Testbericht – Rock Pillars Diamond & Ozone QC Gute Performance aus dem Osten – Kletterschuhe made in Tschechien


 
07.11.14
 

Alles begann in Russland – um genauer zu sein in Sibirien, in den Bergen von Pillars. Eine Gruppe junger Kletterer kreierte eigene Kletterschuhe, die dem inidviduellen Ansprüchen noch besser gerecht wurden. Es war 1988, als das erste Modell unter dem Namen Rock Pillars hergestellt wurde. Sechs Jahre später wurde der Grundstein für die Produktionshallen in der Tschechischen Republik gelegt und nur wenig später die erste Kollektion auf der Outdoor-Messe in Friedrichshafen erstmals der Öffentlichkeit vorgestellt. Inzwischen haben sich die Schuhe und Klettergurte von Rock Pillars dank eines guten Preis-Leistungsverhältnisses und bekennenden Fans wie Tomas Mrazek längst in ganz Europa sowie weltweit einen Namen gemacht. Wir haben zwei Modelle aus dem aktuellen Portfolio getestet.

ROCK PILLARS – DIAMOND

Der Diamond ist laut Hersteller das optimale Modell für extreme Touren und Wettkämpfe. Hierfür besitzt der Kletterschuh eine starke Vorspannung und ist extrem asymmetrisch geschnitten. Damit soll er besonders gut die Kraft auf die Schuhspitze bringen und sich damit ideal für hauchdünne Leisten, kleine Löcher und zur effektiven Kraftübertragung im Überhang eignen. Die durchdachte Schnürung verspricht zudem einen optimalen Sitz und soll obendrein das Setzen präziser Hooks ermöglichen.

Form und Design:

Beim Design fällt auf, dass der Kletterschuh im Gegensatz zu vielen Wettbewerbern hinsichtlich der Farb- und Formkombination recht ruhig ausfällt. Ins Auge sticht sofort das Schnürsystem mit den gegeinander verdrehten Dreiecken, was wohl als Verweis auf den Facettenschliff eines Diamanten anzusehen ist. Der sehr helle Grauton des Lederchassis konkurriert interessant mit den in hellem Türkisblau abgesetzten Bereichen. Unnötige Grafikapplikationen oder sinnlose Swooshes sucht man vergebens – zum Glück.

Ein extrem asymmetrisch geformter Leisten macht aus dem Diamond einen aggressiven Routenkletterschuh für ambitionierte Sportkletterer genauso wie für Wettbewerbsclimber. Herstellerseitig wird der Schuh für Routen im Bereich 9a angesiedelt. Demzufolge ist er nicht gerade für Einsteiger in der Boulderhalle gedacht. Er besitzt eine sehr gute Passform sowie eine mittelstarke Vorspannung. Außerdem weist er im  Zehenbereich einen zusätzlichen Turn Down auf, was das Klettern im Überhang erleichtert. Diese Features und die asymmetrische Anpassung der Schuhe an den Fuß sorgen für einen sauberen Kantenstand in der Wand. Der Diamond ist zudem auf die ägyptische Fußform ausgelegt (die zweite Zehenspitze steht über den großen Zeh hinaus), d. h. wenn alle Spitzen der Zehen in einer 45 Grad absteigenden Linie liegen, dann ist der Diamond der perfekte Schuh.

Das Material:

Das Obermaterial besteht aus einer Kombination von natürlichem und synthetischem Leder. Diese komplexe Mischung – elastisch und atmungsaktiv zugleich – führt in Verbindung mit der asymmetrischen Schnürung zu einer nahezu perfekten Fixierung des Fußes im Schuh. Die Vibram XS Grip Sohle (4 mm), die heutzutage als eine der meistverbautesten Kletterschuhsohlen gilt, weist gute Reibungs- und Abriebseigenschaften auf, die auch langfristig viel Freude bereiten dürften.

