Portrait – Stoneman / Roland Stauder Der Herr der Steine und sein ganz persönliches Mountainbike-Event


 
10.08.15
 

Der Südtiroler Roland Stauder hat Mountainbikerennen in der ganzen Welt gewonnen, wurde Weltcup Gesamtsieger und widmet sein Leben nach der Profikarriere jetzt ganz einer ebenso unkonventionellen wie naheliegenden Idee: Beim Stoneman gibt es sportliche Herausforderungen ganz ohne Stress und Konkurrenzdruck.

Vom Mountainbike-Profi zum Event-Manager.

Stoanerne Mandln heißen sie, die Südtiroler. Aus Steinplatten aufgeschichtete Stauen, die an exponierten Stellen oben am Berg thronen und von weitem wie eine erstarrte Figurengruppe aussehen. Die einen sagen, dass sie die Hirten früher zum Zeitvertreib gebaut hätten. Andere halten sie für Kraftplätze oder keltische Kultstätten. Für Roland Stauder sind sie das Symbol seines neuen Lebens. Aber das hat nichts mit Esoterik zu tun sondern mit seiner ungewöhnlichen Biographie. Der drahtige Pustertaler ist 20 Jahre lang Mountainbikerennen gefahren, davon die Hälfte als Profi, hat 2003 den Gesamtweltcup gewonnen, dazu etliche legendäre Rennen vom Dolomiten-Mann über die Transalp-Challenge bis zur Crocodile Trophy in Australien.

Am Ende seiner sportlichen Laufbahn hätten sich die üblichen konventionellen Optionen ergeben. „Aber ich wollte nicht als Trainer arbeiten sondern etwas Neues, etwas ganz Anderes machen“, sagt er heute. Das war vor rund vier Jahren und das wurde auch die Geburtsstunde seiner ganz persönlichen stoanernen Mandln. Stauder dachte sich etwas aus, das auf den ersten Blick logisch und selbstverständlich klingt, das aber dennoch ziemlich ungewöhnlich ist. Stauder begann damit, in den heimatlichen Dolomiten Biketrails auszuarbeiten, die jeder ganz individuell fahren, bei der aber jeder Absolvent wie nach einem Rennen sein Erfolgserlebnis und seine Trophäe erhalten sollte. Der Name der Trails und der Name eben jener Trophäe wurde Stoneman, das stoanerne Mandl. „Für den Biker soll das ein besonderes Erlebnis sein, dabei aber das Gegenteil von einem Rennen sein. Keine fixen Termine, kein Stress, ein Wettkampfdruck und kein Konkurrenzdenken“, präzisiert er seine Idee. Jeder soll für sich selbst fahren, ganz seinem Können und einem Wünschen entsprechend, allein oder in Gesellschaft, schnell oder langsam, an einem Tag oder an mehreren. Das Naturerlebnis und das individuelle Erfolg sollen im Mittelpunkt stehen.

Einen Stoneman muss man sich ehrlich verdienen.

Den Anfang machte Stauder mit einem Stoneman Trail im Hochpustertal. Quasi um die Ecke bei den berühmten Drei Zinnen. Eine 120 km Runde mit schweißtreibenden 4.560 Höhenmetern rund um Sexten, Toblach und Sillian auf der Osttiroler Seite. An den fünf höchsten Punkten müssen die Biker an den Checkpoints, die mit ihren drei Meter hohen Eisensäulen unübersehbar sind, mit einer Zange die Kontrollmarken in ihr Armband stanzen. Der unvermeidliche Beweis dafür, dass sie auch wirklich gefahren sind und den Stoneman verdient haben. Den wiederum gibt es in Gold für die eintägige Fahrt, in Silber für zwei und in Bronze für drei Tage. So hat es 2010 angefangen.

Wir treffen Roland Stauder in Sexten wenige Meter hinter der Talstation der Helm-Seilbahn. Dort hat er seinen „Spirit-Info-Point“ eingerichtet, dessen rostige Metallfassade einen unübersehbaren Kontrast zu den schlichten Kommerzgebäuden rund die Seilbahn bildet. Er hebt sein Bike aus dem Auto und rollt es über den Parkplatz. Er sieht aus wie einer, dessen Leben aus Radrennen besteht. Hautenges Trikot mit bunten Sponsorlogos, trainierte braungebrannte Arme und Beine. Mit schnellen sicheren Handgriffen leert er den Kofferraum und schüttelt den Kopf: „Zum privaten Biken oder gar für Rennen hab ich so gut wie keine Zeit mehr.“ Der Stoneman hat ihn mittlerweile ziemlich vereinnahmt. „Über 1500 Leute haben in dieser Saison den Stoneman gemacht,“ erzählt Roland. „Im ersten Jahr waren es noch 300 bis 400.“ Viele Deutsche und Italiener, aber auch Holländer, Tschechen, Norweger und sogar Leute aus Australien.

