Testbericht – Osprey Mutant 38 Der alpine Alleskönner unter den Rucksäcken


 
17.09.18
 

Die Auswahl an Rucksäcken für die verschiedensten Outdoor-Abenteuer ist riesig – vom kleinen Trinkrucksack, in dem gerade noch ein Müsliriegel und eine dünne Notfallregenjacke Platz hat, bis hin zum 120-Liter-Weltreise-Ungetüm. Egal wie viele Rucksäcke man besitzt, die klassische mittlere Größe mit einem Volumen von etwa 35 – 45 Liter darf in keinem gut sortierten Ausrüstungsschrank fehlen. Schließlich ist das Einsatzgebiet hier mitunter am breitesten. Das Gepäck für eine mehrtägige Hüttenwanderung findet ebenso darin spielend Platz wie alle notwendigen Utensilien bei einer Hochtour mit Biwak-Stop-Over. Gleichzeitig läuft man aber auch nicht Gefahr den Rucksack so voll zu packen, dass man ihn am Ende kaum mehr tragen kann.

Natürlich hat auch Osprey, die besagte klassische Mittelgröße in vielfacher Ausführung im Repertoire. Klar, dass wir ein Modell der Lieblingsmarke unter den Rucksackherstellern (nein, wir werden nicht dafür bezahlt, dass wir das schreiben – wir sind überzeugte Wiederholungstäter) unbedingt unter die Lupe nehmen mussten. So hat der US-amerikanische Hersteller speziell zum Bergsteigen und Klettern den „Mutant“ entwickelt, das für den ganzjährigen Einsatz konzipiert ist. Mittlerweile gibt es das Modell bereits in der 5. Generation und in drei verschiedenen Größen mit 22, 38 und 52 Liter Volumen. Wir durften die besagte mittlere Größe bereits vor dem offiziellen Verkaufsstart im August 2018 auf Herz und Nieren prüfen. Wie vielseitig der Mutant ist, zeigen dabei schon alleine die Touren, auf die er uns begleiten durfte: In Peru war er sowohl auf dem 10-tägigen Huayhuash-Trek mit dabei als auch bei der Besteigung des Nevado Pisco (5752). In heimischen Gefilden diente er u. a. als Lastenträger für das Geburtstagswochenende auf der Selbstversorgerhütte und fungierte als treuer Begleiter beim Hochtourenwochenende im Engadin mit Piz Morteratsch und Piz Tschierva als  Ziele. Wie sich der Mutant 38 dabei geschlagen hat, erfahrt ihr in unserem Testbericht.

 Osprey Mutant 38: Lastenträger für alpine Abenteuer

 Die 5. Generation des Mutant ist laut Hersteller Osprey ein zuverlässiger, intelligent ausgestatteter Kletterrucksack für ganzjährige Besteigungen. Trotz seines Volumens von 38 Litern bringt er gerade einmal 1,28 kg auf die Waage und ist damit extrem leicht. Das Hauptfach mit integriertem Trinkfach wird über einen abnehmbaren, schwebenden Deckel erreicht. Wird das Deckelfach nicht verwendet um Gewicht zu sparen, so verschließt das sogenannte FlapJacket – eine Art kleine zusätzliche Deckelplane – den Inhalt des Rucksacks wetterfest und fixiert die Ausrüstung so, dass nichts nach oben oder seitlich herausfallen kann.

Im Deckelfach befindet sich eine schnell einsatzbereite Helmbefestigung aus Mesh. Die nach hinten umschlagbaren Hüftgurte mit integrierten Materialschlaufen können wahlweise in Minimalkonfiguration oder als Geräteträger verwendet werden. Zu den Highlights des Rucksacks zählen die schneeabweisende Rückenplatte, zwei Eisaxt ToolLock Halterungen zur Befestigung der Ausrüstung sowie seitlich platzierte Skihalterungen. Darüber hinaus befindet sich unter dem Deckel ein zusätzliches Befestigungssystem für Seile. An den vorderen Schlaufen können zudem Karabiner oder andere Gegenstände flexibel befestigt werden. Last but not least kann die Rückenplatte mit ihren Aluminiumstreben bei Bedarf komplett abgenommen werden, um maximal Gewicht zun sparen.

Das Testurteil von Vroni: Leicht, clever und vielseitig – ein Allrounder erster Güte

Meine Sammlung an Rucksäcken ist mittlerweile durchaus beachtlich. Aber warum auch immer, fehlte bislang stets irgendwie die klassische Mittelgröße. So waren die 30 Liter meines Mammut Rucksacks bei größeren Touren schnell ausgereizt. Und andere Modelle mit mehr als 45 Litern waren wieder ein Stück zu groß. Gerade für ausrüstungsintensive Hochtouren mit einer Übernachtung im Biwaksack oder in der Hütte war ich daher noch auf der Suche nach einem schlanken, aber dennoch nicht allzu „spartanischen“ Allrounder mit ca. 35 Litern Volumen. Da kam der Osprey Mutant 38 wie gerufen! Nachdem ich bereits zahlreiche Damen-Modelle aus dem Hause Osprey besitze – unter anderem den Sirrus 50 und den Kyte 66 – und mich deren Tragekomfort stets sehr begeistert hatte, war ich umso gespannter auf die Unisex Variante Mutant.

