Die Skitourensaison rückt näher! Die 10 Empfehlungen des Alpenvereins sollen zu einem sicheren Vergnügen abseits der Pisten beitragen (Foto: ÖAV/M. Larcher).

Winter – Österreichischer Alpenverein (OeAV) Sicher auf Skitour – wertvolle Tipps zum Saisonstart


 
13.12.14
 

Mit dem ersten Schnee starten auch die ersten Wintersportler wieder in den Skitourenwinter. Einsame Gipfel und unberührte Tiefschneehänge locken Jahr für Jahr immer mehr Menschen ins Hinterland, um abseits von befestigten Skipisten und überfüllten Liftanlagen ihrer Leidenschaft nachzugehen. Desto weiter sich die Frischluftfans jedoch ins Backcountry begeben, umso höher steigt auch die Gefahr für Lawinen und andere Risiken. Wie Tourengeher diesen im freien Gelände aus dem Weg oder diese zumindest verringern können – insbesondere das Risiko, von einer Lawine erfasst zu werden – darüber informiert der Österreichische Alpenverein (OeAV) und gibt in diesem Zusammenhang wertvolle Tipps für eine optimale Vorbereitung der nächsten Skitour.

Optimal vorbereitet in die neue Skitourensaison

Um jederzeit losstarten zu können, sollte man sich immer entsprechend auf die Tourensaison vorbereiten. Sind die Ski bzw. das Splitboard gewachst, abgezogen und die Kanten geschliffen? Ist das LVS-Gerät mit frischen Batterien ausgestattet und die Bindung optimal an die neuen Skischuhe angepasst? Und ist der Körper überhaupt schon bereit für die anstehende Belastung oder braucht er noch ein paar Trainingseinheiten? „Auch wer in der Sommersaison viel unterwegs war, wird merken, dass das Skifahren die Muskulatur ganz anders beansprucht – besonders die Bein- und Rumpfmuskulatur ist dabei besonders stark gefordert. Durch ein gezieltes Aufbau- und Konditionstraining vor dem Saisonstart lässt sich die Verletzungsgefahr zumindest reduzieren“, gibt Michael Larcher, Bergführer und Sicherheits-Experte im Alpenverein, seine persönliche Empfehlung ab.

Tipps und Empfehlungen für mehr Sicherheit im freien Gelände

Vorbereitung ist alles – auch, was die Wahl des Tourenziels angeht. „Mit der richtigen Tourenplanung fängt es an. Im Grund genommen sollte es eine Selbstverständlichkeit dass, dass jeder Tourengeher sich über die aktuelle Lawinensituation vor Ort informiert, den Lawinenlagebericht liest und das Tourenziel den jeweiligen Verhältnissen anpasst – egal ob für eine Ski-, Schneeschuh- oder Winterwandertour. Gerade bei „erheblicher Lawinengefahr“ (Lawinenwarnstufe 3) ist Zurückhaltung geboten, denn hier passieren die meisten Unfälle“, betont Michael Larcher und fügt hinzu: „Auch der Umgang mit der Notfallausrüstung will gelernt sein – nur wer darin geübt ist, kann im Ernstfall auch wirklich Leben retten“. Dementsprechend sind LVS-Gerät, Lawinenschaufel und Sonde unverzichtbare Ausrüstungsgegenstände für all jene, die den gesicherten Skiraum verlassen und für alle Fälle gewappnet sein wollen.

LVS-Geräte und Lawinen-Airbags

Sehr klar äußert sich Michael Larcher zu den Lawinenverschüttetensuchgeräten (LVS): „Im Alpenverein empfehlen wir LVS-Geräte mit 3-Antennen-Technologie. Diese erleichtern den Suchvorgang enorm und im Ernstfall ist die beste Technik gerade gut genug“. Zum Thema Notfallausrüstung zitiert Larcher auch die neuesten Studienergebnisse des renommierten Schweizer Lawinenforschungsinstituts in Davos: „Von Lawinen erfasste Personen mit aufgeblasenem Lawinenairbag haben eine deutlich höhere Überlebenschance als Personen ohne Lawinen-Airbag“. Dennoch sind diese dadurch noch längst nicht als Lebensversicherung anzusehen und sollten dementsprechend auch nicht dazu verleiten, die generelle Risikobereitschaft des Tourengehers zu erhöhen.

10 Tipps für sicheren Tiefschneespaß im Backcountry:

Lawinen werden auch in dieser Wintersaison wieder ein Thema sein, ganz unabhängig von den Schneemengen. „Einem gewissen Risiko sind Tourengeher immer ausgesetzt, dessen sollten sie sich bewusst sein. Viele Gefahrensituationen können aber durch einfache Faustregeln erkannt und vermieden werden“, so der Alpenvereins-Experte. Die nachfolgenden 10 Empfehlungen des Alpenvereins fassen das Wesentliche zusammen. Diese sind samt Checkliste für den Lawinennotfall auch in Form eines kompakten Cardfolders für unterwegs direkt bei den Alpenvereinssektionen oder im Alpenvereins-Shop erhältlich. Und wer sein Wissen lieber noch einmal auffrischen will, dem sei der Besuch eines Skitouren- oder Lawinenkurses zu empfehlen. Diese werden sowohl in der Alpenverein-Akademie des OeAV als auch in den jeweiligen deutschen wie auch österreichischen Alpenvereinssektionen angeboten.

