Portrait – SALEWA-Athlet Michi Wärthl Get vertical – auch Deutschlands bester Allroundbergsteiger hat noch Träume


 
04.04.15
 

Noch bis zum 15. Mai 2015 sucht die Bergsportmarke SALEWA im Rahmen ihrer aktuellen Online-Kampagne „Get vertical“ (http://getvertical.salewa.com) mehr als 100 Bergsportler, die ein vertikales Abenteuer in den Bergen erleben können – sei es in den Alpen oder in Australien. Je nach Können stehen ihnen dabei sowohl alpines Klettern als auch erste Schritte im gut gesicherten Klettersteig zur Auswahl. Damit die Teilnehmer möglichst sicher die eigene Komfortzone verlassen und neue Herausforderungen suchen können, werden sie von einem kompletten Team aus SALEWA-Athleten und ausgebildeten Berg- und Skiführern begleitet. Einer davon ist Michi Wärthl (45), der zu den besten Allroundbergsteigern Deutschlands zählt und bereits mit 24 Jahren als jüngster Alpinist ohne Zuhilfenahme von Flaschensauerstoff auf dem Gipfel des K2 (8.611 m) stand. Wir haben mit dem Ausnahmetalent über seine Leidenschaft für die Berge und den evolutionären Brandrelaunch von SALEWA gesprochen.

Michi Wärthl – Grenzgänger aus Leidenschaft

Nicht ohne Grund zählt Michi Wärthl in Deutschland zu den besten Profibergsteigern der alpinen Szene. Schließlich stand der inzwischen 45-jährige SALEWA-Athlet bereits mit 18 Jahren in den bolivianischen Anden auf seinen ersten Sechstausendern. Danach folgen zwei Siebentausender und sein vermutlich größter Gipfelerfolg: Mit 24 Jahren ist er der bisher jüngste Bergsteiger, der jemals ohne Zuhilfenahme von Flaschensauerstoff auf dem K2 (8.611 m) gestanden hat. Nach seiner Ausbildung zum Berg- und Skiführer stieg der Neubiberger vollends ins Profigeschäft ein und führt seine Kundschaft seitdem durch selbst schwerste alpine Klassiker – vom Walker, Freney, Droites- bis zur Eigernordwand. Darüber hinaus arbeitet Wärthl seit mehreren Jahren im Ausbildungs- und Trainerteam der DAV Nachwuchsförderung für Alpinisten und bildet seit 2004 als Mitglied des Bundeslehrteams selbst Bergführer aus.

Michi Wärthl kann so manch schwierige Erstbegehung und Wiederholungen u. a. an der Gurla Mandata (7.694 m) sowie der Ama Dablam (6.856 m) für sich verbuchen, doch sein größter Traum ist und bleibt die Besteigung des Mount Everest (8.848 m). Denn seit jeher übt der höchste aller 8.000er eine magische Anziehungskraft auf ihn aus. Irgendwann einmal will der diplomierte Feinwerktechniker auf dem Gipfel stehen, ohne Zuhilfenahme von Flaschensauerstoff. Allerdings nicht zu jedem Preis, denn daheim warten seine Frau Simone und die beiden Söhne Marc und Luca. Dennoch ist es gerade deren Rückhalt, welcher so manches Vorhaben in den Bergen der Welt überhaupt erst möglich gemacht hat. Schließlich sind die drei das wichtigste Argument, um selbst in kritischen Situationen niemals den Mut zu verlieren.

10 Interviewfragen an Michi Wärthl

Neben der Familie spielt auch SALEWA als wichtiger Partner bei der Realisierung alpinistisch anspruchsvoller Projekte eine große Rolle. So zählt der Profibergsteiger seit mehreren Jahren zum festen Kader gesponserter Athleten und wird von der Traditionsmarke von Kopf bis Fuß ausgerüstet. Die perfekte Voraussetzung für eine Zusammenarbeit im Rahmen der aktuellen „Get vertical“ Kampagne, bei welcher der ausgebildete Bergführer jederzeit für die Sicherheit der Teilnehmer sorgen soll, damit bei den einzelnen Bergsport-Events in erster Linie das Erlebnis im Vordergrund steht.

Du bist Bergsteiger und Bergführer aus Leidenschaft, was macht für dich eine gute Seilschaft aus?

Für eine gute Seilschaft braucht es vor allem Vertrauen und auch die Chemie spielt durchaus eine große Rolle. Ich habe für mich auf jeden Fall herausgefunden, dass ich nicht mit jedem in einer Seilschaft unterwegs sein kann. Ich bin ja keine Maschine, die nur funktioniert. Mein Seilpartner muss mich allein schon als Mensch interessieren und im Umgang genauso respektvoll sein wie ich es bin. Schließlich verbringt man teilweise bis zu 4 Wochen gemeinsam am Berg oder auf einer Tour, da muss man sich schon verstehen, ansonsten kann es schon sehr zäh werden. Wir Bergführer sind ja von Haus aus eher relativ offene und tolerante Menschen, aber auch wir haben irgendwo Grenzen.

Wie wichtig ist für dich in diesem Zusammenhang eine gute Ausrüstung für die Ausübung deines Berufs bzw. für das Erreichen alpiner Ziele?

Ich bin natürlich schon ein absoluter Materialfetischist und konnte in meiner bisherigen Bergsteigerlaufbahn immer auf das neueste Equipment zurückgreifen. Daher versuche ich möglichst immer das beste und neueste Material dabei zu haben.

SALEWA ist seit Jahren einer deiner wichtigsten Seilpartner. Hand aufs Herz, was hältst du von der Neuausrichtung der traditionsreichen Bergsportmarke?

