Testbericht Klättermusen Brage Shell-Jacket & Pants Harte Wintereinätze leicht gemacht –  stylische und nachhaltige Touren-Kombi


 
31.01.20
 

Nachhaltigkeit ist derzeit zweifellos eines der Buzzwords in der Outdoorbranche. Nahezu jede Marke schreibt es sich auf die Fahne, im mehr oder weniger großen Umfang nachhaltig zu agieren – sei es mit bluesign® zertifizierten Materialien, Upcycling-Programmen oder fairen Arbeitsbedingungen in den fernöstlichen Produktionsbetrieben. Daneben gibt es aber auch jene Marken, für die Nachhaltigkeit schon lange vor dem großen Bohei eine Selbstverständlichkeit war – ohne dafür mit viel Brimborium die Werbetrommel zu rühren. Genau zu dieser Kategorie gehört auch die kleine schwedische Outdoorfirma Klättermusen.

Im Sommer 2019 haben wir euch die Marke im Rahmen unseres Testberichts zur Vanadis Jacke und Misty Pants etwas genauer vorgestellt. Sowohl die Philosophie des Unternehmens als auch die Produkte haben uns nachhaltig begeistert. Und so mussten wir nicht lange überlegen, als uns Klättermusen für die aktuelle (Skitouren-)Wintersaison erneut mit Testprodukten versorgen wollte. Im Folgenden stellen wir euch die All-Mountain Kombi für harte Wintereinsätze mit dem wohlklingenden Namen „Brage“ genauer vor. Obendrein gibt es in einem zweiten Artikel noch ein paar wertvolle Tipps von Klättermusen Deutschland-Chef Patrick Kaulen zur nachhaltigen Pflege Eurer Hardshell Bekleidung. Schließlich bedeutet Nachhaltigkeit für Klättermusen immer auch Langlebigkeit. Und wer möglichst lange Freude an der eigenen Bekleidung haben möchte, der muss seine sieben Sachen eben auch gut behandeln.

Brage Shell-Jacke: 3-lagiger Begleiter zum Skitouren und Skifahren

Die Brage All-Mountain Shelljacke wurde für ambitionierte Frischluftfreundinnen entwickelt, die im winterlichen Gelände nach neuen Herausforderungen suchen. Laut Hersteller eignet sie sich besonders für den Einsatz unter harten Bedingungen beim Backcountry Skifahren oder Tourengehen. Natürlich kann das gute Stück aber auch beim Bergsteigen in der kalten Jahreszeit getragen werden, wenn dauerhafter Wetterschutz gefragt ist. Laut Hersteller ist die Jacke stretchig und flexibel. Gefertigt ist sie aus 3-lagigem Cutan, das aus 100% recyceltem Polyamid besteht und dabei garantiert PFOA- und Fluorcarbon-frei ist. An den besonders beanspruchten Stellen ist das Modell für zusätzliche Langlebigkeit mit Duracoat verstärkt. Der Schnitt ist schmal gehalten, fällt aber trotzdem leger aus. Jackensaum und Ärmelsaum sind für zusätzlichen Schutz nochmals verlängert.

Taille, Kapuze und Bündchen sind anpassbar, wobei die Regulierung auch mit Handschuhen funktionieren soll. Das Modell ist mit einem abnehmbaren und anpassbaren Schneefang sowie einer verstärkten Kapuzenkrempe als Windschutz ausgestattet. Der Kragen der technischen Kapuze ist hochgezogen und verspricht dadurch optimalen Schutz bei Wind und eisiger Kälte. Wie bei allen Klättermusen Jacken verläuft der Reißverschluss asymmetrisch, so dass dieser nicht am Kinn stört. Zur zusätzlichen Sicherung ist die vordere RV-Leiste oben mit einem D-Ring und Knebel versehen. Damit kann die Jacke auch bei geöffnetem Zipper schnell und einfach verschlossen werden. Und man hat notfalls noch ein Backup, falls der Reißverschluss doch einmal den Dienst verweigern sollte. Last but not least besitzt das Modell Ventilations-Reißverschlüsse unter den Armen sowie zwei großzügige, versteckte Taschen mit Sturmabdeckung.

Das af-Testurteil von Vroni zur Brage Jacke: Robuster Allrounder mit dem gewissen Extra

Die Brage Jacke überzeugt im Backcountry durch ihr robustes Material und die vielen durchdachten Features. Ganz klar, die Jacke wurde nicht für Schönwetterfahrer entwickelt, sondern für alle, die bei Wind und Wetter draußen unterwegs sind. Die Optik finde ich wie auch schon bei der Vanadis Jacke einfach großartig! Das typisch asymmetrische Klättermusen Design, die zurückhaltenden aber trotzdem ausdrucksstarken Farben und natürlich die matte Oberfläche sorgen für einen großen Wiedererkennungswert. Sieht man am Berg nicht alle Tage und ist für mich eine willkommene Abwechslung im farbigen Funktionsallerlei der zahlreichen Hersteller, bei denen sich am Ende oftmals nur noch die Logos zu unterscheiden scheinen.

