Eventbericht – Matterhorn Ultraks Trailrun 2017 The magic mountain is calling and we must run


 
03.09.17
 

Trailrunning-Wettbewerbe gibt es mittlerweile wie Sand am Meer. Das Portfolio reicht dabei von kurzen Läufen für Einsteiger mit Distanzen um die 10 Kilometer über Strecken für Fortgeschrittenere bis hin zu den berühmt berüchtigten 110er oder 120er Ultraruns, an die sich nur die eingefleischten Trailrunner wagen. Ebenso unterschiedlich wie die Streckenlänge sind auch das Höhenprofil und das Terrain auf dem die Teilnehmer unterwegs sind. Von technisch anspruchsvollen Trails mit viel verblocktem Gelände und Wurzelwerk bis hin zu eher Forstraßen-lastigen Wanderrouten, die es im Laufschritt zu absolvieren gilt. Ja und dann gibt es im Grunde genommen noch eine weitere Kategorie, um sich im Dschungel der unzähligen Trailwettbewerbe zu orientieren: Die Szenerie, in der gelaufen wird.

Klar, Berge sind ja immer per se schön – zumindest wenn man sie generell mag. Aber Angesicht zu Angesicht mit den mächtigsten und majestätischsten Gipfeln der Erde zu laufen, ist dann doch noch mal eine andere Hausnummer. Und da wären wir auch schon beim Thema – unsere Teilnahme am diesjährigen Matterhorn Ultraks. Kaum ein anderer Berg übt so eine Faszination aus wie der sagenumwobene Hausberg von Zermatt. Das Wahrzeichen der Schweiz zählt nicht nur aufgrund seiner markanten Gestalt zu einem der meistfotografierten Berge der Welt. Mit seinen 4.478 Metern zieht er Bergsteiger und Touristen gleichermaßen in seinen Bann – und hat als einer der schwierigsten Klassiker der Alpen schon so manchen ins Verderben gestürzt. Auch über 150 Jahre nach der Erstbesteigung ist der Mythos Matterhorn ungebrochen und so mussten wir trotz prall gefülltem Termin- und Laufkalender nicht lange überlegen, als uns die Einladung der US-amerikanischen Outdoormarke Scott erreichte. Klare Sache, dem Ruf des magischen Berges mussten wir einfach folgen – auch wenn Zermatt von München aus alles andere als ein Katzensprung ist.

Neuer Teilnehmerrekord – das Trailfieber greift um sich

Bereits zum fünften Mal lockt der Ultraks Matterhorn unzählige Trailrunner aus aller Welt ins beschauliche Bergsteigerdorf Zermatt. Rund 2200 Teilnehmer sind auf den insgesamt vier Distanzen gemeldet, von denen die meisten in der 30K Mitteldistanz an den Start gehen. Eine neue Bestmarke für die Veranstalter und das trotz der durchaus hochkarätigen Konkurrenz an Laufveranstaltungen wie zum Beispiel der legendäre Karwendelmarsch in Tirol, die allesamt am letzten Augustwochenende ausgetragen werden. Aber wenn der Kuchen groß genug ist, kriegt eben jeder ein Stückchen davon ab und das ist beim derzeitigen Trailrunning-Boom definitiv der Fall. So mischen sich beim Matterhorn Ultraks auch einige hochkarätige Namen unter den großen Pulk an Hobbyläufern. So waren in diesem Jahr die Lokalmatadoren Martin Anthamatten und Victoria Kreuzer genauso dabei wie auch die internationalen Läufer Ragna Debats und Marco de Gasperi, die beide auf der 46K Distanz an den Start gingen.

