalten. Isotonische Getränke sind dabei der ideale Durstlöscher – sei es nun in der Flasche oder im Trinksystem. Müsliriegel, Trockenobst und Kekse stillen den Hunger unterwegs – ohne den Körper unnötig zu belasten.

8) Verantwortung für Kinder

Abwechslung und spielerisches Entdecken stehe für Kinder immer im Vorder­grund. Aufgrund mangelnder Erfahrung können sie aber nur schwer einschätzen, wie gefährlich vereinzelte Passagen sein können. Um das Absturzrisiko so gering wie möglich zu halten, erfordert es daher eine 1:1 Betreuung durch einen Erwachsenen. Zur Not gibt es im Fachhandel entsprechende „Kindersicherungen“, um in brenzlichen Situationen das Schlimmste verhindern zu können. Sehr ausgesetzte Touren, die lang anhaltende Konzentration und ein gewisses Maß an Kondition erfordern, sind für Kinder nicht geeignet und sollten aus Rücksicht zum Wohl der Kleinen besser vermieden werden.

9) In kleinen Gruppen wandern

Kleine Gruppen gewährleisten Flexibilität und ermöglichen gegenseitige Hilfe an kniffligen Passagen oder in Notsituationen. Wer zusammen loszieht, sollte vorab immer vertraute Personen oder Verwandte über das Ziel, die Route und die geplante Zeit der Rückkehr informieren. So ist sichergestellt, dass im schlimmsten Fall der Fälle auch von außerhalb Hilfe geholt werden kann und ungefähr bekannt ist, wo sich die Gruppe in etwa aufhält. Generell gil: In der Gruppe möglichst zusammen bleiben und auf Nachzügler warten. Wer allein unterwegs ist, sollte äußerst achtsam agieren und sich notfalls einer Gruppe anschließen bzw. anderen Bergsportlern im Notfall helfen. Auch hier gilt, im Zweifel lieber immer die Bergwacht bzw. die Bergrettung verständigen.

10) Respekt gegenüber der Natur

Wer in den Bergen unterwegs ist, möchte die Natur möglichst unberührt genießen können. Allein zu deren Schutz sollten daher keinerlei Abfälle zurückgelassen und Lärm vermieden werden. Und auch sonst sollte man auf den Wegen bleiben, Wild- und Weidetiere nicht beunruhigen, Pflanzen unberührt lassen und die ausgewiesenen Schutz­gebiete respektieren. Zur Anreise empfiehlt es sich zudem immer, die öffentlichen Verkehrsmittel zu nutzen oder idealerweise Fahrgemeinschaften zu bilden, um die Umwelt so wenig wie möglich zu belasten.

Quelle: Österreischicher Alpenverein (OeAV)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Bilder