Ratgeber – Warme Hände Von wegen kalt erwischt – wertvolle Tipps und Tricks gegen kalte Finger im Winter


 
20.01.17
 

Kalte Hände zählen neben frierenden Füßen vermutlich zu den unbeliebtesten Phänomenen bei alpinen Hoch-, Ski- oder Klettertouren, sobald die Witterungsbedingungen nasskalt oder winterlich ausfallen. Doch nicht jeder Frischluftfan reagiert gleichermaßen auf die äußeren Bedingungen und beklagt sich über taube Fingerspitzen. Aber wieso kann so mancher selbst bei knackigen Temperaturen auf Handschuhe mitunter verzichten, während der andere sich bereits Gedanken über schmerzhafte Frostbeulen machen muss? Und was ist überhaupt die Ursache für kalte Hände? Wir haben die wichtigsten Fakten zusammengetragen und uns von der angehenden Berg- und Skiführerin Yvonne Koch (27) ein paar Tipps geholt, wie man sich optimal vor Erfrierungen schützen und den eiskalten Händchen wieder Leben einhauchen kann.

Eiskalt erwischt – warum bekommen wir eigentlich kalte Hände?

Wenn man den menschlichen Körper als ganzheitliches System betrachtet, dann befinden sich die (über-)lebenswichtigen Organe allesamt im Rumpf. Bei großer Kälte gilt es also, eben jene Organe und deren Funktionalität zu schützen, um so das generelle Überleben zu sichern. Kühlt der Körperkern zu sehr aus verengen sich als erstes die Gefäße in den sogenannten Extremitäten – sprich vor allem in den Fingern und Zehen. Zwar werden diese Bereiche dann weiterhin mit Blut versorgt, aber nicht mehr in jener Intensität wie bei normalen Temperaturen. Gerade weil nun kein wärmendes Blut mehr bis an die Fingerspitzen gepumpt wird und hier auch sonst kaum Fettgewebe vor Wind und Wetter schützt, kühlen die Hände zügig aus und werden regelrecht steif. Verantwortlich dafür ist vor allem unser vegetatives Nervensystem, das mithilfe feinster Sensoren kontinuierlich sämtliche Temperaturschwankungen inner- und außerhalb des Körpers registriert und die entsprechenden Informationen an unserer Gehirn weiterleitet, um den Kreislauf an- bzw. herunterzukurbeln oder um uns zu signalisieren, dass wir baldmöglichst Handschuhe überstreifen sollten.

Kalte Hände sind aber noch längst nicht nur ein Phänomen bei knackigen Temperaturen. Auch durch das Verdunsten von Schweiß auf der Hautoberfläche oder der an stürmischen Tagen erzeugte Windchill-Effekt können dieselben Ergebnisse hervorrufen. Auch körperlich bedingte Auslöser wie psychischer Stress oder Kreislaufprobleme sowie falsche Ernährung und Rauchen zählen zu den Ursachen für kalte Fingerspitzen. Ebenso können Müdigkeit, Hunger oder Dehydrierung durch mangelnde Aufnahme von Flüssigkeit dazu führen, dass wir an den Händen frieren. Doch nicht bei jedem Menschen tritt dieser Effekt gleichermaßen schnell auf und hängt von dessen individuellen Fitness und/oder körperlichen Verfassung ab.

Was passiert eigentlich bei Erfrierungen und was genau sind Frostbeulen?

Ein klammes Gefühl in den Fingerspitzen und steife Gelenke sind für gewöhnlich die ersten zu beobachtenden Erscheinungen, wenn die Hände mit zu wenig warmem Blut versorgt werden. Dieser Zustand ist weitestgehend unbedenklich und geht maximal mit einem schmerzhaften Gefühl beim „Auftauen“ einher. Ernst wird es, wenn die Hände nahezu gefühlstaub sind und auch durch langsames Erwärmen nicht mehr zum Leben erweckt werden können. In diesem Fall spricht man nicht mehr nur von kalten Händen, sondern von Erfrierungen und im wahrsten Sinne des Wortes von schwerwiegenden Verletzungen, die im schlimmsten Fall sogar zu einem Absterben von Hautpartien oder der Amputation ganzer Gliedmaßen führen kann. Grund hierfür sind Eiskristalle, die sich zwischen den Körperzellen bilden und diese dadurch zerstören. Zudem wird die Blutzufuhr aufgrund des zähflüssigeren Bluts erschwert oder sogar gänzlich unterbunden.

