Ratgeber – Wander- und Trekkingsocken Underdog im Bergschuh – wertvolle Tipps für blasenfreien Wanderspaß


 
17.06.17
 

„Schatz, warum lässt du schon wieder deine Socken rumliegen?!“ Den meisten Männern dürfte dieser Satz wahrscheinlich bekannt vorkommen, um einmal kurz das Klischee zu bedienen. In zwischenmenschlichen Beziehungen ist die liebe Socke gerne einmal Stein des Anstoßes und Auslöser für so manche Diskussion. Wenn es um die richtige Ausrüstung am Berg geht, dann sind Socken jedoch eher selten ein Thema und fristen vielmehr ein ziemliches Schattendasein. Kaum ein Kleidungsstück ist so unterschätzt wie das richtige Textil im Bergschuh. Zu Unrecht wie wir finden. Denn die Strümpfe haben einen entscheidenden Anteil daran, ob eine Bergtour zur Tortour wird oder ob der Tag blasenfrei und ohne Geruchsgau zu Ende geht.

Auf die Socke gekommen – das können gute Wander- und Trekkingsocken leisten.

Kein Socken wie der andere – die Auswahl an Wander- und Trekkingsocken ist riesig.

Viele Wanderer und Bergsteiger machen die Schuhe dafür verantwortlich, wenn sie von Blasen oder Druckstellen geplagt werden. Oft sind jedoch die Socken maßgeblich daran beteiligt, wenn es schmerzt und brennt. Entweder weil die Strümpfe nicht richtig passen und Falten werfen oder weil die Füße im Schuh regelrecht aufweichen und damit anfälliger für Blasen werden. Gute Wander- und Trekkingsocken schützen und unterstützen den Fuß hingegen beim Weg durch das Gebirge. Sie dämpfen den Tritt an der Ferse, unterstützen das Abrollverhalten am Ballen und wirken so Ermüdung entgegen. Zudem sorgen sie für einen optimalen Feuchtigkeitstransport und fördern damit ein angenehmes Fußklima. Aber nicht nur das. Auch ein punkto Geruchsbildung kann man sich mit den richtigen Socken beim Hüttenabend Freunde machen. So wirken Socken aus Merinowolle oder mit spezieller Silberionen-Technologie wie Polygiene der Geruchsbildung entgegen. Dem nicht genug, gibt es sogar wasserdichte Socken wie sie von Seal Skinz angeboten werden, um die Füße auch in normalen Trekkingschuhen ohne Gore-Tex Membrane trocken zu halten.

Merino, Kunstfaser oder Mix-Gewebe? Das Material macht’s!

Kunstfaser oder Merino? Eine Grundsatzfrage bei der Wahl der Socke.

Trekking- und Wandersocken gibt es aus verschiedenen Materialien, allen voran Kunstfaser oder Merino bzw. eine Mischung aus beidem. Welches Material nun das Beste ist, daran scheiden sich die Geister. Kunstfasern wie Polyamid oder Polyester haben den Vorteil, dass sie keine Feuchtigkeit aufnehmen und Schweiß bzw. Nässe schnell nach außen leiten. Außerdem sind sie zumeist abriebfest und langlebig. Merinowolle zeichnet sich demgegenüber durch ihre klima- und temperaturregulierenden sowie geruchsneutralen Eigenschaften aus. Wolle kann viel Feuchtigkeit aufnehmen ohne wirklich nass zu werden. Bei Kälte wärmt sie und bei Hitze hat sie einen kühlenden Effekt. Um die Vorteile beider Welten miteinander zu verbinden, setzen daher viele Hersteller wie Smartwool, Iceabreaker oder auch der Kompressionsspezialist CEP auf einen Materialmix, um z.B. Komfort und Abriebfestigkeit ideal miteinander zu kombinieren.

