Testbericht – MSR Lightning Explore & Flight 3 Auftriebiger Schneeschuhe und dreigeteilter Teleskopstock für Tourengeher


 
29.05.15
 

Mountain Safety Research (MSR) produzieren seit 1971 verschiedenste Ausrüstungsgegenstände für Bergsteiger in ihrer Homebase in Seattle – unter anderem auch Schneeschuhe. In Zeiten, in denen die Konkurrenz in Anlehnung an die traditionellen Schneeschuhe der Inuit noch auf rahmenaufgehängte Konzepte  setzte, ging MSR bereits eigene Wege. So verfolgte die amerikanische Marke über lange Zeit als Gegenentwurf dazu eine durchgehende Kunststoffplanke, die sich beim Traversieren weniger verwindet. Deshalb war es für uns interessant, den Lightning Explore im vergangenen Winter genauer anzuschauen. Denn hier haben wir es mit einen Schneeschuh mit Rahmenkonstruktion und verspanntem Innenbereich zu tun. Dazu passend hatten wir gleich auch den Touren-Teleskopstock „Flight 3“ für unseren Test mit dabei.

MSR LIGHTNING EXPLORE – SCHNEESCHUHE

Rahmenkonstruktion und Aufhängung:Der umlaufende Aluminiumrahmen (360° Traction-Frame) macht auf den ersten Blick einen guten Eindruck was die Aufbiegung im Vorderteil und die generelle Proportionierung angeht. Auffällig ist gleich die Art der Aufhängung mithilfe von Nieten, die an der Außenseite des Rahmens platziert sind.

Schnallen, Bindung und Steighilfen:Dank dem weltweit ersten Ratschen-Bindungssystem Axis Gait Technology, das in beide Richtungen verstellbar ist, sollen Abweichungen der natürlichen Fußstellung neutralisiert werden. Ob dies allerdings zu 100% funktioniert, müsste in einem Langzeittest unter medizinischer Aufsicht beobachtet werden. Die Schnallen einmal eingestellt, können über die roten Verstellhebel nochmals feinjustiert werden. Was allerdings gleich auffiel, war eine Schnalle die unter normalen Bedienungs- und Einsatzbedingungen abbrach. MSR wollte diesen Mangel bis zur Markteinbringung noch einmal überarbeiten. Die „Ergo Televator-Steighilfen“ lassen sich auch von Grobmotorikern durch gezielten Stockeinsatz hoch- bzw. wegklappen. Hier lässt sich sagen: Gut gemacht.

Unser Fazit:

Der Lightning Explore von MSR ist ein gut verarbeiteter, robuster und brauchbarer Schneeschuh. Zumindest beim Bergaufgehen lässt er keine Wünsche offen. Die Bindung könnte unserer Meinung nach aber noch etwas überarbeitet werden. Zwei Schnallen sind beim Bergabgehen zu wenig. Die Folge: Man rutsch zu leicht nach vorn und bleibt hängen. Die Länge der Schneeschuhe macht sich hierbei leider auch etwas negativ bemerkbar. Die nach außen ragenden Rahmennieten haben vielleicht im ein oder anderen Fall einen guten Effekt gegen das Abrutschen in steilerem, vereistem Gelände. Fraglich ist allerdings, ob man mit Schneeschuhen in solch steilem Terrain überhaubt unterwegs sein sollte. Einer der größten Nachteile ist aber, dass man beim Laufen am anderen Schneeschuh hängenbleibt. Man gewöhnt sich zwar daran und lernt damit umzugehen, ist dadurch aber in der Bewegunsgfreiheit deutlich eingeschränkt und im Kopf nicht frei. Also ärgerlich, weil unnötig. Zumindest beim Traversieren im Pulverschnee macht sich die rahmenaufgehängte Konstruktion nicht negativ bemerkbar, was das dreidimensionale Verwindungsverhalten angeht. Das Gewicht um die zwei Kilo ist vertretbar, weniger wäre hier allerdings auch wieder einmal mehr.

