Portrait – Leona Kringe / Grenzsteintrophy 1.250 Kilometer für den guten Zweck – als Heimatnomadin durch Deutschland


 
07.05.20
 

“Freiheit ist Hingabe. Hingabe an eine selbstgewählte Idee.” (Jean-Jacques Rousseau) ein Zitat, das vermutlich am besten die Leidenschaft von Leona Kringe beschreibt. Die selbsternannte Heimatnomadin ist der geborene Tausendsassa sowie Tierärztin, Bloggerin und Freigeist in Personalunion. Wir stellen euch die junge Wahl-Freiburgerin und ihr neuestes Bikepacking-Projekt entlang des ehemals innerdeutschen Grenzwalls kurz vor.

Heimatnomadin und Tausendsassa Leona Kringe

Leona bezeichnet sich selbst als “geborene Heimatnomadin, Lebemensch und  Bikepackerin von Herzen”. Am ehesten findet man sie draußen am Rad oder unterwegs mit dem Bulli in Richtung Berge. Hauptsache so spontan und ungeplant wie möglich. Mit einer großen Portion an Heimatgefühl zieht es die 30-Jährige dennoch immer wieder in die Ferne, die mittlerweile in Freiburg “sesshaft“ geworden ist und im Schwarzwald eine neue Wahlheimat gefunden hat. „Ursprünglich“ als Tierärztin gestartet, verdient sich Leona mittlerweile auch als Business Coach, Autorin und Bloggerin ihre Brötchen.

Darüber hinaus absolviert sie aktuell noch eine Ausbildung zur Yogalehrerin und baut parallel zu all dem noch ihre eigene Selbständigkeit auf. Oder um es mit ihren Worten zu sagen: “Ich liebe einfach die Vielfalt und Weiterentwicklung” – und genau darauf baut eines ihrer größten Herzensprojekte auf: Menschen dabei zu helfen, sich weiter zu entwickeln und ihre eigenen Wege gehen zu können. Immer getreu dem Motto #trustyourpathoflife. Erreichen will sie das durch das (Be)Schreiben eigener Erfahrungen sowie das Teilen von Bildern, um andere zu inspirieren. In diesem Jahr ist die Wahl-Freiburgerin zudem als Ambassador des Cairn Project aktiv, um Mädchen und Frauen dabei zu unterstützen, ihren Weg raus ins „Outdoorabenteuer“ zu finden.

Träume sind nicht nur zum träumen da

Normalerweise ist Leona Kringe zu Fuß oder mit dem Rad unterwegs, um spontan und ungeplant im Freien zu übernachten und ihre unmittelbare Umgebung als Heimatnomadin zu entdecken. Darüber schreibt sie, teilt Bilder in den sozialen Netzwerken und will damit andere inspirieren bzw. zum Nachdenken anregen. Aufmerksam geworden sind wir auf die sympatsche Bikepackerin über Instagram, wo sie regelmäßig über ihre kleinen Fluchten berichtet – allerdings anders als so viele “Influenzer” völlig unaufgeregt und aus purer Überzeugung. Was sie kommuniziert, lebt sie auch tatsächlich und genau das macht die Heimatnomadin so unglaublich authentisch. Dafür spricht auch ihr Markenzeichen, ein verschmitztes Zwinkern, das erahnen lässt, das die junge Outdoordame so schnell nichts aus der Ruhe bringt.

Doch aufgrund der aktuellen Corona-Krise musste selbst eine “Lebenskünstlerin” wie Leona Kringe ihre bisherigen Pläne für das Jahr 2020 über Bord werfen – mit einem lachenden und einem weinenden Auge. Denn selbst wenn irgendwann das Reisen wieder möglich sein sollte, ist es ihrer Meinung nach “nicht die Zeit, ins Ausland zu reisen, fremde Infrastrukturen zu belasten, Dinge durchzuziehen, die gerade einfach nicht sein sollen. Es ist nicht die Zeit, an Dingen festzuhalten, die aktuell keinen tieferen Sinn mehr ergeben”. Es ist Zeit, neue Pläne zu schmieden. So hat sich das Kind der 90er, das im „tiefsten Westen“ Deutschlands groß geworden ist, ein völlig neues Ziel gesetzt. Sie will sich endlich mit den Konsequenzen, Folgen und Auswirkungen der innerdeutschen Mauer auseinandersetzen, die für sie bisher nie wirklich greifbar, die Geschichte niemals wirklich nah war. Auch wenn sie noch so oft während der Schulzeit strukturiert auswendig gelernt wurde.

