Rezension – Alamode Film Picknick mit Bären – zwei Rentner unterwegs auf dem Appalachian Trail


 
13.02.16
 

Was haben die Schauspieler Reese Witherspoon, Emile Hirsch und Robert Redford gemeinsam? Zumindest schon einmal keinen Oscar. Aber allesamt haben sie sich in die amerikanische Wildnis begeben, um – zumindest vor laufender Kamera – nach dem tieferen Sinn des Lebens zu suchen. Während Reese Witherspoon in „Wild“ den Weg von Cheryl Strayed auf dem Pacific Crest Trail im Westen der USA nachwandert, verkörpert Emile Hirsch in „Into the Wild“ den sagenumwobenen Christopher McCandless aka Alex Supertramp, der sich einst allen gesellschaftlichen Zwängen entsagte und in der Wildnis von Alaska sein Leben der Natur überließ.

Während jene Verfilmungen auf wahren Begebenheiten beruhen, basiert „Picknick mit Bären“ von Regisseur Ken Kwapis lediglich auf dem gleichnamigen Bestseller „A walk in the woods“ des Schriftstellers Bill Bryson. Doch was heißt hier lediglich? Die Outdoor-Komödie, wenn man sie denn so nennen mag, reiht sich ein in solch autobiographische Geschichten wie Hape Kerkelings „Ich bin dann mal weg“ und folgt damit dem nie aussterbenden Drang der Menschen moderner Gesellschaften, welche die Welt bzw. die eigenen Grenzen entdecken wollen, ohne dafür den bequemen Sessel verlassen zu müssen. Wir haben uns das kurzweilige Vergnügen angesehen, das ab 26. Februar als DVD und Blue-ray im Handel erhältlich ist bzw. als Video-On-Demand online abgerufen werden kann.

Humorvolle Rentner-Komödie mit Aufbruchpotenzial

„Der Apalachian Trail ist im Grunde genommen wie das Leben. Du weißt nie was vor dir liegt und dennoch gibst du stets dein Bestes“. Mit diesen Worten starten der bekannte Reiseschriftsteller Bill Bryson (Robert Redford) und sein alter Jugendfreund Stephen Katz (Nick Nolte) in ihr vielleicht letztes großes Abenteuer. Gemeinsam wollen die beiden in die Jahre gekommenen und sich mit der Zeit auseinander gelebten Männer die rund 3.500 km lange Strecke quer durch die USA meistern, um gewisse Altlasten abzulegen und es sich selbst noch einmal zu beweisen. Doch im Grunde genommen geht es ihnen vielmehr darum, noch einmal dem tristen Rentnerdasein zu entkommen, welches vor allem geprägt ist durch den Besuch von Beerdigungen und das Schwadronieren über diverse Wehwechen, die das Alter nun einmal so mit sich bringt. Konfrontiert von nervigen Landsleuten, hungrigen Grizzly Bären und noch so manch anderen Herausforderungen findet das kauzige Gespann unterwegs zurück zu alter Freundschaft und jeder der Beiden zu sich selbst.

Wer nun eine klassische Verfilmung einer Biographie erwartet oder einen actiongeladenen Outdoorfilm, dürfte ziemlich enttäuscht werden. „Picknick mit Bären“ kommt eher auf leisen Sohlen daher und dient wohl mehr als schmunzelhafte Anregung, um den eigenen Ist-Zustand zu überdenken, denn als bildgewaltiger Epos. Die unterhaltsame Buddy-Komödie erhebt somit nicht den hochphilosophischen Anspruch manch anderer Beiträge in diesem Genre. Aber dennoch transportiert der Plot eine tieferliegende Botschaft, diejedoch von jedem Zuschauer selbst erkannt werden muss. Schließlich brechen Menschen aus den unterschiedlichsten Gründen auf, um sich überhaupt auf solch ein Abenteuer einzulassen – sei es die Abkehr von Trinksucht, die Suche nach dem tieferen Sinn des Lebens oder einfach die Herausforderung von Körper und Geist. Die wohl wichtigste Frage, die man sich während und vor allem nach dem Film stellen sollte, ist allerdings jene, ob man selbst eigentlich glücklich ist? Denn wenn bei „einem Spaß-O-Meter die Nadel eher nicht in den Orgasmusbereich ausschlägt“ sollte man vielleicht doch einmal darüber nachdenken, endlich einmal „ein Stück Brot in den Rucksack zu werfen und über den Zaun zu springen“, um das Gewohnte zu verlassen. Um am Ende vielleicht zurückzukehren und festzustellen, welchen Wert das so oft kritisierte Alltagseinerlei doch hat. Wem das gelingt, dem hat „A walk in the wood“ bereits mehr geholfen, als jedes noch so lang gehegte Wunschdenken endlich auszubrechen.

