Testbericht – NORDISK Oppland 3 LW Ultraleichtes Tunnelzelt und mobile Behausung mit gigantischem Platzangebot


 
27.11.15
 

Auf der Suche nach der eierlegenden Wollmilchsau unter den mobilen Unterkünften hat sich unser Fotograf Sebastian Stiphout zum ersten Mal in das Gehege der Ultraleicht Tunnelzelte gewagt. Benötigt wurde ein Modell, das ihn und seinen 11-jährigen Sohn gut sechs Monate lang auf einer Weltreise begleiten und sich bei diversen Einsätzen auf den unterschiedlichsten Kontinenten bewähren sollte. Bei der eigentlichen Wahl des Zeltmodells stand Sebastian vor allem vor der logistischen und praktischen Herausforderung, nur das Allernötigste an Ausrüstung mitnehmen zu können. Dazu kam noch, dass er selbst ja der Packesel dieser kleinen Zwei-Personen Mannschaft sein sollte. Dem eigenen Sohn konnte und wollte er keinen großen schweren Rucksack aufbinden. Entscheidender Faktor war also in erster Linie das Gewicht des Zeltes. Zweite Priorität hatten die Größe sowie das Platzangebot. So sollte das Zelt groß genug sein, dass die beiden Globetrotter gleich mehrere Tage hintereinander mit verstauter Ausrüstung relativ bequem und mit ausreichend Platz im Zelt verbringen konnten. Und mit “bequem” ist gemeint, darin möglichst aufrecht sitzen zu können.

Beide Anforderungen erfüllt das Nordisk Oppland 3 LW. Mit insgesamt 1,98kg Gewicht (Herstellerangabe) für ein 3-Personen Zelt mit üppigem Platzangebot und einer sehr großen Apside führt es sehr respektabele Werte ins Feld. Damit war die Qual der Wahl schnell beendet und sollte das Tunnelzelt mit auf große (Test-)Reise gehen. Soviel vorweg: Für den aF-Fotografen war es eine eher ungewohnte Spezies von Behausung, da er bis jetzt nur in Kuppelzelten übernachtet hatte. Nach zahlreichen Nächten unter freiem Himmel und auf drei verschiedenen Kontinenten kennt er nun definitiv alle Vor- und Nachteile des Raumwunders.

Nordisk Oppland 3 LW – geräumiges Zuhause für Globetrotter

Das Nordisk Oppland ist ein Tunnelzelt, eine vor allem bei skandinavischen Herstellern populäre Konstruktionsart. Die Tunnelzeltform erlaubt es, geräumige Zelte zu konstruieren und gleichzeitig das Gewicht gering zu halten. Das Oppland bekommt seine Form durch drei leichte Alu-Stangen (DAC Gestänge), die parallel gesteckt und abgespannt die typische längliche Tunnelform ergeben. Die Grundfläche des Innenzelts bringt es dadurch auf beachtliche 2,20m x 1,90cm, die durch die Apside nochmals durch zusätzliche 1,90m x 1,90m erweitert wird! Groß genug also, damit drei Personen problemlos nebeneinander Platz zum Schlafen finden und jede Menge Ausrüstung trocken verstaut werden kann. Wenn die Konstruktionsmethode wie beim Oppland auch noch mit ultraleichtem Ripstop Material für das Außen- und Innenzelt kombiniert wird, dann kommt am Ende ein luxuriöses Fliegengewicht mit einem üppigen Platzangebot heraus. Selbst ein Studentenzimmer in einer WG im Londoner Stadtzentrum ist kaum größer!

Aufgebaut besitzt das Tunnelzelt einen recht großen Fußabdruck von stolzen 4,30m in der Länge und 2,10m in der Breite. Hinzu kommt dann noch die benötigte Fläche für die 4-6 Spannseile, welche an den jeweiligen Enden im Boden verankert werden müssen. Denn ohne die Abspannung ist der Einzug in die Outdoor-Behausung leider nicht möglich. Soll heißen: Das Oppland braucht ausreichend Platz, um bequem aufgestellt werden zu können. Das Packmaß von gerade einmal 45cm x 13cm x 13cm fällt bei der Menge an Nylongewebe und dem letztendlichen Platzangebot vollkommen akzeptabel aus. Schließlich darf man nicht vergessen, dass es sich um ein 3-Personen-Zelt handelt. Nur die mitgelieferten Ultralight-Aluminiumheringe sind zu schwach und für unseren Geschmack etwas zu minimalistisch gehalten, um ihren Zweck adäquat erfüllen zu können. So sind bereits zwei Heringe abgeknickt, als sie mit bloßer Hand in den Boden gedrückt wurden. Problem: Für das Aufrichten des Opplands sind die Heringe essenziell! Denn ohne feste Verankerung steht die Bude einfach nicht! Daher empfehlen wir unabhängig vom jeweils zu „bebauenden“ Untergrund, vorab spezielle Heringe zu kaufen, um am Ende ohne Dach über dem Kopf schlafen zu müssen.

