Ziele – LeogangSaalfelden, Salzburger Saalachtal & Pillerseetal Kletterregion Steinberge – ein verkanntes Eldorado im Salzburger Land


 
31.05.17
 

Was soll man machen, wenn gleich drei Tourismusverbände gemeinsam dazu einladen, beim „Schnupperklettern“ die gesamte Region rund um die Steinberge im Salzburger Land und in Tirol zu entdecken? Getreu dem Motto: „The mountains are calling so I must go“ darf man solch eine Gelegenheit natürlich nicht ungenutzt verstreichen lassen. Das Ergebnis sind drei erlebnisreiche Tage, an denen Veit vom aF-Team mal so richtig abgehangen hat. Aber nicht wie so mancher Hotelgast im Spa-Bereich des Salzburger Hofs oder etwa in der Gondel, sondern an diversen Kletterwänden in der Halle und draußen am Fels oder im Neoprenanzug in einer tosenden Teufelsklamm. Diese sind Teil eines Gesamtangebots von insgesamt 1.000 Sportkletterrouten, 12 Klettersteigen, 5 Bouldergebieten, 6 Hoch- und Niederseilgärten sowie 5 Kletterhallen. Wieso eine weiße Gams und ein Drahtseilakt bei einigen seiner Begleiter doch Spuren hinterlassen sollten, erfahrt ihr in seinem Reisebericht.

Entspannt anreisen und entspannt bleiben dank ÖBB

Die Einladung von Irene Walser (Textwerkstatt) fiel persönlich und äußerst verlockend aus, schließlich war die Region rund um Leogang und Lofer bis dato noch ein blinder Fleck auf der eigenen Landkarte. Bis zum Kaisergebirge hat es vermutlich jeder schon einmal geschafft oder ist zumindest spätestens irgendwo am Achensee bzw. in Kufstein hängengeblieben. Wer noch eine knappe dreiviertel Stunde oben drauf packt, landet eingebettet zwischen dem Tiroler Pillerseetal in den Kitzbüheler Alpen und dem Salzburger Saalachtal in einem der schönsten Teile der nördlichen Kalkalpen. Von der bayerischen Metropole bis in die Steinberge dauert es gerade einmal knapp zwei Stunden mit dem Auto. Noch bequemer und vor allem entspannter reist es sich mit der Bahn an. Per ÖBB-Eurocity geht’s innerhalb von etwas mehr als einer Stunde von München bis nach Wörgl in Tirol und von dort aus dann mit der „Bimmelbahn“ weiter nach Leogang-Saalfelden im Pinzgau – oder wo auch immer man sein Hotel in der Gegend beziehen mag.

Für mich sollte es bei dieser Stippvisite das Aktivhotel Salzburger Hof in Leogang-Saalfelden sein, das am Fuße der Asitz-Gondel vor allem unter Downhill-Bikern und Enduro-Racern äußerst beliebt ist. Schließlich lockt direkt vor der Haustüre ein Bikepark mit allen Schikanen. Wer es generell etwas gehobener mag, ist in der modern eingerichteten 4-Sterne-Unterkunft bestens aufgehoben. Neben gleich zwei Spa- und Wellness-Bereichen können anspruchsvolle Frischluftfreunde auch noch einen Boulder- bzw. Fitnessraum sowie eine hauseigene Kletterwand sowie ein rund 20 Meter großes Außenbecken zum Schwimmen nutzen. Hinzu kommt noch ein täglich wechselndes Angebot geführter Wandertouren, ein Leih- und Testservice für Sonnenbrillen von adidas eyewear sowie ein griechischer Küchenchef, der am morgendlichen Buffet selbst für die grimmigsten Frühaufsteher immer noch ein Lächeln parat hat. Oder um es kurz zu machen: eine Wohlfühloase durch und durch mit Blick auf die Berge.

Felsenfest überzeugt – wer klettern will, braucht starke Nerven.

