Review – 66° North Snaefell Jacket Atmungsaktiver Allrounder mit neuem Polartec® NeoShell® im Test


 
23.10.13
 

Man muss nicht unbedingt ins ferne Island reisen, um raues Wetter in all seinen Facetten kennenzulernen. Sich schnell wandelnde Witterungsbedingungen werden auch in der Nähe und erst recht auf den Gipfeln der Alpenregion geboten. Gerade hier wechseln sich kaiserlicher Sonnenschein und tosender Sturm binnen von Sekunden ab. Wer dann nicht in einer der gemütlichen Hütten Unterschlupf gefunden hat, kann nur noch auf den Schutz der eigenen Regenjacke hoffen. Im schlimmsten Fall heißt das, über mehrere Stunden im Dauerregen herumzustapfen. Gut, wenn dann eine zuverlässige Hardshell mit im Gepäck ist, die vor Regen und auskühlendem Wind schützt.

Zum Glück blieb uns zweiteres erspart, als wir im Spätsommer zur Hochstubaihütte aufbrachen. Sonnenschein satt und Temperaturen von bis zu 24 °C auf einer Höhe von rund 3.200 Metern stellten uns vor ganz andere Herausforderungen, als dem Regen davonzukommen. Gut, dass wir anstatt einer herkömmlichen Hardshelljacke das Snaefell Jacket von 66°North mit im Gepäck hatten. Sie ist die aus dem neuen Polartec® NeoShell® gefertigt, das weitaus mehr Atmungsaktivität verspricht als die üblichen Membranen am Markt. Das Snaefell Jacket zählt zu einem der besten Hardshells im aktuellen Sortiment des isländischen Outdoorspezialisten 66° North, einer Marke die in Deutschland bisher noch als Geheimtipp gilt. Passend zu den extremen Wetterbedingungen vor Ort haben die Isländer hochwertige und funktionale Outdoor-Bekleidung für ambitionierte Freizeitsportler oder professionelle Alpinisten im Programm. Sie müssen also durchaus wissen, was sie tun. Ein Grund mehr, die Hardshell mit dem gewissen Softshell-Touch einmal genauer unter die Lupe zu nehmen. Wie sich das von den Bergfreunden freundlicherweise in Größe M zur Verfügung gestellte Wunderwerk bei annähernd tropischer Hize geschlagen hat, erfahrt ihr in unserem Testbericht.

Die Fakten:

Das Snaefell Jacket sorgte bereits bei der Einführung für viel Aufsehen und wurde u.a. mit dem ISPO Outdoor-Award 2011 sowie dem S.O.G. Award 2011 ausgezeichnet. Es ist Teil der Arctic Edition von 66° North. Einer Produktlinie, in der nur Outdoorklamotten aufgeführt werden, die für extreme Wetterbedingungen und härteste Einsätze konzipiert wurden. Bei der Entwicklung des Snaefell Jacket hat übrigens Leifur Örn Svavarsson, Leiter des isländischen Rescue-Teams, höchstpersönlich mitgeholfen. Die Hardshell wird aus dem neuen Polartec® NeoShell® gefertigt, das deutlich atmungsaktiver und luftdurchlässiger als andere Membranen am Markt sein soll. Während Softshells zwar atmungsaktiv, aber nur bedingt wasserfest sind, und Hardshells zu 90% im Rucksack bleiben, verbindet Polartec® NeoShell® das Beste aus beiden Welten: Mit einer Wassersäule von 10.000 mm soll es ausreichend wasserdicht sein und durch einen Zwei-Wege-Luftaustausch eine hervorragende Atmungsaktivität bieten. Das sorgt laut Hersteller auch bei der Snaefell Jacket für eine optimale Regulierung des Körperklimas. Aus diesem Grund wird auch auf eine zusätzliche Unterarmbelüftung verzichtet und die Belüftung über die Taschen gewährleistet.

Dafür bietet die Hardshell einige andere Features wie eine verstärkte Schwenkkapuze mit Dreipunkt-Zugsystem, die den Bewegungen folgt und die Seitensicht nicht blockieren soll. Zwei große innen mit Mesh ausgelegte RV-Taschen, eine praktische Kartentasche am Ärmel sowie zwei Taschen innen sollen genügend Stauraum für die wichtigsten Dinge bieten. Der Schnitt fällt sportlich aus, die Ellenbogen sind vorgeformt und die Rückenpartie verlängert, um den empfindlichen Nierenbereich vor auskühlendem Wind zu schützen. Die Zugsysteme an Kapuze und Saum sind als innenliegender Tunnelzug konzipiert, um die Jacke optimal an die individuellen Bedürfnisse anpassen zu können. Velcroverschlüsse an den Ärmeln, durchweg getapte Nähte sowie laminierte YKK-Reißverschlüsse runden die Features des isländischen Flaggschiffs noch ab.

