Speedbegehung am Broad Peak


 
20.05.09
 

Speed und Ski – zwei Münchner Grenzgänger im Himalaya. Einen Achttausender vom Basecamp aus in weniger als zwölf Stunden ohne Fremdhilfe, Materialdepots oder künstlichen Sauerstoff bezwingen und anschließend eine waghalsige Skiabfahrt über vereiste Hänge mit 50 Grad Gefälle. Für die Münchner Extremsportler Sebastian Haag (30) und Benedikt Böhm (31) vom Dynafit GORE-TEX® Team sind Speedbegehungen auf die höchsten Berge der Welt ihre große Leidenschaft. Die nächste Expedition soll Tierarzt Haag und Sportmanager Böhm im Juli 2009 in Rekordzeit auf den Gipfel des Broad Peak (8.051 Meter) in Pakistan führen.
Ziel ist es, mit Skiern vom Basecamp (5.000 Meter) bis zum Gipfel und zurück unter 18 Stunden zu bleiben. Für ihren großen Traum trainieren die beiden so intensiv wie nie zuvor. Aber warum tun sie sich solche Strapazen an? ‚Wenn der Wille die Angst und den inneren ‚Nein-Sager‘ besiegt, ist das ein irres Gefühl. Nach einem harten Tag draußen fließt mehr Leben durch unsere Adern, und das alles fühlt sich intensiver an‚, erklären Sebastian und Benedikt.