Bergsportler wie ich halten sich ja eher weniger in Hotelzimmern auf und verbringen die meiste Zeit bei Aktivitäten unter freiem Himmel. Viel Zeit zum „Rumhängen“ blieb aber eh nicht, da uns „Bernies Taxi“ direkt zur Kletterhalle „Felsenfest“ manövrierte. Österreichs einst größter Indoor-Kletterhalle wurde zwar inzwischen durch das neueröffnete Kletterzentrum Innsbruck der Rang abgelaufen, dafür bietet wohl kaum ein anderer „Vertical Gym“ solch eine Auswahl an Routen bei einem Ausblick auf die Salzburger Bergwelt, der selbst die Hartgesottensten ins Schwärmen geraten lässt. Geschäftsführer Georg Kysela höchstpersönlich führte uns durch seine heilige Halle und predigte die üblichen Do’s & Dont’s des Kletterns herunter: „Arme lang und möglichst aus den Beinen steigen, damit ihre Kraft spart und länger durchhalten könnt“. Gesetzmäßigkeiten, die erst einmal gelernt sein wollen und nicht jedem von Anfang an leicht fallen. Vor allem das Vertrauen in den am anderen Seilende stehenden Kletterpartner muss aufgebracht werden, schließlich hängt das eigene Leben von ihm ab. Selbst die kleinste Unachtsamkeit kann hier bereits schwerwiegende Folgen haben.

Wie schnell es mit dem Spaß vorbei sein kann, zeigen uns am Abend die beiden Vollblut-Klettersportler Dani und Georg Oberlechner von Mountain Mystics an der hauseigenen Kletterwand des Aktivhotels beim „Sundowner-Gekraxel“. Unter erschwerten Bedingungen lassen sie uns wahlweise mit verbundenen Augen, zusätzlicher Sichtsperre in Form eines auf den Bauch geschnallten Rucksacks oder mit aneinander geknebelten Beinen nach oben steigen. Der Abflug ist da quasi vorprogrammiert. Gerade jetzt muss sich jeder auf seinen Seilpartner zu 100% verlassen können, denn selbst der beste Vollautomat kann beim Sichern die Aufmerksamkeit des Kletterpartners nicht ersetzen. Eine völlig neue Erfahrung – nicht nur für alle Sinne, sondern vor allem für die eigene Klettertechnik. Sieht alles total easy aus, wer aber schon einmal mit verbundenen Augen eine Felswand nach oben gekraxelt ist, weiß wie komisch sich das anfühlt. Als Belohnung gab es im Anschluss danach die nötige Nervennahrung in dreifacher Ausführung. Der griechische Restaurantchef kann scheinbar nicht nur herrlich grinsen, sondern obendrein auch noch kochen oder zumindest seine Mannschaft zu Höchstleistungen anhalten. Es schmeckt einfach vorzüglich.

Das Salzburger Land und die Kitzbüheler Alpen haben bei Klettersportlern definitiv einen Stein in der Platte.

Die Steinplatte liegt sprichwörtlich nur einen Steinwurf von Leogang, Saalfelden und Lofer entfernt oberhalb des Pillerseetals. Was vielen eher als Skigebiet bekannt sein dürfte, ist in den Sommermonaten das reinste Mekka für Klettersportler. Insbesondere der sogenannte „Wintergarten“ bietet unendliche Möglichkeiten, um sowohl Sportkletterrouten als auch Mehrseillängen abzuspulen. Allein der sich bietende Ausblick auf die Loferer Steinberge und den Wilden Kaiser lassen das Herz eines jeden Fingerakrobaten höher schlagen. Über sagenhafte 7km erstreckt sich die gigantische Kletterwand unterhalb des Gipfels der Steinplatte und wird an besonders sonnigen Tagen selbst im Winter heimgesucht. Zugegeben, dagegen ist Torbolé am Gardasee fast schon der reinste Kindergarten. Nur mit dem Vorteil, dass die Tritte und Routen hier noch nicht so unendlich speckig sind und man beim Klettern tatsächlich noch seine Ruhe hat. Von Geheimtipp will ich aber lieber nicht sprechen, denn dank der Gondel finden auch weniger zustiegsfreudige Frischluftfreunde den Weg an den Wandfuß.

Wer sich nicht sicher ist, ob einem das Klettern am Fels auch wirklich liegt, sollte sich einen der ziemlich lässigen Johnnies von den Kitzbüheler Bergführern an die Seite holen. Sympathische Kerle wie Reini Percht, der uns mit Rat und Tat zur Seite stand. Ich selbst durfte ihn bereits bei einem Gletscherkurs am Taschachhaus im Ötztal kennenlernen und würde selbst meine eigene Mutter jederzeit ohne Bedenken in seine Obhut geben. Er ist witzig, verliert nie den Ernst der Sache aus den Augen und besitzt die wunderbare Gabe des dehnbaren Geduldfadens. Und den braucht es mitunter, wenn man als Seilpartner den Vorsteigenden sichern muss und dieser die Schlüsselstelle partout nicht zu meistern weiß. In der Wand zurückgelassen wird am Ende aber niemand. Von ganz oben und den unendlichen Weiten der Tiroler Berge geht es im Anschluss sprichwörtlich in die enge Teufelsklamm von St. Ulrich am Pillersee. Hier wartet bereits unser Guide Rob von der FunConnection auf uns, um uns – in noch engere Neoprenanzüge gepresst – sprichwörtlich durch die Hölle zu schicken: Abseilen von einer maroden Brücke, Hineinrutschen in eiskaltes Wasser, Flying Fox durch einen kleinen Wasserfall und ein Sprung ins Leere von einer 10 Meter Staumauer. Wem das alles zu beklemmend ist, der kann aber auch einfach vor den Toren der Hölle warten und es sich mit selbstgemachten Spinatknödeln im Gasthaus Adolari gut gehen lassen.