Als Symptome gelten in der Regel eine blass-weißlich gefärbte Haut, stechende Schmerzen und ein gewisses Taubheitsgefühl. Als Frostbeulen (Perniones) werden juckende bis schmerzhafte und mit Zellflüssigkeit gefüllte Schwellungen unter der Haut bezeichnet. Wie auch bei Brandverletzungen werden die durch Kälte verursachten Schäden hinsichtlich ihrer Schwere in vier verschiedene Grade klassifiziert:

Erfrierung 1. Grades: blasse oder gerötete Hautfarbe, geschwollene Hautpartien, stechender Schmerz, Taubheitsgefühl und Versteifung der Gliedmaßen
Erfrierung 2. Grades: weiß-bläulich gefärbte Haut, Frostbeulen und Blasenbildung, starke Schmerzen
Erfrierung 3. Grades: extremes Taubheitsgefühl und nahezu schmerzfreies Absterben des Gewebes, typisch ist eine schwarze Färbung
Erfrierung 4. Grades: Vereisung und völlige Zerstörung des Gewebes durch alle einzelnen Schichten hindurch, Amputation des betroffenen Körperteils

Tipps und Tricks gegen kalte Hände

Als eine der Hauptursachen für kalte Hände nennt die Montane-Athletin Yvonne Koch eine zu dünne oder nicht ausreichend wärmende Bekleidung des Oberkörpers: „Friert erst einmal der Rumpf, kannst du am Ende tun was du willst, die Finger bekommst du dann kaum bis gar nicht mehr in Schwung“. Als ehemaliges Mitglied im DAV Exped-Kader muss sie es wissen, gehört Bibbern doch bei vielen ihrer (Eis-)Klettertouren einfach zum alpinen Alltag mit dazu. Vor allem dann, wenn sie beim Sichern des Vorsteigenden im Stand hängt und über einen längeren Zeitraum kaum in Bewegung ist. Dementsprechend zählen für sie zu den wichtigsten Maßnahmen, sich entweder von Anfang an dick einzupacken oder beim ersten Frösteln schnellstmöglich isolierende Klamotten überzuziehen. Vor allem durchgeschwitzte Bekleidung sollte sofort gewechselt werden, damit der Körper nicht unnötig auskühlt und die nötige Wärme aus den Händen zieht. „Sobald das erste Gefühl von Kälte aufkommt, am besten sofort Gegenmaßnahmen ergreifen“ so die Bergführer-Anwärterin.

Good to know – die wichtigsten Maßnahmen für warme Hände im Überblick:
1) ausreichend Schlaf und möglichst viel Bewegung
2) viel Trinken und energiereiche Nahrung zu sich nehmen
3) Zwiebelprinzip auch bei Handschuhen (dünner Liner als erste Schicht)
4) Unterarme und Handgelenke möglichst warm halten
5) ruckartige Stoßbewegungen der Arme um die Durchblutung anzukurbeln
6) Wärmepads für schnelles Aufwärmen sehr kalter Hände
7) Hände und Handschuhe immer möglichst trocken halten
8) Ingwer essen oder Ingwer-Tee trinken
9) Hände mit Wärmecreme einschmieren

Vor allem die Unterarme und Handgelenke gilt es, warm zu halten: „Wenn das Blut auf dem Weg zu den Händen bereits abkühlt, kann es die Finger erst recht nicht mehr mit Wärme versorgen“ erklärt Yvonne Koch. Um die Hände generell warm zu halten, kann auch hier das Zwiebelprinzip durchaus helfen. „Ich ziehe gerne hauchdünne Handschuhe als erste Schicht über, der den über die Hautoberfläche abgegebenen Schweiß besser abtransportiert und die Hände trocken hält“. Darüber kommt dann noch ein dick gefütterter Glove als Isolation und/oder Wärmespeicher. Alternativ schützt ein über beide Schichten gezogener Überhandschuh noch zusätzlich vor Wind, Regen und Kälte.