Das Verhalten:

Die Haupteigenschaften des Diamond zeigen sich an kleinen Tritten, Kanten und Löchern, denn hier spielt der Schuh seine Stärken aus. Die unter dem Fußgewölbe verlaufenden Spannungsbänder stabilisieren den Fuß seitlich und verbinden Vorderfuß sowie die komplett verstärkte Ferse, welche innen natlos verarbeitet ist. Vorspannung und Härtegrad der Sohle unterstützen den Fuß beim präzisen Stehen auf kleinsten Leisten und verhindern eine allzu rasche Übermüdung. Wobei sich die gut verarbeitete Ferse gezielt bei Hooks platzieren lässt. Allerdings machen sich die vier Millimeter Gummi leider etwas negativ bemerkbar – sie nehmen dem Schuh etwas an Sensitivität für den Fels bzw. für die Kunsfelstritte, die sich jeweils unter ihm befinden.

Unser Gesamtfazit:

Wie im Galeriebild zu sehen ist, war die Natur der Meinung, dass unsere Testperson fast fingerlange Fußzehen braucht – wenngleich der Vorteil dieser, uns bisher noch verborgen blieb. Daher hatte der Tester auf Dauer leider Schmerzen im Nagelbereich, egal wie kurz die Fußnägel auch gehalten wurden. Denn die Zehenbox des Kletterschuhs zwingt die Nagelbetten schon sehr, sehr eng aneinander. Von daher ist das Urteil über die Passform des Diamond und vor allem seinen Tragekomfort mit etwas Vorsicht zu genießen. Laut Rock Pillars weitet sich der Schuh über die Zeit um eine halbe Größe, was wir aus Zeitgründen bisher leider noch nicht bestätigen können.

Der Diamond von Rock Pillars ist ein recht hart angelegter Schnürschuh mit aggressivem Gesamtkonzept und asymetrischer Formgebung. Der Schuh bietet im mittleren Preissegment in punkto Verarbeitung, Materialwahl und Performance alles, was ein Kletterschuh heutzutage vorweisen sollte. Allerdings zählt die Kletterei auf Reibung nicht gerade zu seinen Stärken, Bouldern nur bedingt und bequem ist er auch nicht wirklich. Dafür konnte uns dessen Performance im Makrobereich beim Routenklettern überzeugen.

Die Details:

Besonderheiten: gepolsterte Zunge; nahtlose perforierte Ferse, gespanntes Fersenband
Einsatzbereich:
Bouldern, Sportklettern
Paßform: normal und schmal
Obermaterial: Kombination aus 1,4 mm starkem Mikrofaser-Kunstleder, synthetischem Kunststoff und 1,8 mm Naturleder
Sohle: 4 mm Vibram XS Grip; Suflex – 3D Fit-Mittelsohle, Zwischensohle aus uflex 0,9 mm, Leisten mit stark asymmetrischer Vorspannung
Gewicht: 472 g
Preis: 119,95 Euro (UVP)

ROCK PILLARS – OZONE QC

Beim Ozone QC ist alles auf Grip, Passform und Trittsicherheit ausgelegt. Dank asymmetrischem Leisten mit leichter Vorspannung und dem 3-Force Patented System soll der Fuß fest im Kletterschuh stecken und bestens dabei unterstützt werden, indem die Spannung von der Ferse bis zum großen Zeh gehalten wird. Es soll zudem effektiv verhindern, dass sich der Fuß des Klettersportlers im Schuh drehen kann. Die Vibram XS Grip Sohle (4 mm) sorgt am Fels zudem für eine bessere Reibung und präzises Spotting sowie ein optimaleres Trittgefühl. Eine thermogeformte Zwischensohle soll darüber hinaus den Tragekomfort und die Fußunterstützung optimieren.

Form und Design:

Der OZONE QC (steht für Quick Closure) besticht auf den ersten Blick durch viel Schwarz. Das umlaufende Gummi-Chassis, welches logischerweise ebenfalls in Schwarz gehalten ist, wird durch die, den Schuh quasi dominierenden schwarzen Velcrobänder visuell noch verstärkt. Das in knalligem Grün gehaltene Leder, wirkt dazu als Kontrast und wird durch die schwarzweiße Meshzunge noch abgerundet – optisch gelungen, möchte man da gerne sagen.