Auch wenn man sie oft an den Füßen so mancher Wandersleute findet, Baumwollsocken haben am Berg eigentlich nichts zu suchen. Das Material nimmt Feuchtigkeit zwar zügig auf, trocknet dabei aber nur recht langsam. Bei schweißtreibenden Aktivitäten kommt Baumwolle schnell an ihre Grenze. Die Feuchtigkeit bleibt am Fuß, die Haut weicht auf und gleichzeitig verlieren die Strümpfe aufgrund der Nässe ihre Form und leiern aus. Die Folge sind oftmals Blasen oder wunde Stellen, die den Spaß an den Bergen gehörig verderben. Daher Finger weg von Baumwolle!

Dick, dünn, Low Cut oder knielang – was darf’s sein?

Jeder Topf hat seinen Deckel – so ist es auch bei Schuhen und Strümpfen.

Socken für den Einsatz am Berg gibt es mittlerweile wie Sand am Meer – von Kniestrümpfen für Skitouren über knöchelhohe Wandersocken bis hin zu niedrig geschnittenen Söckchen speziell fürs Trailrunning. Die Länge der Socken ist vor allem eine Geschmacksfrage. Wichtig ist nur, dass die Schaftlänge der Strümpfe mit denen des Schuhs kompatibel ist. Zu kurz dürfen Wandersocken nämlich auf keinen Fall sein. Demgegenüber sollte man bei der Wahl der Dicke des Materials das spätere Einsatzgebiet im Hinterkopf behalten. Für den Winter oder Hochtouren empfiehlt es sich, zu Socken mit einem höheren Anteil an Wolle zu greifen. Bei sommerlichen Temperaturen dürfen die Strümpfe gerne etwas dünner ausfallen. Wichtig ist zudem, welche Art von Tour auf dem Programm steht. Bei Ausflügen mit schwerem Gepäck kann die Dämpfung gerne etwas großzügiger ausfallen. Außerdem ist natürlich die Wahl des Schuhwerks selbst entscheidend. In einem schweren, steigeisenfesten Bergstiefel mit Gore-Tex kann eine dünne und atmungsaktive Kunstfasersocke naturgemäß nur wenig ausrichten. Vice versa hat eine dicke Socke aus Schurwolle im leichten Approacher nichs zu suchen.

Keine Nähte – keine Reibung!

Zwei Paar Socken übereinander – ja oder nein?

Immer wieder gerne geführt wird auch die Diskussion um das Tragen von zwei Paar übereinander gezogenen Socken. Während die einen auf die doppelte Polsterung im Kampf gegen Blasen schwören, verteufeln sie wieder andere und verweisen auf die zusätzliche „Angriffsfläche“ durch Reibung. Wie so oft im Leben liegt die Wahrheit wahrscheinlich irgendwo dazwischen bzw. ist eine Frage der persönlichen Präferenzen und Erfahrungen. Auch bei uns im Team sind die Meinungen geteilt: Während „Breitfüßler“ Veit generell nie ein zweites Paar Socken anziehen würde, schwört „Schmalfüßlerin“ Vroni beim Skitourengehen auf eine Kombi aus eng anliegender Merino-Kompressionssocke als erste Schicht und einer darüber liegenden dickeren Socke, um den Platz im Schuh optimal auszufüllen. So oder so: Wer zu einem zweiten Paar Socken greift, der sollte unbedingt darauf achten, dass die erste Schicht wirklich eng anliegt.

Socken dürfen keine Falten werfen und müssen eng anliegen.

8 Tipps für den Kauf und die Pflege von Wandersocken:

+ Socken auf keinen Fall zu weit bzw. zu groß kaufen! Lieber zur kleineren Größe greifen.

+ Die Passform muss perfekt sein. Socken müssen wie eine zweite Haut sitzen und dürfen keine Falten werfen.

+ Auf Nähte und Verarbeitung achten. Gerade im Zehenbereich darf nichts drücken.

+ Späteres Einsatzgebiet beachten: Zu welcher Jahreszeit sollen die Socken genutzt werden, wie schwer ist das Gepäck und welches Schuhwerk wird getragen?

+ Socken sollte man nicht frisch gewaschen anziehen. Waschmittelrückstände können gerade in Kombination mit Schweiß die Haut reizen

+ Socken mit Merinowolle nie mit Weichspüler waschen und nicht in den Trockner packen!

