Testbericht – 3-Seasons-Schlafsäcke Wärmstens zu empfehlen – Schlafhüllen mit Synthetikfaser- und Daunenfüllung


 
27.10.14
 

Wer in milderen Jahreszeiten schon einmal unter freiem Himmel übernachtet hat, wird es immer wieder tun. Denn was gibt es schon schöneres als den Anblick des schier endlosen Sternenhimmels, während auf dem Kocher das Abendessen blubbert und die Grillen zum Gutenachtliedchen ansetzen. Doch selbst das schönste Erlebnis findet ein jähes Ende, wenn die darauffolgende Nacht eher zum Albtraum wird und die aufziehende Kühle in die Glieder fährt, weil es an der adäquaten Schutzhülle fehlt – egal ob nun mit Daunenfedern oder synthetischen Fasern gefüttert. Wer nicht klappernde Zähne oder schweißtreibende Hitzewallungen in Kauf nehmen will, sollte sich bei der Wahl des Schlafsacks bereits vorab Gedanken machen. Schließlich soll die romantische Nacht ja möglichst lange im Gedächtnis bleiben. Als ideale Begleiter in puncto Gewicht und Packmaß entpuppen sich die sogenannten 3-Season-Schlafsäcke, die sowohl im Frühjahr, im Sommer als auch in lauen Herbstnächten für einen erholsamen Schlaf sorgen. Wir geben euch ein paar Tipps, worauf ihr beim Kauf achten solltet und stellen euch insgesamt vier Modelle vor, die wir bei den unterschiedlichsten Touren während des eher durchwachsenen Outdoor-Sommers mit dabei hatten.

Darauf sollte man beim Kauf eines Sommerschlafsacks achten

Nicht jeder Schlafsack eignet sich auch für jedes Vorhaben bzw. die geplante Übernachtung im Freien. Angefangen bei den unterschiedlichen Materialien, mit denen die Schlafhüllen befüllt werden, bis hin zu den verschiedenen Temperaturbereichen, die letztendlich abgedeckt werden müssen. So können die Einsatzgebiete von Schlafsäcken in vier grobe Bereiche unterteilt werden: Hüttenschlafsäcke, Sommerschlafsäcke, Winterschlafsäcke und Expeditionsschlafsäcke. Darüber hinaus gibt es zusätzlich noch die sogenannten 3- bzw. 4-Seasons-Schlafsäcke, die gleich mehrere Disziplinen abdecken und das ganze Jahr über zum Einsatz kommen. Während Hüttenschlafsäcke eher aus dünnem Material wie Seide oder Baumwolle gefertigt werden und als Schutzhülle kaum dienen, decken Expeditions-, Winter- oder 4-Seasons-Schlafsäcke zumeist Temperaturbereiche ab, die in unseren Breitengraden kaum noch erreicht werden.

Ein 3-Season-Schlafsack sollte hingegen einen Komfortbereich zwischen 5 bis 10°C aufweisen und Reserven bis -10°C bereithalten, damit es in kühleren Nächten nicht zu bösen Überraschungen kommt. Auch die Länge und die Passform ist entscheidend, denn der Körper kann nur dann mithilfe des Schlafsacks ein wärmendes Microklima entwickeln, wenn weder zu viel noch zu wenig Luft zwischen Material und den Extremitäten vorhanden ist. Liegt er zu eng an, geht die Bauschkraft von Daune oder Synthetikfaser verloren. Ist er zu groß, benötigt der Körper zuviel Energie, um das größere Volumen an Luft aufzuheizen. Auch hinsichtlich der Konstruktion sollte beim Kauf darauf geachtet werden, dass die Kammern gut vernäht sind, keine Kältebrücken (ungehinderter Austausch zwischen kalter und warmer Luft) entstehen und die Füllung darin nicht verklumpen bzw. herumrutschen kann. Zusätzlich hinterlegte Reißverschlüsse verhindern zudem, dass Wärme hier ungehindert entweichen bzw. kalte Luft von außen eindringen kann. Bleibt noch eine möglichst gut gefütterte Kapuze mit einer optimalen Passform am Kopf, denn hierüber verliert der Körper den größten Anteil an Energie und Wärme.

