News – The North Face Winterexpedition Nanga Parbat Erfrischende News aus dem Base Camp des Nanga Parbat


 
03.02.14
 

Es gibt Neuigkeiten aus dem Basislager am Fuße des Nanga Parbat (8.125m), wo sich Simone Moro, David Göttler und Emilio Previtali seit mehr als vier Wochen auf eine geschichtsträchtige Winterbesteigung des „Todesbergs“ vorbereiten. Bereits seit dem 27. Dezember 2013 sind die drei Extrembergsteiger in Pakistan unterwegs und kommen mit jedem Schritt dem Moment näher, an dem sie mit der Erstbesteigung des neunthöchsten Berges der Welt im Winter alpine Geschichte schreiben könnten. Doch bevor das Trio die letzte große Herausforderung im Alpinsport hinter sich bringen kann, gilt es den Naturgewalten vor Ort, Temperaturen von mehr als -25 Grad und orkanartigen Schneestürmen zu strotzen.

Bis zu -25 Grad im Basislager der Winterexpedition

Während Emilio Previtali größtenteils im Basislager ausharrt und die Winterexpediton für The North Face kommunikativ begleitet, arbeiteten sich seine beiden Partner in den vergangenen Wochen Stück für Stück an den tief verschneiten Hängen der Rupal-Flanke nach oben. Hier legten sie seither bis auf eine Höhe von knapp 7.000m unzählige Fixseile und diverse Hochlager an. Damit haben sie bereits jetzt den dritthöchsten Punkt erreicht, der in den letzten 25 Jahren jemals erklommen wurde. Zu ihren Vorbereitungen zählt aber auch, wieder und wieder ins Base Camp zurückzukehren, um sich von den Strapazen des Aufstiegs zu erholen und die ausgelaugten Körper zu aklimatisieren. Denn wie geplant sind die Alpinisten ausschließlich ohne Zuhilfenahme künstlichen Sauerstoffs unterwegs und in jeder Hinsicht vollkommen auf sich allein gestellt. Aufgrund schlechter Wetterbedingungen mussten die drei Bergsportler das vergangene Wochenende im Basislager verbringen, um mit der Außenwelt noch einmal Kontakt aufzunehmen.

Interview mit Emilio Pevitali und David Göttler

Wir hatten nun die einmalige Gelegenheit, Emilio und David ein paar Fragen zu stellen. Bevor sie das nächste große Wetterfenster nutzen können, um einen ersten Gipfelsturm zu wagen. Gefühlt sind wir somit hautnah dabei, drücken dem gesamten Expeditionsteam die Daumen und wünschen viel Erfolg.

Wir haben gerade etwas um die 12 Grad in Deutschland, wie schauen die aktuellen Wetterbedingungen bei euch vor Ort aus? Fallen sie so aus, wie ihr es erwartet hattet?

David: Momentan schneit es und in den Nächten hat es mitunter über -20 Grad … zum Glück ist es dafür aber relativ windstill. Ansonsten sind wir ziemlich zufrieden und können uns wahrlich nicht beschweren. Soll heißen, bis jetzt hatten wir wirklich optimale Bedingungen für eine Winterexpedition.

Emilio: Nunja, es ist ziemlich kalt hier im Basislager. Vor allem wenn die Nächte klar sind, kann das Thermometer durchaus auch einmal bis auf unter -25 Grad fallen. Wenn es schneit, dann ist es nicht ganz so frostig, vielleicht so um die -15 Grad. Das ist aber nicht vergleichbar mit den Bedingungen oben am Berg. Dort ist es aufgrund der Ausgesetztheit superkalt. Allein der Wind macht den Unterschied.

Was war der höchste Punkt, den ihr bisher erreichen konntet?

David: Simone und ich konnten bereits eine Höhe von rund 7.000m erreichen. Wir haben sogar biwakiert und eine Nacht auf  6.800m verbracht – es war nicht nur großartig, sondern wir fühlten uns trotz der Höhe auch wirklich gut. Wir hatten einen großartigen Tag dort oben, bei optimalem aber saukalten Wetter. Und erst die beeindruckende Aussicht. Umwerfend! Leider mussten wir wegen der sich rapide verschlechternden Bedingungen dann ziemlich schnell wieder absteigen.