Der Schnitt der Jacke ist „typisch nordisch“. Also tendenziell eher etwas für schmale und größer gewachsene Mädels. Mir passte mit 1,71m und Konfektionsgröße 38 die Größe S perfekt. Die Jacke ist leger, aber dennoch körperbetont und generell etwas länger geschnitten. Beim ersten Anziehen erschien mir das Material ein wenig steif, was sich jedoch nach mehrmaligen Tragen zunehmend legte. Dennoch ist der bei Klättermusen inhouse entwickelte Stoff namens Cutan meinem Empfinden nach etwas starrer und weniger elastisch als beispielsweise Gore-Tex Pro. Obendrein ist das Material auch schwerer. Im Vergleich: Während Gore-Tex Pro mit 125 g/m2angegeben wird, bringt Cutan 193 g/m² auf die Waage. Man muss fairnesshalber aber auch betonen, dass die Membranen in ihrer Zusammensetzung nicht vergleichbar sind. Denn Cutan besteht zu 100% aus recyceltem Polyamid und ist zudem PFOA- und Fluorcarbon-frei. Beide Stoffe sind jedoch für einen ähnlichen Einsatzbereich konzipiert und für extreme Bedingungen ausgewiesen.

Bei den Details der Jacke merkt man, dass definitv Experten am Werk waren, die sich mit widrigen Wetterverhältnissen wirklich auskennen. Die Taschen besitzen Sturmabdeckungen, der Schneefang ist nicht nur Deko, sondern schließt auch wirklich gut ab und sitzt perfekt. Gleiches gilt für die Kapuze, die wirklich zum Aufsetzen und Wohlfühlen bei schlechtem Wetter entwickelt ist. Der Kragen angenehm hoch gezogen und die Ärmel länger geschnitten – kurzum: man ist mit der Brage Jacke rundum gut eingepackt. Auch bei starkem Schneefall hält die Jacke zuverlässig dicht und die Trägerin bleibt jederzeit optimal geschützt und trocken.

Bei allem Lob muss man aber auch leider zugeben: Klättermusen ist eine „Edelschmiede“ und preislich mit 670 Euro allein nur für die Brage Jacke doch recht sportlich unterwegs. Man bekommt viel für sein Geld, aber es ist eben auch viel Geld.

Die Vor- und Nachteile im Überblick

+ tolle Optik
+ hochwertige Verarbeitung
+ angenehm langer Schnitt
+ durchdachte Details
+ sehr robust
+ hervorragend konzeptionierte Kapuze und Kragen
+ perfekter Wetterschutz auch bei widrigen Bedingungen
+ gute Atmungsaktivität

– sportlicher Preis
– etwas höheres Gewicht als andere 3-Lagen-Jacken
– trägt sich anfangs etwas starr

 Die Details:

Besonderheiten:  Verstärkungen an Ärmeln, Schultern, Saum unten und Hüfte, 3-D anpassbare Kapuze, abnehmbarer Schneefang, Ventilations-Reißverschlüsse, Knebelknopf und D-Ring als RV-Backup, Schräger Zwei-Wege-Front-RV, RV-Taschen mit Sturmabdeckung, getapte Nähte, Recco@ Reflektor
Material:  3L Cutan® 193 g/m², 100% recyceltes Polyamid, bluesign® zertifiziertes Material, Schneefang aus  89% Polyamid, 11% Elastan; Verstärkungen aus 100% Duracoat™; Kinnschutz aus 100% Polyester; alle Materialien PFOA und Fluorcarbon-frei
Größen: XS- XL
Farben: Honey, Raven, Redwood, Spruce Green
Gewicht: 816 Gramm (Größe M)
Preis: 670 Euro (UVP)

Brage Pant: Flexible All-Mountain Latzhose für taffe Mädels

Die Brage Pant ist das Pendant zur Brage Jacke und ebenso wie diese als stretchige und flexible All-Mountain-Shellhose für Aktivitäten unter harten Bedingungen konzipiert. Sie eignet sich besonders zum Skitourengehen oder Skifahren, kann aber auch als normale Tourenhose beim Bergsteigen oder Winterwandern eingesetzt werden. Gefertigt ist das 3-lagige Modell aus 100% recyceltem, Fluorcarbon-freiem Polyamid, das dauerhaften Wetterschutz garantieren soll und zugleich eine weiche, elastische Oberfläche verspricht. An den besonders beanspruchten Stellen wie Knie und Gesäß sorgt die Duracoat Verstärkung für zusätzlichen Schutz und maximale Langlebigkeit.