Selbst die Trophäen baut Stauder mit eigenen Händen.

Es ist ein später Nachmittag und Roland zieht es zur Talstation hinüber. Die Sonne steht noch klar über der Dreischusterspitze und taucht den Gipfel des Helm in ein sanftes Spätsommerlicht. „Wir nützen die Gelegenheit und machen oben noch Bikefotos.“ Der Stoneman hat dem Ex-Rennfahrer zu einem Manager gemacht, dessen Terminkalender gut gefüllt ist. Roland Stauder ist quasi eine One-Man-Show. Er konzipiert die Strecken, baut die Checkpoints und bastelt aus vier bis fünf faustgroßen Kalksteinen die Stoneman Trophäe auf einem Holzsockel und lackiert sie je nach gewünschter Ausführung in Gold, Silber oder Bronze. Während der gesamten Saison steht er den Fans im Rahmen der Stoneman Academy auch als Guide für Touren zur Verfügung. Dazwischen stehen noch zehn große Bike Events wie die Messe EuroBike in Friedrichshafen und das Bike Festival in Riva auf dem Programm, wo er mit einem Stand vertreten ist und Werbung für den Stoneman macht.

Stoneman – ein variantenreiches Konzept erobert Europa.

Der Stoneman ist größer geworden. Es gibt eine Variante im Erzgebirge mit 162 km und 4.400 Höhenmetern im Grenzgebiet von Deutschland und Tschechien. Zuhause in den Dolomiten hat Stauder als zusätzliche Variante und für die Eroberung weiterer Zielgruppen einen Stoneman Road geschaffen. Eine Straßentour mit sieben Dolomitenpässen, 193 km, 4700 Höhenmetern und fünf Checkpoints. Für Bergwanderer gibt es jetzt einen Stoneman Hike, der von Niederdorf auf die Plätzwiese führt, einen Schlenker zur Seekofelhütte macht und über die Sennesalpe und den Pragser Wildsee zurück kehrt. Insgesamt 54 km und rund 3.000 Höhenmeter, die die meisten Stoneman Wanderer wohl mit Zwischenübernachtungen in einer der zahlreichen Hütten entlang der Route absolvieren werden. Für den Nachwuchs hat sich Stauder noch den Stoneman Kids ausgedacht, eine Bikestrecke mit 14 km und 200 Höhenmetern rund um Sexten.

Nach dem Fototermin sitzen wir bei einem Kaffee in Sexten und Roland Stauder erzählt von seiner Vorstellung, dass der Stoneman sich auf viele andere Destinationen übertragen lässt. Für ihn ist es mehr als nur eine Tour. Er sieht es als Philosophie, als neuen Zugang zur Natur, als individuelle Kombination aus sportlicher Herausforderung mit intensivem Naturerlebnis. „Technische Geräte sind dabei überflüssig. Die Biker können sich voll und ganz auf den Trail und die großartige Landschaft konzentrieren.“ Es ist für ihn auch die ideale Umsetzung seiner langjährigen Wettkampferfahrung, die in jungen Jahren ganz zufällig begann, als er im Schwimmbad die junge Bademeisterin bewunderte, die immer mit dem Rennrad und einem schicken hautengen Trikot zur Arbeit kam. Das wollte er dann auch mal versuchen.

Wichtige Infos für eine Teilnahme am Stoneman?

Bei einer Teilnahme winkt neben Ruhm und Ehre auch ein Startpaket inkl. Radflasche, Bikeschlauch, Karte mit Höhenprofil, Red Bull Shot, Stempelarmband, Giveaway, Wellnessgutschein und eine Stoneman-Trophäe für Finisher. Der Preis für die Anmeldung beläuft sich aktuell auf 39,- Euro bzw. 32,- Euro bei einer Übernachtung in einem der Partnerhotels. Weitere Infos zur Anmeldung und zum Stoneman gibt’s unter: www.stoneman.it

Quelle: BMW & Stoneman

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