Stefan Glowacz in Patagonien Im Januar 2012 will er eine neue Route am Fitz Roy eröffnen


 
30.12.11
 

35 Stunden waren sie in der Wand, bei Stürmen und Eiseskälte. Dann mussten sich die Extremsportler Stefan Glowacz, Horacio Gratton und Fotograf Klaus Fengler eingestehen, dass ihr Versuch gescheitert war. Sie würden den Gipfel des Fitz Roy nicht erreichen. Doch Glowacz war schon damals, im November 2009, überzeugt: Er würde nach Patagonien zurückkehren. Nicht etwa, um die gescheiterte Expedition zu realisieren. Vielmehr hatte der Profi-Kletterer ein neues Projekt entdeckt: Eine 1.200 Meter hohe, unbezwungene Granitwand. Im Januar 2012 will er dort eine neue Route auf den Fitz Roy (3.406 Meter) eröffnen.

Dieses faszinierende Risssystem“ hat es Stefan Glowacz angetan. Seit über zwei Jahren geht es ihm nicht mehr aus dem Kopf. Von der Route Royal Flash aus hatte er sie entdeckt. Einst wollte er diese Route, die Kurt Albert und Bernd Arnold im Jahr 1995 erstbegangen hatten, in einer Non-Stop-Begehung bezwingen. 45 Stunden waren eingeplant, nach 35 Stunden mussten Stefan Glowacz, Horacio Gratton und Fotograf Klaus Fengler abbrechen. Doch die Niederlage von damals ist im Moment nicht wichtig. Für Glowacz zählen nur die enorme Granitwand und die Risse. „Es ist eigentlich unglaublich, dass diese Variation noch niemand geklettert ist – und vielleicht auch verständlich.“ Denn vermutlich sei dies „der schwierigste Wandabschnitt“ am Fitz Roy. „Ob es überhaupt möglich ist, diesen zu durchsteigen, wird sich vor Ort zeigen.“ Denn wirklich konkrete Informationen gibt es von der Wand nicht. „Wie immer“, meint Glowacz lapidar. Er müsse eben hinfahren zu seinen Zielen, um zu erkennen, ob die Träume realisierbar sind. Für diesen Weg des Bergsteigens hat sich der Abenteurer und Profi-Kletterer entschieden.

Weit über 30 Seillängen in kompakter Wand

Stefan Glowacz und sein Team, bestehend aus Horacio Gratton, Holger Heuber, Christian Schlesener und Fotograf Klaus Fengler, brechen auf, ohne zu wissen, was sie erwartet. Sie alle verfügen nur über einen Bruchteil an Informationen der Wand: 1.200 Klettermeter, weit über 30 Seillängen. Ansonsten können sie nur spekulieren. Zum Beispiel über die Beschaffenheit des Felsens: Sie erwarten ein kombiniertes Gelände, Eis und Felskletterei. Oder über die Schwierigkeit: Sie rechnen mit dem oberen neunten, unteren zehnten Schwierigkeitsgrad, eine kompakte Wand ohne Absätze – nur Risse. Sicher wissen sie das alles nicht.

Glowacz und sein Team brauchen Glück

Sicher weiß Glowacz vor allem eines: Er braucht Glück. Denn es gibt einen Faktor, der ist noch viel unberechenbarer als die Schwierigkeit der Felswand: das Wetter. In Patagonien sind alle Regeln der Wettervorhersage außer Kraft gesetzt. Blitzartig wird aus strahlendem Sonnenschein ein eisiges Inferno. Sturmböen mit bis zu 200 Stundenkilometer prallen auf die Felswände. Der Wind fegt mit zerstörerischer Gewalt über den Berg. Jedes Gehen wird unmöglich, das Klettern lebensgefährlich.

Innere Überzeugung keine Selbstverständlichkeit

Die Gefahr schreckt Glowacz nicht ab. Auch vor einem Scheitern hat er keine Angst. „Wenn es nicht geht, brechen wir ab. Und versuchen es eben immer wieder, bis wir es schaffen – sofern wir überzeugt sind von dem Projekt.“ Dieser Zusatz hat für den 46-Jährigen seit dem Frühjahr 2011 eine wichtige Bedeutung. Denn zu dieser Zeit hat er erkannt, dass diese innere Überzeugung, die ihn stets angetrieben hatte, keine Selbstverständlichkeit ist.

„Sinnsuche“ brachte Ergebnis: Glowacz kehrt 2013 nach Nepal zurück

Stefan Glowacz, David Göttler und Klaus Fengler wollten im Frühjahr 2011 im Himalaya die 1.800 Meter hohe Südwand am Gauri Shanka durchsteigen. Doch den Westgipfel auf 7.030 Meter haben sie nicht annähernd erreicht: Gerade einmal 150 Meter weit sind sie gekommen. Für Glowacz stellte sich danach eine vollkommen neue Frage: Sollte er überhaupt wieder dorthin zurückkehren? Mittlerweile hat seine „Sinnsuche“, wie er sie selbst nennt, ein Ergebnis gebracht. Denn Glowacz hat eine Erklärung für das Scheitern gefunden: eine falsche, innere Einstellung – die hundertprozentige Hingabe fehlte. „Ich bin nicht sicher, ob wir alle wirklich bereit waren, das Risiko einzugehen, das eine solche Unternehmung erfordert.“ Allein die Dimension der Wand habe sie geschockt. „So etwas hatten wir noch nicht erlebt.“ Nun will er Gewissheit, ob er mit innerer Überzeugung das Projekt realisieren kann. „Ob es je eine realistische Chance gegeben hat, die Wand zu durchsteigen, werde ich erst wissen, wenn ich noch einmal dorthin zurückgekehrt bin.“ Deshalb bricht er 2013 wieder nach Nepal auf.

Quelle: Stefan Glowacz

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