Rab Neutrino Endurance 200 – Daunenschlafsack

Der in Derbshyre (UK) von Hand gefüllte 3-Seasons-Daunenschlafsack von Rab ist der perfekte Begleiter für jedes Abenteuer, bei dem die Temperatur noch nicht in den kritischen Bereich fällt und wo es auf ein möglichst geringes Gewicht ankommt. So ist die warme und recht großzügig geschnittene Schlafhülle sowohl bei Rucksack– und Radtouren als auch bei leichten und schnellen Bergtouren mit dabei – sei es nun im Frühjahr, Sommer oder Herbst. Der Begriff Endurance steht dabei für noch mehr Wärme und Robustheit, auf die es vor allem bei alpinen Aktivitäten ankommt. Dementsprechend ist das Nylon-Außenmaterial aus Pertex® Endurance härter im Nehmen und deutlich wasserbeständiger als die sonst bei Schlafsäcken üblicherweise verwendeten Polyesterstoffe, da es zusätzlich zur DWR-Impägnierung (auf der Außenseite) noch über eine wasserabweisende Beschichtung verfügt und so die Daunenfüllung noch besser schützt.

Der leichtgängige YKK-Haupt-RV ist linksseitig platziert und reicht in etwa bis zur Hälfte des Schlafsacks, wodurch sich der Ein- und Ausstieg gerade in beengten Zelten recht umständlich gestaltet und der Schlafsack auch nicht als Überdecke zum Einsatz kommen kann. Die beiden innen angebrachten Kragen- bzw. Kapuzenkordelzüge sind einhändig bedienbar und schließen gut am Kopf ab, sind aber viel zu lang und stören unnötig beim Schlafen. Eine kleine RV-Innentasche bietet zudem Platz für wichtige Dinge wie die Stirnlampe, die Nachts immer griffbereit sein sollen. Die mit Nikwax Hydrophobic Down PFC-frei imprägnierte, Wasser abweisende Füllung mit europäischer Gänsedaune im 90/10 Mischverhältnis und einer Fillpower von 800 cuin bietet zwar eine komfortable Wärme bis in den unteren Bereich der Plusgrade, verrutscht in den trapezoid geformten Kammern aber unter Umständen und lässt dadurch unangenehme Kältebrücken entstehen. Ausgeglichen wird dieser Makel zumindest ein wenig durch den mitgelieferten Kompressionspacksack mit praktischem Rollverschluss sowie den Baumwollsack zum Aufbewahren bei Nichtbenutzung.

Unser Gesamtfazit: Der 3-Seasonsschlafsack war bei unserem Nepal-Trip, bei einigen Biwaktouren im Sommer und bei herbstlichen Hüttenübernachtungen im Einsatz. Gefroren haben wir nur bei Temperaturen knapp um den Gefrierpunkt. Einzig der Ein- und Ausstieg stört ein wenig und das Verrutschen der Füllung. Ansonsten ist der Daunenschlafsack in puncto Gewicht und Packmaß einfach unschlagbar.

Besonderheiten: kleine Innentasche, robustes und wasserabweisendes Außenmaterial aus Pertex® Endurance, inkl. Aufbewahrungs- und Kompressionssack
Temperaturbereich: Komfort 5°C | Limit: 0 °C | Extrem -16°C
Material: Pertex® Endurance (Außenmaterial), Pertex® Quantum (Innenmaterial)
Füllgewicht: 200 g europäische Gänsedaune mit 800 cuin Bauschkraft und einem Mischverhältnis von 80/20
Maße: 220 cm (Länge) x 70 cm (Schulter), 52 cm (Hüfte) 41 cm (Füße)
Körpergröße:
bis 190 cm
Schnitt:
Mumienform
Gewicht: 685 g
Preis: 289,- Euro (UVP)

Ajungilak (Mammut) Sphere UL Spring – Daunenschlafsack

das „Ultralight Sleeping System“ aus dem Hause Mammut ist äußerst leicht und lässt sich auf ein kompaktes Packmaß komprimieren. dadurch eignet er sich optimal für Mehrtages- oder Trekkingtouren sowie Bergwanderungen und Reisen, bei denen es in erster Linie aufs Gewicht ankommt. Mit einem Komfortbereich von 4°C und einer Extremtemperatur von -17°C bietet er ausreichend Puffer für Übernachtungen im Freien von Frühling bis in die spätherbstlichen Monate hinein. Selbst wenn es draußen etwas klamm wird, sorgen das Aussengewebe aus prolightTX™ Material sowie die DWR-Imprägnierung für den nötigen Schutz vor Wind und Wetter. Lediglich in puncto Robustheit lässt das doch recht dünnwandige Material etwas zu Wünschen übrig.

