Testbericht – Jack Wolfskin Exolight II Ultraleicht-Zelt für zwei Personen und lauschige Nächte unter freiem Himmel


 
19.07.16
 

Es muss nicht immer das Hotelzimmer sein, das für die nötige Romantik bei einem Spontantrip zu zweit herhalten muss. Manchmal reicht auch ein Palast aus dünnem Stoff, der direkt unter dem Himmelszelt aufgebaut wird. Zwar bietet ein Zweipersonenzelt in der Regel nicht so viel Platz und den gleichen Komfort wie ein gefedertes Bett, dafür ist das „Fernsehprogramm“ aber weitaus spektakulärer und abwechslungsreicher. Nicht zu vergessen, dass die Übernachtung – je nach Platzwahl – auch noch kostenlos ist. Wer seine Behausung bei einer ausgedehnten Trekking-Tour immer dabei haben will oder gezielt eine Nacht im Freien einplant, der ist froh, wenn dieses Vorhaben möglichst wenig ins Gewicht fällt. Ein perfektes Beispiel wie ein Minimum an Gewicht mit einem Maximum an Komfort kombiniert werden können, zeigt das EXOLIGHT II, das uns freundlicherweise vom Outdoorspezialisten Jack Wolfskin zur Verfügung gestellt wurde. Wir haben das ultraleichte Hybridzelt getestet und damit den Naturgewalten sprichwörtlich die Stirn geboten.

Testbericht - Jack Wolfskin Exolight 2: Recht dünnwandiges Außenmaterial, aber dennoch wasserdicht und relativ windfest (©airFreshing.com)

Jack Wolfskin Exolight II: 2-Personen-Zelt im Leichtbaumodus

Das Exolight II ist ein windstabiles, leichtes Lager für Trekking- und Campingtouren jeder Art, bei denen es vor allem auf möglichst wenig Gewicht ankommt. Das nur 2.070 Gramm „schwere“ 2-Personen-Zelt lässt sich aber nicht nur leicht tragen, sondern ebenso schnell und einfach auf- bzw. abbauen. Alternativ kann auch nur das Außenzelt mitgenommen werden, wodurch sich das Gewicht noch einmal auf 1.760 Gramm reduziert. Die windstabile und ultraleichte Konstruktion des Kuppelzelts basiert dabei auf einem zusammenhängenden Gestängesystem mit variierenden Durchmessern für eine verbesserte Stabilität (DAC FEATHERLITE NSL), das aus leichtem Aluminium gefertigt wird und gemeinsam mit den Spezialisten von DAC entwickelt wurde.

Testbericht - Jack Wolfskin Exolight II: Das robuste und leichte Gestänge aus Alu (© airfreshing.com)

Darin eingehangen wird per Clipfixierung das geräumige und separat abbaubare Innenzelt mit einer Grundfläche von 215 cm Länge und einer Breite, die sich von 120 cm auf 100 cm verjüngt. Wie auch das Außenzelt verfügt der Innenraum über zwei großzügig dimensionierte Eingänge. Hinzu kommen noch vier Innentaschen sowie ein herausnehmbares Deckenfach (GEAR LOFT). Das Material besteht aus einem, besonders leichten Moskitonetz (MOSQUITO MESH 15D), um für die nötige Belüftung zu sorgen. Damit die Feuchtigkeit von unten her nicht durchdringen kann ist das Material am Boden verstärkt und besteht aus einem beidseitig beschichteten Gewebe (HYDROFILM SILICONISED NYLON 40D) mit einer Wassersäule von 5000 mm. Das Außenzelt besitzt zwei großzügige Absiden mit einer Tiefe von 60cm und ist absolut wasserdicht sowie sehr reißfest. Gefertigt ist es aus beidseitig beschichtetem Nylongewebe mit getapeten Nähten (SILICONIZED HT NYLON RIPSTOP 20D) mit einer Wassersäule von 1500 mm. Der Einstieg erfolgt passend zum Innenzelt über zwei seitlich platzierte Eingänge. Abgespannt wird das Hybridzelt mithilfe von elf Leichtheringen und 5 Abspannleinen, die dem mitgelieferten Rollpacksack zum Verstauen des Zelts beigelegt sind und der ein verhältnismäßig kleines Packmaß von 45 x 13 x 11cm aufweist.

Testbericht - Jack Wolfskin Exolight II: Die Absiden sind großzügig genug gehalten, um geschützt vor Regen ein Süppchen kochen zu können. (© airfreshing.com)

Das aF-Fazit: leichtes Platzwunder für milde Nächte mit Schwächen bei starkem Wind und kühlen Temperaturen

Die erste Nacht im EXOLIGHT II verbrachten wir bei einem Presseevent, zu dem Jack Wolfskin zahlreiche Medienvertreter in den Schwarzwald geladen hatte. Dabei stand neben einer ausgedehnten Wanderung auch eine Übernachtung unter freiem Himmel auf dem Programm, wobei das Hybridzelt uns als luftige Unterkunft diente. Genau das richtige für eine laue Sommernacht. Von Anfang an überraschte uns dabei das Platzangebot, das in Anbetracht des verhältnismäßig kleinen Packmaßes und des geringen Gewichts wirklich enorm ausfällt. Vor allem die großzügigen Absiden bieten ausreichend Platz, um bei miesem Wetter und geschützt vor dem Regen das ein oder andere Süppchen kochen zu können. Auch der geräumige Innenraum gleicht eher einem Palast denn einem Zelt, und bietet bequem Platz für zwei Personen plus Gepäck. Abgerundet wird das alles noch durch zwei Eingänge auf beiden Seiten, damit die Bewohner sich bei nächtlichen Klogängen nicht unnötig auf die Füße steigen.

