Testbericht – ABS S.Light Base Unit + S.Light Zip-on 30L Leicht, leichter, Lawinenairbag – mehr Sicherheit und weniger Last


 
18.04.19
 

Spätestens seit dem „Jahrhundertwinter 2019“ sind Lawinen wieder in aller Munde, lieferten sich doch zahlreiche Menschen in den sozialen Medien eine regelrechte Schlammschlacht was das unverantwortliche Verhalten so mancher Wintersportler betrifft. So wurden mancher regelrecht in der Luft zerrissen, der sich trotz hoher Lawinenwarnstufe ins freie Gelände wagte und damit sich selbst sowie andere unnötig in Gefahr brachte. Dabei geriet auch das viel diskutierte Thema „Lawinenairbag – die trügerische Sicherheit“ wieder in den Fokus, verleiten diese doch angeblich zu einer erhöhten Risikobereitschaft. Über das Für und Wider hinsichtlich der tatsächlichen Wirksamkeit im Fall eines Lawinenabgangs lässt sich bekanntlich streiten. Unbestritten ist hingegen das zusätzliche Sicherheitsplus, das ein Lawinenairbag bieten kann. Sollen die sich selbst “aufblasenden Ballons“ doch dazu beitragen, dass der Wintersportler möglichst lange an der Oberfläche gehalten wird und nicht unter den Schneemassen begraben wird. Ob das letztendlich wirklich gelingt, hängt jedoch von vielerlei Faktoren ab. Daher reduziert ein Lawinenairbag in erster Linie zwar das gefühlte Risiko, kann das eigenverantwortliche und kritische Beurteilen der aktuellen Bedingungen vor Ort leider nicht ersetzen und stellt erst recht keine (Über-)Lebensversicherung dar.

Seit der Vorstellung der ersten Lawinenairbags von Peter Aschauer hat sich über die Jahre hinweg viel getan und konnten durch deren Einsatz viele Menschenleben gerettet werden. Eines der größten Probleme stellte bisher das recht hohe Eigengewicht der Rucksäcke dar, das bei den neuesten Modellen auf ein Minimum reduziert werden konnte. Wir haben den Vergleich zur erfolgreichen ABS Vario Base Unit gewagt und auf zahlreichen Skitouren die neue „Light-Version“ in Form der ABS s.Light Base Unit mit dazu passendem 30L Zip.On für euch getestet.

ABS S.Light Base Unit + Auslöseeinheit (Stahl/Carbon) – weniger Gewicht für mehr Sicherheit beim Wintersport

Die neue S.Light Base Unit von ABS ist eine leichte Basiseinheit, die in Verbindung mit einem individuell wählbaren S.Light Zip-On zum Lawinenrucksack komplettiert werden kann. So lässt sich das Volumen je nach Bedarf variieren, indem ganz einfach ein passender Aufsatz mit wahlweise 15 oder 30 Litern Fassungsvermögen an- bzw. abgezippt wird. Hinzukommen ist die Base Unit auch mit allen p.Ride Compact Zip-Ons (18l, 30l, 40+10l) kompatibel. Beide Kombi-Varianten bleiben dabei laut Aussagen des Herstellers unter der 2-Kilogramm-Grenze.

Herzstück der S.Light Base Unit von ABS ist das seitlich platzierte TwinBag-System, das über eine eingeschraubte Gaskartusche innerhalb kürzester Zeit ausgelöst wird. Hierfür reißen die von außen sichtbaren Zipper auf und die Airbags können sich entfalten. Für doppelte Sicherheit bestehen die beiden „Ballons“ aus zwei getrennten Kammern, die über zwei separate Ventile unabhängig voneinander befüllt werden. Dadurch soll verhindert werden, dass im Fall einer Beschädigung gleich beide Luftkammern zusammenfallen. Wird also ein Airbag bspw. durch scharfkantige Eisblöcke beschädigt, funktioniert die zweite problemlos weiter. Gefertigt sind die beiden Luftkammern aus besonders widerstandsfähigem Material, um im Ernstfall für eine maximale Oberfläche zu sorgen. Als Auslöser der beiden Airbags dient ein Griff, der leicht erreichbar am Schulterträger fixiert ist und sich sowohl für Links- als auch für Rechtshänder variabel befestigen lässt.