Auf den ersten Blick wirkt der Osprey Mutant recht minimalstisch – so wie es sich für einen Kletterrucksack gehört. Er hat allerdings weitaus mehr Features zu bieten,als so manch anderes Modell dieser Klasse. Besonders gut gefallen mir dabei die vielfältigen Möglichkeiten, die verschiedensten Ausrüstungsgegenstände an und ihm Mutant zu befestigen bzw. zu verstauen. Eisaxt und Stöcke lassen sich mit etwas Phantasie sogar gemeinsam „dranbasteln“, wenn man hierfür die seitlichen Skihalterungen nutzt.

Nicht ganz optimal platziert ist meiner Meinung nach die Fixierungen für den Griff der Eisaxt. Denn diese befinden sich auf beiden Seiten direkt unter den Riemen, mit denen man das Deckelfach befestigt.Will man die Eisaxt über den Riemen fixieren, so muss man sie jedes Mal abnehmen, um an das Hauptfach gelangen zu können. Befestigt man die Axt alternativ darunter, können die Riemen nicht exakt geschlossen bzw. festgezogen werden. Nutzt man dann noch die Schlaufe zum Befestigen der Stöcke, so wird das Problemchen noch deutlicher. Der Fairness halber muss man aber sagen, dass diese eigentlich nicht für sie Stöcke gedacht sind. Da die Funktionalität des Rucksacks und des Befestigungsystems in beiden Fällen nicht beeinträchtigt wird, ist dieser Kritikpunkt wohl eher als Optimierungspotential zu bewerten denn als Nachteil – zumal der Osprey Mutant 38 ansonsten auf ganzer Linie zu überzeugen weiß: Das Innenfach ist geräumig und bietet ausreichend Stauraum für Steigeisen, Wechselklamotten, Proviant und Hüttenschlafsack. Trotzdem ist der Mutant insgesamt sehr schlank gehalten und liegt optimal und direkt auf dem Rücken auf. Auch in engen Felspassagen behindert der alpine Backpack nicht, geschweige denn dass er hin und her wackeln würde. Obwohl Hüftgurt und Trageriemen wie bei Kletterrucksäcken üblich kaum gepolstert sind, trägt sich der Mutant äußerst angenehm und komfortabel. Das Material ist dabei sehr abriebgfest und robust, so dass man auch den direkten Felskontakt nicht zu scheuen braucht.

Einziger Wermutstropfen für mich: Leider gab es den Mutant als Sample nur in der Größe M/L und der Rücken ist mir bei 1,71 Körpergröße ein Stück zu lang. Gerade kleine Frauen dürften das gleiche Problem auch bei Größe S/M haben – der kleinsten derzeit erhältlichen Größe. Aus diesem Grund dürfte der Uni-Sex Rucksack wahrscheinlich erst bei Bergsteigerinnen und Bergsteigern ab 1,65 m aufwärts bzw. mit entsprechend langem Rücken zum Einsatz kommen. Aber vielleicht gibt es den Mutant ja auch irgendwann als Frauenversion. Ich würde jedenfalls zuschlagen…

Das Gesamtfazit – die Vor- und Nachteile im Überblick

Mit dem Mutant 38 liefert Rucksackspezialist Osprey einen Allrounder, der vor allem in alpinen Gefilden seine Stärken auszuspielen weiß. Dank der schlanken Form und den vielen praktischen Ausstattungshighlights eignet es sich zum Klettern sowie für Hoch- und Mehrtagestouren

+ durchdachte Features und vielfältige Befestigungsmöglichkeiten
+ optimale Größe für Mehrtagestouren oder Hochtouren
+ schlanke Form und minimalistische Konstruktion
+ liegt sehr gut am Rücken an
+ hoher Tragekomfort
+ sehr leicht

– Befestigung für den Griff der Eisaxt etwas unglücklich platziert
– leider nur Unisex in zwei Größen erhältlich

Die Details:

Material: 420HD Nylon Packcloth
Besonderheiten: Zwei Eisaxt ToolLock Halterungen, flexibel einsetzbare Schlaufen vorne, seitliche Skihalterung, abnehmbares Deckelfach, Ski- bzw. Kletterhelmhalterung, Trinkblasenfach mit H2O-Ausgang, Hüftgurt mit Schlaufen, Brustgurtschnalle mit Signalpfeife, handschuhfreundliche Schnallen
Gewicht: 1,28 kg
Volumen: 38 Liter
Größen: S/M; M/L
Abmessungen: 73 (l) x 32 (w) x 30 (d)
Farben: Back Ice, Blue Fire
Preis: 160.- Euro (UVP)

 *Hinweis der Redaktion zur Kennzeichnungspflicht: Die hier getesteten bzw. vorgestellten Produkte wurden uns vom jeweiligen Hersteller kostenlos zur Verfügung gestellt. Über den Produktwert hinaus flossen keine weiteren Zahlungen oder Gegenleistungen. Das Urteil der Redaktion ist dennoch unabhängig und die spezifischen Marken haben keinerlei Einfluss auf die Inhalte des Testberichts.

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