Der Schnitt der Hose ist auf Bewegungsfreiheit ausgelegt und so großzügig, dass sich eine lange Funktionsunterhose problemlos darunter tragen lässt. Bei Bedarf können die Beinenden erweitert werden, wodurch die Hose perfekt über die Skischuhe gezogen werden kann. Hierfür gibt es auch eine elastische, integrierte Gamasche mit Silikon, die als Schneefang dient. Der hohe Bund ist mit abnehmbaren Hosenträgern ausgestattet. Vom Bund bis zum Knie gibt es seitliche Zwei-Wege-Zipper, die bei schweißtreibenden Anstiegen für zusätzliche Abkühlung geöffnet werden können. Das Gesäßteil kann nach unten weggeklappt werden kann.

Zur Ausstattung der Brage Skitourenhose zählen darüber hinaus noch zwei großzügige RV-Taschen auf den Oberschenkeln sowie eine kleine Sicherheitspocket weiter oben für Skipass, Schlüssel oder Geld. Alle Nähte sind getapt. Wer kein Freund von Hosenträgern ist, der kann das Modell auch mit Gürtel in den hierfür vorgesehenen verstärkten Schlaufen tragen.

 Das af-Testurteil von Vroni zur Brage Pant: DIE perfekte Skihose für harte Bedingungen

Die Brage Skitourenhose lässt keine Wünsche offen, wenn man sich bei Kälte und Schneetreiben auf ins Hinterland macht. Hier merkt man einfach, dass die Designer wirklich mitgedacht haben und auch selber draußen unterwegs sind. Der Schnitt ist angenehm locker und dank der hohen Taille ist man rundum perfekt eingepackt. Persönlich mag ich Latzhosen sehr gerne, da der empfindliche Nierenbereich auch bei intensiven Bewegungsabläufen stets gut geschützt bleibt und Pulli oder Midlayer selbst bei aktivem Armeinsatz nicht nach oben rutschen. Wer damit nicht warm wird, der kann die Träger aber natürlich ganz einfach abnehmen und die Hose nur mit Gürtel tragen.

Apropos warm: Da die Hose doch etwas massiver des Weges kommt, hatte ich anfangs die Befürchtung, das Modell könnte im schweißtreibenden Aufstieg zu warm sein. Hier wurde ich aber schnell eines Besseren belehrt. Das Material besitzt eine gute Atmungsaktivität und auch bei fast schon „sommerlichen“ Tourentagen wurde es mir dank der seitlich platzierten, großzügigen Belüftungsschlitze nicht zu heiß.  Auch an die menschlichen Bedürfnisse haben die Designer gedacht und man kann das Gesäßteil ganz einfach nach unten wegklappen – ohne hierfür Jacke und Hosenträger zwingend ablegen zu müssen. Ein kleiner, aber durchaus praktischer Aspekt bei einer Latzhose.

Aber auch sonst bleiben wenig Wünsche offen. Die Beinenden lassen sich im Handumdrehen erweitern, so dass die Hose perfekt über die Skischuhe passt. Die Gamasche schließt gut ab und verhindert, dass Schnee von unten eindringen kann. Für optimalen Schutz sind die Beininnenseiten verstärkt, was gerade beim Einsatz mit Steigeisen durchaus sinnvoll ist. Ansonsten gelten für die Brage Hose die gleichen Kritikpunkte wie für die Jacke: im Vergleich zu anderen 3-lagigen Hosen mit bspw. Gore-Tex Pro Material ist die Tourenhose etwas schwerer und auch der Preis fällt mit 650 Euro ziemlich ins Gewicht.

Die Vor- und Nachteile im Überblick

+ toller Schnitt mit hoher Taille
+ Belüftungs-RV an den Seiten
+ Gesäßteil kann nach unten weggeklappt werden
+ RV am Beinende für großzügige Erweiterung mit Skischuhen
+ wasserdicht und wetterbeständig

– sportlicher Preis
– etwas höheres Gewicht als andere 3-Lagen-Hosen

 Die Details:

Besonderheiten:  Verstärkungen an Gesäß, Knien, Beinende innen und unterem Saum, Zwei-Wege-Beläftungs-RV an den Seiten, Hohe Taille, abnehmbare Träger, Gamasche aus Silikon, herunterklappbarer Hosenboden, RV-Taschen am Bein, versteckte Sicherheitstasche mit Sturmabdeckung, getapte Nähte, Hosenschlitz mit Sturmabdeckung, Hüftgurt-Kompatibel, Recco@ Reflektor
Material:  3L Cutan® 193 g/m², 100% recyceltes Polyamid, bluesign® zertifiziertes Material, Verstärkungen aus 100% Duracoat™; alle Materialien PFOA und Fluorcarbon-frei
Größen: XS- XL
Farben: Dark Khaki, Raven, Spruce Green
Gewicht: 835 Gramm (Größe M)
UVP: 650 Euro

*Hinweis der Redaktion zur Kennzeichnungspflicht: Die hier getesteten bzw. vorgestellten Produkte wurden uns vom jeweiligen Hersteller kostenlos zur Verfügung gestellt. Über den Produktwert hinaus flossen keine weiteren Zahlungen oder Gegenleistungen. Das Urteil der Redaktion ist unabhängig und die spezifischen Marken haben keinerlei Einfluss auf die Inhalte des Testberichts.

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