News – Summits of My Life Kilian Jornet plant waghalsige Speed-Besteigung des Mount Everest


 
25.08.16
 

Noch in diesem Sommer will der spanische Extremsportler, Speed-Hiker und Bregläufer Kilian Jornet sich der Herausforderung stellen, um sich seinen ganz persönlichen Traum zu erfüllen: die Besteigung des Mount Everest. Doch Kilian Jornet wäre nicht Kilian Jornet würde er nicht wie bei so vielen seiner bisherigen Vorhaben wieder ganz bewusst übers Ziel hinausschießen und die Grenzen des Machbaren verschieben. So will der fast 29jährige dem Dach der Welt auf besonders schnelle Weise und ohne Zuhilfenahme von künstlichem Sauerstoff zu Leibe rücken. Sein Ziel: Über eine wenig begangene Route an der Nordseite einen neuen Rekord für den Auf- und Abstieg zum Gipfel des Mount Everest (8.848m) aufstellen. Und um das ganze Projekt noch verrückter zu machen, soll die alpine Expedition so minimalistisch wie möglich unterwegs sein – ohne Fixseile und ohne Hochlagerkette.

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Von den Alpen in den Himalaya – Aklimatisierung war gestern!

„Der Everest wird wahrscheinlich eine der anspruchsvollsten Herausforderungen, denen ich mich jemals gestellt habe. Es wird eine großartige Erfahrung sein, bei der ich viel lernen werde. Darüber wie mein Körper auf die große Höhe reagiert und ob sich mein Training in den Alpen auf den höchsten Berg der Welt überhaupt übertragen lässt“ beschreibt Jornet sein geplantes Projekt. Seit Monaten bereitet er sich akribisch auf dieses Vorhaben vor, um den Aufstieg in nur einem „Rutsch“ absolvieren zu können. Damit folgt er seiner eigenen Philosophie vom reinen Alpinismus, deren Grundlage es ist, mit so wenig Ausrüstung und so puristisch wie möglich am Berg unterwegs zu sein. Um das hochgesteckte Ziel tatsächlich erreichen zu können, hat der Extremsportler gemeinsam mit seinem Team ein eigenes Konzept des Höhentrainings entwickelt. So verbringt Jornet vor seiner Abreise in den Himalaya so viel Zeit wie möglich in großer Höhe in den Alpen. Dadurch soll die sonst übliche Anpassungsphase vor Ort maximal verkürzt werden. „Eine langwierige Akklimatisierung vor Ort kann auch Kräfte rauben. Demgegenüber sparen wir uns die nötige Energie lieber auf und nutzen sie besser dafür, die Chancen auf eine erfolgreiche Besteigung deutlich zu erhöhen“ beschreibt Jornet seine eher ungewöhnliche Herangehensweise.

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Ein ungewöhnlicher Prototyp für einen außergewöhnlichen Typen.

Ungewöhnlich ist auch der Bergschuh, den die Spezialisten der Outdoormarke Salomon extra für ihren Schützling entwickelt haben. Dieser treibt die Leichtigkeit, die Schnelligkeit und den Schutz ebenfalls auf die Spitze. Mehr als drei Jahre haben Salomon Designer und Techniker gemeinsam mit Kilian Jornet an dem modularen Prototyp gearbeitet. Ein Schuh, der auf den einfachsten Trails zuverlässig greift und selbst in hohen sowie technisch schwierigen Terrains optimal funktioniert. Grundlage ist ein Basisschuh, der mit der Konstruktion eines S-Lab Laufschuhs und einer leichten Version der Contagrip® Sohle ausgestattet ist. Dieses Konstrukt soll dem Bergläufer bis zur Schneegrenze des Mount Everest bringen. Hier wird der Basisschuh dann in eine Zwischenlage eingebettet. Der Mittelschuh verfügt über optimale Wärmedämmung, damit die Füße bei eisigen Temperaturen nicht auskühlen. Beide Schuhlagen werden zuguterletzt noch in eine dritte Lage – den Außenschuh – integriert, der eine noch stärkere Wärmeisolierung bietet und mit in der Sohle fix installierte Steigeisen ausgestattet ist. Trotz dieser drei Lagen bleibt die Bewegungsfreiheit im Bereich des Sprunggelenkes dennoch erhalten.

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Wer noch nie über 8.000 Metern kam, braucht auch keine Fixseile.

Damit ist Kilian Jornet zumindest von den Füßen her bestens ausgestattet und steht dem ambitionierten Projekt nichts mehr im Wege. Das Team will sich direkt am Rongbuk-Kloster in Tibet absetzen lassen, bevor es dann einige 30 km bis ins fortgeschrittene Nordwand Basislager hinauf geht – dem sogenannten „Zombie Camp“ auf 6.500 Metern Höhe. Von hier aus soll dann der direkte Aufstieg zum Gipfel des Everest erfolgen. Wie wahnwitzig dieses Vorhaben ist, beweist die Tatsache, dass der Spanier noch nie zuvor oberhalb von 8.000 Metern geklettert ist, geschweige denn mit den Bedingungen in der „Todeszone“ zurechtkommen musste. „Ich muss einfach schauen wie der Körper auf die Höhe, den Sauerstoffmangel und die Kälte reagiert“ gibt sich Jornet dann doch etwas ehrfürchtig. Und fügt im selben Atemzug noch hinzu: „Eine optimale Vorbereitung ist zwar der Schlüssel, aber wir sollten ebenso bereit sein, von den großen Bergen zu lernen und geduldig zu sein“. Warum er generell auf eine schwere Ausrüstung verzichtet, begründet Jornet mit der damit verbundenen Unflexibilität. Um das Risiko dennoch so gering wie möglich zu halten, begleitet ihn der Alpinist Jordi Tosas, der die Gegend recht gut kennen soll. Um das waghalsige Vorhaben zu dokumentieren, sind auch die beiden Kameraleute und erfahrenen Guides Sébastien Montaz-Rosset und Vivian Bruchez mit an Bord.

Ein Lebensprojekt, das durchaus auch das Leben kosten kann.

„An dem Tag, an dem wir den Aufstieg wagen, werden wir vermutlich ganz allein auf dem Gipfel des Everest stehen. Gerade weil der Monsun die Fixseile mit Schnee bedeckt, haben wir nur diese eine Chance haben“ kommentiert Tosas selbst das Vorhaben. Immerhin ist sich das Team durchaus im Klaren darüber, dass das außergewöhnliche Projekt durchaus zum Scheitern verdammt ist. Schließlich spielen vielerlei Faktoren eine Rolle und können sich die extremen Bedingungen binnen weniger Augenblicke in eine absolute Katastrophe verwandeln. Wie auch immer diese Harakiri-Aktion ausgehen wird, Kilian Jornet sieht darin schon jetzt keinen Fehler, sondern vielmehr eine Lektion. Eine Lektion, die er im schlimmsten Fall mit dem Leben bezahlt. Oder er ist erfolgreich und wird für immer in die alpinen Geschichtsbücher eingehen. Etwas steht auf jeden Fall bereits fest: Sollte der Gipfel des Mount Everest erreicht werden, würde das die Vollendung des gesamten Summits of My Life Projekts markieren, bei dem der Spanier in Rekordzeiten auf den Mont Blanc, den Cervino, den Denali und den Aconcagua gestiegen ist.

Weitere Infos zur Expedition und zum Summits of My Life Projekt gibt’s hier.

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