Das af-Testurteil – geringes Gewicht, viel Platz, aber nur bedingt standfest:

Anders als bei freistehenden Kuppel- oder Geodät-Zelte, muss ein Tunnelzelt immer abgespannt werden um aufrecht stehen zu bleiben. Und damit wären wir auch direkt bei der für unsere Begriffe größten Schwäche des Oppland: Es muss zwingend abgespannt werden. Immer! Und leider kann man sich unterwegs nicht die Beschaffenheit des Untergrunds aussuchen. Nur zur besseren Veranschauung ein mögliches „Horror-Szenario“: Im neuseeländischen Winter fanden Sebastian und sein Sohn sich im Regen und peitschendem Wind auf einem abgelegenen Campinglatz wieder. Der Boden war allerdings aus blankem Stein! Es gab also keinerlei Möglichkeiten, die Heringe in den Untergrund zu treiben. Hier half nur noch das Abspannen mithilfe möglichst großer Steine, an welche die Zeltleinen gebunden wurden. Nicht gerade die besten Voraussetzungen für eine erholsame Nacht im Zelt. Denn ohne verankerte Heringe stand das Tunnelzelt schlichtweg nicht stabil und konnte nicht straff genug abgespannt werden. Wind und Regen taten ihr übriges. Somit hing der Tunnel in der Mitte ziemlich durch, das Außenzelt lag auf dem Stoff vom Innenzelt und am Morgen war das Aufstehen eine sehr feuchtfröhliche Angelegenheit.

Feste Ankerpunkte für die Zeltleinen sind also sehr wichtig, wenn man mit dem Oppland unterwegs ist. Findet man entsprechende Abspannmöglichkeiten und kann das Zelt in eine straffe Tunnelform bringen, ist es ein wahres Raumwunder und ein Traum von mobiler Behausung. Denn allein die steilen Zeltwände schaffen eine „Deckenhöhe“ von fast 1,10m an der höchsten Stelle. Ausreichend Platz, um aufrecht sitzen zu können, auch für größere Leute. Auch in der Länge ist so viel Platz, dass auch Basketballspieler Platz zum ausgestreckten Liegen hätten. Auch Staumöglichkeiten sind ausreichend vorhanden. So gibt es an den Seiten der Zeltwände zahlreiche Fächer, in denen diverse Sachen verstaut werden können. Die riesige Apside erhöht das Platzangebot nochmals ins Überdimensionale. Wir wüssten also nicht was an Ausrüstung auf einer Trekkingtour man mitnehmen müsste, um den gesamten Innenraum befüllen zu können. Somit finden locker mehr als nur drei Personen ihren Platz im Zelt. Ein mobiles Airbnb-Angebot sozusagen!?

Unser Gesamtfazit: Wir sind vor allem von der Kombination aus „geringem Gewicht“ und „viel Platz“ extrem angetan! Knappe 2kg bei einer solch üppigen Wohnfläche, das kann kaum ein anderes Zelt bieten. Trotzdem war Sebastian manchmal doch recht genervt davon, dass das Zelt nicht von alleine steht und kräftig abgespannt werden muss, um halbwegs vernünftig in Form zu bleiben. Ein weiteres Problem: Oft ist es schwierig, ein halbwegs ebenes und freies Stück Land zu finden. Vor allem in der Wildnis abseits von bequemen europäischen Campingplätzen gibt es nur wenig Möglichkeiten, die dem immerhin 4,30 m langen roten ausreichend Platz bieten. Wer aber mit den individuellen „Charakterzügen“ des Nordisk Tunnels leben kann, dürfte mit dem Oppland sehr glücklich werden – egal ob nun in der 3- oder der 2-Personen-Ausführung. Vor allem der Rücken wird einem die Anschaffung definitiv danken!