Punkten kann das Leichtgewicht aber in erster Linie durch seine deftige Füllung aus weißen Gänsedaunen, die wunderbar warm hält und dank der wellenförmig angeordneten Kammern nicht verrutscht. Dadurch können Kältebrücken gar nicht erst entstehen. Doch wo viel Gefieder drinsteckt, da will auch viel wieder raus. So lässt der Daunenschlafsack zu jeder Gelegenheit gerne Federn, zu viele für unseren Geschmack. Auch einen gefütterten Wärmekragen sucht man vergebens, wobei dieser bei Sommerschlafsäcken zumeist eh überflüssig sein dürfte. Dafür lässt sich die Kapuze schnell und einfach zuziehen, deren Kordeln auch nicht beim Schlafen stören. Lediglich die Performance Hood mit Advanced Visibility kann nicht zu 100% halten, was sie vom Namen her verspricht und bietet nicht die beste Passform – dafür aber ausreichend Luft.

Unser Gesamtfazit: Auch dieser 3-Seasonsschlafsack war bei unserem Nepal-Trip und diversen anderen Bergtouren mit dabei. Die Daunen sind mollig warm und bietet besten Komfort, bis auf das lästige Federnlassen. Auch die Außenhaut könnte robuster ausfallen. Aber ansonsten ist die Schutzhülle was das Verhältnis von Wärmeleitung zu Packmaß und Gewicht angeht ein absoluter Geheimtipp für Lightweight-Fans.

Besonderheiten: DWR-Imprägnierung, ergonomisch geformte Kapuze, wellenförmige Kammern, inkl. Kompressionssack
Temperaturbereich:
Komfort 4°C | Limit: -1 °C | Extrem -17°C
Material: prolightTX 15D (Außenmaterial), lightTX 20D (Innenmaterial)
Füllgewicht: 260 g weiße Gänsedaunen mit 850 cuin Bauschkraft, 95/5 Daunen- und Federn-Mischung
Maße: 180/190 cm (Länge) x 70 cm (Schulter), 60 cm (Hüfte) 42 cm (Füße)
Packmaß:
14 x 19 cm
Körpergröße:
180 bis 195 cm
Schnitt:
Mumienform
Gewicht: 550 g
Preis: 349,95 Euro (UVP)

Yeti V.I.B. 400 – Daunenschlafsack

Für die Wärmeleistung des 3-Season-Schlafsacks ist der V.I.B. 400 von Yeti ein wahres Leichgewicht und bringt gerade einmal 830 g auf die Waage. Für die nötige Isolation sorgen 400 Gramm bester europäischer Daune mit einer Bauschkraft von mindesten 800 cuin und einem Mischungsverhältnis von Daune zu Feder von 95/5, die komplett in Europa verarbeitet werden. Um ein Maximum an Wärme gewährleisten und Kältebrücken effektiv verhindern zu können, ist die Füllung in einer S-Kammer Konstruktion angeordnet. Der 3-D Wärmekragen und die ebenfalls großzügig befüllte Kapuze verhindern noch zusätzlich, dass das Microklima in jeder Schlafposition erhalten bleibt und der Körper nicht auskühlt.

Im Einsatz war der V.I.B. 400 bei Temperaturen leicht oberhalb des Komfortbereichs, wobei der Schlafsack durch seine enorme Isolationsleistung auf sich aufmerksam machen konnte. Damit ist er der wärmste, aber zugleich auch schwerste Daunenkandidat in unserem Test. Das Außenmaterial lässt für unseren Geschmack leider etwas an Robustheit vermissen und auch das Innenmaterial fühlt sich bei steigenden Temperaturen unangenehm klebrig auf der Haut an. Dafür überzeugt die Passform und der leichte Einstieg über den bis zu den Knöcheln aufzippbaren Haupt-RV. Praktisch ist auch der mitgelieferte Aufbewahrungssack, um die Schlafhülle nach der Nutzung gut auslüften lassen und so die Bauschkraft der Daunen erhalten zu können.