Wie beim Diamond wird bei der Form des Ozone QC auf Asymetrie und anatomischen Schnitt gesetzt. Dabei unterstützen die fast den halben Fuß umschließenden Velcroverschlüsse eine optimale Anpassung an den Fuß des Trägers – und somit seine Performance in der Wand. Auch der Ozone weist die ägyptische Grundform auf (siehe oben). Das Gummi der Sohle wird an der Spitze des Schuhs quer über den Spann fortgesetzt, um den Schuh bei Toehooks zu schützen und sorgt so für die nötige Spannungsübertragung. Die Sohle geht in einem Stück von der Spitze zur Ferse durch, wobei in der Mitte zwei weitere Übertragungsstränge zum Spann und zur Achhillesferse verlaufen. Die sparsame Verbauung des Materials schlägt auch gewichtsmäßig durchaus positiv zu Buche.

Die Sohle:

Die Vibram XS Grip Sohle befördert die ohnehin hohe Einsatzbereitschaft dieses Kletterschuhmodells. Das patentierte 3-Force-System unterstützt die Fixierung des Vorderfußes und sorgt fast schon für Gemütlichkeit in der definiert geformten Zehenbox – ein klares Plus gegenüber dem schmerzverursachenden Diamond. Aber Achtung: Wie bereits erwähnt, sollte diese Info bitte mit etwas Vorsicht behandelt werden.

Das Verhalten:

Der Schuh besitzt eine starke Vorspannung, fällt allerdings allgemein weniger kompakt aus als der Diamond. Das Material des Innenschuhs ist sehr weich, sodass erstmal nichts drückt und man gleich in das jeweilige Kletterprojekt einsteigen kann. Dies führt zwar zu weniger Schmerzen bei längerem Tragen, nimmt dem Schuh aber definitiv die nötige Aggressivität und leider auch etwas an Präzision, wenn es an der Wand kleinteiliger wird. Auch die präzise gearbeitete, nahtlose Ferse sorgt für viel Komfort. Der Ozone lag für unseren Test in Größe 46 1/2 vor (reguläre Schuhgröße ist 45 1/2) und es kann durchaus sein, dass die Schnürung des Diamond hier für das entscheidende Plus an Härte und Passform sorgt. Das Modell des Diamond lag ebenfalls in der Größe 46 1/2 vor. Somit empfiehlt es sich eher, den Ozone in der eigenen Originalschuhgröße anzuschaffen, aber maximal eine halbe Nummer kleiner – unserer Meinung nach für Kletterschuhe etwas ungewöhnlich.

Unser Gesamtfazit:

Der Ozone QC von Rock Pillars ist ein Kletterschuh mit asymmetrischer Grundform und einer radikal geformten Frontpartie, welche den Druck auf die großen Zehen leitet, dabei aber viel Tragegkomfort gewährt. Dank seiner konkaven Vorspannung ist der Schuh weniger für Reibungskletterei geeignet. Die Verarbeitung macht allgemein einen sehr brauchbaren Eindruck und Kleberänder sucht man vergebens. Diese Merkmale, in Verbindung mit der Schnürung des Diamond, wäre die Königsklasse gewesen. Leider fehlt es ihm aufgrund der Passform etwas an Aggressivität und Stabilität. Dennoch bleibt am Ende ein sehr brauchbarer Wegbegleiter für technisch versatile Routen und mittelschwere Boulder.

Die Details:

Besonderheiten: Nahtlose Ferse, 2-Pad-Velcroverschluss, 3-Force Patended System
Einsatzbereich: Bouldern, Sportklettern, Wettkampfklettern
Obermaterial: Microfiber Synthetic Leder mit 1,4 mm
Mittelsohle: Suflex – 3D Fit midsole
Sohle: 4 mm Vibram XS Grip Gummisohle + 1,1 mm SU11 Zwischensohle mit asymetrischem Excentric Leisten und leichter Vorspannung
Gewicht: 395 g
Preis: 109,95 Euro (UVP)

2 Kommentare zu
Testbericht – Rock Pillars Diamond & Ozone QC: Gute Performance aus dem Osten – Kletterschuhe made in Tschechien

  1. Tino kommentierte:

    Ich finde, dass der Ozone hervoragend auf Reibung steht…man muss ihn nur mehr als 3 mal zum Klettern getragen haben…dann sind die Schuhe wie angegossen, erlauben kleinste Tritte wegzustecken und aber auch auf Platten und Reibung zu stehen. Für mich die günstigere und besser verarbeitete Alternative zu den teureren Schuhen in dieser Klasse.

  2. veischu kommentierte:

    Merci Tino für die Info! 🙂
    Gruß Veit vom aF-Team

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