+ Pflegehinweise beachten! Die meisten Socken darf man nur bis 40 Grad waschen. Wer Probleme mit Fußpilz hat, kann Hygienespüler verwenden statt die Strümpfe in die Kochwäsche zu stecken

+ Ein paar Euro mehr lohnen sich meistens. Lieber drei Paar gute Socken im Schrank als zehn mittelmäßige.

Die Empfehlungen der af-Redaktion:

Bei der riesigen Auswahl an Wander- und Trekkingsocken ist es natürlich ziemlich schwer, den Überblick zu behalten und die für sich richtige Option zu finden. Wir stellen euch unsere ganz persönlichen Favoriten und treuen Wegbegleiter kurz vor.

Vronis favourite: Smartwool PnD Run Light Elite Laufsocken

Ich werde nicht müde zu betonen, dass ich ein großer Fan von Merinowolle bin – und bei Socken verhält sich das nicht anders. Ich bekomme sehr leicht Blasen und Merinowolle ist für mich daher das beste Material, damit meine Füße auch bei schweißtreibenden Wanderungen oder Bergläufen trocken bleiben und somit weniger anfällig für Blasen oder Druckstellen sind. In Zustiegsschuhen oder Trailrunnern trage ich am liebsten dünne, niedrig geschnittene Laufsocken. Mein Favorit sind dabei die PnD Run Light Elite von Smartwool. Diese bestehen zu 51% aus Merinowolle und zu 46% aus Nylon verbunden mit 3% Elasthan. An den besonders beanspruchten Stellen – Ferse und Ballen – sorgt eine gezielte Dämpfung für zusätzlichen Komfort. Spezielle Netzbelüftungsöffnungen erhöhen die Atmungsaktivität und verbessern das Fußklima. Die PnD Run Light Elite besitzen eine sehr gute, eng anliegen Passform und sind dabei extrem formbeständig, sodass sie auch nach mehrmaligem Tragen nicht ausleiern und eng anliegen wie am ersten Tag. Dank des nahezu nahtlosen Zehenbereichs wird das Risiko von Scheuern oder Druckstellen vermindert und der Komfort somit nochmals erhöht. Mit einem Preis von 19,95 Euro (UVP) sind sie nach eigener Erfahrung jeden Cent wert.

Veits favourite: VEITH Outdoor-Socks Strong

Ich habe ziemlich lange nach Wandersocken gesucht, deren Materialmix die Füße auch bei langen Touren zuverlässig trocken und blasenfrei hält. Generell bin ich nicht so anfällig für Hautirritationen oder Blasen durch Reibestellen. Schwitze ich jedoch im Socken, wie bspw. bei Kunstfaserprodukten, quillt die Haut auf Dauer auf und auch ich plage mich mit entsprechenden Problemen herum. Fündig wurde ich neben den besagten Smartwool PnD Run Light Laufsocken auch bei einem kleinen Allgäuer Familienbetrieb, dessen Name allein schon Programm sein muss. Und bei einem Namensvetter wie den Veith-Socken kann man nun wirklich nichts falsch machen. Die noch von Hand und komplett in Deutschland gefertigten Socken sind im Vorfuß- und Fersenbereich extra dick gefüttert und besitzen einen dünneren Schaft. Die Luftig-lockere Walk-Plüschsohle ohne stöhrende Naht bildet das Komfortpolster zwischen Fuß und Schuh. Dadurch wird der Tragekomfort deutlich erhöht und die Luftzirkulation optimiert. Hinzu kommt ein natürliches Material aus reiner Schurwolle bzw. Merinowolle, dank dem das Fußklima selbst an heißen Tagen bestens reguliert wird. Und für kältere Tage gibt’s alternativ noch dickere Modelle für ein Plus an Wärme. Überzeugend ist auch der Preis von 19,95 Euro (UVP), mit dem man ein hierzulande tätiges Unternehmen fördert und somit guten Gewissens durch die Weltgeschichte stapfen kann – natürlich blasenfrei.

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