Matterhorn Ultraks – vier Strecken führen ins Trailrunning-Glück

Auf insgesamt vier verschiedenen Strecken können Profiathleten wie auch Hobbyläufer gemeinsam an den Start gehen – 16K, 30K, 46K und dem Vertikal Zermatt Sunnegga (VZS). Die Streckenbezeichnungen sind allerdings etwas irreführend, denn jede Distanz hält aufgrund einer nötig gewordenen Anpassung des Routenverlaufs mehr Kilometer bereit als der Name vermuten lässt. On top gibt es natürlich noch eine ordentliche Anzahl an Höhenmeter. Der VZS hoch zur Sunnegga läutet als Bergsprint mit 2,3 km und 655 Höhenmetern das Event ein. Die 16K Runde wartet nunmehr mit 19,5 km und 1150 Höhenmeter auf Einsteiger und Profiathleten, während es bei den 30K mit knappen 33 km und satten 2000 Höhenmeter ans Eingemachte geht. Last but not least steht die Königsdisziplin 46K mit 49 Kilometern und 3600 Höhenmetern auf dem Programm, bei der unter anderem der berühmte Gornergrat auf 3100 Metern passiert werden muss. Der Startschuss wiederum fällt für alle Läufer gleichermaßen auf dem Ultraks Plaza mitten im Zentrum von Zermatt. Hier enden auch die 16K, 30K und 46K Strecken mit klassischem Zieleinlauf, umgeben von Bühne mit Videoleinwand und natürlich den obligatorischen Ständen der Sponsoren.

30K oder doch 46K? Wir stapeln klein – und das ist gut so!

Nachdem wir anfänglich ebenfalls mit der 46K Distanz geliebäugelt hatten, entschieden wir uns nach einem Blick auf Höhenmeter und Streckenprofil dann doch für die 30K Variante. Eine gute Entscheidung wie sich am Renntag herausstellen sollte, denn auch die Mitteldistanz hatte es mit ihren 2000 positiven sowie 2000 negativen Höhenmetern und der anspruchsvollen Streckenführung durchaus in sich: Zwei große und ein etwas kleinerer Anstieg standen auf dem Programm. Vor allem die letzte große Hürde bei Kilometer 18 mit rund 700 Höhenmetern verlangte den bereits etwas müden Knochen noch einmal einiges ab. Auch für das letzte Stück der Strecke hatten sich die Organisatoren und Streckenplaner eine kleine, aber feine Gemeinheit einfallen lassen. Während man im Tal bereits den Zieleinlauf erkennen konnte und Musik, Applaus und Anfeuerungsrufe gen Berg getragen wurden, ging es nochmals zwei Kilometer und in schönen Wellen auf und ab bis schließlich der letzte Downhill in den Ortskern von Zermatt führte. Aber immerhin: kein lästiges, langes „Auslaufen“ über Asphalt. Einmal unten angekommen ist es nicht mehr weit bis ins Ziel und die begeisterten Zuschauer beflügeln einen mit ihren aufmunternden Rufen geradezu über die letzten Meter. „Allez allez, come on, venga venga, auf geht’s!“ – ganz Zermatt mitsamt seiner internationalen Touristenschar war auf den Beinen und feuerte fleißig an.

Trailrunning vom Feinsten – mit echten Trails und technischen Passagen

Aber halt. Jetzt sind wir gedanklich bereits im Ziel und haben noch gar kein Wort über die 33 Kilometer davor verloren. Ganz so viel lässt sich dazu aber eigentlich auch gar nicht sagen, außer: phantastisch! Sowohl die Streckenführung als auch das Terrain waren voll und ganz nach unserem Geschmack. Endlich keine nervigen Forstraßen mehr wie beispielsweise beim Achenseelauf oder dem Silvretta Run. Stattdessen Trailrunning allererster Güte mit vielen tollen Waldpassagen, auf überwiegend weichem Untergrund, mit einigen schönen verblockten und steinigen Passagen, die etwas erhöhte Aufmerksamkeit fordern, gepaart mit einer atemberaubenden Kulisse am Fuße des Matterhorns. Schöner geht es eigentlich fast nicht. Einziger Wermutstropfen – neben der etwas dürftigen Verpflegung direkt im Zieleinlauf: Im anspruchsvolleren Terrain bergauf wie bergab waren leider nicht alle Teilnehmer gleichermaßen sicher unterwegs. Dadurch entstanden immer wieder unnötige Staus, auch weil aufgrund der doch recht schmalen Trails an ein Überholen oftmals nicht zu denken war. Selbst schuld, denn wir wollten das Rennen aus Respekt vor dem letzten Anstieg hoch zum Schwarzsee etwas langsamer angehen und hatten uns deshalb im Starterfeld etwas weiter hinten eingruppiert. Aber auch das ist nur halb so wild, wenn man während des Wartens gleichzeitig den Ausblick auf das schweizerische Wahrzeichen genießen darf.

