Interview – Kitzbühel Hahnenkamm-Rennen 2020 Helly Hansen vertieft die Kooperation mit dem Kitzbüheler Ski Club


 
16.01.20
 

Seit 2018 ist Helly Hansen offizieller Outdoor Clothing Partner des legendären Hahnenkamm-Rennens. Nun bauen die Skandinavier ihre Zusammenarbeit weiter aus: Neben drei internationalen Worldcup Teams (Kanada, Schweden und Finnand) stattet der Norwegische Bekleidungshersteller zum 80. Jubiläum des World Cup Skirennens 2020 alle der rund 300 Mitarbeiter des OK-Komitees mit funktionaler Bekleidung aus. Laut K.S.C. Präsident und HKR OK-Vorsitzendem Dr. Michael Huber „existiert kaum ein besseres Gelände für den absoluten Härtetest der Outdoorbekleidung von Helly Hansen als die Streif“. Und sieht vor allem in einem Punkt die größte Gemeinsamkeit: „Uns geht es nicht ums Geld, uns geht es darum die Besten zu sein“. Mit einem davon haben wir nun über die Entwicklung des vielleicht gefährlichsten Skirennens der Welt gesprochen und Jan Überall, Generalsekretär des Kitzbüheler Ski Clubs, zur Arbeit auf der Streif und über die einzigartige Kooperation mit Helly Hansen befragt.

© Helly Hansen

Interview mit Jan Überall (Generalsekretär Kitzbüheler Ski Club) über die aktuelle Kooperation mit Helly Hansen:

Das Hahnenkammrennen gilt als eines der gefährlichsten Skirennen der Welt. Zählen die Aufgaben der HKR Pistenteams beim Präparieren der Skipiste auch zu den gefährlichsten Jobs im Wintersport?

Wir wehren uns eigentlich grundsätzlich gegen die allgemein gültige Meinung, dass die Streif eines der gefährlichsten Rennen der Welt ist. Was uns so einzigartig macht, ist das Gesamtpaket. Der Job des Pistenpräparators ist natürlich nicht ganz ungefährlich, das stimmt. Denn es handelt sich um ein extrem steiles Gelände. Sogar das Bundesheer sieht in unserer Piste ein ideales Übungsgelände für seine Soldaten, um das Gehen mit Steigeisen zu trainieren. Aber jeder Einzelne in unserem Team ist schon seit Jahren aktiv am Berg, kennt jede Gegebenheit vor Ort und durchläuft unzählige Schulungen. Dadurch halten sich die Gefahren zwar in Grenzen. Aber passieren kann natürlich jederzeit etwas, das lässt sich kaum vermeiden.

Wie darf man sich die wichtige Aufgabe des HKR Pistenteams vorstellen? Und was ist dran daran, dass die Streif ganze 365 Tage im Jahr vorbereitet wird!?

Die Rennstrecke befindet sich sozusagen das ganze Jahr über in „Bewirtschaftung“. Hierfür ist unser KSC Bergteam zuständig, deren Aufgaben vom leitenden Pistenchef in Abstimmung mit dem Rennleiter koordiniert werden. Die Tätigkeiten erstrecken sich dabei von banalen Dingen wie dem Abmähen der Flächen im Sommer über das Installieren der Fangnetze im Herbst bis hin zur Erstellung von Lawinenverbauungen. Damit der Schnee im steilen Gelände überhaupt liegen bleibt, sind stellenweise natürlich auch Geländekorrekturen notwendig. Schnee, den es jedes Jahr braucht, um die Strecke entsprechend modellieren und auf möglichst gleichem Niveau halten zu können, wie es die Athleten aus dem Vorjahr gewohnt sind.

Die größte Herausforderung besteht aber eigentlich darin, die Piste manuell zu präparieren, da die Pistenraupen im steilen Gelände mit Steigungen von bis zu 85% einerseits nicht mehr arbeiten können. Und andererseits die Gefahr eines Durchbrechens der Piste viel zu groß ist.

Simuliert das OK-Team selbst mögliche Skiunfälle, um kritische Gefahrenstellen gezielt zu entschärfen?

Auch die Sicherheitseinrichtungen entlang der Strecke haben sich extrem verändert. Früher war da rein gar nichts. Später ist der Staketen-Zaun dazu gekommen und die kritischen Stellen wurden mit Strohballen abgesichert. Die sind allerdings erst nass geworden und dann knüppelhart gefroren. Dementsprechend war die Wirkung eher kontraproduktiv. Später kamen dann die ersten A-Netze, bei denen natürlich Tests durchgeführt wurden, wie diese bei einem Sturz reagieren. Die von uns heutzutage ganz bewusst gesetzten B-Netze zählen zu den modernsten Sicherheitsanlagen überhaupt.