Bewegung gilt für die angehende Ski- und Bergführerin allerdings noch immer als beste Medizin. Soll heißen: „Entweder du trampelst auf der Stelle und hüpfst herum oder du schüttelst bzw. schlägst deine Hände ruckartig herunter, um das warme Blut in die Hände zu befördern“. Weniger effektiv, aber sicher nicht verkehrt, ist auch das sanfte Reiben der Hände und das behutsame Aufwärmen mithilfe von lauwarmen Wasser oder indem man die Finger unter die eigenen Achseln schiebt. Auch das Hineinblasen warmer Atemluft in die geballte Faust verspricht eine schnelle Wirkung, führt aber genauso schnell wieder zum Auskühlen. Und sollten die Finger doch einmal zu sehr ausgekühlt sein, sorgen Wärmepads als „Ersthelfer“ für Linderung. „Von beheizbaren Handschuhen rate ich eher ab, weil der Effekt meistens nicht lange anhält und die Akkus bei sehr kalten Bedingungen sowieso irgendwann den geist aufgeben“.

Kälte mit Kälte bekämpfen ist absolut Schnee von gestern

Tunlichst vermeiden sollte man hingegen das Aufwärmen kalter oder wenn nicht sogar bereits erfrorener Hände oder Fingerkuppen durch Einreiben mit Schnee. Auch wer die „Eisklumpen“ zum Auftauen direkt unter heißes Wasser hält, tut sich und vor allem den verletzten Gliedmaßen bzw. Hautpartien garantiert keinen Gefallen. Denn im schlimmsten Fall werden die ohnehin bereits betroffenen Bereiche nur noch mehr in Mitleidenschaft gezogen und man riskiert schwerwiegende Folgeschäden. Am wichtigsten ist und bleibt es, die Blutzufuhr generell wieder in Gang und den Kreislauf des Körpers in Schwung zu bringen. Wie auch immer man das letztendlich bewerkstelligt.

Montane Prism Glove – Veits absoluter Geheimtipp für „Frostbeulen“

Wer wie ich äußerst schnell an den Händen friert, der kann sich entweder Handschuhe kaufen, die beheizbar sind, oder zieht sich dicke Daunenfäustlinge über. Die Vor- und Nachteile liegen hier natürlich direkt auf der Hand. Dass eine wärmende Schutzschicht aber nicht immer auch mit einem Verlust der Taktilität und Mobilität einhergehen muss, beweist das Modell Prism von Montane. Der mit Primaloft Gold gefütterte Glove begeisterte mich von Anfang an, da ich bis dato noch in jedem Handschuh kalte Finger bekam. Warum gerade dieser Fingerhandschuh wahre Wunder bewirkt, kann ich mir einfach nicht erklären, aber am Ende zählt dessen herausragende Funktion als zuverlässiger Wärmespender.

Jedenfalls sorgt das ultraleichte Material aus wasserabweisendem Pertex Microlight Ripstop in Kombination mit der bauschigen Synthetik-Füllung für eine optimale Atmungsaktivität und das gegenüber Nässe weitaus unempfindlichere Primaloft-Material für mollige Wärme selbst bei Temperaturen weit unter dem Nullpunkt. Ganz zu schweigen von dem minimalen Gewicht und dem extrem kleinen Packmaß der Handschuhe. Besonders praktisch ist aber vor allem die Anziehhilfe, die das Überstreifen der Handschuhe auch mit bereits angezogenem Glove ungemein erleichtert. Wem der minimalistische Prism Glove eine Nummer zu anfällig erscheint, der kann alternativ auch zu dem deutlich robusteren und an den Handinnenflächen zusätzlich noch verstärkten Modell Super Prism Glove greifen.

Die Details:
Besonderheiten: Zugschlaufen zum leichteren Hineinschlüpfen, praktischer Packbeutel
Einsatzgebiet:
alpine Hoch- und Skitouren, Eisklettern, Radfahren
Material: wasserabweisende Pertex Microlight Material (100% Polyamid / 100% PU)
Innenfutter: Primaloft Gold (100% Polyester)
Gewicht: ca. 50g (bzw. 70g beim Super Prism Glove)
Preis: 54,95 Euro (bzw. 64,95 Euro (UVP) für den Super Prism Glove)

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