1) Gesund in die Berge:
Skitouren sind Ausdauersport. Die wertvollen Belastungsreize für Herz und Kreislauf setzen Gesundheit und eine gute Selbsteinschätzung voraus. Zeitdruck ist zu vermeiden und das Tempo sollte so gewählt werden, dass niemand in der Gruppe außer Atem kommt. Auch die nötigen Kraftreserven für die Abfahrt sollten nach dem Aufstieg vorhanden sein.

2) Sorgfältige Planung:
Kartenmaterial, Führerliteratur, Internet und Experten informieren über die Länge der Tour, Höhendifferenz, Schwierigkeit und die aktuellen Verhältnisse. Besondere Beachtung verdient aber der Wetter- und der aktuelle Lawinenlagebericht. Diese geben wichtige Informationen über die zu erwartende Situation vor Ort. Zum Beispiel steigt bei starkem Wind und schlechter Sicht das Unfallrisiko exponential an.

3) Lawinenlagebericht studieren:
Vor Antritt der Tour sollte sich jeder eingehend über die aktuelle Gefahrenstufe (Europäische Gefahrenskala für Lawinen in 5 Stufen) informieren. Dabei ist besonders auf die Angaben zu den Gefahrenstellen (Wo ist es heute gefährlich?) und den Gefahrenquellen (Was ist heute die Hauptgefahr?) zu achten. Denn nicht nur der Wind gilt als der beste Baumeister von Lawinen, auch der generelle Aufbau der einzelnen Schneedecken und viele weitere Details spielen bei der Beurteilung der Gesamtsituation eine gewichtige Rolle.

4) Vollständige Ausrüstung:
Die Ausrüstung muss unbedingt den winterlichen Verhältnissen angepasst und das Rucksackgewicht möglichst gering gehalten werden. Für den Lawinen-Notfall sind LVS-Gerät, Schaufel und Sonde wie auch das Erste-Hilfe-Paket, Biwaksack und Mobiltelefon absolute Pflicht. Ein Lawinenairbag-System erhöht zudem die Überlebenschancen.

5) Regelmäßige Trinkpausen:
Flüssigkeit, Energie und Pausen sind genauso notwendig wie die nötige Krafteinteilung, um Leistungsfähigkeit und Konzentration aufrecht zu halten. Heiße oder isotonische Getränke sind ideale Durstlöscher und Wärmespender. Leicht Verdauliches wie Müsliriegel, Trockenobst und Kekse stillen den kleinen Hunger unterwegs.

6) Lawinenrisiko abwägen:
Beim Erkennen der Lawinengefahr sind dem Menschen enge Grenzen gesetzt. Dementsprechend sollten die Entscheidungen daher auf Basis strategischer Methoden der Risikoeinschätzung zu fällen. Vor allem das Erkennen von Gefahrenzeichen im Gelände muss fortlaufend geübt und gefestigt werden.

7) Abstände einhalten:
Entlastungsabstände von 10 m beim Aufstieg in Steilhängen (≥ 30°) reduzieren die Belastung auf die Schneedecke und steigern den Komfort bei Spitzkehren. Auch bei der Abfahrt sollten grundsätzlich Abstände von mindestens 30 m eingehalten und sollten sehr steile Hänge (≥ 35 °) immer nur einzeln befahren werden.

8) Stürze vermeiden:
Stürze bei der Abfahrt sind die häufigste Ursache für Unfälle bei Skitouren. Für die Schneedecke bedeuten sie zudem eine große Zusatzbelastung, wodurch das Risiko von Lawinenabgängen deutlich erhöht wird. Gute Skitechnik und eine dem Können angepasste Geschwindigkeit reduzieren das Sturzrisiko. Ein Skihelm kann zudem effektiv vor schweren Kopfverletzungen schützen.

9) Kleine Gruppen:
Kleinere Gruppen ermöglichen die gegenseitige Hilfe und verringern zudem das Risiko, Lawinen durch große Zusatzbelastungen auszulösen. Generell gilt: Immer in der Gruppe zusammen bleiben und keine Einzelausflüge in ungespurte Hänge unternehmen. Achtung Alleingänger: Bereits kleinste Zwischenfälle können in winterlicher Landschaft zu ernsten Notlagen führen. Daher immer vertraute Personen vor dem Antritt einer geplanten Skitour über deren Ziel, die Route und den in etwa anvisierten Zeitpunkt der Rückkehr informieren.

10) Respekt vor der Natur:
Keine Abfälle zurücklassen, Lärm vermeiden, Aufforstungsflächen nicht betreten, Schutz- und Sperrgebiete respektieren. Besondere Rücksicht gilt bei jeder Tour auch gegenüber den Wildtieren. Für die Anreise empfiehlt es sich, Fahrgemeinschaften zu bilden oder bevorzugt öffentliche Verkehrsmittel zu nutzen, um die Umwelt und Ressourcen zu schonen.

Weiterführende Links:

Quelle: Österreichischer Alpenverein (OeAV)

Ein Kommentar zu
Winter – Österreichischer Alpenverein (OeAV): Sicher auf Skitour – wertvolle Tipps zum Saisonstart

  1. Alex kommentierte:

    Gesundheit und ausreichende Fitness empfinde ich auch als einen der wichtigsten Punkte vor dem Skitouren Saisonstart. Habe auch schon die Erfahrung gemacht, dass sich die eigene Fahrtechnik durch zuwenig Ausdauer verschlechtert und somit das Sturzrisiko im Back-Country erhöht. Ich finde mit einer guten Fitness schlägt man auf der Skitour somit mehrere Fliegen mit einer Klappe.

    VG Alex

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