Hut-Fondue, Luxus-Chalet und eine freistehende Badewanne

Nach so viel sportlichem Aktionismus darf man sich durchaus auch einmal zurücklehnen und so richtig verwöhnen lassen. Der perfekte Ort dafür ist das über 500 Jahre alte Refugium des Bergdorfs Priesteregg, wo direkt am Fuße der Leoganger Steinberge kulinarische Highlights gereicht werden. Zu einem der traditionellsten zählt das sogenannte „Hut Essen“, bei dem ein von unten befeuerten Eisenkegel mit frischem Fleisch behangen wird – vorzugsweise vom Angus-Rind. Also eine Mischung aus Fondue und Raclette. Dieser steht wiederrum in einer Brühe, mit der die aufgelegten Schmankerl aus eigener Hauszucht immer wieder übergossen werden. Dazu gibt’s frisches Brot, gedünstetes Gemüse, riesige Ofenkartoffeln und ein paar Anekdoten zur Historie des Familienbetriebs von Renate Oberlader.

Laut ihren Erzählungen war es der Urgroßvater, dem die Erstbesteigung des 2.634 Meter hohen Birnhorns einst gelang, das über den Dächern des kleinen Bergdörfchens thront. Und um das alles noch abzurunden, gibt’s im Anschluss noch eine Führung durch eines der exklusiven Luxus-Chalets, die gar nicht so fancy daher kommen, wie man erst denken mag. Eher gut bürgerlich mit ganz eigenem Charme – mal abgesehen von der riesigen und mitten im Wohnzimmer stehenden Badewanne. Wem es gefällt, ab 250,- Euro pro Nacht und Person zwar kein Schnäppchen, aber dafür gibt’s ein kuscheliges Kleinod für Besserbetuchte.

Drahtseilakt in drei Teilen für kletternde Gämse

Zum Abschluss unserer kleinen Rundtour durch und um die Steinberge geht’s am letzten Tag noch ins ausgewiesene Kletter-Mekka nach Weißbach im Salzburger Saalachtal, wo neben Sportkletterrouten gleich drei Klettersteige zum Drahtseilakt einladen. Zu den beliebtesten „Via Ferrata“ in der Region zählen die Zahme Gams (A/B) für Einsteiger, die anspruchsvollere Weiße Gams (C/D mit E-Passagen) und die wirklich zache Wilde Gams (D/E mit F-Passagen). Das Besondere dabei ist der extrem kurze Zustieg von gerade einmal 10 bis 15 Minuten zum Einstieg und die Möglichkeit, sich als Einsteiger von ganz einfach bis richtig fordernd an nur einem Tag durch die Felswand zu arbeiten. Dank des drahtseilversicherten Aufstiegs kann man ganz ohne Kletterpartner herumkraxeln, sollte allerdings die zum Teil wirklich knackigen Schlüsselstellen durchaus ernstnehmen.

Wer sich lieber erst einmal im Klettersteiggehen ausprobieren mag, der kann sich die entsprechende Ausrüstung auch direkt vor Ort im „Oafoch Guat“ ausleihen. Hier winken als Belohnung nach „getaner Arbeit“ nämlich selbstgemachte, regionale Köstlichkeiten. Und bei einer spritzigen Bio-Limonade lässt sich schnell ein durchweg positives Fazit ziehen: Die Steinberge mitsamt Tiroler Pillerseetal, Salzburger Saalachtal, Leogang Saalfelden und Steinplatte sind definitiv eine Reise wert – vor allem, wenn man sich nicht wie so viele bei bestem Wetter in den Stau am Brenner stellen mag und lieber direkt aktiv werden will.

Auch Katharina von Bergseensucht war in den Steinbergen mit dabei. Ihren ganz persönlichen Reisebericht findet ihr hier: www.bergseensucht.com/klettern-in-den-steinbergen

Einen weiteren Bericht gibt’s von Claudia, die für das SportAktiv-Magazin aus Österreich mit vor Ort war: magazin.sportaktiv.com

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