Anders als bei der bisherigen ABS Vario Base Unit wird die leichtere Variante nur mit einer einheitlichen Rückenlänge angeboten. Die ergonomisch geformten Schultergurte sind längenverstellbar und sollen in Kombination mit der weich gepolsterten Rückenplatte für eine optimal ausbalancierte Gewichtsverteilung zwischen Schulter, Hüfte und Rücken sowie für perfekten Tragekomfort sorgen. Dazu trägt auch der Hüftgurt bei, der mit einer abnehmbaren Hüfttasche ausgestattet ist, um darin entweder den Zughebel zur Auslösung des Systems oder eine Digitalkamera bzw. ein Smartphone zu verstauen. Alternativ kann der Griff bei Nichtbenutzung des Lawinenairbags aber auch in einer extra dafür vorgesehenen Aufbewahrungstasche verstaut werden. Als Verschluss dient ein, aus robustem und speziell gehärtetem Alu-Material gefertigtes Schnallensystem. Ein am Rucksackboden fixierter und zwischen den Beinen hindurchziehbarer Schrittgurt sorgt zudem dafür, dass der Rucksack im Fall einer Verschüttung nicht vom Körper gerissen wird.

Das aF-Fazit von Kathrin: Weniger Gewicht leider in Verbindung mit deutlich weniger Tragekomfort

Eines vorweg: Der Begriff „Light“ ist zumindest was die ABS S.Light Base Unit betrifft recht irreführend. Denn im Vergleich zur „alten“ Version der Grundeinheit hat sich am Gesamtgewicht kaum etwas geändert. Nach wie vor bringt die Base Unit rund 1,97 Kilo auf die Waage und ist somit sogar um 200 Gramm schwerer geworden. In Kombination mit dem Gewicht der Stahl- (515g) bzw. Karbon-Kartusche (282g) sowie den verschiedenen S-Light Compact Zip-Ons (350g bis 410g) kann die 2kg-Marke wohl kaum eingehalten werden – außer wir haben falsch gerechnet. Mit einer Karboneinheit, einem 30L Volumen und der Base Unit kommen wir zumindest auf dem Papier auf mehr als 2,6 Kilo. Lediglich bei den Zip-Ons sind die Pfunde offensichtlich gepurzelt, während der Lawinenairbag vollbepackt nach wie vor deutlich ins Gewicht fällt.

Auch hinsichtlich des Tragekomforts konnte die neue Grundeinheit mich nicht wirklich überzeugen und mit der überaus bequemen Vorgängerversion kaum noch mithalten. So wurde bspw. der Hüftgurt auf zwei keine Flügel minimiert, die nicht mehr die gesamte Hüfte umschließen. Dadurch liegt die zu tragende Last mehr oder weniger nur noch auf dem Kreuzbein auf und wird nicht mehr über die gesamte Hüfte verteilt. Die Rückenplatte liegt dadurch deutlich härter am Rücken an und drückt im vollbepacktem Zustand mitunter sogar unangenehm auf die Wirbelsäule. Wird das Zip-On entsprechend voll gepackt, verlagert sich der Schwerpunkt des Gewichts zudem sehr stark nach außen. Gerade bei rasanten Abfahrten und weniger geübten Skifahrern kann das dann recht ausladende Volumen den natürlichen Bewegungsablauf negativ beeinflussen.

Deutlich besser gelöst als früher, ist die Befestigung der Zip-Ons. Dank eines deutlich größeren Reißverschlusses können die einzelnen Aufsätze sogar mit Handschuhen gewechselt werden. Auch in puncto der höhen- und seitenverstellbaren Griffplatte zum Auslösen des Lawinenairbags hat sich nichts geändert. Praktisch ist auch die in ihrer Position individuell verschiebbare Tasche am Hüftgurt, die ausreichend Platz für Smartphone, Energieriegel und Co. bietet.

+ Twinbag-System für doppelte Sicherheit
+ beidseitige Platzierung des Auslösegriffs
+ abnehmbare Tasche für Smartphone

– nicht wirklich ein Leichtgewicht
– zu klein und zu kurz geratener Hüftgurt
– Tragekomfort leidet aufgrund nicht optimaler Lastenverteilung
– recht ausladend und somit negative Beeinflussung natürlicher Bewegungsabläufe möglich

Die Details:
Besonderheiten:
ABS Twinbag System, individuelle Anbringung des Auslösegriffs, zusätzliche Hüfttasche, integrierter Schrittgurt
Gewicht (Stahl / Carbon): ca. 2,48 kg / 2,25 kg (Vario Base Unit ca. 2,4 kg / 2,2 kg)
Gewicht ohne Auslöseeinheit und Zip-On: 1,97 kg (Vario Base Unit ca. 1,95 kg)
Gewicht Auslöseeinheit (Stahl/Carbon):
515 g / 282 g
Rückenlänge: Onesize (Vario Base Unit bis 49 cm / ab 46cm)
Preis (UVP): Light 549,95 Euro (Vario Base Unit 599,95 Euro

ABS S.Light Zip-on 30L – das kleine Raumwunder für größere Tagestouren:

Der ABS S-Light Compact 30 Liter Zip On soll in erster Linie durch seine Vielseitigkeit, die praktische Größe und das geringe Gewicht überzeugen. Zudem soll der Aufsatz mit einem satten Volumen von 30 Litern und vielen nützlichen Features für ein schnelles und organisiertes Packen punkten. So lassen sich Ski seitlich fixieren und ein Snowboard mit extra verstärkten Straps außen befestigen. Zudem bietet eine versteckte Befestigung die Möglichkeit, sowohl Eispickel als auch Stöcke sicher zu fixieren. Damit man dieses Feature nicht versehentlich übersieht, sind auf dem ultraleichten und langlebigen Material leicht verständliche Icons angebracht. Hinzu kommt noch ein abnehmbares und variabel zu befestigendes Helmnetz, das aus flexiblem Mesh-Material gefertigt ist und selbst größere Ski-Helme bombenfest in sich aufnimmt.

Ausreichend Platz bietet das geräumige Hauptfach zum Verstauen von Wechselbekleidung und Thermoskanne, während das separate Fach für die Sicherheitsausrüstung einen schnellen Zugriff sicherstellt. Ein zusätzliches und mit weichem Fleece gepolstertes Innenfach soll gewährleisten, dass Sonnenbrille und Ski-Goggle nicht zerkratzen. Im kleinen Wertsacheninnenfach können Utensilien wie Hausschlüssel und Papiere verstaut werden. Ein Fach ist darüber hinaus mit einer Trinksystem-Aufnahme ausgestattet, um an wärmeren Tagen die Wasserversorgung sicherzustellen. Beidseitig platzierte Kompressionsriemen dienen zudem dazu, überschüssiges Volumen auf ein Minimum zu reduzieren. Die wasserfesten und großzügig gehaltenen Reißverschlüsse sollen sich problemlos auch mit Handschuhen bedienen. Damit die im Innern des Lawinenairbags verstauten Dinge stets trocken bleiben, sorgt das wasser- und schneeabweisende Material für den nötigen Schutz.

Das aF-Fazit von Kathrin: Großzügiges Platzangebot mit praktischen Features und umständlich zu bedienenden Kompressionsriemen

Mit fast 140 Gramm weniger gegenüber dem früheren 32Liter-Modell (555 g) fällt der Zip-On s.LIGHT Compact 30L in der Tat deutlich leichter ins Gewicht. Besonders überzeugte uns das großzügige Platzangebot, der schnelle Zugriff auf die Sicherheitsausrüstung und die selbst mit Handschuhen problemlos bedienbaren und bis weit nach unten reichenden Reißverschlüsse. Dadurch ist das Bepacken des Lawinenaribags nicht mehr so schwerfällig wie bei den älteren Zip-On Modellen. Überaus praktisch ist das weich gepolsterte Fach, um die Skibrille ohne Kratzer zu verstauen oder kleinere Dinge schnell griffbereit zu haben.

Auch hinsichtlich der seitlichen Befestigung der Ski kann der Aufsatz durchaus punkten, denn im Handumdrehen sind die Fixiergurte befestigt und bieten sicheren Halt. Auch das flexible Helmnetz erweist sich als perfekte Lösung, um den Skihelm auch bei vollgepacktem Zip-On außen zu fixieren, ohne dass dieser während des Aufstiegs hin und her wackelt. Für meine Begriffe schlecht gelöst, ist die Aufnahme für Trinksysteme, die in einer regelrechten Fummelei ausartet. Größtes Manko stellen die Kompressionsriemen dar, die sich nur recht umständlich bedienen lassen und ein schnelles Minimieren des Volumens eher erschweren als erleichtern.

+ großzügiges Platzangebot mit einer Vielzahl an Staumöglichkeiten
+ abnehmbare Helmhalterung und weich gepolstertes Goggle-Fach
+ schnelle und praktische Ski-Befestigung
+ leichtes und robustes Material

– Schlauchführung für separates Trinkblasefach im Inneren schlecht gelöst
– Kompressionsriemen schwer zu bedienen

Die Details:
Besonderheiten: Wertsacheninnenfach, gefüttertes Brillen-Innenfach
Volumen: 32 Liter / 30 Liter
Maße: 51 x 33 x 15 cm
Material: 100% Nylon
Gewicht (15L / 30 L): 350g / 410g
Farben: Canadian Violet, Glacier Blue, Rock Grey sowie als Special Edition von Xavier De la Rue (grün).
Preis: 149,95 Euro (UVP)

*Hinweis der Redaktion zur Kennzeichnungspflicht: Die hier getesteten bzw. vorgestellten Produkte wurden uns vom jeweiligen Hersteller kostenlos zur Verfügung gestellt. Über den Produktwert hinaus flossen keine weiteren Zahlungen oder Gegenleistungen. Das Urteil der Redaktion ist dennoch unabhängig und die spezifischen Marken haben keinerlei Einfluss auf die Inhalte des Testberichts.

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