Speedbegehungen sind für Sebastian Haag und Benedikt Böhm aus den Münchner Stadtteilen Grünwald und Harlaching die ‚Formel 1 des Bergsteigens‚. Der Skitourenrennlauf hat die beiden inspiriert. Es geht darum, mit minimaler Ausrüstung, so schnell wie möglich Gipfel zu erklimmen und anschließend auf Skiern abzufahren. Den Skitourenrennlauf auf die höchsten Berge der Welt übertragen, bedeutet auch das Risiko, das bei einem längeren Aufenthalt in großen Höhen entsteht, zu minimieren. Nach schmerzhaften Höhen-Erfahrungen in Peru folgte 2004 in China die erste geglückte Speedbegehung am 7.546 Meter hohen Mustagh Ata unter zehn Stunden. Mit dem Gasherbrum II haben Benedikt und Sebastian 2006 ihren ersten Achttausender im Speed-Stil gemeistert. Die letzte Expedition zum 8.163 Meter hohen Manaslu 2007 wurde durch wochenlange Schneefälle erschwert. Vor einem unüberwindbaren Lawinenhang, 700 Höhenmeter unter dem Gipfel, haben die beiden beschlossen, umzukehren: ‚Vor ein paar Jahren noch wären wir unfähig gewesen, so eine Entscheidung zu fällen‚, erklären sie und sind stolz, ihre persönlichen Ziele den äußeren Bedingungen untergeordnet zu haben.
Nach Gasherbrum II und Manaslu wartet der Broad Peak auf die beiden Freunde
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Sebastian und Benedikt verbindet seit ihrer gemeinsamen Schulzeit in München eine außergewöhnliche Freundschaft, die zu einer langjährigen Seilschaft geführt hat. Benedikt kommt ursprünglich vom Skilanglauf und war von 2003 bis 2006 Mitglied der deutschen Nationalmannschaft im Skibergsteigen. Sebastians Stärken liegen im alpinen Bereich, seit Kindertagen steht er jede freie Minute auf Skiern. ‚Wir ergänzen uns perfekt und kennen die Stärken und Schwächen des anderen ganz genau. Ich habe meine Stärken im Aufstieg und Sebastian hilft mir dabei, wieder heil runterzukommen‚, erklärt Benedikt.
Von ihrem präzisen Zusammenspiel wollen die beiden auch auf ihrer nächsten großen Expedition profitieren. Mit dem Broad Peak (8.051 Meter) in Pakistan steht im Juli der zwölfthöchste Berg der Erde auf ihrem Programm. Ein durchschnittliches Gefälle von 50 Grad macht insbesondere die Skiabfahrt zu einer der größten alpinen Herausforderungen.
400.000 Höhenmeter im Jahr – 1.200 Höhenmeter in der Stunde
Um sich die Größe dieses Vorhabens bewusst zu machen, genügen ein paar Zahlen: Für 1.000 Höhenmeter benötigen Sebastian und Benedikt in den Alpen weniger als eine Stunde, in den größten Höhen des Himalayas aber brauchen die beiden während der Akklimatisationsphase eine ganze Stunde für nur 100 Höhenmeter. Die Extremsportler müssen permanent ein riesiges Trainingspensum absolvieren, um sich solch große Ziele wie wie Speedbegehung am Broad Peak stecken zu können. Pro Jahr kommen dabei rund 400.000 Höhenmeter zusammen, in der Endphase der Vorbereitung legen sie schon einmal 12.000 Höhenmeter in 24 Stunden zurück.
Ihre Motivation schöpfen sie dabei auch aus ihrer Liebe zu den heimischen Bergen: ‚Ich finde die Alpspitze bei Garmisch faszinierend, den ersten Berg mit alpinem Touch südlich von München. Hier habe ich die ersten Skitouren-Erfahrungen gesammelt und gelernt, wie sich eigene Grenzen und Ziele verschieben lassen‚, begeistert sich Benedikt Böhm und fährt fort: ‚Es ist ein unglaubliches Gefühl, um fünf Uhr morgens auf dem Gipfel zu stehen und vor der Arbeit einen unberührten Tiefschneehang zu befahren, während alle anderen noch schlafen.
Im Karwendel-Gebirge, eines der spärlich besiedelten Gebiete Europas, sind Sebastian und Benedikt gerne unterwegs. Hier holen sie sich ihre Kondition und perfektionieren an steilen Hängen ihre skifahrerischen Fertigkeiten, um die Speedbegehungen in den für Menschen lebensfeindlichen Höhen überhaupt bewältigen zu können: ‚Wenn ich meine tägliche Trainingsarbeit vor der eigenen Haustür nicht diszipliniert verrichte, habe ich auf einem Achttausender nichts verloren‚, sagt Sebastian Haag. Was die beiden in den Alpen aber nicht trainieren können, ist ihre körperliche Toleranz gegenüber der Höhe in den größten Bergen der Welt. Unbedingt notwendig ist eine geduldige Akklimatisation in den Wochen vor dem Rekordversuch. Aber jenseits von 5.000 Metern kann sich ein Mensch nicht vollständig und dauerhaft anpassen. ‚Natürlich sind Speedbegehungen ein ganz besonderer sportlicher Reiz. Genauso wichtig für uns ist aber, nur kurze Zeit in der so genannten Todeszone über 7.000 Meter zu verbringen. Je kürzer man auf großer Höhe ist, desto sicherer ist die Expedition. Also machen wir Speedbegehungen auch wegen des Sicherheitsaspekts‚, erklärt Sebastian.
Sebastian Haag und Benedikt Böhm gehören dem Dynafit GORE-TEX® Team an
Neben akribischer Vorbereitung, herausragender Kondition und skifahrerischem Können ist das hundertprozentige Vertrauen in die eigene Ausrüstung entscheidend. Ihre Ausstatter Dynafit und Gore rüsten die beiden Extremsportler mit bester Funktionskleidung und Hartware aus, denn sie benötigen ein sehr leichtes, robustes und absolut zuverlässiges Equipment. Bei ihrem Speed-Abenteuer wiegen die Rucksäcke nur etwa 15 Kilogramm, zwei bis drei Liter Wasser müssen genügen und 20 Powerbar-Gels sind die einzige Nahrung beim Rekordversuch. Der Summit Club des Deutschen Alpenvereins (DAV) übernimmt die komplette logistische Organisation des Projekts, das auch vom Förderprogramm des DAV für deutsche Spitzenexpeditionen unterstützt wird. Die Extremsportler zahlen das Vertrauen mit einer lokalpatriotischen Liebeserklärung zurück: ‚Die größte Freude nach einer langen Expedition ist es, vor der eigenen Haustüre wieder Bergsteigen zu gehen. Denn die schönsten Berge sind immer noch bei uns zuhause‚, so Sebastian und Benedikt einstimmig.
Auf der Online-Plattform 4-seasons.tv sowie auf www.sueddeutsche.de kann der Verlauf der Expedition verfolgt werden. Alle drei bis vier Tage werden dort aktuelles Filmmaterial sowie Informationen zu den täglichen Erlebnissen online gestellt.
Übersicht über die Expedition:

  • Broad Peak: Karakorum Gebirge in Pakistan, Höhe 8051 m
  • Expeditionszeitraum: 10.06.2009 – 28.07.2009
  • Geplante Speedbegehung: 11.07.2209 – 17.07.2009
  • Ziel: Speedrekord mit anschließender Skiabfahrt unter 18 Std.

Hab die 2 Skitouren-Ferraristi im Gasteig bei ihrem Vortrag gesehen. Chapeau, hands up und viel Erfolg beim Speedrekord 😉 Und nicht vergessen: Safety first und heil wieder runterkommen.

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