Richtige Tests was die Rennstrecke selbst betrifft, haben wir eigentlich keine. Da setzen wir vor allem auf unsere jahrelange Erfahrung. Gemeinsam mit dem FIS Renndirekter für Speed wird vorab ein Sicherheitsreport erstellt, der alle Maßnahmen berücksichtigt, die im Rennverlauf maximale Sicherheit gewährleisten. Das ist ein jahrelanger Wachstumsprozess aus Theorie und Praxiserfahrung.

Wie geht man mit dem Druck um, eine gefährliche Strecke für das Publikum möglichst attraktiv zu halten, aber zugleich die Sicherheit der Athleten zu bewahren? 

Druck besteht eigentlich nicht wirklich, da wir ja stets bemüht sind, die Rennstrecke so sicher wie möglich zu machen. Dass wir die Piste dahingehend gezielt schwieriger gestalten würden oder gar künstlich verschärfen, kann ich definitiv nicht unterschreiben. Das ist totaler Blödsinn. Denn im Grunde genommen gibt das natürliche Gelände die Schwierigkeiten vor und macht die Streif genau zu dem, was sie ist.

Seit 1931 werden die berühmten Hahnenkamm-Rennen ausgetragen und vom Kitzbüheler Ski Club (K.S.C.) veranstaltet. Was hat sich seitdem grundlegend verändert?

Seit der ersten Ausrichtung der Streif hat sich vieles verändert. Das fängt bei der Nutzung von Maschinen zur Präparation der Skipiste an und hört bei der Verwendung von Kunstschnee noch längst nicht auf. Während bspw. früher häufig die grüne Wiese im Verlauf des Rennens zum Vorschein kam, muss heutzutage eine durchgehend kompakte Auflage in Höhe der obligatorischen Bohrerlänge vorhanden sein. Früher war häufig das Bundesheer mit der Präparation der Pisten betraut. Heute sind die Soldaten nur noch unterstützend für gut eine Woche vor Ort oder helfen uns in Extremsituationen, wenn bspw. wie im Winter 2018 große Mengen Schnee abtransportiert werden müssen.

Arbeitet ihr seit jeher mit alt bewährten Werkzeugen oder greift ihr auch auf neue Technologien zurück?

Die Grundpräparation wird hauptsächlich mithilfe von Pistenraupen erledigt. Zu den wichtigsten Werkzeugen der Präparateure selbst zählen seit jeher Steigeisen, Schaufel und Ski. Denn gerade in den Steilstücken wird ein Zuviel an Schnee ganz einfach abgerutscht, um den Überschuss dann in tieferen Lagen mithilfe von Schneefräsen und Kippladern abzutransportieren. In Flachstücken kommen dann speziell ausgerüstete Quads mit Schneepflug zum Einsatz.

Stellt Kunstschnee eine neue Herausforderung für das Präparieren der Piste dar oder hat sich im Gegensatz zu früheren Jahren nicht viel geändert?

Kunstschnee bietet sogar weitaus mehr Möglichkeiten für eine korrekt präparierte Piste als reiner Naturschnee. Derzeit nutzen wir für die Präparation der Rennstrecke noch kein Snow-Farming. Wir haben aber mit der Bergbahn AG Kitzbühel einen starken Partner an der Seite, der die gesamte Grundpräparation der Streif und die Beschneiung in schneearmen Wintern sicherstellt.

Helly Hansen ist bis 2022 offizieller Outdoor Clothing Partner der Hahnenkamm-Rennen. Welche Vorteile bieten sich vor allem für ein Mitglied des Organisationskomitees dadurch?

Der größte Vorteil besteht darin, dass sich jedes unserer Mitglieder das eigene Outfit ganz individuell zusammenstellen kann. Denn während der eine schneller friert, braucht der andere vielleicht deutlich weniger Isolierschichten. Hinzu kommt, dass wir für jedes Wetter entsprechende Bekleidung zur Verfügung gestellt bekommen, die vor allem durch wirklich gute Qualität, optimale Verarbeitung und – ganz wichtig – maximale Robustheit überzeugt.

Gebt ihr wertvolles Feedback über das zur Verfügung gestellte Outfit an die Entwickler von Helly Hansen weiter?

Absolut, schließlich ist Helly Hansen selbst sehr daran interesiert, dass wir unsere Erfahrungen aktiv mit einbringen. Und ich bin überzeugt davon, dass unser Feddback auch angenommen und für die Weiterentwicklung der eigenen Kollektionen berücksichtigt wird.

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