Testbericht – Scarpa Spin RS 8 Hart am Limit – der Duft von Trailschuhen auf der Mitteldistanz


 
07.11.19
 

Scarpa zählt unter den Schuhmherstellern zu den weltweit bekanntesten Traditionsschustern im Bergsportsegment. Einen Namen hat sich das 1938 in Italien gegründete Unternehmen vor allem durch seine hochgelobten Outdoor-, Kletter- und Skischuhe gemacht. Erst relativ spät wurden auch Produkte für den Running-Bereich auf den Markt gebracht, als der Trendsport Trailrunning bereits voll im Gange war. So hatten wir bisher noch nicht das Vergnügen, einen Trailschuh der italienischen Schuhspezialisten auf die Trails zu entführen. Das sollte sich mit dem Scarpa Spin RS 8 nun ändern, einem Laufschuh für ultralange Distanzen.

Scarpa Spin RS 8 – für Ultratrails optimierter Trailschuh mit einem gewissen Plus an Dämpfung und Stabilität.

Die besonderen Eigenschaften des neuen Spin RS von Scarpa liegen auf den ersten Blick in der Sprengung von 8 mm, der griffigen Vibram MegaGrip Laufsohle und der Vibram LiteBase-Technologie. Darüber hinaus soll das Gewicht des Gummis für 30% leichtere Sohle sorgen. Hinzu kommt eine ausgeprägte Dämpfung, die vor allem für Ultratrails und lange Distanzen ausgelegt ist. Während eine Zehenkappe für optimalen Schutz sorgt, bietet das mit einem Exoskeleton-TPU-Film verstärkte Obermaterial zusätzliche Stabilität.

Besten Tragekomfort soll das nahtlos gefügte, stark atmungsaktive Obermaterial sicherstellen. Das stretchige Innenfutter passt sich bequem an den Fuß an und soll auch nach vielen Kilometern keine Druckstellen verursachen. Für mehr Halt und Robustheit sorgen darüber hinaus gezielt platzierte Stabilisierungen, die durch leichte, thermogeprägte Film-Verstärkungen erreicht werden. Den nötigen Grip bietet eine griffige Megagrip Vibram® Laufsohle mit mittlerem Profil.

Das af-Testurteil von Veit: Relativ schwerer und hart gedämpfter Laufschuh mit viel Grip, aber furchtbarer Duftnote.

Wer auf der Suche ist nach Laufschuhen fürs Gelände mit einem relativ breiten Leisten, dürfte mit den Scarpa Spin RS 8 eine gute Wahl treffen. So bieten die Trailschuhe vor allem im Vorfußbereich ausreichend Platz auch für Spreiz-Senk-Problemkandidaten wie mich. Beim ersten Hineinschlupfen überrascht die gute und eng anliegende Passform des sockenartig konzipierten Oberschuhs. Die Ferse wird bombenfest eingefasst und die seitlichen Verstärkungen sorgen für beste Stabilität, ohne dabei einzuengen. Die Mesh-Einsätze und das Softshell-Material der Zunge sorgen für eine optimale Regulierung des Fußklimas. Die Schnürung sorgt für eine gute Zugverteilung und kann in der praktischen, aber doch etwas fummelig erreichbaren Tasche verstaut werden.

Einmal angepasst, sitzt der Trailschuh sportlich eng am Fuß und lässt bereits aus dem Stand heraus den Vortrieb der 8 mm Sprengung erahnen. Auf den ersten Laufkilometern überzeugt die griffige Vibram Megagrip Sohle durch ihre gute Traktion und besten Halt. Auch der Oberschuh spricht aufgrund seiner engen Passform gut an. Allerdings wird schnell deutlich, dass die Sohle nicht optimal reagiert. Relativ verwindungssteif und unflexibel müssen die Füße deutlich mehr arbeiten als bei weicheren Modellen. Dadurch leidet die Beweglichkeit im Gelände und der Schuh fühlt sich ein wenig fremd an am Fuß. Auch die versprochene Dämpfung für ultralange Läufe kann ich nicht bestätigen, da die Schläge vom Boden relativ stark übertragen werden. Somit kommt der Spin RS 8 bei mir eher als Laufschuh für kürzere Distanzen oder als Zustiegsschuh für schnelle Hikes zum Einsatz.

Größtes Manko ist jedoch der penetrante Geruch des Synthetik-Materials, der selbst nach langer Trage- und Auslüftungszeit nicht verfliegt. Darin sind sich auch viele weitere Tester durchweg einig. Was die Qualitätssicherung bei Scarpa sich dabei gedacht hat, ist mir in der Tat schleierhaft. So sorgen die Ausdünstungen dafür, dass der gesamte Abstellraum binnen kürzester Zeit wie ein Chemie-Labor schnuppert. Dadurch können die Schuhe auch nicht wie gewohnt im Reisegepäck mitgeführt werden, da sonst die gesamten Klamotten den Geruch der Schuhe annehmen.

Das Gesamtfazit – die Vor und Nachteile im Überblick:

Wer wie ich auf recht breiten Füßen steht, dürfte mit dem Spin RS 8 weitestgehend zufrieden sein. Wären da nicht ein paar Defizite zu bemängeln. Während die Passform wunderbar ausfällt und auch der Grip nicht zu Wünschen übrig lässt, gibt’s ordentlich Abzüge in der B-Note. Sowohl für die viel zu harte Zwischensohle und die recht “gelenksteife Performance” als auch den wirklich penetranten Geruch.

+ sehr gut verarbeitete Qualität
+ atmungsaktives Meshmaterial für optimales Fußklima
+ hervorragender Grip und gute Stabilität
+ Verstaumöglichkeit für Schnürsenkel
+ guter Tragekomfort für normal breite Füße

– relativ schwer für einen Trailschuh
– recht verwindungssteife Sohle
– penetranter Geruch des Obermaterials

Die Details:
Besonderheiten: TPU-Verstärkungen, Zehenkappe
Material:
Obermaterial mit Exoskeleton-TPU-Film Verstärkung, Autofit Collar, Stretch Textile Futter, Vibram® Velox LBT
Sprengung: 8 mm
Außensohle: Vibram Megagrip
Größen: EU 40 – 47
Farben: Blue Bay / Spring Green
Gewicht: 265 g (bei Gr. 42)
Preis: 169,95 Euro (UVP)

*Hinweis der Redaktion zur Kennzeichnungspflicht: Die hier getesteten bzw. vorgestellten Produkte wurden uns vom jeweiligen Hersteller kostenlos zur Verfügung gestellt. Über den Produktwert hinaus flossen keine weiteren Zahlungen oder Gegenleistungen. Das Urteil der Redaktion ist dennoch unabhängig und die spezifischen Marken haben keinerlei Einfluss auf die Inhalte des Testberichts.

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