Testbericht - Jack Wolfskin Exolight II: Das Inennzelt bietet jede Menge Platz für zwei Personen zzgl. Gepäck (© airfreshing.com) Testbericht - Jack Wolfskin Exolight II: Die Eingänge sind großzügig gehalten und sind am Innenzelt mit einem Moskitonetz ausgestatet (© airfreshing.com)

Besonders gefallen hat uns auch der schnelle und einfache Auf- und Abbau des Zweipersonenzelts, der sogar ohne vorheriges Lesen der „Betriebsanleitung“ zügig erledigt ist. Einzig die Abspannschnüre sind etwas umständlich anzubringen, die es bei normalen Witterungsbedingungen aber nicht zwingend braucht. Bei starken Windböen ist das Abspannen aber absolut ratsam, da das Zelt doch relativ hoch gebaut ist und die Luftmassen leicht unter das Zelt kriechen können. Wie anfällig das extrem leichte, aber dennoch recht stabile Konstrukt ist, offenbarte sich bei einem Biwak in luftigen Höhen, bei dem uns eine heftige Schlechtwetterfront überraschte. Glücklicherweise hielt das solide Gestänge den Windgeschwindigkeiten mit Spitzen von bis zu 120 km/h wirklich lange stand, stieß aber irgendwann doch an seine Belastungsgrenzen und brach schließlich an einer Stelle und zwang uns zum Rückzug unter eine Liftanlage. Laut Gerold Ringsdorf, dem einstigen Chefentwickler im Zeltbereich bei Jack Wolfskin, bedeutet „Leichtgewicht leider immer auch einen Kompromiss. Auch wenn wir beim EXOLIGHT II nie den Anspruch eines Allround- Ganzjahreszelt angelegt hatten, haben wir dennoch bei der Entwicklung gerade hier viel Wert auf eine gute Relation an Flexibilität, Stabilität und Gewicht des Gestänges gelegt“. Demnach stellte sich die Zeltkonstruktion im Windkanal auch nach dem Herunterdrücken bei Windgeschwindigkeiten um 80 km/h ohne zu brechen wieder auf. Extreme Bedingungen wie in unserem Fall kann aber selbst der beste Langzeittest kaum abbilden.

Testbericht - Jack Wolfskin Exolight II: 11 Heringe, 5 Abspannschnüre und das Gestänge im praktischen Packsack (© airfreshing.com)

So sollte hinsichtlich des Einsatzgebiets unbedingt darauf geachtet werden, dass es sich beim EXOLIGHT II um ein gemäßigtes Leichtgewichts- und nicht um ein explizites Sturmzelt handelt, das bei unterschiedlichen Spitzenböen – die schnell doppelt so hoch ausfallen können wie die im Messverfahren festgestellten „Mittelwerte“ – durchaus an seine Grenzen stoßen kann. Dafür ist das Leichtzelt aber umso luftiger und bietet eine hervorragende Zirkulation, wodurch ein Kondensieren der Atemluft auf der Innenseite des Außenzelts deutlich minimiert wird. Dieser positive Effekt kann bei kühleren Temperaturen aber auch ins Gegenteil umschlagen, da die Seitenwände die Wärme nicht im Inneren halten und Frostbeulen relativ schnell frieren können.

Testbericht - Jack Wolfskin Exolight 2: Beim Camping macht das Ultraleichtzelt mehr als nur eine gute Figur und ist schnell aufgebaut (©airFreshing.com)

Die Vor- und Nachteile im Überblick:

Für ein 2-Personen-Zelt mit solch einem Platzangebot ist das EXOLIGHT II von Jack Wolfskin wirklich außerordentlich leicht geraten, zumal sich das Gewicht durch Weglassen des Innenzelts nochmals um gut 300 Gramm reduzieren lässt. Allerdings eignet sich das Raumwunder lediglich für milde Nächte unter freiem Himmel, denn bei starken Windböen und kalten Temperaturen kann es den nötigen Schutz nur noch bedingt gewährleisten. Wer all die oben genannten Punkte jedoch berücksichtigt und das Zelt gezielt für bestimmte Übernachtungen im Freien einsetzt, findet im EXOLIGHT II eine leichte und vor allem geräumige Behausung, die unterwegs kaum ins Gewicht fällt.

+ leicht im Gewicht
+ reißfestes und wasserdichtes Außenmaterial
+ enormes Platzangebot
+ einfacher und leichter Aufbau
+ optimale Belüftung
+ separat einhängbares Innenzelt

– fummelige Abspannleinen
– anfällig bei starkem Wind
– bietet wenig Schutz bei kühlen Temperaturen

Die Details:
Besonderheiten:
herausnehmbares Deckenfach (GEAR LOFT), separat einhängbares Innenzelt, zwei Absiden á 60 cm
Material:
100% Polyamid
Wassersäule: 1500mm (Außenzelt), 5000mm (Boden)
Maße Innenzelt: 215 x 120 auf 100 x 100 cm (LxBxH)
Maße Außenzelt: 230 x 135 auf 100 x 115 cm (LxBxH)
Maße Grundfläche: 240 x 230 (davon 60cm je Abside)
Gewicht: 2070 g (reduziertes Gewicht: 1760 g)
Packmaß: 45 x 13/11 cm
Preis: 449,95 Euro (UVP)

Ein Kommentar zu
Testbericht – Jack Wolfskin Exolight II: Ultraleicht-Zelt für zwei Personen und lauschige Nächte unter freiem Himmel

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