+ perfekte Kombination aus geringem Gewicht und zugleich luxuriösem Platzangebot
+ relativ kleines Packmaß
+ optimale Sitzhöhe im Innenzelt

– steht nur wirklich stabil und straff wenn es sehr gut abgespannt ist
– großer „Fussabdruck“, benötigt relativ großes Stück ebene Fläche zum Aufstellen
– stolzer Preis für eine mobile Behausung

Die Details:
Besonderheiten: stabil bis Windgeschwindigkeiten von bis zu 25 m/s, magnetische Türverschlüsse
Material: 100% Polyamid, beidseitig beschichtet mit 3 Lagen Silikon, 2.000 mm Wassersäule (Außenzelt); 100% Polyamid, atmungsaktiv (Innenzelt); 100% Polyamid, PU-beschichtet, 8.000 mm Wassersäule (Boden)
Platzangebot: 3 Personen
Maße – Außenzelt: 430 x 210 x 120 cm
Maße – Innenzelt: 225 x 190 x 110 cm (Innenzelt)
Packmaß: 13 x 48 cm
Gewicht: ca. 1.980 g
Preis: 869,95 Euro (UVP)

5 Kommentare zu
Testbericht – NORDISK Oppland 3 LW: Ultraleichtes Tunnelzelt und mobile Behausung mit gigantischem Platzangebot

  1. Christoph Donnicola kommentierte:

    – einverstanden mit allen Vorzügen, die genannt wurden
    – sämtliche sogenannten „Nachteile“ sind objektive, unveränderliche Tatsachen, die bereits beim Kauf feststehen: nicht freistehend, Dimensionen und auch Preis.
    Somit sind diese Einwände eigentlich uninteressant.

    • veischu kommentierte:

      Servus Christoph,

      besten Dank für deinen Kommentar. Sicher magst du recht haben, aber wir wollen mit dieser Aussage auf das Preis-Leistung-Verhältnis verweisen. Zudem gibt es viele, die übers Internet bestellen und das Zelt nie vorher gesehen haben. Leider werden moble Behausungen immer seltener live vohrer begutachtet.

      Beste Grüße
      Veit vom aF-Team

  2. Ecki kommentierte:

    Servus Veit und Christoph, wir haben das Zelt heute für unsere Radtour durch Chile im Dezember/ Januar gekauft. Wesentliches Argument für uns: Das Platzangebot bei dem sehr geringen Gewicht. Wir möchten unser Gepäck (8 Fahrradtaschen + 2 Packsäcke) gerne im Zelt haben und eventuell auch mal einen Schlechtwettertag im Zelt verbringen, ohne uns zu sehr auf die Nerven zu gehen. Jedenfalls hat das Nordisk im Vergleich zu einem sehr kompakten, ebenfalls hochwertigen und leichten Kuppelzelt voll überzeugt. Und auch das muss abgespannt werden, damit es stabil steht. Wir haben das Zelt übrigens nicht bestellt, sondern im Laden vorher aufgebaut. Es ist wirklich groß – schön innen, aber schlecht bei beengten Platzverhältnissen. Und wir haben uns noch zusätzlich vier stabile, lange Ersatzheringe mitgeben lassen. Schon weil die, die dabei sind, abgezählt sind. Wir schreiben nächstes Jahr noch einen Erfahrungsbericht.

  3. Fabi kommentierte:

    Hallo,

    super, vielen Dank für den Bericht.
    Ich bin auch seit längerem am überlegen ob ich mir das Zelt holen soll, oder doch lieber die „Normalversion“ SI, da das LW nur 10 Denier hat (gegenüber 40). Gibt es irgendwelche Infos oder Erfahrungspunkte über das Material? Schließlich ist es scheinbar wirklich ultradünn. Wie hat es sich bei Regen verhalten oder langer Sonnen-/UV-Einstrahlung?

    Vielleicht könnt ihr noch ein paar Punkte dazu nennen.

    Besten Dank!!

  4. veischu kommentierte:

    Servus Fabi,

    wir hatten auch die UL-Version des Telemark 1 + 2 im Test, schau dir doch einfach mal unsere Berichte dazu durch:

    https://www.airfreshing.com/testbericht-nordisk-telemark-lightweight-isomatte-schlafsack-biwak-zelten
    https://www.airfreshing.com/nordisk-telemark-2-zweimannzelt-mtb-bergtour-backpacker

    An für sich ist das Material robust genbug, um auch mal einem heftigeren Regenguss ausztuhalten, allerdings dürfte es bei richtigen Sturmböen allein wegen der Gesamtkonstruktion eher kritisch werden. Auch die Wasserdichtigkeit ließ etwas zu wünschen übrig. Letztendlich kommt es also immer auf das Einsatzgebiet an und wo du deinen Schafplatz aufschlägst. Am Ende musst du also entscheiden, ob dir mehr Gewicht und weniger Ärger wichtiger sind als mehr Ärger und weniger Gewicht. 🙂

    Erfrischende Grüße
    Veit vom aF-Team

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