Emilio: Ich bleibe die meiste Zeit über hier unten im Basislager und kümmere mich um die Kommunikation bzw. um die Berichterstattung über die Winterexpedition. Soll heißen, dass ich von hier aus zu Aklimatisierungstouren starte, Simone und David beim Aufstieg ein Stück begleite und dann wieder ins Base Camp zurückkehre. Ich habe aber auch schon ein paar Mal auf rund 5.000 Höhenmeter im Zelt übernachtet.

Ihr habt bis auf eine Höhe von rund 7.000m Fixseile gelegt. Gibt es einen Punkt, ab dem diese nicht mehr befestigt werden können?

David: Selbst auf dem Weg hinauf auf 7.000m haben wir nicht überall Fixseile verlegt. Allein das Gewicht der benötigten Seile könnten wir gar nicht tragen. Gleiches gilt auch für den Abschnitt oberhalb von 7.000 Höhenmetern bis zum Gipfel. Jeder von uns hat 60m Seil im Rucksack dabei, damit wir uns gegenseitig an den besonders schwierigen Passagen sichern können. Für die besonders kniffligen Stellen schleppen wir aber auch noch ein paar separate Fixseile nach oben, die uns den Abstieg erleichtern. In sämtlichen Bereichen dazwischen müssen wir einfach vorsichtig sein, wobei das Terrain nicht allzu schwierig ausfällt – dennoch kann nur ein einziger Fehltritt bereits katastrophale Folgen haben.

Wieviele Tage habt ihr bisher im Basislager verbracht und wie schaut eure Taktik gegen den sogenannten „Lagerkoller“ aus?

David: Um ehrlich zu sein, ich habe die Tage nicht gezählt. Würde ich es tun, dann wäre sicher schon längst der Lagerkoller ausgebrochen. Inzwischen sind wir rund 35 Tage unterwegs … natürlich freue ich mich schon jetzt auf mein Zuhause. Aber zum Glück haben wir selbst an einem „normalen“ Tag im Base Camp unglaublich viel zu tun, dadurch vergeht die Zeit wie im Fluge. Und hoffentlich bleibt es auch dabei – wir lesen, schreiben und plaudern miteinander. Ab und an besuchen wir auch unsere polnischen Freunde (Anm. d. Red.: eine weitere Winterexpedition aus Polen befindet sich aktuell am Nanga Parbat) oder ein paar Sherpas, die hier in der Nähe leben. Ich versuche auch so oft wie möglich mein tägliches Trainingsprogramm durchzuziehen, um auf en Punkt genau fit für den Gipfelsturm zu sein.

Emilio: Wie schon gesagt, bin ich die meiste Zeit hier im Basislager. Dennoch habe ich unglaublich viel zu tun, sodass mich das berühmte „cabin fever“ bisher noch nicht erheilt hat. Schließlich muss ich ja arbeiten, viel arbeiten. Alles reine Routine zwar, aber dennoch muss ich Tweets via Twitter versenden, Fotos auf Instagram laden, Berichte und E-Mails schreiben, von allen Daten Backups erstellen…und obendrein natürlich mit Simone und David per Funk im Kontakt bleiben, wenn sie am Berg unterwegs sind. Ganz ehrlich, ich würde manchmal gerne ein wenig Lagerkoller empfinden und einfach nur meine Telemark-Ski schnappen und losziehen – aber ich finde dafür einfach keine Zeit.

Wann glaubt ihr, seid ihr bereit für einen ersten Gipfelsturm und wie schätzt ihr aktuell eure Erfolgschancen ein?

David: Es hängt von so vielen Faktoren ab – sei es das Wetter, die generellen Bedingungen am Berg oder unserem ganz persönliches Gefühl bzw. der individuellen Fitness – daher will und kann ich kaum etwas über ein Gelingen unseres Vorhabens nachdenken. Natürlich sind wir hochmotiviert und wollen ganz klar den Gipfel erreichen. Doch wann es letztendlich soweit ist, hängt vielmehr von der Frage ab, wann wir ein gutes Wetterfenster erwischen, das auch lang genug ist für einen ersten Besteigungsversuch.

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