Lokalmatadoren und Favoriten entscheiden Rennen für sich

Natürlich war der Ultraks aber nicht nur ein Spaßevent für Hobbyläufer wie uns, die mit Platzierungen im klassischen Mittelfeld von Dannen ziehen. Es wurden auch wieder einmal sportliche Höchstleistungen erbracht und teilweise neue Streckenrekorde aufgestellt. So konnten Martin Anthamatten und seine Freundin Viktoria Kreuzer beim Vertikal ihre eigenen Bestzeiten vom Vorjahr nochmals unterbieten. Auch Mountain Running Legende Marco de Gasperi meldete sich nach sechs Jahren ohne Sieg bei einem großen Rennen wieder zurück und konnte die 46K Distanz in sensationellen 4:42:31 erfolgreich für sich entscheiden. For the record hier noch die Ergebnisse der vier Distanzen im Überblick:

VZS Men
Platz 1: Martin Anthamatten, Schweiz, 00:20:06
Platz 2: Andréas Steindl, Schweiz, 00:20:23
Platz 3: Emmanuel Lattion, Schweiz, 00:22:32

VZS Women
Platz 1: Victoria Kreuzer, Schweiz, 00:23:45
Platz 2: Maya Chollet, Schweiz, 00:24:39
Platz 3: Line El Kott Helander, Schweden, 00:24:41

16K Men
Platz 1: Caesar Costa, Portugal, 01:37:04
Platz 2: Mohammed Boulama, Schweiz, 01:38:10
Platz 3: Alexandre Jodidio, Schweiz, 01:38:17

16K Women
Platz 1: Victoria Kreuzer, Schweiz, 01:55:22
Platz 2: Sophie Andrey, Schweiz, 02:15:49
Platz 3: Monique Caloz, Schweiz, 02: 17:11

30K Men
Platz 1: Stephan Wenk, Schweiz, 02:47:06
Platz 2: Romain Buissart, Frankreich, 02:50:18
Platz 3: Gavin Mulholland, Irland, 03:04:40

30K Women
Platz 1: Ruth Croft, Neuseeland, 03:15:13
Platz 2: Lina El Kott Helander, Schweden, 03:21:52
Platz 3: Sanna El Kott Helander, Schweden, 03:22:33

46K Men
Platz 1: Marco de Gasperi, Italien, 04:42:31
Platz 2: Eugeni Gil Ocaña, Spanien, 04:45:15
Platz 3: Martin Athamatten, Schweiz, 04:48:59

46K Women
Platz 1: Ragna Debats, Niederlande, 05:52:05
Platz 2: Laia Andreu Trias, Spanien, 05:53:22
Platz 3: Avilés Castañi Sheila, Spanien, 06:00:17

Unser Fazit: Ein Must-have im Laufkalender

Der Matterhorn Ultraks ist definitiv eine Reise wert und wird uns noch lange in positiver Erinnerung bleiben. Auch die „aktive Regeneration“ in malerischer Kulisse kommt nicht zu kurz, denn die Region hält zahlreiche Wanderschmankerl für den Tag danach bereit. Für uns ging es am Sonntag nach dem Rennen noch zur 5-Seen-Tour. Das Matterhorn durften wir bei strahlendem Sonnenschein einmal mehr bewundern und gleichzeitig lieferten uns die zahlreichen chinesischen Touristen eine mehr als nur amüsante Foto-Show. Kein Wunder, dass das Matterhorn der meistfotografierte Berg der Welt ist. Spannend wäre sicherlich zu wissen, bei wie vielen davon ein Tourist mit Selfiestick am Auslöser steht….

Wir bedanken und bei Scott für die Einladung zum Ultraks sowie beim Tourismusverband Zermatt für die Gastfreundschaft und Unterbringung im absolut empfehlenswerten Hotel Arca. Wir kommen definitiv wieder – 2018 dann auf der 46 aka 49K Distanz!

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