Die Details:

Besonderheiten: optionale Schneeschuhverlängerung montierbar, integrierte Steighilfe
Bindungstyp: HyperLink
Empfohlenes Gewicht 22 in: bis 80 kg / 114 kg (mit Schneeschuhverlängerung)
Empfohlenes Gewicht 25 in: 54 bis 100 kg / 127 kg (mit Schneeschuhverlängerung)
Empfohlenes Gewicht 30 in: 68 bis 127 kg / 136 kg (mit Schneeschuhverlängerung)
Breite / Länge: 20 cm / 56 cm (22 in), 63,5 cm (25 in), 76 cm (30 in)
Gewicht: 1.690 g (22 in) / 1.870 g (25 in) / 2.040 g (30 in)
Schuhgröße: 35,5 – 48,0
Preis: 279,95 (UVP)

MSR FLIGHT 3 – TELESKOPSTOCK FÜR TOURENGEHER

Der dreigeteilte Teleskop-Tourenstock wurde für den ganzjährigen Einsatz bei Berg-, Kletter-, Splitboard- und Schneeschuhtouren entwickelt. Die robuste Konstruktion aus Luftfahrtaluminium hat einen ganz eigenen, recht interessanten Look zu bieten. Wer jetzt aber denkt, der Flight 3 warte mit oberflächlichen Gimmiks auf, wird einen Teleskopstock der Oberklasse kennenlernen, der voller durchdachter Technik steckt.

Griff und Schlaufe: Der Hartschalengriff ist etwas betonter ausgeformt als bei vergleichbaren Modellen, was der Ergonomie eher zuträglich ist – das passt. Keinerlei Schwierigkeiten gab es auch mit den Handschlaufen, die sich leicht auf die gewünschte Größe einstellen lassen und dank gut zu greifendem Anfasser schnell wieder zu öffnen sind. Mit einem kräftigen Ruck können sie auch ganz vom Griff getrennt werden. Der sogenannte “Breakaway-Mechanismus” sorgt laut MSR aber vor allem dafür, dass sich die Schlaufen automatisch lösen, wenn sich die Stecken bspw. bei einem Sturz im Gelände in einem Hinderniss verfangen.

Der Schaft: Die anfangs etwas schwer und daher schmerzhaft einzudrückenden Knöpfe des SureLock-Systems, befinden sich dank des trapezförmigen Querschnitts der Rohre, immer an der richtigen Position. Die Stocksegmente können so nämlich nicht gegeneinander verdreht werden. Durch den Einrastmechanismus ist gegenüber den weit verbreiteten reibungsbasierten Verstellsystemen kein Verrutschen unter Belastung möglich. Der trapezförmige Querschnitt des Flight 3 trägt außerdem zu erhöhter Bruchfestigkeit bei einer Stocklänge von maximal 140 cm bei. Bei Minusgraden ließen sich keine Mankos beim Handling feststellen. Allerdings sind die Druckknöpfe so klein, dass die Bedienung mit Handschuhen etwas schwer ausfiel. Dieser Effekt sollte sich aber mit dem weiteren Gebrauch einstellen. Positiv fiel uns auch die Griffgummierung am Schaft selbst auf. Ein Komfort-Pluspunkt, wenn man in Steilpassagen den Stock weiter unten greifen möchte, ohne ihn extra verstellen zu müssen.

Teller: Die Größe stellt einen guten Kompromiss zwischen Durchmesser und Schneeverdrängung dar. Wer richtige Pulverschneeteller möchte, kann nachrüsten. Die Spitze des Stocks ist zudem robust und per Imbusschraube austauschbar.

Unser Fazit:

Mit dem Flight 3 hat MSR einen relativ leichten und gleichzeitig stabilen Teleskopstock für den Ganzjahreseinsatz im Programm. Neben eigenständiger Optik und kleinem Packmaß kann der Dreiteiler mit guter Haptik und differenzierter Ausstattung aufwarten. Wer auf Gewicht achten will, sollte sich besser den Flight 2 ansehen, wobei der „3er“ einen wirklich guten Kompromiss zwischen Länge und geringem Gewicht (244g) darstellt. Dementsprechend ist der Flight 3 ein Teleskopstock für Bergfexe die sich nicht nur optisch abheben möchten.

Die Details:

Farbe: Rot/Schwarz
Material: 7000er Aluminum
Länge min./max.: 105 cm / 140 cm
Packmaß: 73 cm
Gewicht: 434 g
Preis: 119,- Euro (UVP)

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