Grenzsteintrophy aka „die Mutter aller Bikepacking-Touren”: 1250km entlang der ehemaligen innerdeutschen Grenze

Dieses Jahr ist Leona glatte 30 Jahre jung geworden. 30 Jahre, in denen sie die Freiheit einer Demokratie und die Vorzüge offener Grenzen genießen konnte. Eine Freiheit, die aufgrund der Pandemie verloren zu gehen droht. Grund genug für die Heimnomadin mit einem ambitionierten Bike-Abenteuer ein Zeichen zu setzen und wachzurütteln. Jeden Menschen einzeln, individuell, auf seine Art & Weise. Denn während wir jahrelang – ohne groß darüber nachzudenken – unzählige Grenzen passieren konnten, müssen wir inzwischen froh sein, wenigstens vor der eigenen Haustüre ein paar Kilometer zu Fuß zurücklegen zu dürfen. Mit ein Grund, weshalb Leona ein zuvor geplantes “Heimattriple” aus Hope1000, der Bikepacking Trans Germany und der French Divide in der ursprünglichen geplanten Form absah und stattdessen eine Alternative fand.

Mit der offiziellen Bestätigung ihrer Zugehörigkeit als Ambassador für das Cairn Project wurde klar, dass aus einer fixen Idee ein dazugehöriges Projekt werden sollte. Das Ergebnis ist die “Grenzsteintrophy” aka GST, die der alten innerdeutschen Grenze auf ihrem alten Kolonnenweg der NVA folgt. Die Route von 1250km verläuft exakt entlang des ehemaligen Grenzwalls und lässt es somit zu, die alte deutsche Geschichte direkt erlebbar und sprichwörtlich zu erfahren. Ein Projekt, das mehr als nur deutlich macht, dass man nicht weit weg muss, um weit zu reisen. Und dass selbst das größte Abenteuer jederzeit und direkt vor der Haustüre liegen kann. Darüber hinaus will die Wahl-Breisgauerin zeigen, wie wichtig eine funktionierende Demokratie für unsere individuelle Freiheit doch ist. Dem nicht genug, will die Heimatnomadin mit jedem zurückgelegten Kilometer und jedem Höhenmeter Spenden sammeln – um diese dem Cairn Project und somit all den Mädchen und Frauen zukommen zu lassen, die durch dieses unterstützt werden.

Über das “Cairn-Project” für Outdoor-Mädels

Das gemeinnützige Projekt unterstützt Mädchen und junge Frauen dabei, den Zugang zur Natur zu finden, indem es community-basierte Wildnis- und Naturerziehungsgruppen weltweit mithilfe finanzieller Zuschüsse fördert. In erster Linie wird dafür gesorgt, dass Frauen in einer Gemeinschaft zusammenkommen, die inspirieren soll und die Leidenschaft für die Natur zu einer Kraft des Guten zu katalysieren. Dabei steht das Lernen genauso im Mittelpunkt, wie auch der Austausch von Geschichten und das Schärfen der eigenen Charaktere mithilfe von Outdoor-Abenteuern. So sammelt das Cairn Project fortlaufend Spendengelder und stellt dringend benötigtes Equipment zur Verfügung, damit Einzel- und Gruppenveranstaltungen in Form von Wanderungen, Klettertouren, Läufen, Ausritten oder Paddeltouren überhaupt erst möglich sind. Mehr Infos zum Cairn Project gibt’s unter: www.cairnproject.org

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