Unser Gesamtfazit: Der V.I.B. 400 ist der mit Abstand teuerste 3-Season-Schlafsack im Test und bietet dementspechend auch die meisten Reserven bei kälteren Temperaturen. In puncto Packmaß kommt er zwar nicht an die beiden Schlafhüllen von Mammut und Rab heran, kann dafür aber durchaus auch im Winter zum Einsatz kommen. Dadurch ist er im oberen Temperaturbereich etwas zu warm und klebt aufgrund mangelnder Atmungsaktivität in lauen Hebrstnächten unangenehm an der Haut.

Besonderheiten: Innentasche, 3-D Wärmekragen, S-Kammer Konstruktion, inkl. Aufbewahrungs- und Kompressionssack
Temperaturbereich:
Komfort 2°C | Limit: -3 °C | Extrem -19°C
Material: SupCell (Außenmaterial), UltraCell (Innenmaterial)
Füllgewicht: 400 g Crystal Down / europäische Daune mit 800+ cuin Bauschkraft, 95/5 Mischverhältnis aus Daune/Feder
Maße (M-XL): 210/228/240 cm (Länge) x 77/80/80 cm (Schulter), 50/56/56 cm (Hüfte)
Packmaß:
15 x 15 x 30 cm
Körpergröße:
180 bis 195 cm
Schnitt:
Mumienform
Gewicht (M-XL): 730 g / 830 g / 870 g
Preis: 449,95 Euro (UVP)

Nordisk Bering -3° – Synthetikschlafsack

Nach dem dänischen Seefahrer Vitus Jonassen Bering bennant, der als erster Europäer das kalte Alaska und die Aleuten entdeckte, zählt der Bering -3° zu den aktuell wohl technischsten Kunstfaserschlafsäcken am Markt. Laut Hersteller bietet die Schlafhülle dank Off-Set Schichtaufbau ohne Kältebrücken und Thermo Dry Soft-Shell Füllung eines der besten Gewichts- und Temperaturverhältnisse der Welt. Zusätzliche Isolation bietet zudem das Außenmaterial aus revolutionärem Black Yarn Gewebe, das obendrein auch noch für eine optimale Feuchtigkeitsregulierung sorgt. Abgerundet wird das funktionale Paket noch durch einen Wärmekragen, ein reflektierendes Zipperband und einen wasserdichten 2-in-1 Kompressionssack, der über ein praktisches Entlüftungsventil verfügt.

Wir hatten den Kunstfaserschlafsack bei Temperaturen im Komfortbereich im Einsatz und waren überrascht über die ausgezeichnete Atmungsaktivität, wodurch feucht-klamme Nächte selbst bei steigenden Temperaturen passé sind und die Innenseiten des Schlafsacks nicht unangenehm an der Haut kleben. Die Passform des Bering fällt zudem  angenehm körperbetont, aber nicht zu eng aus. Auch der Einstieg über den bis auf Knöchelhöhe aufzippbaren und leichtläufigen Haupt-RV erfolgt problemlos. Alles in allem ein Allrounder, der zurecht diverse Outdoor-Preise für sein funktionales Konzept abgesahnt hat.

Unser Gesamtfazit: Der Bering -3° ist ein idealer Begleiter für Unternehmungen, bei denen es nicht allzu sehr aufs Gewicht ankommt und bei denen Daunenschlafsäcke aufgrund schwieriger Witterungsverhältnisse an ihre Grenzen stoßen. Einziges Manko ist das Packmaß, das zwar für einen Kuntsfasermodell enorm klein ausfällt, aber längst nicht an jenes der gefiederten Modelle heranreicht.

Besonderheiten: 2-lagige-Doppelkammerkonstruktion (nahtversetzt), reflektierender Reißverschluss mit Abdeckleiste, Wärmekragen, floureszierende Kordelzüge, Kompressionssack mit Entlüftungsventil
Temperaturbereich: Komfort 5°C | Limit: -3 °C | Extrem -15°C
Material: Black Yarn Technologie mit Karbon-Nylon Mischgewebe (Außenmaterial), Soft Nylon (Innenmaterial)
Füllgewicht: 714-882 g Thermo Dry Kunstfaserisolierung
Maße (M-XL): 185/195/205 cm (Länge) x 78/81/87 cm (Schulter), 50/52/55 cm (Hüfte)
Packmaß:  24 x 33 cm / 24 x 35 cm (Größe XL)
Körpergröße: 175 bis 205 cm
Schnitt: Performance-Mumienform
Gewicht (M-XL): 1200 g / 1325 g / 1550 gPreis: 249,95 Euro (UVP)

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