News – Österreischischer Alpenverein ÖAV-Gletscherbericht – Jahr 2018 war nachweislich „sehr gletscherungünstig“


 
20.04.19
 

Das Gletscherhaushalts­jahr 2017/18 ist erneut als sehr gletscherungüns­tig zu charakterisieren, lautet das Fazit des aktuelle Gletscherberichts des Österreichischen Alpenvereins. Damit ist eindeutig, dass die Gletscherschmelze der letzten Jahrzehnte kein Ende nimmt. Demnach haben sich bei 93 vom ÖAV-Messteam untersuchten heimischen Gletschern insgesamt 89 Gletscher zurückgezogen, lediglich vier blieben stationär. Der mitt­lere Rückzugsbetrag der 76 vor Ort vermessenen Gletscher betrug seit dem Vorjahr 17,2 Meter. Der größte Längenverlust wurde mit 128,0 Metern bei der Zunge des Viltragenkeeses in der Venedigergruppe (Osttirol) dokumentiert. Den kompletten Gletscherbericht gibt es hier zum kostenlosen Download.

Vom Eisriesen zum Eiszwerg – das „ewige Eis“ schmilzt weiter

Inwieweit sich heimische Gletscher durch die Klimaerwärmung verändern, bilanziert seit 128 Jahren der Gletscherbericht des Österreichischen Alpenvereins. 24 ehrenamtliche „Gletscher­messer“ unter der Leitung von Prof. Gerhard Karl Lieb und Dr. Andreas Kellerer-Pirklbauer vom Institut für Geographie und Raumforschung der Universität Graz zeichnen für die Untersuchungen im aktuellen Gletscherhaushaltsjahr 2017/18 verantwortlich. Insgesamt 19 Berichte für 18 Teilgebiete, die sich auf 12 Ge­birgsgruppen verteilen, speisen den aktuellen Sammelbericht. Neben Längenmessungen wurden auch wiederum Fließgeschwindigkeiten und Höhenänderungen der Gletscheroberfläche am Hintereisferner (Ötztaler Alpen) und auf der Pasterze (Glock­nergruppe) erfasst. Darüber hinaus werteten die Experten sowohl Webcambilder von der Pasterze und dem Dachstein als auch dem Sonnblick sta­tistisch aus. Alle für diesen Bericht re­levanten Messungen wurden zwischen August und Oktober 2018 durchgeführt.

© ÖAV / Benedikter

Gletscherschwund seit den 90er Jahren

Auch heuer dokumentierten die ÖAV-Fachleute eine Fortführung des seit den 90er Jahren andauernden Gletscherrückganges: Konkrete Mess­werte von 76 Gletschern liegen vor, von 17 weiteren konnte aus Fotover­gleichen oder Messungen über eine längere (meist zweijährige) Peri­ode die Tendenz eindeutig fest­gestellt werden. Von diesen 93 Gletschern waren 89 (95,7 %) im Rückzug – vier verhielten sich stationär, d. h. ihre Längenände­rung blieb innerhalb der Spanne -1 Meter bis +1 Meter.

„Im letzten Berichtsjahr haben sich gleich drei Gletscher um mehr als 100 Meter zurückgezogen – im aktuellen Bericht wurde allein beim Viltragenkees ein Längenverlust von 128,0 Metern gemessen“, betont Lieb. Diesem Negativ-Spitzenreiter folgt mit -86,0 Metern der Alpeinerfer­ner (Stubaier Alpen), das Schlatenkees (Ve­nedigergruppe) mit -67,0 Metern und das Untersulzbachkees (Ve­nedigergruppe) mit -53,0 Metern. Nicht messbar war die Längenveränderung am Pfaf­fenferner (Stubaier Alpen) – hier gehen die Fachleute jedoch von einem Wert aus, der wahrscheinlich noch höher ist als der am Viltragenkees.

Manche Gletscher bleiben stationär – doch trügt der Schein?!

Die überdurch­schnittlich warme Witterung mit langanhaltenden Schönwetterpe­rioden bewirkte, dass tiefliegende Gletscherzungen bereits im Mai auszuapern begannen. Der Gletscherschwund erscheint gegenüber dem Vorjahr jedoch gedämpft, da die im nie­derschlagsreichen Winter aufge­bauten Schneereserven bis weit in den extrem warmen Sommer hinein große Teile der Gletscher vor der Abschmelzung schützten. Betrug der mittlere Rückzugsbetrag des Vorjahres noch -25,2 Meter (berechnet auf der Basis von 75 Gletschern), dokumentiert der aktuelle Bericht einen deutlich geringeren Rückzugsbetrag von 17,2 Metern (berechnet auf der Basis von 76 vor Ort vermessenen Gletschern), 3 Meter über dem Wert von 2015/16 (-14,2 m).

Blieb in der Messperiode 2016/2017 lediglich ein Gletscher stationär, zogen sich aktuell vier Gletscher nicht weiter zurück. Wie schon im Vorjahr blieb das Simony­kees (Venedigergruppe) stationär, weiters das Sonnblickkees (Granatspitz­gruppe) sowie die Gletscher am Roten Knopf (Schobergruppe) und im Eiskar (Karnische Alpen). Prof. Gerhard Karl Lieb stellt jedoch klar, dass dieses Verhalten bei keinem der vier Gletscher ein Hinweis auf eine Trendwende sei.

Quelle: Österreichischer Alpenverein

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