Das Fazit:

Es ist immer schwer eine Regenjacke komplett auf Herz und Nieren zu testen, wenn das Wetter im weitesten Sinne nicht mitspielt. Im Falle des Snaefell Jacket waren die Testbedingungen jedoch absolut optimal, schließlich wollten wir die viel gelobten Eigenschaften des neuen Polartec® NeoShell® auf der eigenen Haut spüren. Bei gut 24 °C (!) und auf einer Höhe von rund 3.200 Metern brezelte die Sonne auf uns herunter, wie es in alpinen Regionen sonst eher unüblich ist. Im Zuge einer kleinen Alpintour zogen wir die Hardshell zum Schutz vor der morgendlichen Frische und den herunterbrennenden Sonnenstrahlen vorsorglich über. Erst nach gut einer Stunde fiel uns auf, dass wir die Schutzhülle noch immer nicht abgelegt hatten. Und dass trotz schweißtreibender Temperaturen und anstrengender Kletterei. Vielleicht lag es am weichen und flexiblen Material, dass sich wie eine dünne Softshell-Schicht und angenehm weich auf der Haut anfühlte. Denn im Gegensatz zu den eher sperrigen Dreilagen-Hardshells macht die Snaefell jede Bewegung mit und überrascht durch eine ausgezeichnete Atmungsaktivität. Somit hatten wir zu keiner Zeit das Gefühl, dass ein Hitzestau entsteht und das Körperklima aus dem Gleichgewicht geraten könnte. Oder aber es lag an den vielen praktischen Details. So ist die Kapuze großzügig verstärkt und schränkt die Sicht in keinster Weise ein. Die Fronttaschen sind optimal platziert, sodass sie auch bei aufgesetztem Rucksack gut erreichbar bleiben. Und die zusätzlichen RV-Taschen am linken Ärmel sowie auf der Innenseite bieten Platz für kleinere Dinge wie Schlüssel, Skipass oder die Sonnenbrille. Auch der Kragen sitzt hervorragend, ist wunderbar hochgezogen und schützt den Hals vor kühlem Wind.

Ein paar wenige Punkte müssen wir aber auch beim isländischen Aushängeschild beanstanden. So fällt der Schnitt für unseren Geschmack etwas zu bauchig aus, da der recht massiv wirkende Frontzipper das weiche Material stark staucht. Das Kapuzenschild fällt etwas zu wuchtig aus und bringt eindeutig zuviel Gewicht auf die Waage. Größtes Manko ist für unsere Begriffe das doch etwas fummelige Zugsystem an Saum und Kapuze, wird es doch etwas unüblich über eine Gummi-Öse fixiert. Zudem hängen die Enden des Gummizugs bei eng angezogenem Saum störend aus der Jacke heraus. Bleibt noch die Größe der Jackentaschen, die durchaus großzügiger hätte ausfallen können. So bieten die Fronttaschen gerade einmal etwas mehr als einer Faust genügend Platz. Vielmehr Kritikpunkte sind ansonsten nicht zu finden und dürften wenn dann eher subjektiver Natur sein. Uns hat das Snaefell Jacket auf jeden Fall überzeugt, wenn auch der Regentest noch aussteht. Als Allrounder für den Einsatz bei milderen Temperaturen sowie bei schweißtreibenden Wander-, Ski- und Klettertouren ist sie unserer Meinung nach der perfekte Begleiter und wird garantiert nicht nur im Rucksack durch die Gegend getragen.

Die Details:

Auszeichnungen: ISPO award, Scandinavian Outdoor Award (S.O.G.)
Besonderheiten: verstellbare Ärmelbündchen, Kordelzug im Saum, Kinnschutz
Material: Polartec NeoShell (48% Nylon, 25% Polyester, 27% Polyurethane)
Farben: True Red, Black, Yellow, Royal Blue, Green
Größe: S-XXL
Gewicht: 514 g (bei Größe M)
Preis: 349,- Euro (UVP)

Weitere Infos gibt’s hier.
Einen ausführlichen Testbericht gibt’s auch auf dem Hiking-Blog von Jens.

Ein Kommentar zu
Review – 66° North Snaefell Jacket: Atmungsaktiver Allrounder mit neuem Polartec® NeoShell® im Test

  1. Jens | Hiking Blog kommentierte:

    Schöner Bericht und Danke für die Verlinkung! Stimme eurem Fazit absolut zu. Vor allem die Taschen fallen zu klein aus und am Bauch sieht es ein wenig so aus, als ob man eine Plautze drunter trägt. Aber ansonsten eine top Jacke, die ich immer noch gerne tragen und auch in grün chic aussieht.

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