Über den Appalachian Trail (Appalachen Weg):

Der 1937 eröffnete Trail führt quer durch die Appalachen, eines der ältesten Gebirge der Erde. Er verbindet die beiden Bundesstaaten Georgia und Maine und zählt mit seinen rund 3.500 km Länge (2.180 Meilen) zu den längsten Fernwanderwegen der Welt. Wer ihn bestreitet, wandert durch insgesamt 14 US-Bundesstaaten und folgt der ursprünglichen Idee eines gewissen Mr. Benton Mc Kaye, den höchsten Berg im Osten (Mount Mitchell) mit dem Mount Washington zu verbinden. Wer sich die komplette Strecke an einem Stück vornimmt, darf sich als „Thru-hiker“ (Durchquerer oder Durchwanderer) bezeichnen, während ein „Section-hiker“ über Jahre hinweg immer nur Teilabschnitte abläuft. Als „Flip-floppers“ werden hingegen all jene bezeichnet, die eher unsystematisch vorgehen. Schätzungsweise zwei bis drei Millionen Wanderer sind pro Jahr auf dem Trail unterwegs, wobei sich nur rund 2.000 Wandersleute an der Bewältigung der gesamte Wegstrecke versuchen. Nur etwa jeder vierte „Thru-hiker“ erreicht sein ambitioniertes Ziel.

Ein Kommentar zu
Rezension – Alamode Film: Picknick mit Bären – zwei Rentner unterwegs auf dem Appalachian Trail

  1. Carsten kommentierte:

    Hi zusammen,

    da ich den Appalachian Trail ja 2004 in gesamter Länge gelaufen bin, musste ich quasi zwingend in diesen Film gehen.

    Es gibt eine Menge Ungereimtheiten in dem Film und im Vergleich zu seinen Kollegen „Wild – der große Trip“ und „Ich bin dann mal weg“ kommt nicht das Feeling rüber, das einem suggeriert „Ich muss jetzt auch so nen Weg laufen“.

    Trekkingstöcke wurden den ganzen Film über nicht benutzt, sondern waren immer am Rucksack.
    Die unfitten alten Trekker trugen monströse vollgeladene Rucksäcke, die sie zwar kaum schleppen konnten, dafür aber problemlos mit einer Hand über die Schulter schleudern konnten.
    Es kommen Trailabschnitte vor an die weder ich noch andere AT-Veteranen im entferntesten erinnern können…

    Schade eigentlich, weil das Buch von Bill Bryson eben damals (2003) dazu geführt hat, dass ich mich auf meinen ersten Long-Dustance-Trail in den USA gemacht habe.

    „Wild – Der großte Trip“ war kein Film über den PCT, sondern ein Film über eine Frau auf dem Weg der Selbstfindung. Nichtsdestotrotz kommt in Wild deutlich mehr Trail rüber als bei „Picknick mit Bären“.

    Würde ich abraten in den Film zu gehen? Nöh…jeder Film, der irgendwie zwei Menschen mehr motiviert aus dem gewohnten auszubrechen und sowas wie den AT, PCT oder was anderes zu laufen, bleibt für mich sehenswert.

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