Finde ich natürlich super gut, und dass nicht nur, weil ich Athlet von SALEWA bin. Ich weiß nur, dass früher jeder meiner befreundeten Bergsportler etwas von SALEWA besessen hat, weil die Marke damals schlichtweg die beste Ausrüstung im Angebot hatten. Klar war ich dann erst einmal etwas skeptisch bzgl. der Neuausrichtung, auch was das Logo betrifft. Aber schlussendlich war es Liebe auf den zweiten Blick, gerade auch hinsichtlich der jüngeren Zielgruppe. Ich denke, dass es für die Marke selbst einfach an der Zeit war und bin überzeugt davon, dass es der richtige Schritt ist.

Warst du bei der Entwicklung der neuen Kollektion beteiligt?

Ich bin jetzt seit 8 Jahren SALEWA-Athlet und da liefere ich natürlich auch meinen Input wenn es um die Entwicklung neuer Produkte geht. Da sind wir recht eng mit eingebunden. Beim neuen Eisgeräts North-X war ich bspw. involviert und ich hatte auch die Idee für das neue Expeditionszelt Epic 3, das es in dieser Form bisher noch nicht am Markt gibt.

Konntest du schon das ein oder andere neue Produkt im harten Einsatz am Berg testen? Und wenn ja, wie fällt dein Urteil als versierter Alpinist aus?

Was da jetzt an neuen Produkten von SALEWA demnächst auf dem Markt kommt, knüpft auf jeden Fall an die Qualität von früher an und als ambitionierter Bergsportler kommst du kaum dran vorbei. Vor allem das neue Eisgerät setzt in punkto Leichtigkeit neue Maßstäbe.

Mal eine andere Frage: Dein persönlicher Traum ist es, einmal ohne Sauerstoff auf dem Gipfel des Mount Everest zu stehen. Gibt es schon konkrete Pläne für die Umsetzung dieses ambitionierten Ziels?

Der Traum ist noch nicht geplatzt und soll auch noch verwirklicht werden. Problem ist wie immer die Finanzierung, denn wenn du als Bergführer mal zwei Monate in diesem Sinne nicht arbeitest, dann wird es schon knapp. So oder so habe ich aber noch gut fünf Jahre Zeit für die Realisierung, danach wird es ohne zusätzlichen Flaschensauerstoff vom Alter her einfach eine zu harte Nuss. Ich fokussier mich momentan eher auf ein Projekt einer freien Begehung meiner Route Vogelfrei (10/10+) im Schüsselkar und eine geführte Extremtour an der Shisha Pangma Südwand.

Um die Verwirklichung von Träumen geht es auch bei der aktuellen „Get vertical“ Kampagne von SALEWA. Wie würdest du ein perfektes Erlebnis für dich als Bergführer und deine Kunden definieren?

Das ideale Ziel ist es natürlich, am Ende auf dem Gipfel zu stehen. Zu den 100% gehört es aber auch, gesund wieder vom Berg zurückzukehren. Man muss nicht immer alles erreichen, wenn die äußeren Bedingungen es einfach nicht zulassen. Mein Motto lautet ja nicht ohne Grund: „Der Mount Everest ist überall“. Es muss nicht immer nur ultraschwer sein. Ab und an gehe ich auch Touren mit gehandicapten Menschen, für die der Everest wieder ganz woanders liegt und für die das Erlebnis im kleinen schon etwas ganz besonderes ist. Und wenn ich dabei bin, dann in erster Linie deshalb, weil ich ein perfekter Katalysator dafür bin, um die persönlichen Träume meiner Kunden zu erfüllen. Das macht mir dann auch einfach unheimlich viel Spaß und gibt einem auch die nötige Bestätigung für den eigenen Beruf als Bergführer.

Was war für dich persönlich dein bisher spektakulärstes „Get vertical“ Erlebnis?

Ganz klar die Onsight-Begehung vom Flying Circus an der Stegener Breitwangfluh, einer Mixed-Route die von Robert Jasper eröffnet wurde. Aber es hat Jahre gedauert, bis die Bedingungen wieder einmal so gepasst haben, dass alle Seillängen als Onsight-Begehung und in der Zeit überhaupt möglich waren. Vom Style und auch vom Erlebnis her ist das etwas ganz Spezielles, aber das versteht man nur, wenn man selbst dabei war. Aber auch die geführte Ferrari-Route auf den Cerro Torre war ein Highlight in meiner bisherigen Laufbahn als Bergführer. Der K2 war natürlich auch etwas ganz besonderes, aber 8.000er-Besteigungen werden meiner Meinung nach überbewertet, sind aber für die Medien natürlich weitaus attraktiver für die Berichterstattung.

Zum Abschluss noch eine etwas kritischere Frage: Wie weit würdest du gehen, um als Bergführer deinen Kunden ein perfektes Bergerlebnis zu verschaffen?

Puh…das ist schwierig. Grenzen überschreiten würde ich nie. Es gibt so ein Buch über den K2, in dem ein Bild drin ist von dem italienischen Höhenbergsteiger Fausto de Stefani. Darauf ist zu sehen, wie er seine abgefrorenen Finger in ein Wasserbad taucht und lacht dabei von Herzen, weil er sich freut, dass er den Gipfel geschafft hat. Das ist für mich ein absolut widersinniges Bild. Ich habe damals am K2 auch meine Füße im Hochlager warm massiert. Hätte das nicht geklappt, wäre ich definitiv umgekehrt. Das wär es mir nie wert, mir irgendetwas abzufrieren. Dahingehend bin ich ganz klar Schönwetter-Bergsteiger und wenn die äußeren Bedingungen nicht passen, dann kann und sollte man es einfach nicht erzwingen.

Weitere Infos über Michi Wärthl und seine Projekte als Bergführer gibt’s auf seiner Website unter: www.unterwextrem.de

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Bilder